Predigt: Zeige mir deine Wege, Herr!

Passendes Buch:

Beim Thema von Gottes Führung sehe ich zwei Gefahren:

  • Auf der einen Seite eine rührselige, auf die eigenen Emotionen zugeschnittene und damit auf sich selbst fixierte "Führungsmystik" (besonders anstrengend für die Nächsten, die mit solchen Personen zusammenleben);
  • andererseits die glatte Zweiteilung des Lebens in einen kleinen frommen und einen säkularen Restteil.

Kevin deYoung hat das ausgezeichnete Buch "Leg einfach los" geschrieben. Er zeigt darin auf, dass unsere frommen Entscheidungsmuster von unserem Konsumverhalten geprägt sind. Wie aber sieht Gottes Führung von Tag zu Tag aus?

In der Predigt über Psalm 25 habe ich in der vorangehenden Liturgie den Text in das Thema der Vorsehung eingebettet. Wunderschön ist es im Heidelberger Katechismus, Frage und Antwort 28 zusammengefasst, was uns die Vorsehung Gottes nützt. Nebenbei bemerkt: Wer Römer 8,28-39 aufmerksam liest, wird bemerken, dass die Vorsehung weit über das Voraussehen der menschlichen Handlungen hinausgeht. Der Heidelberger:

Gott will damit, dass wir
a) i
n aller Widerwärtigkeit geduldig, 
b) in Glückseligkeit dankbar  
c) und auf die Zukunft hin voller Vertrauen 

zu unserem treuen Gott und Vater sind, dass uns nichts von seiner Liebe scheiden wird, weil alle Geschöpfe so in seiner Hand sind, dass sie sich ohne seinen Willen weder regen noch bewegen können. 

Auf dem Hintergrund der souveränen Führung Gottes begreifen wir erst das Verlangen Davids, in Gottes Wegen zu gehen. Der Psalm ist voller Spannungen: Der Zuversicht, verbunden mit Bange, dass Gott ihn nicht beschämen würde. Das Zutrauen in Gottes absolute Bundestreue paart sich mit einem durchdringenden Bewusstsein seiner eigenen Sündhaftigkeit.

Zum Hintergrund des Psalms: David ist in Bedrängnis. Es steht im Feindkontakt bevor, der Ausgang ist offen.

Zur Form des Psalms: Die Anliegen fliessen ineinander über. Das Zentrum (V. 11) bildet das Sündenbekenntnis. Um den Begriff "Weg" werden die Aussagen angeordnet. Formell ist der Psalm ein Akrostichon, das heisst jeder Vers beginnt mit einem der 22 Buchstaben des hebräischen Alfabets.

Die Grundspannung: Das Vertrauen in Gott vs. die innere Not (Sünde) und die äussere Not (Feinde).

Die vier Charakteristika eines weisen Lebens unter der Führung Gottes:

Leite mich in deiner Wahrheit. Wo ist sie zu finden? In seinem Wort. Darum trinke ich täglich aus dieser Quelle. Mit was verbindet sie sich? Mit dem täglichen Harren auf Gott. Säkular: Ich schlage mich durchs Leben, und Gott hilft mir aus, wenn der Motor stottert.

Vergib mir meine Schuld. Das Bewusstsein der eigenen Sündhaftigkeit wächst parallel zum Nachdenken über Seine Barmherzigkeit. Säkular: Ich übergehe und verdränge meine Schuld; auf sie angesprochen, rechtfertige ich mich.

Lass mich dich mehr als alle anderen fürchten. Unsere (auch kleinen) Entscheidungen bringen zum Ausdruck, vor wem wir uns am meisten fürchten. Säkular: Ich drehe meine Fahne im Wind und richte mich nach dem stärksten Beeinflusser.

Rette mich aus meinen Nöten. Das Vertrauen äussert sich nicht in Abwesenheit, sondern im Angesicht der Angst. Säkular: Ich suche Linderung durch Ablenkung, Betäubung und schlechte Verbündete.

Hier geht es zum Mitschnitt.

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