Buchbesprechung: Wahre Liebe sucht instinktiv nach Dauerhaftigkeit

Passendes Buch:

Acht erhellende Statements zu gesellschaftlichen Missverständnissen rund um die Ehe

(Ich benutzte die englische Ausgabe, die für Kindle Euro 7,50 kostet.)

The most painful, the most wonderful—this is the Biblical understanding of marriage, and there has never been a more important time to lift it up and give it prominence in our culture.

Modern people make the painfulness of marriage even greater than it has to be, because they crush it under the weight of their almost cosmically impossible expectations.

The picture of marriage … is not of two needy people, unsure of their own value and purpose, finding their significance and meaning in one another’s arms. If you add two vacuums to each other, you only get a bigger and stronger vacuum…

Through the gospel, we get both the power and the pattern for the journey of marriage.

Self-centeredness is a havoc-wreaking problem in many marriages, and it is the ever-present enemy of every marriage.

Only God can fill a God-sized hole. Until God has the proper place in my life, I will always be complaining that my spouse is not loving me well enough, not respecting me enough, not supporting me enough.

Real love, the Bible says, instinctively desires permanence.

Since promising is the key to identity, it is the very essence of marital love. Why? Because it is our promises that give us a stable identity, and without a stable identity, it is impossible to have stable relationships.

Autor und Schreibanlass 

Der Autor Timothy Keller (* 1950), New Yorker Gemeindegründer und -pastor seit Jahrzehnten, schrieb mit seiner Ehefrau Kathy – zum Zeitpunkt der Abfassung 37 Jahre verheiratet – ein Buch in der Wüste. Weshalb Wüste? Die Gefilde der Ehe sind seit Jahren versandet und verödet worden. Nicht dass es an Psycho-Literatur zum Thema fehlen würde, im Gegenteil. Jedoch haben Christen wie Säkulare das Geheimnis bzw. den Schlüssel zu dieser Gott-gegebenen Institution aus der Hand gegeben. Es ist höchste Zeit ihn wieder zu entdecken. Keller gelingt es, den Leser ab Beginn des Buches stracks zum Zentrum zu führen: Ohne das Verständnis des Evangeliums, der Kernbotschaft der Bibel, ist die Ehe nicht richtig zu verstehen (auch wenn Menschen, die sie nicht kennen, vom Segen einer monogamen Beziehung der Treue profitieren und nach aussen gar eine «Musterbeziehung» führen können).

Eigentlich sagt der englische Titel schon viel aus: Es geht um die Entdeckung der Bedeutung der Ehe. Im Untertitel wird ergänzt: Du wirst in diesem Buch mit der Komplexität, welche die verbindliche Zusage zu einem Bund, der vor Gott geschlossen wird, mit der Weisheit Gottes für den Bestand und das Florieren derselben verknüpft, konfrontiert. Keller blickt nicht nur auf jahrzehntelange Seelsorgearbeit in der Gemeinde in einer vom Individualismus zerfressenen urbanen Zone zurück, sondern auch auf die eigene Ehe, von der er berichtet, dass sie über Romantik, Verlobung, einen zerbrechlichen Start über die Jahrzehnte zu einer dauerhaften, tiefen geistlichen Freundschaft herangewachsen sei. Zudem widmet er das Buch einer Reihe von befreundeten Paaren, von denen er – mit einem Lächeln auf den Stockzähnen – berichten kann, dass sie in keiner Weise zueinander passten, jedoch durch sonnige und regnerische Zeiten hindurch reiften. 

Die Kraft des Buchinhalts: Die Botschaft der Bibel mit dem Nerv des Zeitgeistes verbinden 

Natürlich interessiert, welchen Weg Keller beschreitet, um solches Lob von Zeitungen einzuheimsen und an einem begehrten Google-Talk berichten zu dürfen. Er schafft es gemäss Laudatio verschiedener Zeitungen, unter Verwendung von zeitgenössischer und klassischer Literatur dem urbanen ewigen Single den Spiegel hinzuhalten. Dabei verzichtet er keineswegs auf die biblischen Fundamente. Ich habe mich beim Lesen der Kapitel spezielle auf Zitate und Bezüge geachtet. Vor allem stützt er seine gesamte Argumentation auf zwei Schlüsselstellen des Alten und Neuen Testaments ab: Dem Basistext in Genesis 2,24, welches das ursprüngliche Schöpfungsmodell der Bibel «in a nutshell» präsentiert sowie auf die Auslegung von Paulus in Epheser 5,22-33. Paulus greift ganz bewusst auf den Text der Genesis zurück (wie übrigens auch Jesus in Matthäus 19 die ursprüngliche Ordnung wie auch die Beeinträchtigung durch den Sündenfall bestätigt). Die Bibel beginnt mit einer Hochzeit (zwischen Adam und Eva) und endet mit der Hochzeit zwischen Christus und seiner Braut, der Gemeinde. Nun aber zu den einzelnen Kapiteln: 

