Input: Das Menschenbild der Pädagogik der Neuen Linken

Wolfgang Brezinka beschreibt das Menschenbild der Neuen Linken (in Die Pädagogik der Neuen Linken, S. 106-119), basierend auf Prämissen der Aufklärung. Es stecke dahinter die "alte Utopie, dass eine vollkommene Gesellschaft vollkommener Menschen nach einem vernünftigen Plan durch entschlossenen Gebrauch von Macht willentlich geschaffen werden könne". Sie rechnen damit, durch die Bildung Denk- und Wertstrukturen (manipulativ) aufbauen zu können. Durch Unterricht könne Einfluss auf Lebensschickal und Persönlichkeit der Schüler genommen werden. Daher stammt auch die Idee der "Verschulung", beginnend mit frühen Altersstufen. Dahinter stehend das Menschenbild:

  1. Die Güte der menschlichen Natur: Die Menschen sind von Natur aus gut, aber wie werden durch die schlechte Gesellschaft, in der sie leben müssen, verdorben. (Schuld dafür ist das System der Industriegesellschaft. Es braucht demnach eine radikale Änderung der Gesellschaftsordnung.)
  2. Die Machbarkeit der Persönlichkeit: Es ist möglich, jedem Menschen jene Persönlichkeitsverfassung zu geben, die man ihm geben will. (Jeder Mensch ist von Natur aus nahezu unbegrenzt formbar. Dahinter steht die Utoipie der Vervollkummnungsfähigkeit des Menschen und das sozialistische Ideal der Gleichheit.)
  3. Die Fähigkeit zu unbeschränkter Selbstbestimmung: Jeder Mensch ist fähig, zu kritischer Rationalität, zur Autonomie des Handelns, zur Selbstbestimmung zu gelangen. (Es gelingt, sein Leben gemäss dem Urteil der eigenen Vernunft zu führen.)
  4. Die Angewiesenheit auf Heilsvermittler: Die Masser der Menschen ist unfähig, aus eigener Kraft zu erkennen, was wahr und gut ist. (Sie bedürfen der Befreiung durch eine elitäre Minderheit.)
  5. Konflikte als Mittel zur Förderung der Vernünftigkeit: Aufklärung genügt nicht zur Mündigkeit. Dafür braucht es emotionale Impulse (Konflikte), um sie herbeizuführen. (Stabilität und Ordnung ist pathologischer Sonderfall des Lebens.)

Neben den utopischen Vorstellungen gesellen sich innere Widerspruche. Dies ist auf das in der Pädagogik verbreitete Schwanken zwischen Optimismus und Pessimismus zurückzuführen.

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