Sommer-Lektüre: Der Lesesommer 2018 ist da!

Der Lesesommer ist da! Für mich jedes Mal eine besondere Freude.

  1. 2016 habe ich 10 Hinweise für schöne Orte, 10 Hinweise für Haltung und Handwerk sowie drei unterschiedliche Lesemodi (stundenweises Schnuppern, einzelne Kapitel lesen, ganz lesen) sowie 7 Leselisten vorgestellt.
  2. 2017 sind 10 Empfehlungen inkl. Rezension und 10 rezensierte Werke dazugekommen.
  3. Albert Mohler, Präsident des SBTS (USA), gibt regelmässig eine Summer Reading List heraus.
  4. Es lohnt sich auf jeden Fall, das Goodreads-Konto meines Freundes Jonas Erne zu checken.
  5. Inständige Bitte: Verschwendet als Familie den Sommer nicht mit Videogames! Lest dazu diesen Artikel.
  6. Justin Taylor hat übrigens eine Liste mit hunderten von Büchern für Kinder und Heranwachsende zusammengestellt.
  7. Natürlich habe ich schon mehrmals Empfehlungen im Sinne von Toplisten abgegeben, z. B. für Heranwachsende, für die Studienzeit, fürs Auslandsemester oder für die Seelsorge,
  8. Du kannst dich auch in meinem Bücherregal umschauen.
  9. Wer sich noch mehr übers Lesen informieren will: Anfang 2017 und Anfang 2018 habe ich jeweils einen ausführlichen Artikel geschrieben.
  10. Vielleicht möchtest du mal ein Gesamtwerk angehen?
  11. Und auch zum Verdauen von Büchern habe ich einige Empfehlungen.
  12. Kehre auf jeden Fall immer wieder zum Buch der Bücher zurück. Jörn Hägele hat hilfreiche Anmerkungen dazu erstellt.

Input: Von Bahnbekanntschaften

Zu diesem Thema könnte ich einiges erzählen. Katharina hat es wundervoll zusammengefasst:

Du kennst diesen Gedanken bestimmt: Wenn dir klar wird, aus welchem Grund dir etwas scheinbar Ungünstiges passiert ist. Seltsamerweise haben viele dieser Begebenheiten bei mir mit Zügen zu tun. Ich nenne sie gerne Bahnbekanntschaften. Ich hoffe und bete im Nachhinein, dass es für die andere Person eine bahn-brechende Bekanntschaft war, haha. Wieso weiß ich nicht, aber mir fällt es in Zügen immer besonders leicht, mich mit Menschen zu unterhalten. Vielleicht, weil sie entspannt sind, da sie ja mindestens bis zum nächsten Halt nichts zu tun haben. Vielleicht, weil sie mir nicht entrinnen können. Vielleicht, weil ich selbst auch nicht weglaufen kann. Wie dem auch sei, ich habe gerade in der Bahn immer den inneren Drang, mich mit meinen Sitznachbarn über den Glauben zu unterhalten. 
Hier geht es zur Buchzusammenfassung "Persönliche Evangelisation" von Mark Dever.

Input: Smartphone, Einsamkeit und Depression

Ich lese die Studie «Me, My Selfie and I» über die von 1995 bis 2012 Geborenen von Jean M. Twenge. Sie hat bereits 2006 die Studie "Generation Me" und 2009 "The Narcissism Epidemic" herausgebracht.

Ihr Smartphone ist das Letzte, da sie vor dem Schlafen sehen und das Erste, was ihnen morgens ins Auge fällt. … Smartphones sind anders als alle anderen früheren Medienformen. Sie durchdringen fast jede Minute unseres Lebens, selbst wenn wir ohne Bewusstsein sind, weil wir schlafen. (80)

Twenge ermittelt statistische Zusammenhänge zwischen fehlender persönlicher Interaktion, Einsamkeit und Depression.

