Zitat der Woche: Zur Begründung der Menschenwürde

Wenn Nützlichkeit (größtmöglicher Nutzen für die größtmögliche Zahl, oder auch individueller Nutzen) das Gute normiert, ein Letztgedanke der Unantastbarkeit der Menschenwürde aber nicht zulässig sein soll, so können die Idee der Menschheit als eines Guten an und aus sich selbst, der Würde als eines Absolutums und einer letzten Grenze, nicht gedacht werden.

… Wenn Menschenwürde als transzendental apriorisch oder als metaphysisch unabdingbar für menschliches Sein angesehen und verstanden wird – im Sinn von dessen Maß (norma), dann bedeutet dies, dass sie keinesfalls und von niemandem zu- oder abgesprochen werden darf.

Philosophisch ist mithin die anthropologische Unterscheidung zwischen ›Jemand‹, der Benennung für den Menschen als Person, und ›Etwas‹ von einer entscheidenden, empirisch nicht einholbaren Bedeutung.

… (Menschenwürde) ist also Privilegium ohne Verdienst und zugleich Verpflichtung. Ihr widerstreitet alles, was die menschliche Integrität bestreiten oder reduzieren würde.

… Ein Positivismus, der einen Transzendenzbegriff verleugnet, der über das hinausgeht, was in der Welt der Fall ist, kann sehr schnell zu der kurzschlüssigen Implikation kommen, dass Recht auf das jeweils gültige System begrenzt ist.

Harald Seubert. Was ist der Mensch? Patrimonium, 2015.

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