E21 LiveBlog „500 Jahre Reformation“: Der alte Glaube

#9 Vortrag: Der alte Glaube (Ligon Duncan)

Die Absicht der Kirchenväter bestand darin uns in die Heilige Schrift einzuführen (nach Martin Luther). Wir können und sollen von der Kirchengeschichte viel lernen. Die Reformatoren hielten stets fest, dass die Kirchenväter sich auf ihre Seite stellten. Sie zitierten diese in ihren Disputation laufend. Es hilft uns, unsere Bibeln besser zu studieren. Manchmal stimmen wir zu, manchmal weichen wir von ihnen ab. Dadurch kommen wir zu einer tieferen Wertschätzung der Bibel. Wir akzeptieren jedoch nur die Schrift selbst als unsere letzte Autorität.

„Der alte Glaube“ ist ein Titel von Heinrich Bullinger. Er plädierte darin, dass Adam der erste Protestant gewesen war. Tradition und Kirche waren auf dieselbe Ebene gestellt worden. Manchmal wurden gar Aussagen der Bibel durch Aussagen der Kirchenväter widerlegt (zum Beispiel die Anbetung von Ikonen). Zudem reklamierte die katholische Kirche einen unfehlbaren Ausleger der Bibel, nämlich die Kirche. Darum wurden die Priester nicht ermutigt, selbst die Schrift zu studieren. Die Bibel wurde gar auf die Liste der verbotenen Bücher gesetzt.

Durch die Reformation wurde eindrücklich bewiesen, dass das Lesen der Bibel zu gottesfürchtigerem Leben führt. Die Reformatoren haben die Menschen ermutigt selbst ihre Bibeln zu lesen. Dadurch lernten die Menschen die Lehren der Bibel kennen und stimmten ihr Leben besser darauf ab. Die Reformatoren wurden als Ketzer angeklagt, welche die Kirchengeschichte abgelehnt hätte. Sie übersprängen die Auslegung der Kirche. Die Antwort: Das Beste der Kirchengeschichte stimmt ihrer Auslegung bei gegen die Auslegung der Katholischen Kirche.

Die Kirchenväter werden anhand von Daten, ihres Lebens, ihrer Lehre und der Anerkennung innerhalb der Kirche eingeteilt. Das beginnt im frühen 2. Jahrhundert und geht bis hin zum 8. Jahrhundert (Johannes von Damaskus). Die frühesten Schriften werden in dem Buch „Die Apostolischen Väter“ zusammengefasst.

Irenäus von Lyon schrieb fünf Bücher gegen die Gnostiker (die übrigens behaupteten, dass sie ihr Wissen von Jesus durch den Heiligen Geist getrennt von der Bibel empfingen). Wie können wir den Kanon des Neuen Testaments von den Schriften der Gnostiker unterscheiden? Sie vollzogen das Selbstzeugnis der Schriften nach. Das war kein schwieriger Prozess. Also nicht so, wie Dan Brown und die Katholische Kirche behaupten. Die Christen folgten dem Prinzip, dass die Schrift die Schrift auslegt. Die gnostischen Schriften verleugneten allesamt Genesis 1,1. Irenäus und andere halfen mit, die Autorität der Schrift hochzuhalten. Dafür schätzen die Reformatoren die Kirchenväter.

Die vierfache Berufung der Reformatoren auf die Kirchenväter:

  1. Sie beriefen sich insofern auf sie, als diese sich wiederum auf die Schrift bezogen.
  2. Sie zeigten auf, dass die Kirchenväter sich nie auf die Kirche, sondern stets auf die Schrift bezogen. Beispiel: Selbst Calvin zitiert Cyprian und wies nach, dass er die Schrift über die Kirche stellte.
  3. Sie wiesen auf die Heilslehre der Kirchenväter hin. Sie zeigten auf, dass diese das Heil durch Gnade, Glaube und Christus allein sahen.
  4. Zudem bezogen sie sich in der Lehre der Sakramente auf sie.

Sie taten es nie in der Überzeugung, dass es keine normative Übereinstimmung unter den Kirchenvätern gab. Noch lasen sie die Kirchenväter, als ob diese über christliche Lehre und Praxis bestimmten. Sie lasen sie nicht so, als ob sie unfehlbar gewesen wären – ja wiesen auf Widersprüche hin. „Es gibt Weizen und Spreu in der Lehre der Kirchenväter. Die katholische Kirche hat den Weizen aussortiert.“ (Calvin) Die Reformatoren wiesen darauf hin, dass in den fünf ersten Jahrhunderten keine katholische Kirche existierte. Die unfehlbaren Konzile könnten niemals von den Kirchenvätern hergeleitet werden.

Die Reformatoren zeigten auf, dass die Kirchenväter treue Leser der Heiligen Schrift waren und sich in Kernbereichen auf sie beriefen. Calvin war ein begeisterter Leser der Kirchenväter. Insbesondere las und zitierte er Augustinus, aber auch Johannes Chrysostomos, sogar Bernhard von Clairvaux. Luther liebte besonders Bernhards Christologie. Die Institutio wimmelt von Kirchenväter-Zitaten. Er zeigte auf, dass er das Beste von ihnen übernahm. Besonders oft werden sie in der Sakramentslehre, speziell des Abendmahls, herangezogen. Auch in der Auseinandersetzung mit Luther bezog er sich auf sie. Die Reformatoren schlugen einen Weg ein, um die Kirchenväter auf rechte Weise zu lesen.