Vortrag: Eine biblische Perspektive auf das Leid

Leid ist allgegenwärtig. Jede Gesellschaft muss deshalb sowohl eine Deutung vorlegen als auch einen Umgang damit vorschlagen. Der New Yorker-Pastor Timothy Keller stellt mit Blick auf die westliche Welt eine Deutungsarmut, kombiniert mit Hilflosigkeit, fest: „Unsere heutige westliche Kultur gibt ihren Gliedern keine Erklärung für das Leid und sehr wenig Hilfen, wie man am besten mit ihm umgeht.“ Unter der Oberfläche rumort deshalb die grosse Lebensangst.

In der westlichen Leitreligion, dem Säkularismus, ist Leid sinnlos.  Richard Dawkins, einer der Neuen Atheisten, bringt den Grund dafür auf den Punkt: „In einem Universum mit blinden physikalischen Kräften und genetischer Verdoppelung werden manche Menschen verletzt, andere haben Glück, und man wird darin weder Sinn und Verstand noch irgendeine Gerechtigkeit finden.“ Das hat zur Folge, dass sich jedes Individuum seinen eigenen Sinn erschaffen muss. „Ich entscheide, welches Leben ich am wertvollsten und lebenswertesten finde.“ Leid wird zur lästigen Unterbrechung dieser individualisierten Sinnfindungsreise. Wenn der persönliche Motor „stottert“, sucht man sich Abhilfe mittels Techniken zu schaffen. Das Leid wird in den Händen von Experten gelegt, deren unterschiedliche Denkvoraussetzungen allerdings verwirren. „Nicht mehr Gott, sondern der Mensch sitzt im Sattel und muss optimal reagieren.“

Es tut uns Not, die biblische Botschaft zu vernehmen und zu beherzigen. Denn wir neigen dazu, diese säkularen Denkvoraussetzungen zu übernehmen. Dies ist ein doppeltes Unglück:

  • Wir verlieren den wahren Trost im Leid, das uns begegnet.
  • Wir können nicht mehr Zeugen dieses Trostes sein gegenüber denen, die „ohne Gott und ohne Hoffnung“ in der Welt sind (Eph 2,12)

Wladimir Paltko, slowakischer Innenminister (2002-2006), einst geächtet unter dem sozialistischen Regime seines Landes, warnt in seinem Buch "Die Löwen kommen" vor der Abkehr vom Christentum, die vor allem von der Ablehnung der biblischen Sexualmoral begleitet wird und zur Christenverfolgung führen wird. „Seit Jahrzehnten vom wachsenden Wohlstand verwöhnt sowie von gleichgeschalteten Medien eingelullt und ruhig gestellt, sind wir Christen im Westen besonders in Gefahr, die auf uns zukommende Herausforderung zu übersehen oder zu verdrängen." Er beschreibt, welche Preis Christen in Europa schon heute für ihren Glauben bezahlen können: "Es kann Ihnen … passieren, dass Sie die Nacht in einer Polizeizelle verbringen, weil Sie Worte aus der Bibel verkündet haben. Sie können dafür vor Gericht gezerrt werden. Man kann Ihnen dafür eine hohe Geldstrafe auferlegen, die Sie ruiniert. Man kann Ihnen die Aufgaben an Ihrem Arbeitsplatz auf unvorstellbare Weise ändern, sodass sie gegen den christlichen Glauben verstoßen, und wenn Sie ablehnen, etwas Unmoralisches zu tun, verlieren Sie Ihre Stelle. … Wenn Sie die sexuelle Korruption der Jugend ablehnen, dann verweigert man Ihnen die Adoption von Kindern. Wenn Sie die Unmoral unter Ihrem eigenen Dach nicht dulden, werden Sie verurteilt und ihr Geschäft oder Ihre Existenz beeinträchtigt oder völlig vernichtet. Sie können dafür verfolgt werden, dass Sie ein Symbol Ihres Glaubens tragen, was Tausende von Jahren hindurch nichts Ungewöhnliches gewesen war. Und umgekehrt können Sie im Staatsdienst eine Disziplinarstrafe bekommen, wenn Sie es ablehnen, ein Symbol der neuen säkularen Orthodoxie zu tragen. … Sie können Ihren Arbeitsplatz verlieren, weil Sie in Anwesenheit von jemandem gebetet haben. Man kann Ihnen verbieten, an irgendeiner Schule im Staat zu unterrichten, weil Sie aufrichtig mit der Jugend diskutieren wollten, was Abtreibung ist. Es genügt, wenn Sie sagen, die Ehe soll Mann und Frau vorbehalten sein."