Insgesamt ist die persönliche Interaktion der psychischen Gesundheit viel zuträglicher als die elektronische Kommunikation. (142)

Die Online-Freundschaft hat bei der Generation Selfie die Offline-Freundschaft ersetzt (Kapitel «Nicht mehr persönlich: Ich bin bei dir, aber nur virtuell»).

  • (Aussage einer Jugendlichen, weshalb Partys weniger beliebt sind) «Jetzt haben wir Netflix – da kann man nonstop Serien anschauen.» (113)
  • «Eine Stunde weniger täglich, die mit Freunden verbracht wird, ist eine Stunde weniger, die mit dem Erwerben von sozialen Fähigkeiten verbunden ist, dem Bewältigen von Beziehungen und dem Umgang mit Gefühlen.» (116)
  • (Aussage einer Jugendlichen über den Gebrauch des Smartphones zu Hause) «Ich habe meine Freundinnen bei ihren Familien gesehen – sie reden gar nicht mit denen … sie sagen immer nur: ‘Okay, okay, meinetwegen’, während sie ihr Smartphone benutzen…» (119)
  • (Student) «Es ist einfach eine Versuchung, jemanden was zu schreiben oder auf die sozialen Medien zu gehen und das Foto von irgendjemandem zu liken und zu kommentieren, anstatt anzurufen und zu sagen: ‘Hey, willst du zum Essen ausgehen?’ Das muss doch alles erst geplant werden.» (123)

Display-Aktivitäten sind mit mehr Einsamkeit verbunden (129).

  • Das Internet … befördern … eine unerbittliche Positivität. (148)
  • (Aussage einer Jugendlichen, welche Bilder einer Party entdeckte, auf die sie nicht eingeladen war) «Mir war, als wäre ich die Einzige, die nicht da war.» (151) Das Gefühl ausgeschlossen zu sein, erreicht neue Höchststände. (153)
  • Viele Freunde «posten nur ihre Erfolge online, daher merken viele Jugendliche nicht, dass ihren Freunden auch mal etwas misslingt». (158)
  • Es kann das Gefühl der Angst ausgelöst werden, «wenn man auf die eigene Textnachricht oder Message in den sozialen Medien keine Antwort erhält». (164)

Die Selfie-Teenager stehen kurz vor der ernsthaftesten psychischen Krise seit Jahrzehnten. (148)

  • Das Internet … befördern … eine unerbittliche Positivität. (148)
  • (Aussage einer Jugendlichen, welche Bilder einer Party entdeckte, auf die sie nicht eingeladen war) «Mir war, als wäre ich die Einzige, die nicht da war.» (151)
  • Das Gefühl ausgeschlossen zu sein, erreicht neue Höchststände. (153)
  • Viele Freunde «posten nur ihre Erfolge online, daher merken viele Jugendliche nicht, dass ihren Freunden auch mal etwas misslingt». (158)
  • Es kann das Gefühl der Angst ausgelöst werden, «wenn man auf die eigene Textnachricht oder Message in den sozialen Medien keine Antwort erhält». (164)

Jugendliche, die über drei Stunden täglich an ihren elektronischen Geräten sind, schlafen mit grösserer Wahrscheinlichkeit zu wenig. (179)

  • «Elektronische Geräte und die sozialen Medien scheinen eine deutlichere Auswirkung auf den schlaf als alle älteren Medienformen zu haben.» (179)
  • Menschen, die nicht genug schlafen, sind anfällig für Depression und Angst. (181)

Input: Ein Katechismus für den Säkularismus

Anhand der heutigen Katechese kam mir eine Idee. Man könnte den Anfang des Heidelberger Katechismus auf die säkulare Religion unserer Zeit umschreiben.

Im ersten Teil geht es um das Elend des Menschen. Dabei ist nicht in erster Linie ein Gefühlszustand gemeint, sondern eine objektiv vorhandene Misere – ein Unglück, aus dem der Mensch sich selbst nicht befreien kann. Wer sich nicht auf den einzigen Trost, Jesus, verlässt, muss sich einen Ersatz wählen. Er gewöhnt sich dabei an die selbst gewählte Armut. Darum der umgeschriebene Anfang:

Was ist meine einzige Ablenkung für den Moment?

