Wie Gott uns reformierte (Gastbeiträge von Flowing Waters – 5/6)

Es ist hart für dich, gegen den Stachel auszuschlagen!

Im Gegensatz zu meinen Freunden von Flowing Waters war ich theologisch nie derart geformt, dass ich von einer „persönliche theologische Reformation“ sprechen könnte. Dies ist schlichtweg dem geschuldet, dass ich recht spät, im 21. Lebensjahr, von Gottes Gnade ergriffen und souverän errettet wurde, nachdem ich mir zuvor lediglich theologisches Wissen angeignet hatte.

Sehr wohl genoss ich das selbige Gemeindeumfeld, doch die tiefe Verdorbenheit meiner fleischlichen Natur blieb stets eine ungezähmte Bestie, trotz aller Bekehrungsaufrufe und Tiefschläge in meinem Leben. Auch durch mehrere, teils schwere und selbst verschuldete Autounfälle änderte sich hierbei nichts. Mir wurde gesagt, dass „Gott zwei oder dreimal klar zu mir spricht“ und wenn ich nicht reagiere, dann wäre es zu spät. Durch diese Aussagen packte mich schon immer wieder mal die Angst vor der Hölle. Auch das stetige Drängen von Eltern, Verwandten und Großeltern „ich solle mich doch bekehren“ bewirkte nichts. Nun müsste es doch bestimmt zu spät gewesen sein, oder?

Ich war bereits 20 Jahre alt, führte theologische Schlachten über die Sicherheit des Heils, hielt sogar Jugendstunden und erntete massig positives Feedback – doch die innere Leere war stets gegenwärtig. Ich konnte mich noch so viel mit der Bibel befassen oder beten, ich wusste, dass ich kein Gotteskind bin.

Primär denke ich an zwei elementare Erlebnisse zurück, welche mir den Durchbruch zum Glauben verwehrten.

Zum einen waren es Predigten von führenden Brüdern, welche die „Irrlehre“ der Unverlierbarkeit des Heils anprangerten und dies als „schlimme Verführung aus Amerika“ abtaten.

Mir leuchtete nicht ein, wieso ich denn Gott bräuchte, wenn mein Heil weiterhin von mir abhängig ist und ich es sowieso wieder verlieren kann. Einen solchen Gott wollte ich nie, da er mir schlichtweg sinnlos erschien.

Zum anderen erlebte ich eine herbe Enttäuschung in der Jugend, als ich im Jahr 2004 für den Einkauf von Zigaretten auf einer Sommerfreizeit in Rumänien bestraft wurde, indem ich von der nachfolgenden Winterfreizeit ausgeschlossen wurde. Ich fühlte mich ungerecht behandelt, da ich juristisch nichts Verwerfliches tat und nicht gegen Vorschriften verstieß, während andere Jugendliche fest aufgestellte Regeln missachteten und keinerlei Konsequenzen folgten. Dies verhärtete mich bitterböse und ich lehnte die geistlichen Vorbilder der Gemeinde und der Jugendleitung nun kategorisch ab. Ich wehrte mich förmlich gegen einen solchen Gott, dem eine Theologie angedichtet wurde, die mir nicht einleuchtete und gegen Diener mit einem mir befremdlichen Gerechtigkeitssinn.

Wohlgemerkt, ich gebe niemand die Schuld für meine Herzenshärte, denn die Rettung ist alleinig Gottes Werk. Jedoch erkenne ich rückwirkend Gottes wunderbare Handschrift und Seine Führung in meinem Leben!

Im Jahr 2006 nahm ich erneut an einer Sommerfreizeit teil, diesmal in Norwegen. Ich entschloss mich mit meinem bereits verstorbenen Cousin die Freizeit zu ruinieren, es den Leitern schwer zu machen, sie büßen zu lassen für die ungerechte Behandlung. Beispielsweise hissten wir bei der Überfahrt mit dem Schiff in den Hafen Oslos die deutsche Flagge, was in Anbetracht des Palastes eine pure Provokation darstellte, worauf hin unsere Flagge von der Besatzung ins Wasser geworfen wurde. Auch rauchten und tranken wir – entgegen den Verhaltensregeln! – auf der Freizeit im Zimmer, stets in der Bemühung entgegen den Vorschriften Leitung zu handeln.

Nie im Leben dachte ich auf dieser Freizeit an eine Änderung meines Lebensstils – doch es kam total anders! An einem Zeugnisabend berichtete ein Freund davon, wie sein ungläubiger Onkel bei einem Autounfall ums Leben kam. Ich erkannte mich darin! Genau so hätte es mir schon etliche Male ergehen können, als ich auf wunderbare Weise in keinem der schweren Unfälle größere Blessuren davon trug. Es durchbohrte mich! Ich war wie versteinert an diesem Zeugnisabed! Ich zitterte und fror, es schüttelte mich innerlich – ich war mit mir am Ende! Ich merkte, dass Gott nun an mir wirkt, es war genug, gegen Ihn zu rebellieren und zu widerstreben. Völlig am Boden, weinend und kapitulierend erlebte ich, wie Gott mich aktiv wiedergebar und ich in Buße und Dankbarkeit mich ihm auslieferte. Sein Wirken war unwiderstehlich! Diese „irresistible Grace“ durchbrach nun meinen versklavten, unfreien Willen vollkommen – und ich wurde errettet!

Rückblickend kann ich mich allzu gut mit der Aussage in Gottes Wort identifizieren:

Als wir aber alle zur Erde niedergefallen waren, hörte ich eine Stimme in hebräischer Mundart zu mir sagen: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Es ist hart für dich, gegen den Stachel auszuschlagen! (Apg 26,14)

Es war mir hart, auszuschlagen; ich wehrte mich, ich gab Menschen die Schuld für meine geistliche Taubheit – doch schlussendlich war mein Mühen vergebens!

Ich war nun völlig empfänglich und durch Gottes Geist vorbereitet, Sein Wort in aller Klarheit zu vernehmen. Die MacArthur Studienbibel war mir hierbei sehr große Hilfe, soteriologische Zusammenhänge zu begreifen, die Sinn ergaben und Gott allein die Ehre gaben. Ich verstand meine absolute Verdorbenheit, dieses Hindernis der Widerspenstigkeit um nach Gott zu fragen. Auch erkannte ich, dass ich weder aus meinem Willen noch aus menschlichen Taten wiedergeboren wurde. Überdies wurde mir klar, dass meine Erlösung in Gottes Plan lag und dieser Plan bis zum Ende hin sicher durchgezogen wird – weil Gott der Architekt dieses Plans ist und für die Durchführung sorgen wird! 

Durch die Bibelschule am EBTC und die Hirtenkonferenzen wurde diese Erkenntnis zunehmend verstärkt und deckte sich völlig mit dem, was ich durch das reine Lesen des Wortes Gottes bereits entnehmen konnte. Ich kam auch mit den Lehren der Gnade in Berührung, die mir schlussendlich gar nicht neu schienen, jedoch in ihrer kompakten Form die Freude am Evangelium neu entflammten.

Voller Dankbarkeit darf ich auf den Gebrauch der MacArthur Studienbibel und den Besuch der Bibelschule zurück blicken, welche mir eine saubere Lehre vermittelte und mir erstmalig ein theologisches Profil gaben, welches ich in voller Freudigkeit nun verkündigen darf!

Richard Henrich

 

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