Lasst uns also gut vorbereitet sein, damit wir künftigen Herausforderungen gerüstet sind und – so wie es Petrus schreibt – sanft und klar die biblische Botschaft denen darlegen können, die danach fragen.

Vortrag: 7 Fragen zur eigenen Lebensgeschichte

Ich halte heute im Diakonissenmutterhaus Aidlingen einen biografischen Kurzvortrag. Dabei gehen mir zwei Aussagen von Paulus nicht mehr aus dem Kopf:

Was besitzt du, was du nicht empfangen hast? (1. Korinther 4,7)
Durch Gnade Gottes bin ich, was ich bin. (1. Korinther 15,10)

Die folgenden Fragestellungen bieten sich für die biografische Arbeit, aber auch für ein Gespräch mit dem Ehepartner, unter Freunden an:

  1. Welche „Begabungsmischung“ hat Gott deinem Leben beigegeben?
  2. Welche Personen hat Er gebraucht, um dich zu Christus zu führen?
  3. Wer ergänzt wichtige Aspekte, die dir abgehen?
  4. Welche Umwege hat dich Gott bisher geführt (bzw. hast du aus Eigenwillen genommen)?
  5. Welche Krisen schickte Er zu deiner Reifung?
  6. Welche Fussangel belässt er offensichtlich, um dich demütig zu halten?
  7. Wie geht es weiter? Was kannst du einer nächsten Generation weitergeben?

Wenn die Kinder heranwachsen (3): Vor- und Nachbereitung

Eine dritte Art von Gesprächen betrifft den gemeinsamen Rückblick am Familientisch. Wenn ich meine Jungs nach einem langen Arbeitstag wieder sehe, nütze ich einige Minuten für gezielte Rückfragen. Das kann ganz verschiedene Formen annehmen:

  • Ich bitte alle, mir ein Erlebnis aus ihrem Tag zu erzählen. Ich stelle dazu zwei, drei Fragen: Was fiel dir dabei besonders schwer? Was hat dich ermutigt? Was hast du daraus gelernt?
  • Wenn ich weiss, dass sie etwas Wichtiges vorhatten, komme ich wenn immer möglich darauf zurück. Wie ist es dir dabei gelaufen? Was kam anders, als du es gedacht hattest? Weshalb?
  • Manchmal frage ich in die Runde, ob jemand von ihnen einen Gedanken aus der Bibel oder eine Frage, die ihn beschäftigt, mit der Tischrunde teilen möchte. Ich bin immer wieder überrascht, wie auch die jüngeren hilfreiche Überlegungen einbringen!
  • Konflikte und unterschiedliche Sichtweisen sind es wert aufgegriffen zu werden. Wenn mir eine Auseinandersetzung zu Ohren kommt, hake ich nach: Wie hat es angefangen? Wie hat es sich verstärkt? Wie wurde es gelöst? Wurde es wirklich gelöst? Welche Gefühle bleiben zurück?
  • Ebenso hilfreich kann es sein vorauszublicken: Was steht in den nächsten Tagen an? Was gibt Anlass zur Vorfreude? Was trübt die Aussichten?

Von einem Vorgesetzten habe ich am Anfang meiner Berufslaufbahn eine wertvolle Lektion gelernt. Ein Chef muss nicht zu jeder Zeit präsent sein. Es ist gut möglich vorher und nachher Vorkommnisse und Herausforderungen zu thematisieren und zusammen zu reflektieren. In den Seminaren schickten wir jeweils eine Führungskraft aus dem Raum, während wir ein Gespräch durchführten. Der Abwesende durfte hinterher durch Fragen das Gespräch auswerten ohne dabei gewesen zu sein. Dasselbe können wir auch als Eltern tun – als Hirten der Herzen unserer Kinder.