Dass ich mir selbst gehöre. Ich habe das alleinige Verfügungsrecht über mich. Ich muss für mich selbst sorgen.

Für alle meine Fehler muss ich selbst zahlen und mich so stellen, dass ich nicht beschämt werde.

Der zweite Teil der Antwort 1 ist aus christlicher Weltsicht sehr unangenehm:

  • Ich bleibe in der Gewalt des Gegenspielers.
  • Wenn mir etwas zustösst, ist dumm gegangen. Ich werde nicht bewahrt, sondern bin ausgeliefert.
  • Ich komme nicht zur Ruhe (und muss mich deshalb ständig betäuben).
  • Keinesfalls akzeptiere ich ein objektiv vorhandenes moralisches Gesetz. Ich bin mir selbst Gesetz.
  • (Man lese weiter bis zu Frage/Antwort 11.) Die Quittung dafür ist die ewige Strafe an Leib und Seele – statt dem einzigen Trost im Leben und im Sterben.

Zitat der Woche: Materialismus ist kein Schutz vor Angst

Man kann bezüglich Plot, einzelnen Handlungen und Kulissen geteilter Meinung sein. Doch inhaltlich hat der dritte Teil der Perelandra-Triologie viel zu bieten. C. S. Lewis schrieb das Stück explizit als Begleitwerk zu "Die Abschaffung des Menschen".

Erhellend sind die Erörterungen zum Naturalismus, z. B. hier (Anfang von Kapitel 10 "Die eroberte Stadt"):

Theoretisch war er (Mark) natürlich Materialist, und theoretisch war er aus dem Alter heraus, in dem man sich vor der Nacht fürchtet. Doch jeztt, als der Wind Stunde um Stunde an seinem Fenster rüttelte, lebten die alten Ängste wieder auf, und er verspürte jene wohl bekannten Schauer, als strichen kalte Fingerspitzen über seinen Rücken. Materialismus ist nämlich kein Schutz. Diejenigen, die ihn in dieser Hoffnung suchen (ihre Zahl ist nicht gering), werden enttäuscht sein. Was man fürchtet, ist unmöglich. Nicht heir und jetzt. Und was dann? Wenn man schon Gespenster sehen muss, ist es besser, nicht an ihnen zu zweifeln.

Hanniel hirnt (85): Vogelflug zum Propheten Hesekiel

Podcast: Der Herr ist hier – ein Vogelflug durch den Propheten Hesekiel (35 Minuten)

Die Idee

Der Gedanke schwebt mir seit Jahren schon im Kopf herum: Ich würde gerne durch die Bibel blättern laut denken, was mir durch den Kopf geht. Bei wunderschöner Aussicht in der Natur unternahm ich einen ersten Versuch und erzählte durch den Propheten Hesekiel – dem Buch, mit dem ich mich in meiner täglichen AT-Lesung gerade beschäftige.

Erste Umsetzung

Schwerpunkte waren: Die aufrichtige Bewunderung für den roten Faden der Herrlichkeit Gottes; die Parallele von Gottes Heilshandeln in Gericht und Rettung; die Heraushebung zentraler Begriffe und des Refrains; der wichtigen Platz des Tempels im gesamten Buch; die verblüffende Rettung eines kleinen Teils – ein Akt purer Gnade Gottes; die grosse Verantwortung, die den Führern von Gottes Volk zukommt; der hauptsächliche Vorwurf des Götzendienstes (der im Herzen des Menschen beginnt); der Rundblick auf andere Völker in der Region (insbesondere Tyrus und Ägypten); der Kulminationspunkt (48,35) der Gegenwart Gottes unter seinem Volk.

