Q & A Serie (2): Was bedeutet züchtigen?

Fragerunde in der EFG Emmendingen mit Waldemar Justus

Paulus fordert die Väter auf, ihre Kinder in der Zucht (griech. paideia) und Ermahnung des Herrn aufzuziehen (Epheser 6,4). In der deutschen Sprache hängt das Wort "züchtigen" übrigens mit "ziehen" zusammen. Es geht darum, das Kind auf einen rechten Weg zu ziehen. Ich nenne zwei unterbelichtete Aspekte dieser paideia, das man auch mit "Unterweisung" übersetzen kann.

1. Formelle Unterweisung

Es gibt wichtige Themen, die regelmässig "auf den Tisch" kommen sollten. Auf der Hitliste ganz vorne steht das Thema der Sozialen Medien. Es gibt eine wachsende Anzahl an Büchern, Artikeln und Predigten dazu. Die Medien verändern unsere täglichen Gewohnheiten grundlegend. Als Vater stehe ich in der Pflicht, mich selbst gründlich zu informieren und das Gespräch darüber warm zu halten. Was sind die Gedanken der Kinder? Was sind ihre Gefühle? Was haben sie an anderen und sich beobachtet? Welche Fakten sind wichtig? Zu welchen Vereinbarungen führen sie? Durch das Besprechen und das Treffen von Vereinbarungen prägen und formen wir die Gedanken der Kinder. Wir überlassen sie in dieser wichtigen Thematik nicht einfach sich selbst.

2. Informelle Unterweisung

Der Sprüchdichter fordert auf, am Feld eines Faulen stillzustehen und die aus dem Anschauungsunterricht hervorgehenden Folgen zu bedenken. Das heisst, als Vater bin ich aufgefordert, die zahlreichen Lernanlässe des gemeinsamen Lebens als Familie aufzugreifen. Wir setzen uns beispielsweise mit dem Thema Sucht auseinander, wenn wir ihm begegnen: Wie fängt es an? Weshalb steigert sich der Konsum? Was sind die Folgen der Sucht für sich selbst, andere? Wir bedenken die Folgen von fehl geleitetem Verlangen, den Kreislauf der Betäubung, aber ebenso den Ausweg des Evangeliums und den Genuss der wahren Freude!

In dieser Beziehung lerne ich viel aus dem Umgang Gottes mit seinem alttestamentlichen Volk. Im Vordergrund steht das Begleiten, das Ausrüsten mit guten Geboten, die Erinnerung, das Ermahnen, Warnen. Gott schickte frühzeitig seine Propheten. Er schickte sich seinem Volk nach. Paulus vergleicht sich mit einem Vater und betont eben dieses mühende Sorgen bis hin zum Beknien und Beschwören (1Thess 2,11-12).

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