Wie Gott uns reformierte (Gastbeiträge von Flowing Waters – 4/6)

Ich habe dich bei deinem Namen gerufen – du bist mein!

Über meinen persönlichen Hintergrund brauche ich nichts weiter sagen, da er in den letzten Beiträgen ausreichend beleuchtet wurde und auch fast exakt dem meinen entspricht. Damit der Leser aber besser versteht, was meine theologische Not war, möchte ich doch einige Dinge nennen, die in meinem jugendlichen theologischen Verständnis fest verankert waren.

Zunächst war ich der festen Überzeugung, dass Gott vollkommen souverän ist, er jedoch "aus Liebe zu uns" seine Souveränität einschränkte, damit sich unser freier Wille entfalten kann. Ich hatte mich mit vierzehn Jahren (wie ich dachte aus freier Willensentscheidung) für "Christus entschieden". Darum dachte ich auch, dass diese Entscheidung auch die Grundlage meines Heils ist. Mir wurde beigebracht, dass ich, genauso wie ich mich für Christus entschieden habe, mich auch wieder gegen ihn entscheiden könnte. Auch die ständige Gegenwart von Sünde in meinem Leben könnte mich aus meinem geretteten Zustand zum Abfall vom Glauben bringen. Da ich viel mit Sünde zu kämpfen hatte (und nicht verstand, dass dies für einen Gläubigen gemäß Römer 7 völlig normal ist), glaubte ich, immer nur einen kleinen Schritt von Abfall und damit von der ewigen Verdammnis entfernt zu sein.

Auch wurde ich gelehrt, dass es nach einem solchen Abfall nicht mehr möglich sei, zu Christus zurückzukehren und mir somit nur die schreckliche Erwartung des Gerichts Gottes blieb, sollte ich mich durch Sünde oder Willensentscheid wieder von Christus abwenden.

Da Gott mir aber ständig wachsende Sündenerkenntnis gab, wuchsen meinem Heilsverständnis entsprechend auch meine Seelenqualen ins beinah Unermessliche. Zu dieser Zeit war ich ca. sechzehn Jahre alt. In einem recht hitzigen Gespräch mit meinem lieben Bruder in Christus und Mitautor auf Flowing Waters Richard Henrich, verteidigte ich damals „bis aufs Messer“ das Konzept des freien Willens. Ich glaubte, meine Willensentscheidung sei die Grundlage meiner Rettung und mache den Unterschied zwischen mir und meinen unerretteten Mitmenschen aus. Meine Seelenqualen verschwieg ich zu diesem Zeitpunkt, wurde jedoch das erste Mal ausführlich mit den Lehren der Gnade konfrontiert. Ungefähr ein Jahr lang hatte ich keinen theologischen Kontakt mehr zu Richard, las jedoch viel in der Bibel und in Büchern, weil ich nicht wahrhaben wollte, dass es sich mit meiner Errettung anders verhielt als ich bisher dachte. (An dieser Stelle seien die Bücher "Sehnsucht nach Gott" von John Piper und "Lampen ohne Öl" von John MacArthur empfohlen, die mich damals sehr prägten.)

Schließlich gelangte ich zu der Überzeugung: Auf Grund der maßlosen Verdorbenheit meiner Natur, die mir im alltäglichen Leben schwer zu schaffen machte, konnte ich mich unmöglich für Gott entschieden haben. Vielmehr hatte er mich allein auf Grund seines Vorsatzes und seiner Liebe in Christus zur Errettung vorherbestimmt und in dieser Zeit mit seinem wirksamen Ruf zu sich geführt, durch seinen Geist wiedergeboren und damit gerettet. Dieses wunderbare und süße Wissen nahm den Druck von mir, aus eigener Kraft am Heil festhalten zu müssen und damit aus eigener Kraft gerettet zu bleiben. Endlich musste ich mich nicht mehr selbst erlösen, nein, vielmehr wusste ich, dass der, der ein gutes Werk in mir begonnen hatte, es auch vollenden wird bis auf den Tag Christi (nach Phil 1,6) und dass Christus, wie einst auch zu Israel, zu mir spricht:

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. (Jesaja 43,1b; Hervorhebung durch den Verfasser)

Wenn Christus unwandelbar ist und mir diese Zusage gibt, so weiß ich, dass er seine Vergebung und damit sein Heil niemals zurücknehmen wird. Ich bin sein auf ewig und nichts und niemand kann mich aus seiner Hand reißen. Ihm sei alle Ehre und Anbetung dafür.

Joel Krampulz


 

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