Wenn die Kinder heranwachsen (2): Bewertungen erfahren und hinterfragen

Es gibt eine weitere Form der Gespräche, die ich so oft wie möglich pflege. Die unabdingbare Voraussetzung dazu ist: Eine innere Haltung, bei der ich mit voller Aufmerksamkeit beim Kind sein kann. Mein Bild dafür ist: Innerlich "in der Hängematte" liegen, völlig entspannt und gleichzeitig mit voller Präsenz. Zorn, Unmut und Abschweifen der Gedanken beeinträchtigen massiv.

Der Heranwachsende äussert unwirsch eine Bewertung. In der Regel beurteilt er Verhalten und Charakter anderer Menschen, Gruppen oder Institutionen.

Nach dem ersten Moment der Überraschung fange ich mich innerlich.

Ich signalisiere Interesse. "Ich habe eben gehört, was du gesagt hast. Das interessiert mich."

Das Gegenüber will darüber hinweggehen. Es ist für ihn erledigt.

Ich hake nach. "Wie hast du das gemeint?"

Die erste Antwort ist abwehrend. Es braucht Konzentration und Hartnäckigkeit, um den Moment nicht vorbeischwimmen zu lassen.

"An welchen Reaktionen machst du diese Bewertung fest?"

Es kommt eine zunehmend präzise Rückmeldung.

"Erzähle mir noch mehr davon. Was frustriert dich? Was stösst dich ab?"

Jetzt kommen Schlüsselmomente.

"Danke, dass du mir das erzählst. Ich stimme dir in folgenden Punkten zu."

Es ist wichtig, ein Feld für das gemeinsame Verständnis abzustecken.

"Das verstehe ich jetzt noch nicht."

Kein Schmeicheln! Es soll auch eine Differenzierung geben.

"Wie kommst du dazu, eine solche Bewertung vorzunehmen?"

Meistens erfolgt jetzt eine Relativierung.

"Was würde Gott zu einer solchen Bewertung sagen?"

Kein vorschnelles Eingeständnis akzeptieren.

"Nicht so schnell. Gott ist sehr wohl an der Wahrheit im Inneren interessiert. Er übergeht rein gar nichts."

Heranwachsende haben ein Sensorium für Wahrhaftigkeit. Keine Abschwächungen, bitte!

"Was lernen wir über uns selbst? Was würden wir anders machen?"

Die Selbstreflektion soll mit Lernpunkten einhergehen. Diese Lernpunkte halte ich schriftlich fest und komme darauf zurück.

Aufsatz: Die Versuchung durch Wohlstand und Sicherheit

Vor einiger Zeit habe ich anhand des Untergangs der antiken Hafenstadt Tyrus (Hesekiel 26-28) über die Versuchung von Wohlstand und Sicherheit nachgedacht (erschienen in Bekennende Kirche Nr. 69).

Kommen Sie bitte für einen Augenblick mit in die schönste Stadt der Welt, meine Heimatstadt Zürich. Nach einer aktuellen Umfrage steht sie bezüglich Lebensqualität weltweit an zweiter Stelle. Aus dem statistischen Jahrbuch der Stadt Zürich habe ich einige Details ausgegraben: 92 Prozent der Arbeitstätigen arbeiten im hochspezialisierten Dienstleistungssektor; der mittlere Lohn liegt bei  umgerechnet 7500 Euro; jedem Bewohner stehen 39 m2 Wohnfläche zur Verfügung; die Hotelübernachtungen der Touristen aus den Golfstaaten, aus Brasilien, Russland und China haben sich verfünffacht; es gibt 3,3 Prozent Arbeitslose; 1 Kilogramm Rind Entrecote kostet ca. 65 Euro und der Quadratmeterpreis liegt in den Wohngegenden zwischen 5000 und 10.000 Euro. Immer wenn ich vom Untergang der reichen Handelsstadt Tyrus lese, kommt mir meine Heimatstadt Zürich in den Sinn.