Multiplizieren

Wie wäre es, dies auch in den Familien zu tun? Väter und Mütter – und auch Kinder, erzählt am Familientisch, was ihr von einem biblischen Buch verstanden habt. Es muss (und kann) nicht perfekt sein. Wenn sich in unseren Köpfen die grossen Linien, aber auch die Betonungen und Schwerpunkte von Gottes Handeln verankern, dann wird dies mit Sicherheit eine Auswirkung auf unser Handeln haben!

Vogelflug durch die ganze Bibel

Wer dies mittels eines Buches tun will, dem empfehle ich

Buchbesprechung: Querlesen im Wörterbuch der Pädagogik

Zwischendurch schnappe ich mir ein Lexikon und lese Artikel quer. So habe ich das letzthin mit dem "Wörterbuch der Pädagogik" getan. Das waren meine Erlebnisse:

Das Wörterbuch ist eine Neufassung eines 1931 begründeten Werkes. Der Editor Winfried Böhm stellt fest, dass sich die Fachsprache erneuert und differenziert habe. Die Zahl der Einrichtungen ist enorm gestiegen, neue Fragen und Denkweisen sind entstanden. Popularisierung hätte auch zu Verkürzungen geführt.

So findet man die Namen wichtiger Philosophen (z. B. Platon, «Paidaia bedeutet für P. Formung in und um der Gemeinschaft willen, zugleich aber auch Hingabe an eine objektive Sache.» oder Comenius, der jedoch wenig prägnant und sehr kurz dargestellt wird). Rousseau wird als der Begründer eines utopischen Modells einer natürlichen Erziehung gesehen. «Ausgehend von der These der natürlichen Gutheit des Menschen hat die Erziehung zunächst nicht direkt einzugreifen, sondern im Gegenteil nur ‘negativ’ diese Gutheit zu bewahren.»

Weiter zu den Fachbegriffen. Ein Lehrplan ist «die geordnete Zusammenfassung von Lehrinhalten, die während eines vom Plan angegebenen Zeitraums über Unterricht, Schulung oder Ausbildung von Lernenden angeeignet und verarbeitet werden sollte» (Blankertz). Dass auch die fraglose «Übernahme traditiren Normen oder in der Übertragung allg. gesellschaftl., relig. Oder ideologischer Ziele und Werte» darin einfliessen, wird eingestanden.
Über die Kritische Theorie ist nur ein dünner Eintrag zu finden. Die «instrumentelle Vernunft» wird blind fremden Zwecken dienstbar gemacht. Kritisches Wissen richte sich «gegen jede Form der Herrschaft von Menschen gegen Menschen».

Die geisteswissenschaftliche Lerntheorie sieht «Erziehung und Bild als geistigkulturelles und geschichtl. Phänomen» an. Sie beherrschte die Pädagogik bis in die 1960er-Jahre und erlebe eine Renaissance in der Lebensphilosophie. Der Schwerpunkt der Psychoanalyse bestehe in pädagogisch-praktischer Hinsicht, nämlich bei schwierigen Situationen in der Erziehung zu unterstützen.

Die einzelnen Länder erhalten einen ausführlichen Beitrag. So ist von der Schweiz zu lesen, dass die Hoheit der Bildung weitgehend bei den Kantonen liege (Föderalismus). Bei China ist zumindest am Schluss in einem Satz zu lesen, dass die Kommunisten eine «Erziehung in ihrem Sinn» anstrebten.

Natürlich hielt ich Ausschau nach dem Heimunterricht (Homeschooling). Wie ich vermutet hatte, ist dieses Schlagwort in einem deutschen Werk nicht abgebildet. Dafür habe ich einen interessanten Kurzabriss zum Begriff «Bedürfnis» gelesen und das (hehre) Ansinnen, dass Erziehung falschen und unwahren Bedürfnissen entgegen zu arbeiten habe. Der Hochbegabtenforschung werde in Deutschland «noch nicht jene qualitative Eigenständigkeit und quantitative Ausdehnung erreicht» wie in den USA, die der Exzeptionalität seit langem Beachtung schenke.

