Kolumne: Wenn wir als Familie beten

Das Gebet ist die vornehmste Übung des Glaubens. Deshalb lege ich zunehmend Wert auf das gemeinsame Gebet in der Familie. Ähnlich wie beim persönlichen Gebet und dem Gebet in der Ehe empfinde ich es als wichtig, keinen Perfektionismus aufkommen zu lassen. Ich messe die Minuten nicht, denn das ähnelt einem sichtbaren "Gradmesser" für Spenden in einem Zoo. 

Vorab bete ich dafür, dass das Verlangen nach Ihm zunimmt. Dass ich von Moment zu Moment vor Ihm lebe, im formell-geplanten und dem informell-sich ereignenden Gebet. Bei Besuchen und Kontakten ist es mitunter vorgekommen, dass mein Gegenüber irritiert war, weil ich mitten im Gespräch immer wieder betete. Meine Frau und ich haben dies zur Gewohnheit werden lassen. Alle unsere Gespräche finden miteinander vor Gott statt. Jede Regung darf und soll darum in ein Gebet übergehen dürfen.

Nun zu einer Beobachtung des Gebets in der Familie. Ich nenne dies den Bewahrungs-Reflex. Unmerklich nehmen unsere Gebete die Form einer Liste an. Wir zählen auf, wovor wir alles bewahrt werden wollen. Vor Anfechtung. Ein legitimes Anliegen. Vor Krankheit. Auch dafür dürfen wir einstehen. Dann geht es jedoch in die Details. Papa soll ohne Widerstand schreiben und predigen, Mama sich erholen. Wir sollen optimal lernen, genügend schlafen, ausreichend mit gutem Essen versorgt werden. Im Beruf soll es reibungslos weitergehen. Und selbst in der Bitte um Wiederbelebung in unserer Reformationsstadt Zürich wollen wir göttliche Beschleuniger beigemischt sehen.

Vielleicht ist es ja Gottes Weg mit uns als Familie, dass wir lernen, inmitten von Widerständen Genüge in Ihm zu finden. Wir nehmen Abschied davon, um ein angenehmes und störungsfreies Leben zu bitten. Wir nehmen offenen Auges wahr, dass wir in vielem fehlen und uns ver-fehlen; dass wir uns in unseren Hoffnungen enttäuscht sehen; dass wir oft in Konflikten untereinander stehen; dass wir um Schlaf und Kräfte ringen; dass unsere Aufmerksamkeit zu oft am falschen Ort ist.

Für die Gewohnheit des Gebets bin ich dankbar. Ebenso, dass wir es gemeinsam als Familie tun dürfen. Ich erachte es als grosses Vorrecht, die Mitglieder meiner Familie einbinden zu dürfen. "Worüber können wir uns freuen?" "An wen haben wir schon länger nicht mehr gedacht?" "Wo seht ihr die Einfallstöre für den Feind in unserer Familie?" "Wo möchtet ihr geistlich in 20 Jahren stehen?" "Wie können wir in der Liebe zu Gott und zueinander wachsen?" Die Stimulation durch Fragen dieser Art halten uns geistlich wach. Sie lassen uns manchmal ruhig werden. Stelle sie als Vater nicht, wenn du nicht beschämt werden willst.

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