E21 Konferenz 18: Christus als Mitte der Schrift

Vortrag: D. A. Carson

Christus in unserem Titel ist nicht nur ein Label oder eine Marke. Dieses Wort fasst alles zusammen, was er ist und getan hat: Ewiges Sein, Menschwerdung, Wunder, Tod, Auferstehung, Himmelfahrt, Eintreten als Mittler, der Ausblick seiner Rückkehr.

Teil I: Die Zentralität Christi in vier NT-Texten

1) Röm 3,21-26

Martin Luther nannte diese Verse die Mitte des Römerbriefes und der ganzen Bibel. Vorher kommt in Kapitel 1,18-3,20 die Entfaltung des Zornes Gottes über die Sünde. Er weist nach, warum dieses Urteil auf Heiden und Juden zugleich zutrifft. Man lasse das Alte Testament vor sich vorüberziehen: Von Seiten des Menschen, also abgesehen von den Verheissungen Gottes, gibt es nicht viel Ermutigendes im Alten Testament.

  1. Das ist Paulus‘ Erklärung zum Problem des Alten Testaments und wo er die Lösung dafür sieht. Es geht um eine zusammenhängende Handlung: Wir sind unter Gottes Fluch, weil wir Götzendiener sind. Wir müssen mit Gott versöhnt werden. Unsere Geschichte und unser Wesen haben sich gegen uns verbündet. Was ist die Lösung? Zur festgesetzten Zeit sandte Gott seinen Sohn. Wenn du eine weiche Sicht von Sünde hast, wirst du einen sehr schwachen Blick für das Kreuz haben.
  2. Der Apostel versteht den Platz des versöhnenden Werkes von Christus in der Heilsgeschichte. „Jetzt aber…“ (V. 21) wird Gottes Gerechtigkeit ausserhalb des Gesetzes und des Systems von Opfern in einem neuen Bund offenbart. Jesus hat nichts Nagelneues eingeleitet. Seine Gerechtigkeit wurde durch das Gesetz und die Propheten bezeugt.
  3. Der Glaube wird wiederholt in V. 22, weil die Betonung liegt auf „alle“. Die Gerechtigkeit, die jetzt offenbart wird, ist jetzt durch den Glauben an Jesus Christus gekommen. Und zwar zu allen, die an Jesus Christus glauben. Denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit Gottes. Es gibt dabei keinen Unterschied zwischen Juden und Heiden. Christus und das Evangelium stehen im Zentrum der ganzen Schrift. Denn es packt das Problem an, was für die ganze Schrift zentral ist: Die Sünde.

2) 1Kor 15,3-4

Paulus fasst zusammen: Christus. Das Evangelium ist christologisch. Christus starb. Es ist historisch. Aber auch theologisch: Er stirbt für unsere Sünden. Zudem ist es eschatologisch und lebensverändernd – man lese den Text weiter. Das ist Gottes Aussage darüber, was zentral und am wichtigsten am Evangelium ist!

3) Lk 9,51

Ein überraschendes Stilmittel, um zum Kreuz zu führen. Nach einem Drittel macht sich Jesus schon nach Jerusalem auf. Alles, was jetzt folgt, ist Teil dieses Weges. Es fand unter dem bedrohenden Schatten Jerusalems statt.

4) Offb 4+5

Offb 4 setzt den Rahmen, das nächste Kapitel präsentiert die Handlung. Der Hintergrund ist der Thronsaal Gottes. Es ist kein Gott, dem wir uns locker nahen. Er ist furchteinflössend. Dann kommt eine beidseitig beschriftete Schriftrolle. Alles, was er sagen wollte, sollte in einem einzigen Dokument untergebracht sein: Seinen ganzen Segen für die gesamte Schöpfung. Mit dem Aufbrechen der sieben Siegel wird der Nachlass eröffnet. Jesus ist der Löwe, und er ist das Lamm (nicht halb-halb). Eine andere Art um aufzuzeigen, dass Christus die Mitte der Heilgeschichte ist.

Teil II: AT-Motive mit Flugrichtung zu Christus

  1. Passahfest: Durch die gesamte Geschichte Israels sind die Menschen aufgefordert, sich zu erinnern. Es taucht die Frage auf: Was wird uns das nächste Mal vor dem Gericht retten? Christus, das Passahlamm (1Kor 5,7), wendet den gerechten Zorn ab.
  2. Davidische Monarchie: Gott baut ein Haus für David (2Sam 7)! Es geht um eine Dynastie. 250 Jahre später spricht Jesaja vom Kind, das auf dem Thron seines Vaters sitzen wird (Jes 11). Es gibt einen davidischen König, der mit Gott identifizert wird.
  3. Priesterschaft: Auch sie führt auf zwei Wegen zu Jesus. Einerseits ist Jesus der letztliche Priester der Leviten im himmlischen Heiligtum. Er ist auch ein Priester nach der Ordnung Melchisedeks, welche das Levitentum ersetzt.
  4. Die Ruhe des verheissenen Landes: Jesus bringt die ultimative Ruhe (Hebr 3+4).

Es gibt 20+ solcher Entfaltungen: Opfer, Tempel, Bund, Leben, Messias, Land. Die Pfeilrichtung endet bei Jesus. Wenn du bei der Predigt im AT und diese Themen kreuzt: Nimm dir fünf Minuten Zeit und folge der Flugrichtung des Themas in beide Richtungen: Zurück zum Anfang und vorwärts zu Christus hin.

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