Dafür sind «Lifelong Learning» eingeflossen. Man erfährt, dass es auf der UNESCO-Konferenz 1962 zu einem wichtigen Schlagwort wurde. Auch der «heimliche Lehrplan» (hidden curriculum) erscheint als Begriff und wird vor allem in der politischen Sozialisation verortet. Mit der Individualisierung werde versucht, «der mit der Massenschule gegebenen Gefahr der Uniformierung der Lehr- und Bildungsgänge entgegenzuwirken». Erwachsene können Nachweise «schrittweise und kumulativ» im Baukastensystem erwerben.

Fazit: Ein gut zugängliches Werk, dem ab und zu das «Muffige» der doch weit vom Alltag entfernten Bildungstheorie anhaftet. Für den Interessierten ist bei den meisten Begriffen ein kompaktes Verzeichnis wichtiger Artikel und Monografien beigefügt.

Buchbesprechung: Wachstum durch Jüngerschaft

Jesus setzte zwölf ein, die er auch Apostel nannte, dass sie bei ihm sein sollten… (Markus 3,14)

Die Dringlichkeit des Themas

Bei oder gerade mit allen technischen Möglichkeiten der Kommunikation entfremden wir uns unseren Nächsten. Eine Familie sitzt gemeinsam am Tisch – und jeder schreibt Textnachrichten. Manche laden sich lieber eine Predigt aus dem Netz, als die Gemeinschaft vor Ort zu suchen.

Von einem Autor, der Jüngerschaft lebt

Bei manchen Büchern fragt man sich, wie denn der Alltag des Autors aussehe. Nicht dass ich perfekte Vorbilder erwartete – im Gegenteil. Im Schlusswort schreibt der Mitarbeiter Jonathan Leemann über den Autoren:

«In diesem Buch hat Mark hin und wieder anschauliche Beispiele dafür angeführt, wie er selbst Jüngerschaft praktiziert. Was der Leser – aus naheliegenden Gründen – nicht erfährt: Mark selbst ist mit seinem Leben eine großartige Veranschaulichung dessen, was er schreibt. Ich kenne Mark seit fast zwei Jahrzehnten und bin mit ihm seit fast zehn Jahren im Gemeindedienst tätig; deshalb kann ich diesen Mangel nur bedauern. Ich wünschte, der Leser hätte gesehen, was ich gesehen habe; dann würden die in den zehn Kapiteln vorgestellten Prinzipien mit Leben gefüllt.» (S. 105)

Zielsetzung des Buches

«Ziel dieses Buches ist es, biblische Jüngerschaft begreifbar zu machen und zum Gehorsam gegenüber Christus zu ermutigen.» (S. 17) Ich kann kurz und bündig melden: Dieses Ziel wird erreicht.

Der Aufbau

Es gibt drei klar umrissene Teile: Was ist Jüngerschaft? Wo geschieht Jüngerschaft? Wie können wir Jüngerschaft praktizieren? Im letzten Kapitel gibt Dever zudem einige konkrete Hinweise, wie Leiter herangebildet werden können.

