Q & A Serie (4): Und wenn beide nie richtig miteinander sprechen gelernt haben?

Fragerunde mit Waldemar Justus in der EFG Emmendingen

(Es geht um ein Ehepaar in einem ernsthaften Konflikt, der sich durch mangelnde Kommunikation verschärft.)

Eine solche Frage kann nur in der persönlichen Betroffenheit zwischen zwei Menschen richtig besprochen werden. Jeder Konflikt hat sich an drei unterschiedlichen Perspektiven zu orientieren: Den guten Geboten Gottes, angemessenen Schritten in der jeweiligen Situation (die Bibel spricht hier von „Weisheit“ und stellt diese in den lebenswichtigen Zusammenhang der „Furcht Gottes“) sowie der jeweiligen persönlichen Lebensgeschichten.

Um diese Einmaligkeit wissend, einige Gedanken:

  1. Mann und Frau sind unterschiedlich geschaffen; dazu kommt, dass noch einmal jeder Mensch mit unterschiedlichen Voraussetzungen geschaffen wurde. So gibt es schweigsame und nach aussen gerichtete Personen, denen das Reden leicht fällt. (Manchmal scheint es mir fast, dass sich solche Gegensätze noch anziehen würden.)
  2. Vielleicht braucht es für manche einen Zwischenschritt, nämlich das Gebet: "Herr, ich möchte mich gar nicht verändern. Ich sehe aber, dass die Schäden sichtbar werden. Schenke mir Betroffenheit über meine eigene Hartherzigkeit."
  3. Es gehört zu den schwierigsten Dingen auf dieser Erde, nicht nur im Kopf anzuerkennen, dass wir Sünder sind, sondern dass der Feind Gottes in diesem konkreten Lebenszusammenhang einen Anknüpfungspunkt in mir gefunden und die Sünde ein zerstörerisches Werk angerichtet hat und dass ich – Hand aufs Herz – Verantwortung trage.
  4. Noch schwieriger ist es, dies einander zu bekennen. Ich rate daher, dies vor anderen gütigen Zeugen – oh, wie mangelt es uns in dieser Hinsicht an geistlichen Vätern und Müttern – einander zu bekennen. Das heisst, wir sprechen aus, worin wir gefehlt haben. Wir bitten Gott um seinen Beistand. Wir bitten Ihn, dass er unsere Scham über die Sünde bedeckt, anstatt dass wir mit Zorn, Verachtung oder Selbstrechtfertigung darauf reagieren.
  5. Dieses Gebet wird nicht einmalig bleiben, wir werden es über die nächsten Stunden, Tage, Monate und Jahre ständig benötigen. Aus der Kraft des Heiligen Geistes dürfen wir mutig Schritt für Schritt vorangehen.
  6. Gott hat uns als Menschen geschaffen, die zu 99,x % aus Gewohnheiten bestehen. Diese Gewohnheiten zu ändern, braucht viel Kraft und Hartnäckigkeit. Wenn ich es nicht gewohnt bin, meiner Frau auch nur in einem Satz zu sagen, wie es mir geht oder wenn mich etwas freut, dann wird es viele kleine Schritte brauchen. Wer sich 200-mal (um ein Beispiel zu  machen) überwunden hat zu sagen: „Das freut mich.“, der wird dafür Monate benötigen.
  7. Ermutigt einander auf dem Weg der kleinen Schritte.  Am besten habt ihr Glaubensgeschwister, die den mühevollen Weg mit euch gehen, euch erinnern, für euch beten.
  8. Zum Ansporn: Denkt daran, dass unsere Kinder Mass an uns nehmen. Wenn wir diese Gewohnheiten in der Kraft des Heiligen Geistes zu ändern beginnen, wird das Folgen bei der nächsten Generation hinterlassen. Ich sage meinen Söhnen immer wieder: „Ein richtiger Mann kann sprechen.“

Zuletzt: Es wird Dinge geben, die auf dieser Erde nicht mehr ganz heil werden. Es gibt Folgen und Spätschäden von Sünde, mit denen wir leben müssen – mit Gottes Hilfe. Gleichzeitig steigert dies die Hoffnung auf das künftige Leben! Unsere Erwartung wird realer, kräftiger. Unsere Sehnsucht wächst – und gibt uns Mut, hier und jetzt erste Schritte zu tun.

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