Gebet: Bitten für mein Heimatland

Wir werden uns heute bewusst, dass du unser Land regierst.
Durch mich regieren die Herrscher und die Edlen, alle Richter auf Erden. (Sprüche 8,16)
Gleich Wasserbächen ist das Herz des Königs in der Hand des HERRN; er leitet es, wohin immer er will. (Sprüche 21,1)

Allmächtiger Gott, schenke du unserem Land

1. Weise Führung
Wo es an weiser Führung fehlt, kommt ein Volk zu Fall, wo aber viele Ratgeber sind, da geht es [ihm] gut. (Sprüche 11,14)

2. Gerechtigkeit und das Aufdecken von Betrug
Gerechtigkeit erhöht ein Volk, die Sünde aber ist die Schande der Völker. (Sprüche 14,34)
Es ist Gottes Ehre, eine Sache zu verbergen, aber die Ehre der Könige, eine Sache zu erforschen.  (Sprüche 25,2)

3. Befreiung von gottlosen Herrschern
Wenn die Gerechten sich mehren, freut sich das Volk; wenn aber ein Gottloser herrscht, seufzt es. (Sprüche 29,2)

4. Weise, die Konflikte desekalieren
Spötter versetzen eine Stadt in Aufruhr, die Weisen aber wenden den Zorn ab. (Sprüche 29,8)

5. Eine Abscheu gegenüber Lügen
Wenn ein Fürst auf Lügenworte achtet, so werden alle seine Diener gottlos. (Sprüche 29,12)

6. Verantwortliche, die auf deine Offenbarung achten
Wo keine Offenbarung ist, wird das Volk zügellos, aber wohl ihm, wenn es das Gesetz bewahrt!  (Sprüche 29,18)

7. Eine sinnvolle Höhe der Abgabenlast
Durch Recht gibt ein König dem Land Bestand, aber ein Mann, der viele Abgaben erhebt, richtet es zugrunde. (Sprüche 29,4)

8. Genügend Kinder
In der Menge des Volkes besteht die Herrlichkeit des Königs, aber das Schwinden der Bevölkerung ist der Untergang des Fürsten. (Sprüche 14,28)

9. Bewahrung vor Ausbreitung der Korruption
Ein unverständiger Fürst erlaubt sich viele Erpressungen; wer aber ungerechten Gewinn hasst, wird lange regieren. (Sprüche 28,16)

10. Politische Stabilität
Ist ein Land frevelhaft, so erlebt es häufigen Fürstenwechsel; durch einen einsichtigen, weisen Mann aber hat es lange Bestand. (Sprüche 28,2)

Wenn die Kinder heranwachsen (1): Zielgespräche führen

Nimm dir Zeit und führe Gespräche.

Wie willst du einmal sein? Beschreibe mir, wie du mit 30 Jahren bist.

Das ist zu schwierig.

Tatsächlich ist das etwas, was für uns schwierig ist.

Meinst du, welchen Beruf ich ergriffen habe?

Das ist schon eine Folge dieser Beschreibung.

Welcher Beschreibung?

Wie du sein wirst. Wie wird dein Charakter sein?

Mein Charakter?

Ja, was dich als Person auszeichnet.

Ich kann sagen: Ich möchte einmal eine Frau haben, einen Beruf, der mir entspricht. Und ich möchte Menschen beeinflussen.

Das sind ja schon mal drei Dinge. Und wenn du keine Frau haben wirst?

Dann werde ich alleine glücklich sein.

Es ist wichtig einen Plan B zu haben. Diesen Plan hat Gott ausdrücklich vorgesehen.

… Gespräche in dieser Art führe ich immer wieder mit meinen Söhnen. Kinder haben viele Fragen, interessante Gedanken und zahlreiche Ideen. Doch wer nicht regelmässig als Vater mit ihnen über ihr Inneres spricht, dem werden sie tendenziell a) ihr Inneres verschliessen und b) darüber gar nicht sprachfähig werden.

