Live-Blog: Die Bibelworte beherrschen unsere Predigten

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„Um der Hoffnung Israels willen trage ich diese Kette.“ (Apg 28,20)

Etliche Minuten zu spät huschte ich in den Kirchgemeindesaal der Bullingerkirche in Zürich. Eine Bullinger-Büste im Treppenhaus. Wohl etwas über 100 zumeist grauhaarige Menschen sitzen an diesem Sonntagnachmittag vor und während dem WM-Spiel Deutschland – Mexiko im Raum und lauschen gespannt den Erzählungen von Pastor Wolfgang Wegert. „Da gibt es Leute, die liegen sonntagmorgens im Bett und schalten zu früh Sport 1 ein. Manchmal genügen fünf Minuten. Und sehen die Fernsehkanzel der Arche.“

„Es kommt gar nicht so sehr darauf an, wie wir sind. Das Wichtigste ist das Wort Gottes. Das biblische Wort hat Kraft.“ Wegert erzählt von einem zwölfjährigen Mädchen: „Du kennst mich nicht, aber ich kenne dich. Deine Show gefällt mir.“ Wegert weiter:

In Deutschland gibt es ein unglaubliches Bibel-Analphabetentum. Auch die Christen lesen ihre Bibel sehr selektiv. Sie suchen sich Verheissungsworte, die kribbeln. Aber sich mit dem gesamten Ratschluss Gottes zu befassen – das ist verloren gegangen. Dadurch werden viele Christen schwach. Es fehlt ihnen an Überwinderkraft.

Wir stehen zur Textlesung auf. Wegert freut sich sichtlich über die letzten Worte der Apostelgeschichte. "Gott benutzte Führungspersönlichkeiten, darunter Paulus, um Gemeinden zu gründen. In Rom kannte man seine Geschichte allerdings nicht. Die Gemeinde in Rom war nicht von ihm gegründet worden. Nach einer beschwerlichen Reise kam Paulus in Rom an." Er hätte sagen können: 'Jetzt mache ich erst mal ein Sabbatjahr.' In unermüdlichem Eiferer ruft er die Synagogenvorsteher zusammen.

Paulus liebte seine jüdischen Landgenossen besonders. Wie es seine Gewohnheit war, wandte er sich zuerst an sie und spricht von der Hoffnung Israels. Auch heute liegt diese Hoffnung nicht in politischen Lösungen oder in der militärischen Stärke, sondern in Jesus Christus. Vom Morgen bis zum Abend, angekettet an einen Soldaten, ging Paulus durch das Alte Testament. Er suchte zu überzeugen, indem er die Bibel auslegte.

Lassen wir die Aussagen der Bibel stehen, anstatt ständig unsere Meinungen über sie zu äussern. Hätte Paulus eine ökumenische Mission gehabt hätte, er hätte seine Zuhörer nicht zu überzeugen versucht.

Wie haben die Juden reagiert? Die einen lassen sich überzeugen, die anderen bleiben ungläubig. Die Zuhörerschaft war gespalten. Paulus setzt noch eins oben drauf, was zur Trennung führte. Er zitiert die Worte Gottes an Jesaja nach dessen Prophetenberufung. Rief er ihnen zu: 'Überlegt es euch nochmals?' Nein! Gottes Worte an Jesaja waren: 'Macht das Herz dieses Volkes unempfänglich.' Das sind wir uns nicht gewohnt. Auch Jesus kam zweimal auf den gleichen Sachverhalt zu sprechen (Mt 13,14f; Joh 12,40). Die Menschen verschlossen ihre Augen, darauf hat Gott sie verschlossen. Der Unglaube ist schon Ausdruck des Gerichtes Gottes (Joh 3,18). Der Geist Gottes muss uns diese Halsstarrigkeit gegenüber Jesus wegnehmen.

Viele Christen meinen, sie seien Christen geworden, weil sie eine gute Entscheidung getroffen hätten. Dabei hat der lebendige Gott hat ein Wunder getan, das Wunder der Wiedergeburt. Hör auf, deinen Verwandten, der Christus noch nicht kennt, mit einem halben Zentner Traktate zu bewerfen und ihn zu bedrängen.

Und was sagte Paulus zum Schluss? Die Juden wandten sich verstockt ab. Doch die Heiden würden hören. Eine Zeit der Gnade ist für die Völker angebrochen.

Danke, Pastor Wegert, dass du zu uns nach Zürich gekommen bist. Ich bete für Orte in der Reformationsstadt, wo man nicht nur die Bullinger-Büste abstaubt, sondern Woche für Woche die Bibel auslegt und die Evangeliumsbotschaft ungeschminkt verkündigt.

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