Wie Gott uns reformierte (Gastbeiträge von Flowing Waters – 6/6)

Von der Illusion des freien Willens eines Sünders

Da ich in der gleichen Gemeinde, wie auch die anderen von uns, aufwachsen durfte, glich auch mein Gottesbild den zuvor beschriebenen: Da Gott Liebe ist, schuf er als Reaktion auf den Sündenfall des Menschen einen Ausweg, indem Jesus Christus auf diese Erde kam, um für alle Sünden aller Menschen zu sterben und somit jedem Menschen die Erlösung anzubieten. Der Mensch muss nur noch zugreifen und das Geschenk der Errettung annehmen. Da es aber ein Geschenk Gottes ist, liegt es nun an jedem Menschen, dieses Geschenk auch anzunehmen oder eben abzulehnen. Dass Gott uns unseres „freien Willens“ berauben und einige Menschen vor Grundlegung der Welt auserwählt und zur Sohnschaft für sich selbst vorherbestimmt haben könnte, passte nicht in mein Gottesbild und wurde folglich auch gekonnt ignoriert. Allgemein wurden Begriffe wie „von Gott vorherbestimmt“ oder „auserwählt“, im Bezug auf die Errettung des Menschen, beim Lesen der Bibel einfach übergangen und nicht wahrgenommen.

Da mir versichert wurde, dass es sich bei diesem Thema um kein grundlegend wichtiges Thema handeln und nur Streit und unnötige Auseinandersetzungen zur Folge habe würde, machte ich mir auch keine weiteren Gedanken darüber. Ich war mir über Gottes und über meine Rolle in der Errettung im Klaren, sozusagen nach dem Motto: Gott ist neunundneunzig Schritte auf mich zugegangen und dann habe ich den letzten Schritt, der noch gefehlt hat, getan.

Doch dieses falsche Gottesbild bekam die ersten Risse, als ich, damals noch glühender Verfechter meines „freien Willens“, mit einem Freund über dieses Thema diskutierte. Da sich dieser Freund durch meine Argumenten nicht überzeugen lassen wollte und ich mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgiebig mit diesem Thema auseinandergesetzt hatte, beschloss ich, der Sache nun auf den Grund zu gehen. Und weil ich nicht irgendwelche Meinungen von Menschen übernehmen wollte, indem ich ihre Bücher oder Kommentare zu diesem Thema lese, fing ich an, das neue Testament durchzugehen, um eine Liste mit den, zu diesem Thema relevanten, Bibelstellen zu erstellen, um das „verkehrte“ Gottesbild meines Freundes zu korrigieren.

Doch je mehr Bibelstellen ich sammelte, desto größer wurden meine Zweifel, denn entgegen meiner Erwartungen fand ich viele Bibelstellen, in denen die Worte vorherbestimmt oder auserwählt in Bezug auf die Errettung von Menschen gebraucht wurden, jedoch keine, die von einem „freien Willen“ sprach. Das war der Beginn meiner Reformation, die seit damals stetig fortschritt.

Es brauchte aber noch eine gewisse Zeit, bis Gott mein stolzes Herz zu der Erkenntnis brachte, dass Gott auch nicht die Korridore der Zeit hinunter schaute, um seine Wahl an meiner Entscheidung für ihn rückwirkend festzumachen, was mein nächster Gedankengang war, sondern dass ich es alleine seinem Entschluss und seinem Willen zu verdanken habe, dass er mich auferweckt hat, der ich tot in meinen Sünden war. Vielleicht dauerte es bei mir deshalb etwas länger, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass der Sünder total verdorben ist und sich somit weder für das Gute entscheiden, noch etwas tun kann was Gott gefallen könnte. Man bedenke, dass ich in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen und dadurch vor den „schlimmen Sünden“ bewahrt worden bin. Ich hatte also eigentlich ein recht gutes Bild von mir. Doch die Gespräche mit meinen Freunden und vor allem das Hören der Predigtreihe über den Römerbrief von Dr. Wolfgang Nestvogel half mir dabei, dieses mehr und mehr zu verstehen und zu begreifen. Nun kann ich Gott von ganzem Herzen danken, dass er mich zur Sohnschaft durch Jesus Christus vorherbestimmt und mir, der ich tot in meinen Sünden war und nur den Willen meines Fleisches und meiner Gedanken tat, neues Leben geschenkt hat.

Ich stehe noch am Fuße des Berges der Erkenntnis dieser herrlichen Gnade, doch ist es mein Gebet, dass Gott mir mehr und mehr offenbart, was die Lehren der Gnade alles beinhalten, damit ich ihn so erkennen kann, wie er wirklich ist und ihn für seine herrliche Gnade, Souveränität und Allmacht in meiner Erlösung preisen und anbeten kann.

Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus! Er hat uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt in Christus, wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe, und uns vorherbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade, mit der er uns begnadigt hat in dem Geliebten. (Epheser 1,3-6)

Simon Feder

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