Ich betrachte das Gespräch über das Innere und die Motivationen, die Freuden und Ängste als eine der wichtigsten Formen der Unterstützung beim Heranwachsen. Mich interessiert, was sie erleben und – noch viel wichtiger – wie sie es bewerten. Ich kann sagen: Solche Gespräche brauchen Zeit, volle Aufmerksamkeit und viel Kraft. Doch sie sind Gold wert.

Systematische Theologie für die Familienandacht (18): Gott ist Licht

Ein grosses Anliegen von mir ist es, in systematisch geordneter Weise einen Zugang zur biblischen Weltsicht zu verschaffen und diese konkurrierenden Anschauungen gegenüberzustellen. Das online verhandene Werk von J. I. Packer, "Concise Theology", stellt in 92 Lektionen einen solch thematisch geordneten Führer zur Verfügung. Ich nehme meine angefangene Arbeit auf, dieses Werk überarbeitet in deutscher Sprache zu Verfügung zu stellen.

Denn ich bin der HERR, euer Gott; darum sollt ihr euch heiligen und sollt heilig sein, denn ich bin heilig. (3Mose 11,44)

Wenn die Bibel Gott oder eine Person der Gottheit als „heilig“ bezeichnet (3Mose 11,44-45; Jos 24,19; Jes 2,2; Ps 99,9; Jes 1,4; 6,3; 41,14+16+20; 57,15; Hes. 39,7; Amos 4,2; Joh 17,11; Apg 5,3-4, 32; Offb 15,4), umschreibt es damit alles, was Gott für sich selbst beiseitesetzt und das ihn zum Objekt der Bewunderung und Anbetung erhebt. Der Begriff deckt damit unterschiedliche Aspekte seiner unsere Sinne übersteigenden Grösse und moralischen Vollkommenheit ab. Die Kernbedeutung zielt jedoch auf Gottes Reinheit, die keine Sünde tolerieren kann (Hab 1,13) und Sünder zu einer dauernden Selbsterniedrigung auffordert (Jes 6,5).

Nun ist Gottes Heiligkeit mit verschiedenen anderen Aspekten untrennbar verbunden:

Gerechtigkeit ist ein Ausdruck von Gottes Heiligkeit. Sein Gesetz ist Ausdruck dieser Gerechtigkeit, denn es ist „heilig, gerecht und gut“ (Röm 7,12). Er richtet gerecht, das heisst seinem Wesen entsprechend (1Mose 18,25; Ps 7,11; 96,13; Apg 17,31). Sein Zorn ist gänzlich gerecht in seiner Äusserung (Röm 2,5-16). Seine Gerichte im Sinne von konkreten Bestrafungen sind herrlich und anbetungswürdig (Offb 16,5+7; 19,1-4). Wann immer Er seine Bundesverpflichtungen einlöst, dann ist dies eine Geste seiner Gerechtigkeit (Jes 51,5-6; 56,1; 63,1; 1Joh 1,9). Und wenn Gott Sünder rechtfertigt, dann erzeigt Er sich als völlig gerecht (Röm 3,25-26).

Wenn Johannes davon spricht, dass Gott Licht ist und keinerlei Dunkelheit in Ihm wohnt, dann bestätigt dies das Bild von Gottes Heiligkeit. Gemeinschaft zwischen Ihm und einer willentlich nicht in der Heiligkeit lebenden Person sind nicht möglich (1Joh 1,5-2,1; 2Kor 6,14-7,1; Hebr 12,10-17). Der Ruf, dass wir Ihm gefallen sollen, ertönt im Alten wie im Neuen Testament (5Mose 30,1-10; Eph 4,17-5,14; 1Petr 1,13-22). Weil Gott heilig ist, sollte es sein Volk auch sein.