Was mir bleibt

  1. Ich wurde bestätigt in meiner Haltung, dass ich dort Einfluss ausübe, wo ich mich aufhalte. Also gilt es danach Ausschau zu halten, wie ich diesen Einfluss gebrauche. «Der Bibel zufolge macht ein Jünger Christi andere zu Jüngern, indem er ihnen dabei hilft, Christus nachzufolgen.» (24) «Jüngermachen beinhaltet, in jedem Moment seines Lebens die eigene Kenntnis Gottes und seines Wortes anderen weiterzugeben.» (26)
  2. Es führt kein Weg an der Jüngerschaft vorbei. «Jüngerschaft ist für mich der einzige Weg, wie ich Ungläubige evangelisieren und Gläubige für den Ort ausrüsten kann, an den ich niemals selber reisen werde: für die Zukunft nach meinem Tod. Wenn ich andere zu Jüngern mache, versuche ich damit, Zeitbomben der Gnade zu hinterlassen.» (32)
  3. «Manchmal heißt Jüngerschaft auch, jemanden vor den Konsequenzen seiner Entscheidungen zu warnen. Man wächst nicht nur durch die Belehrung mit allgemeinen Wahrheiten, sondern auch durch die Korrektur konkreter Fehler.» (36)
  4. Die Not in den Gemeinden: «Wenn schon Jüngerschaft ohne Gemeinde unweise ist, dann ist eine Gemeinde ohne Jüngerschaft noch schlimmer. Doch ist bei vielen Gemeinden nicht genau das der Fall? Christen werden Gemeindemitglieder und keiner kümmert sich um sie. Es fehlt die Kultur, alleinstehende Christen in Familien wohnen zu lassen, damit sie dort von den anderen Gläubigen lernen, wie man Christus dient. Es fehlt die Kultur, ausländischen Studenten das Evangelium zu vermitteln. Gastfreundschaft ist selten und beschränkt sich auf gelegentliche Einladungen zum Mittagessen nach dem Gottesdienst. Männer leiten ihre Frauen nicht an. Ältere Frauen unterweisen nicht die jüngeren.  Unter den Gemeindegliedern findet keine persönliche Seelsorge statt – Seelsorge gibt es, wenn überhaupt, nur in den Gemeindebüros.» (50-51)
  5. Die Apostel waren «nicht frei herumstreunende Mentoren zwischen unverbindlichen und losen Gruppierungen von Christen. Vielmehr taufen sie in Gemeinden hinein, wo anschließend jegliche persönliche Jüngerschaft und Gemeinschaft stattfindet.» (54)
  6. «Wenn Jüngerschaft bedeutet, anderen in der Nachfolge Jesu zu helfen, dann hindern solche Gemeinden, die schlechte Lehrer tolerieren, die Nachfolge Jesu.» (61)
  7. «Unsere gemeinsame und unsere persönliche Verantwortung verschmelzen letztlich zu einer Kultur des Jüngermachens.» (64)
  8. Unsere Familienbeziehungen sind die wichtigsten Jüngerschaftsaufgaben, die wir haben. (73)
  9. Das Wort Gottes sollte in jeder Jüngerschaftsbeziehung im Mittelpunkt stehen. (82)
  10. Es ist wichtig Fragen zu stellen: Was sind seine Interessen, Hintergründe, Neigungen, Gewohnheitssünden, Verletzungen, Ängste, Hoffnungen? (84)

Die Ermutigung: Jüngerschaft im Alltag (bereits gebloggtes Zitat)

Input: Single-Sein ist kein Problem, das gelöst werden muss

Das Single-Sein wird unter Christen zu wenig thematisiert. Nicht darüber zu sprechen vermittelt auch eine Botschaft. Deshalb bin ich begeistert von diesem Artikel "Vier Dinge, die Gott Singles sagt" von Vaughn Roberts:

1. Singlesein ist ein Geschenk Gottes.
2. Singlesein hat Vorteile.
3. Singlesein ist hart.
4. Singlesein ist nicht dauerhaft.

Single-Sein ist schön und herausfordernd. Viele Missverständnisse ranken sich darum herum. Sam Alberry nennt fünf verbreitete.

9Marks hat eine gesamte Zeitschaft dem Thema "Pastoring Singles" gewidmet. Owen Strachan schreibt in seinem Artikel "Singleness in Modern Culture": "In a church culture when singleness can be treated like a contagion or ignored altogether, pastors can lend great strength to single men and women simply by engaging them as individuals."

Desiring God hat eine ganze Rubrik "Dating & Singleness" geschaffen. Wie es im Artikel "Singleness is not a Problem to be Solved": "Singleness ought not be viewed as a problem, nor marriage as a right. God grants either as a gift."

 

Buchbesprechung: Christuszentriert predigen

Aus dem Longseller "Christ-centered Preaching" ist ein längeres Kapitel in die deutsche Sprache übersetzt. Ich habe eine Zusammenfassung erstellt. Hier geht es zum Buch.

