Kolumne: Wir haben nichts mehr, wofür wir kämpfen können!

Ich sprach kürzlich mit einer Mutter erwachsener Kinder. Sie gab mir eine bedenkenswerte Aussage ihrer damals heranwachsenden Tochter weiter: „Wir haben nichts mehr, wofür wir kämpfen können.“ Dieses Wort lässt mich nicht mehr los. Wie wahr es ist: Die Wäsche ist gemacht, das Geld für die neuen Klamotten in der Tasche. Auch das Taschengeld für Mittagessen fliesst regelmässig. Das neue Smartphone hat sie vom Patenonkel gekriegt.

Und doch ist das Leben beschwerlich. Weshalb? Weil es so sinnlos ist. Über 30 Stunden verbringt frau bzw. mann in der Schule und versucht dem Lernen zu widerstehen. Die Stunden müssen dringend abwechslungsreicher gestaltet werden – mit "Blödeln". Sprich: Kichern, lachen, fiese Sprüche, Leute anpöbeln, auch mal randalieren. Gehört zum Alter, sagt die Gesellschaft. Für das Heben der Grundstimmung in der täglichen Einöde gibt es nur wenige Mittel. Die Grundauslastung besorgt das Zocken. Für etwas Abwechslung sorgen Ausgang und Partys. Der Alkohol betäubt und mildert das Wochenende ab. Klingt depro? Ist es, subjektiv gesehen, gar nicht. Es ist das normalste der Welt. Die anderen machen es auch so.

Mein Jüngster sitzt in der Strassenbahn und hört sich mit offenem Mund eine Unterhaltung von Studenten an. Sie witzeln darüber, wie sie das Lernen verhindern können, in welcher Stadt die beste Party steigt und wie sie sich das nächste Mal betrinken. Mein Zweiter wird von einem Kollegen gefragt, was er am Wochenende gemacht habe. Als er hört, wann mein Junior aufgestanden ist und womit er das Wochenende über beschäftigt war, fällt ihm die Kinnlade runter: „Das ist doch kein Leben!“ Das Standardprogramm geht doch anders. Zocken, schlafen, essen, trinken, zocken, schlafen.

Die übelste Form dieser Verweigerung ist die Kombination von Lebenslangeweile und Narzissmus. Mann (oder frau) lässt sich im Hotel Mama bedienen, liefert das absolute Minimum in der Schule – und kommt sich als der/die Grösste dabei vor. Alle anderen werden reihum erniedrigt. Irgendwie haben auch Eltern und Schulen Anteil an diesem fatalen Spiel. Sie klatschten, als es nicht zu klatschen gab; sie erleichterten, was auf keinen Fall abgenommen werden sollte; sie nahmen die Latte runter, wo sie hätte raufgeschraubt werden sollen.

Zu kulturkritisch? Manchmal könnte ich mir schon die Haare raufen. Unsere Gesellschaft hat das ganze Elend noch in einen festen Status gegossen: Teenager. Sie müssen nichts – ausser sich gehen zu lassen. Wie langweilig! Das Lernen aufs Minimum beschränken, die beste Jahre verstreichen lassen. Und sich für die wenigen Hürden den Druck im letzten Moment aufbauen. Eine Gewohnheit, die so gut ausgebildet ist, dass sie auch noch als Erwachsener als Ritual bleibt.

Halt, mein Lieber. Nun hast du dich selbst zu fragen: Welchen Sinn und welches Ziel verfolgst du? Was lesen sie deinem Leben ab? Ich freue mich auf den heutigen Freitag. Er wird anspruchsvoll. Ich strecke meine buchstäblich leeren Hände zu Jesus aus – und gehe in den ersten geschäftlichen Termin. Mir stehen dabei die Worte von Paulus vor Augen, der am Ende seines Lebens im Gefängnis ausrief: „Ich weiss, wofür ich gekämpft habe.“

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