Predigt: Das Leiden Christi und die Realität des Leids

Der Theologe Didier Erne hat in einer Predigt eindrücklich vor Augen geführt, wie eine sorgfältig ausgearbeitete Liturgie und Predigt ineinander übergehen. Liedgut aus dem Schatz der Kirche, Psalmenlesung, Lesung und Auslegung eines Abschnitts aus Gottes Wort wird dem zeitgenössischen Denken und Handeln gegenübergestellt. Es wird aufgezeigt, wo wahrer Trost im Blick auf die Realität des Leids geboten wird. Hier meine Notizen:

Eröffnungslied „Du, meine Seele, singe“

Wie kommt es, dass Paul Gerhardt, der in seiner Zeit und in seiner Familie bitterstes Leid erleben musste (er lebte zur Zeit des Dreissigjährigen Krieges), so frohe Lieder schreiben kann?

Leitgedanke: Das Christentum ist die einzige Religion, die alle komplexen Lebenssituation fassen kann, ohne einen Teil der Realität zu verleugnen oder auszublenden!

Wechselgesang Psalm 111

„Groß sind die Werke des HERRN; wer sie erforscht, der hat Freude daran. Was er tut, das ist herrlich und prächtig, und seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich.“ (V. 2-3)

Der moderne Mensch kann Gottes herrlichen Werken gegenüber gleichgültig sein. Er ist untergründig von der evolutionären Weltanschauung geprägt, welche die gegenwärtige Welt als Ergebnis eines ziellosen Kampfes betrachtet.

Der Psalmist beschreibt hingegen, was wahre Wissenschaft ist: Der von Gott erlöste Mensch weiss, woher sein Wissensdurst stammt. Er erforscht eifrig die Welt seines Schöpfers, was ihn zur Anbetung führt.

Gewissenserforschung 1Petr 1,15-16 / 1Joh 1,1-8

Wir feiern 2017 500 Jahre Luther. Gott gebrauchte diesen Menschen, um die Erkenntnis wieder ins Zentrum zu stellen, dass das Grundproblem des Menschen ethischer und nicht metaphysischer Natur ist. Es geht nicht in erster Linie um eine Frage des Wissens, sondern des Wollens.

Den Standard Gottes hat Er uns durch die Zehn Gebote kundgetan. Wir halten uns vor Augen, dass es am Anfang nicht um ein Wohlverhalten gegenüber dem Nächsten, sondern gegenüber Gott geht. Wir stellen (moralistisch) oft ein bestimmtes Verhalten gegenüber dem Nächsten in den Vordergrund und drücken bei Gottes Geboten gerne ein Auge zu. Doch wer Gott und seine Gebote nicht liebt, liebt auch seinen Nächsten nicht.

Zudem reden wir oft von Problemen und selten von unserer Sünde. Es ist wie wenn wir den Karren vor das Pferd spannen würden: Gott soll uns helfen, unsere aktuellen Probleme zu lösen. Doch zuerst geht es um unser schuldbeladenes Sein.

Der moderne Mensch hat sich von seinen geistlichen Wurzeln getrennt und verortet auch die Fragen betreffend Gott diesseitig. Im Grunde sagt er mit Sinatra: „I did it my way.“ – „Ich bin halt so, und eigentlich bin ich noch stolz darauf.“

Brücke zur Predigt

Jede Gesellschaft muss eine Antwort auf Leid zur Verfügung stellen, weil Leid allgegenwärtig ist. Führen wir uns die Grundideen verschiedener Religionen vor Augen:

  1. Säkularismus: Leid ist SINNLOS. Deshalb fokussieren wir uns auf den nächsten Moment und auf das Vergnügen. Auf die Spitze trieb es die Generation der 68er mit den Drogen. Wenn die Wirkung der Spritze weg ist, ist auch das Vergnügen weg.
  2. Buddhismus: Leid entsteht durch falsche Begierde. Im Grunde genommen ist Leid eine Frage des Kopfes, also eine ILLUSION. Deshalb können wir es aus eigener Kraft überwinden.
  3. Islam: Alles Geschehen ist „inschallah“. Gott steht über dem Leiden und ist von ihm nicht berührt. Uns bleibt der FATALISMUS, denn wir wissen nicht, ob es sich zum Guten wenden kann.
  4. Katholizismus: Diese Interpretation des Christentums sieht Leid als VERDIENST an, durch den wir uns Gott nähern können.

