Kolumne: Unkomfortabel

Unangenehm, ungemütlich, nicht komfortabel. So wird auch dein Leben mit Christus sein, wenn du wirklich Christus nachfolgen willst. Die europäische Gesellschaft erzieht uns von klein auf, dass wir ständiges Wohlgefühl zugute hätten. Wenn wir zocken wollen, zocken wir. Wenn wir schlafen wollen, schlafen wir. Wenn wir uns körperlich austoben wollen, toben wir uns aus (z. B. mit Extremsport). Wenn wir saufen wollen, saufen wir. Wenn wir Schmerzen haben, nehmen wir ein Medikament. Wenn wir einen neuen Partner brauchen, trennen wir uns vom bisherigen. Wenn wir in den Urlaub fliegen wollen, dann sehen wir uns die passenden Instagram-Accounts an und gehen ins Netz, um den Flug zu buchen. Wenn wir neue Kleider wollen, kaufen wir sie – womöglich auf Kreditkartenpump. Es muss sofort sein. Wir sind uns gewöhnt auszuwählen. Wir sind die autonomen Konsumenten. Wir nehmen den Daumen rauf oder runter.

Klar, es gibt auch die andere Seite. Es ist unangenehm, einen echten Zocker in der WG zu haben. Er erfüllt seine Pflichten kaum. Es ist störend, dann Lärm zu haben, wenn wir eigentlich schlafen wollen. Es mag sein, dass wir so lange am Arbeitsplatz sitzen, dass wir keine Kraft mehr zum Down Hill Biking haben. Und wenn Mütter dem erwachsenen Sohn nach der Sauftour die Wohnung putzen und die Flaschen einsammeln, mag das mit unangenehmen Momenten verbunden sein. Nicht jedes Medikament stillt den Schmerz sofort. Und die Nebenwirkungen bleiben nicht aus. Der Urlaub kommt nicht immer sofort. Und die Destination hält längst nicht immer, was sie verspricht. Die Kreditkartenrechnung kommt bestimmt. Es ist unangenehm ständig im Verzug mit den Zahlungen zu sein und Freunden, die Geld leihen, eine neue Lüge aufbinden zu müssen. Die Realität entfaltet jede Menge Druckstellen, die dieser Konsummentalität entgegenstehen.

Es braucht keine prophetische Gabe, um den Millenials anzukündigen: Deine Beziehungsfähigkeit wird mächtig geprüft werden. Du wirst die Folgen der Partnerwechsel spüren. Wer sich betäubt, wird irgendwann in der Wirklichkeit aufwachen. Eher öfters als geplant. Will sich diese Generation dies anhören? Nein, es ist vorbei mit der Auswahl der Wunsch-Kirche, die genau deinen Ansprüchen genügt. Irgendwann wirst du Verantwortung übernehmen für eine nächste Generation (lieber früher als später). Die Arbeitswelt ist gnadenlos. Kaum jemand klatscht. Die häufige Ablenkung mit den sozialen Medien wird ihren Tribut fordern.

Ich stoppe, du kannst dir die Liste selbst vervollständigen. Die christliche Kernbotschaft der Nachfolge ist unangenehm. Das Kreuz ist unangenehm. Die Kirche ist gefüllt mit Menschen, die du dir niemals ausgewählt hättest. Ehe und Elternschaft werden dir jede Menge Opfer abfordern. Die fast grenzenlose Flexibilisierung als Arbeitnehmer wird einen gesundheitlichen und psychischen Preis von dir fordern. Und ja, die Rente ist mitnichten gesichert. Da hilft es gar nichts, dass du finanziell nicht an morgen oder übermorgen denkst.

Das ist für das geistliche Leben eine geniale Ausgangslage: Du hättest die Gelegenheit, dich zu Christus zu flüchten. Mit all deinen Befürchtungen, die zum Teil eintreffen werden. Mit all deinen Träumen, die zu einem guten Teil entzaubert werden. Mit all deinen Beziehungsbrüchen, an deren Folgen du zum Teil lebenslang knabbern wirst. Es ist höchste Zeit zurückzukehren zur Botschaft der ganzen Bibel. Der christliche Glaube passt in die gesamte Wirklichkeit. Christus ist kein Sahnhäubchen auf deinem Konsum-Nachttisch. Er ist deine Hilfe dann, wenn du auf dem Zahnfleisch kriechst.

Angeregt vom Buch „Uncomfortable“ von Brett McCracken. Der begabte Nachwuchsautor ist auch Verfasser von „Hipster Christianity“.

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