Kolumne: In der Umweltarena

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Erwartungsvoll betrat ich die Beton-Glas-Holz-Halle. Abgesehen vom Geruch erfasste mich ein ähnliches Gefühl wie beim Erstbesuch im neuen Elefantenhaus des Zürcher Zoos. Der gesamte Betrieb, so haben es sich die Betreiber auf die Fahnen geschrieben, kommt ohne Subventionen der öffentlichen Hand aus. Der Gebäudekomplex hat eine ovale Form. Ähnlich einem Einkaufszentrum schlendert der Besucher auf den Galerien der einzelnen Stockwerke, den Blick frei auf den riesigen Innenhof. Nein, ich besitze keine Supercard, meldete ich dem Ticketverkäufer. Nur dank den überall präsenten Hauptsponsoren belief sich die Gebühr auf 18 Franken. Das Ticket ist – wie auch das ganze Gebäude – in das Umwelt-Grün eingetaucht.

Wir, eine Gruppe von fünf Personen, die unserem Teamausflug einen bildungs-technischen Höhepunkt verpassen wollten, begannen unsere Tour im obersten Stock. Wie es sich später herausstellte, marschierten wir gegen die vorgesehene Gehrichtung. Unsere Aufmerksamkeit wurde zunächst von einem lebenden Aussteller, der recyclingbahn.ch, in Beschlag genommen. Er hatte sich samt zweier Märklinbahnen und einem aus Abfällen gebauten Berner Dorf, im Eingangsbereich aufgebaut. „Wann sagt Ihre Frau: Das kommt mir nicht ins Haus?“ wollte ich wissen. Der schnauzbärtige Mann mit Bäuchlein und Karree-Hemd versicherte mir, dass sie nur einmal zu klopfen brauche, bis er zum Essen auftauche.

Ansonsten verlief mein Besuch nach einem vorgegebenen Schema: Ich las einige Zahlen auf dem Tableau, verglich wenige Zahlenpaare und versuchte mich dann an einem der zahlreichen Schalter und Geräte, um tastend meine Lernkurve zu steigern. Tasten, hebeln, strampeln. Doch an keinem der zahlreichen Stände blieb ich längere Zeit. Sie laden nicht zum Verweilen ein. Auch wenn ich gar einige Polsterliegen entdeckte, auf denen ich ein kurzes Schläfchen hielt, ist mir das didaktische Konzept verborgen geblieben. Immer wieder schritten Herren im Business-Look vorbei. Fundraising oder Vorbereitung des Anlasses?

Viel offensichtlicher überflutete mich jedoch die Meta-Botschaft des Gebäudes. Wie präsentiert sich das angestrebte Ideal? Es herrscht Balance in jeder Hinsicht. Nicht nur energietechnisch. Ich füge mich harmonisch in eine grüne Umgebung ein. Doch leider verfolgt mich die unglückselige Realität: Es ginge auch mit weniger (Schadstoffen). Diese Appelle verfolgen einem noch und noch. Nur die Aussteller (sprich, Sponsoren) haben es geschafft. Sie hämmern dir ein: „Wir haben es schon umgesetzt.“ Welche Schritte müsste ich unternehmen? Der Ausweg kommt durch die neue Technologie. Die Beruhigung, die auf dem Fuss folgt, gelingt nur halbwegs: Du kannst dies erreichen ohne Einbusse des Komforts. Eine Art „edler Konsum“ also. Die Erlösung kommt durch die Technologie.

Ich bin nicht im Detail über das Raum- und Standkonzept informiert. Mir kam entgegen: Die einzelnen Sponsoren erkaufen sich eine bestimmte Fläche, informieren und animieren die Besucher, wofür sie ihre Geräte, ihr Logo zeigen und die Umweltpunkte einsacken dürfen. Die grösste Attraktion für die Hauptzielgruppe – Schulklassen – ist das Untergeschoss mit den Elektrofahrzeugen. Diese dürfen erst dann in Beschlag genommen werden, wenn die Blätter ordnungsgemäss ausgefüllt worden sind.

Nach den drei Stöcken befiel uns das dringende Bedürfnis nach frischer Luft. So liessen wir die Elektroautos links liegen. Im Restaurant gab es Bio-Produkte vom Holundersaft bis zur Schachtel mit wilden Heuschrecken. Wir nahmen Kurs zum Bahnhof. Zu Fuss, versteht sich.

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