Das Fundament: Geheimnis, Kraft und Charakter der Ehe 

Das erste Kapitel bringt den kulturellen Kontext mit zwei grundlegenden biblischen Argumenten zusammen: Die Ehe ist eine Institution Gottes und reflektiert eine unsichtbare Realität. Dem steht die gesellschaftliche Realität gegenüber, dass die Ehe ein gegenseitig (jederzeit kündbarer) Vertrag sei, der zur Verwirklichung und zur Zufriedenheit der beiden Individuen dienen müsse. Es geht um emotionalen und sexuellen «Payback», um die Erreichung der eigenen Ziele, nicht um Wachstum des Charakters und das Erblühen von Gemeinschaft. Keller setzt dem eine wichtige Einsicht entgegen: Du wirst nie die richtige Person heiraten! Viel wichtiger ist jedoch das Erfassen des «Mega-Geheimnisses» der Ehe. Allein das Evangelium gibt einer Ehe das adäquate Muster und auch die Kraft für die lebenslange Hingabe.  

Das zweite Kapitel enthüllt die Kraft für jede Ehe. Dafür muss zuerst das säkulare Pendent bzw. die Verzerrung der Sünde herausgearbeitet werden. Das Haupthindernis für jede Ehe bildet die Selbstzentriertheit. Diese wird dem westlichen Menschen von klein auf eingeimpft. Bei jedem Problem gilt es deshalb zuerst auf den Unwillen, dem anderen zu dienen, zu blicken. Das führt zu einer völlig anderen Lösung. Das Heilmittel ist nicht die Vergrösserung des Selbstwertes und eine bessere Übereinstimmung mit den eigenen Bedürfnissen. Die wahre Heilung, nur erfahrbar durch die Kraft des Heiligen Geistes, ist die Umkehr von dieser radikalen Selbstorientierung hin zur Hingabe an den anderen. Die eigene Selbstbezogenheit ist das grösste Problem und stets der erste Schritt zur Veränderung! Es ist also möglich, in jemanden total verliebt zu sein, dies nur aus dem egoistischen Motiv, dass der andere das eigene Loch der Bedürftigkeit und Unsicherheit stopfen sollte. 

Viele sagen: Wozu ein Papier? Liebe reicht doch! Dahinter steckt ein grobes Missverständnis über den Charakter der Ehe. Es geht nicht um einen Gefühlsvertrag, sondern um einen vor Gott geschlossenen Bund. Dieser bedeutet die aufopfernde Hingabe zum Wohl des anderen. Sich dem anderen nicht restlos zu verpflichten heisst gerade, ihn nicht aufrichtig und restlos zu lieben, sondern sich stets eine offene Tür vorzubehalten. Echte Liebe strebt nach Dauerhaftigkeit. Und diese Permanenz schafft Identität.

Der Bau: Gefährten der Heiligung, eingebettet in die Ortsgemeinde, im Vorgeschmack für den Himmel 

Die übrigen Kapitel bauen auf diesem Fundament – dem Geheimnis, der Kraft und dem Charakter der Ehe – auf. Das vierte Kapitel zeigt auf, wofür die Ehe hauptsächlich geschaffen ist. Es geht um tiefe geistliche Freundschaft. Das ist noch zu schwach ausgedrückt. Mann und Frau sind in diesem engst möglichen Verhältnis Sparringpartner für die Heiligung des anderen. Wie vollzieht sich dieser Prozess? Wenn beide in der lebenslangen Zusage an den anderen stehen, dann konfrontieren sie einander mit der Wahrheit. Das bedeutet harte Arbeit – in der Kraft des Evangeliums. Sie sehen ineinander das, was sie in Christus sein können. Und sie entdecken die «Kanäle», mit dem sie dem anderen in Liebe dienen können. Das Buch ist übrigens auch für Singles, nicht nur wegen dem gesonderten Kapitel. Dort macht Keller klar, dass die Ehe eine soziale Institution darstellt. Eingebettet in die Ortsgemeinde finden Singles – die wiederum in der Gemeinschaft von anderen Gott hingegebenen und ehrlich über die Herausforderungen im Gespräch stehenden Singles leben – geistlichen und emotionalen Anschluss. Es würde etwas fehlen, wenn die Sexualität nicht in einem gesonderten Kapitel behandelt worden wäre. Sie steht im finalen achten Kapitel zur Diskussion. Der Sex ist nicht nur Abbild der Freude des dreieinigen Gottes, sondern sie ist auch Vorgeschmack auf die Freude des Himmels. 

Fazit 

Ein Buch, aus dem jeder Christ und überhaupt jeder tief trinken sollte. Es lässt das säkulare Pappkartonhaus zusammenklappen. Nein, besser ausgedrückt, es lässt vor dem inneren Auge eine neue Vision entstehen – für den genialen Bauplan des Schöpfers. Ohne grundlegende Erneuerung, die Bibel nennt dies Wiedergeburt, wird einem jedoch der Zugang verschlossen bleiben. 

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