Hanniel hirnt (44): Das Menschenbild des Beraters und des Ratsuchenden

Die fünfte These betrifft das Menschenbild, das in einer Beratung zum Tragen kommt. Darüber könnte schnell ein Buch gefüllt werden. Ich erwähne im Podcast einige Aspekte.

Berater und Ratsuchende denken und handeln mit einem dahinterliegenden Menschenbild. Manchmal wird den Christen vorgeworfen, sie zeichneten ein zu schwarz-weisses Bild; ein anderer Einwand betrifft die Freudlosigkeit. Um was geht es?

  • Das Kernargument betrifft unsere Sündhaftigkeit: Wir verderben die guten Gaben Gottes.
  • Die Verfehlung betrifft unsere ganze Existenz: Gedanken, Worte und Taten; in unseren Gedanken die Kognition, den Willen und die Gefühle.
  • Das bedeutet nicht, dass Gott auch Nichchristen nicht mit vorzüglichen Gaben ausgestattet hätte – im Gegenteil.
  • Die Gaben des Menschen sind gleichzeitig seine Aufgabe. Menschen, die nichts von Christus wissen möchten, erzielen oftmals erstaunliche Ergebnisse.
  • Die Grundlage für das Heil ist jedoch nicht die äussere (bürgerliche) Gerechtigkeit oder Tugend. Wenn es das wahre Glück und das ewige Leben betrifft, ist jeder Mensch unfähig, Gott zu gefallen.
  • Unsere Strebungen, unsere Ziele und unser Standard entsprechen von uns aus nicht Gottes Anspruch. Weder Begabung noch Leistung sind aus Gottes Sicht ausschlaggebend.

In der säkularen Beratung muss hier eine Umdeutung erfolgen. Die Sünde wird anders verortet:

  • Die Betonung liegt auf dem Tun, nicht auf dem sündigen Sein. Es geht um eine Neigung zu Fehlern.
  • Das Verhalten wird erstens entschuldigt durch die Umgebung (Erziehung, Gewohnheiten, Persönlichkeit, körperliche Voraussetzungen). Das sind Faktoren, die sehr wohl mitspielen.
  • Weiter werden andere Menschen zu Schuldigen. Wir zeigen gerne auf andere. Das was uns andere zufügen, ist noch keine Bestimmung für unsere eigene Reaktion.
  • Drittens wird die Sünde gerne an Institutionen wie den Staat oder den Arbeitgeber delegiert. Das haben wir z. B. bei Kreditkrise gesehen, als bankrotte Hauseigentümer ihre Wohnung verliessen.

Das grundsätzliche Problem liegt nie ausserhalb. Wir antworten auf das, was uns widerfährt. Das Böse beginnt in unserem Herzen, kommt also aus uns heraus.

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