Input: Denkvoraussetzungen des Postmodernismus sind Mainstream geworden

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Vor 35 Jahren lasen die Studenten wie besessen Michel Foucault (1926 – 1984) und Jacques Derrida (1930 – 2014). Vor 15-20 Jahren sprach "man" über den Postmodernismus. Und heute? Heute sind diese Denkvoraussetzungen Mainstream geworden. (Ich füge hinzu: Sie haben sich inzwischen auch in den Kirchen festgesetzt. Sie sind der Nährboden für die Entfremdung zwischen Konservativen und Progressiven innerhalb der Landes- und Freikirchen.)

D. A. Carson schreibt im Editorial der neusten Ausgabe von themelios: "Einige der Schlussfolgerungen des Postmodernismus sind nun ohne grossen Rückfragen als kulturelle Vorgaben übernommen worden. Es gibt kein gefühltes Bedürfnis sie zu rechtfertigen." Diese Annahmen werden übernommen ohne den Denkrahmen verstanden zu haben. Jede theologische Ausbildungsstätte sollte sie ausführlich thematisieren. Ich gehe noch weiter: Jeder Pastor sollte die Bibel im Wissen um diese Annahmen auslegen!

  1. Wie können wir behaupten etwas (absolut) zu wissen? Achtung Falle, die Denkvoraussetzung lautet: "Wir können keine Aussage tätigen, weil wir etwas nicht erschöpfend kennen." Dieser Anspruch ist idealistisch und überzogen. Wir Menschen haben über keinen Gegenstand erschöpfendes, sondern ein unserem Denkhorizont angepasstes Wissen.
  2. Auch wenn wir bei einem Fachgebiet am Anfang den Eindruck haben, dass es unmöglich sei darüber etwas zu lernen, ist unsere Erfahrung über die Monate und Jahre eine andere. Wir eignen uns durch Lernen Kenntnisse, ja eine Vertrautheit an, die wir am Anfang nie für möglich gehalten hätten. Warum sollte diese für das Studium der Bibel nicht gelten?
  3. Der Klassiker: Es gibt so viele unterschiedliche Interpretationen biblischer Texte, dass wir nicht wissen können, welches die richtige sei. Es ist – auch im Blick auf die letzten 2000 Jahre erstaunlich – zu welcher Übereinstimmung wir kommen können vorausgesetzt, dass die Bibel die letztgültige Autorität besitzt.
  4. Vergessen wir zudem nicht: Erkenntnis – gerade über Gott selbst – ist niemals eine neutrale Sache. Gottes Aussage: Der Atheist spricht in seinem Herzen, dass es keinen Gott gibt (Psalm 14,1). Deshalb lehnt er die Bibel als Gottes Offenbarung ab. Es gibt eben keinen Menschen ohne Denkvoraussetzungen.

Weiterführend: Merkmale der postmodernen Erkenntnistheorie

Ich empfehle besonders diese weiteren Editorials von Carson:

Carsons wichtige Werke zur Gegenwartskultur:

  1. The Gagging of God: Christianity Confronts Pluralism
  2. Christ and Culture Revisited
  3. Emerging Church (dt.)
  4. The Intolerance of Tolerance (dt. Die intolerante Toleranz)

Übrigens: D. A. Carson wird auf der E21-Konferenz im Mai sprechen. Schon angemeldet?

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