Christi Leiden in Gethsemane, Matthäus 26,36-43

Jesus lässt die meisten seiner Jünger zurück, um sie zu schonen. Die drei Jünger, die schon einen Blick in die Höhe (auf dem Berg der Verklärung) tun durften, erhielten nun auch noch einen Eindruck in die Tiefe seines Leidens und die Momente der grössten Schwachheit.

Beobachtungen zum Leiden Christi

  • Jesus war nicht nur Gott in einem Scheinleib, sondern wahrer Mensch. Er spielte nichts vor!
  • Die griechischen Verben verraten eine überaus starke Form von Leid.
  • Er stand – auch in seiner Sündlosigkeit – in einer riesigen Spannung des Warum.
  • Ihn plagten zudem, wie es der Kirchenvater Hieronymus sagte, die Versuchung der Jünger und selbst das Schicksal von Judas.
  • Er zeigte auf, wie schwach die menschliche Natur angesichts des Leidens ist.
  • Er ging durch das Leid hindurch und überwand es.
  • Sein Leid hatte einen höheren Zweck: Die Ehre seines Vaters und die Rettung eines Eigentumsvolkes.

Seelsorgerliche Anwendungen

  • Schmerz hat einen Platz in unserem Leben.
  • Wir leiden mit anderen mit.
  • Wir wollen Dinge, die Gott anders will, ohne dass dies sündhaft sein muss.
  • Wahre Demut bedeutet, den eigenen Willen unter Gottes Willen zu beugen.
  • Ohne Kampf keine Überwindung.
  • Kein Überwinden des Kampfes ohne Gebet.

Antworten des Christentums auf das Leid.

  • Das Leid hat einen übergeordneten Sinn, es ist mehr als Selbstzweck. Es geschieht um unserer Bewährung willen, welche Hoffnung hervorbringt.
  • Leid ist nicht bloss Illusion, es ist Realität. Wir überwinden es nicht aus uns selbst, sondern nur durch Gottes Kraft.
  • Wir haben einen Gott, der mitleidet.
  • Leid ist kein Verdienst, sondern vollzieht sich in unserer Schwachheit.

Schlusslied „Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich“

Mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein,
ist voller Freud und Singen, sieht lauter Sonnenschein.
Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ;
das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist.

Reader Nr. 2: Erziehung aus christlicher Weltsicht

Immer wieder mal werde ich nach neuen Formaten gefragt. Hier ist Reader Nummer 2: Erziehung aus christlicher Weltsicht.

Das Inhaltsverzeichnis:

Drei grundsätzliche Überlegungen

  1. Die wichtigste Frage für jede Familie
  2. Erziehung in frommen Kreisen
  3. Moralismus und Relativismus: 20 Beispiele aus dem Alltag

7 Schlüsselüberlegungen

  1. Beobachtungen im Zug
  2. Abschied in Raten – wie sieht eine gesunde Loslösung von unseren Kindern aus?
  3. Ich muss meine Kinder nicht glücklich machen
  4. Kinder zur Ausdauer anleiten
  5. Meinen Nachwuchs auf den Arbeitsmarkt vorbereiten
  6. Wer zornig ist, hat schon verloren
  7. Im Spannungsfeld von Ehrgeiz und Resignation

5 Buchbesprechungen

  1. Wolfgang Bergmann. Ich bin der Größte und ganz allein: Die innere Not unserer Kinder: Der neue Narzissmus unserer Kinder.
  2. Thomas Gordon. Die Neue Familienkonferenz. Erweitertes Erziehungsrepertoire jenseits von Bestrafung und Belohnung
  3. Bernhard Bueb. Das Lob der Disziplin. Durch Disziplin aus der ich-zentrierten Anspruchshaltung herausfinden
  4. Albert Wunsch. Die Verwöhungsfalle. Unangenehme Operation nahe am gesellschaftlichen Nerv
  5. Klaus Doppler. Der kleine Kämpfer und sein Weg ins Glück. Was ich nicht tue, wird nicht geschehen (?)

Weiterlesen

  • 5 Aufsätze
  • 6 EBooks mit über 500 Lernerlebnissen