Wer ist der Autor? Bryan Chapell, heute in seinen frühen 60ern, ist Senior Pastor einer Presbyterianischen Gemeinde in St. Louis, früher Rektor des Covenant Theological Seminary. Zu seinem theologischen Abschluss hat er Ausbildungen in Journalismus und Kommunikation absolviert. Seine mitreissende Art zu predigen ist Ermutigung und Vorbild für die eigene Predigt. (TGC hat einen Online-Kurs mit Audios und Transkript zum Thema aufgeschaltet)

Was ist das Ziel des Buches? Das kurze Büchlein (60 Seiten) ist ein übersetztes Kapitel aus seinem Longseller „Christ-centered Preaching“ (1994). Warum wurde nur ein Ausschnitt ausgewählt? Es handelt sich um ein Schlüsselkapitel aus dem Buch, das darlegt, wie jeder Text der Bibel in Verbindung zur Gnade Gottes in Christus steht (vgl. Lk 24,26f+44f; Paulus in 1Kor 2,2; 1,23f; 2Kor 4,5; Gal 6,14).

Was sind die stützenden Gedanken?

1. Bei der Analyse eines Predigttextes ist zuerst ein „Gefallenen-Zustand-Fokus“ zu ermitteln. Was ist damit gemeint? Es geht um den gemeinsamen menschlichen Zustand, den heutige Gläubige mit denen teilen, an die oder über die der Text ursprünglich geschrieben wurde.“ (8) Alle Schrift hat das Ziel, unvollständige Menschen zuzurüsten (2Tim 3,16f; Röm 15,4). Es geht darum herauszuarbeiten, dass biblische Lösungen göttlicher und nicht menschlicher Natur sind.
2. Es gilt die Breite der Texte zu berücksichtigen. Einige Texte bereiten auf Christus vor, andere prophezeien das Kommen Christi. Wieder andere reflektieren Facetten der Erlösung. Die vierte Kategorie stellt die Folgen der Erlösung, den Segen durch die Gnade, dar.

Wozu regt das Buch an?

Es geht darum, die eigene Verkündigung – sei es Predigt, aber auch Hauskreise, Andachten oder das Leben in der Familie – gründlich auf die Frage zu untersuchen, ob man wirklich die Gnade von Christus oder (verdeckt) eine Form der Selbsterlösung. Besonders gefährlich sind die drei Standard-Formate mit „sei…“-Botschaften. „Sei wie…“ vergleicht mit Helden der Bibel, „sei gut“ will die Beziehung zu Gott durch gutes Verhalten sichern und erneuern können, „sei disziplinierter“ appelliert an selbst geschaffene Massstäbe und fördert eine Vergleichskultur. (Solche Botschaften sind nicht in sich schlecht, sondern wenn sie für sich alleine stehen.)

5 Zitate

1. Bestimmte Sünden (mangelnde Vergebungsbereitschaft, Lügen, Rassismus, Gier, Rebellion, Lust, Verantwortungslosigkeit, Hochmut) sind ebenso geeignet wie Nöte (Trauer, Krankheit, Verlangen nach der Wiederkunft Christi, der Wunsch nach besserer Elternschaft) sind beides Kategorien für den Gefallenen-Zustand Fokus. (14f)
2. Die ganze Schrift ist Erlösungsoffenbarung und wurde inspiriert, um gegen das Gefallensein (oder die Unvollständigkeit) der Menschheit mit Gottes Vorsorge anzugehen. (28)
3. Richtig verstandenes christozentrisches Predigen sucht nicht zu entdecken, wie Christus in jedem Text erwähnt ist, sondern offenzulegen, wie jeder Text in Beziehung zu Christus steht. (32)
4. (Zwei grundlegende Fragen) Was offenbart dieser Text über das Wesen Gottes, das Erlösung gibt? Was spiegelt dieser Text über das Wesen des Menschen wider, das Erlösung braucht? (42)
5. … Predigen, welches impliziert, dass wir zwar aus Gnade gerettet sind, jedoch durch unseren Gehorsam erhalten werden, (57)