Hanniel hirnt (93): Wie ist das mit der Heiligung?

Wer wiedergeboren wird, hat eine Wegstrecke vor sich, die bis zum Tod andauert. Diese ist geprägt von einem Auf und Ab, von sonnigen und nebligen Etappen. Es ist ein Fallen und Aufstehen, bis es am Schluss in die Herrlichkeit geht. Der Tod ist der letzte Feind. Jesus hält bis zum Schluss. In diesem 30-minütigen Podcast beschäftige ich mich mit dem umfassenden Thema in drei Schritten:

  1. Wiedergeburt ist der Startpunkt. Ohne neues Leben keine Heiligung. Wann und wie Gott Menschen bekehrt, geschieht äusserst vielfältig. Ich betrachte die beiden Prototypen Petrus und Paulus.
  2. Zwischen Wiedergeburt und dem Heimgehen gehen wir durch viele Anfechtungen. Ich bringe das Bild des D-Day/V-Day (aus dem Zweiten Weltkrieg) und einige Szenen aus John Bunyans Pilgerreise.
  3. Wir sind gerechtfertigte Sünder. Wir können noch sündigen, müssen aber nicht mehr. Das lehrt uns vor allem der 1. Johannes-Brief.

Vortrag: Warum ich exegetisch hinter der neuen alten Paulus-Perspektive stehe

Als Einleitung meiner Auslegung der Paulusbriefe (Mitschnitt) habe ich eine erste Vorlesung zu Paulus gegeben. Ich stützte mich vor allem auf die ausgezeichnete Einführung von D. A. Carson/Moo, Introduction to the New Testament. IVP, 2005 (2. Auflage), S. 354-390.

Ich habe zudem auf das kurze, zusammenführende und stark auf der Auslegung der Texte beruhende Buch des schwedischen, in Kanada lehrenden Theologen Stephen Westerholm, Justification Reconsidered, hingewiesen. Eine knappe Übersicht über die aktuelle Paulusforschung und Gründe, weshalb wir bei der reformatorischen Auslegung der Paulus-Texte bleiben sollten, hat Ron Kubsch "Handreichung zur Neuen Paulus-Perspektive" auf verkraftbaren 76 Seiten geliefert. Kubsch ist auch Verfasser einer ausgezeichneten inhaltlichen Rezension zu Westerholms kurzen Buch.

Im ersten Teil zur Bedeutung von Paulus stellte ich die Kontinuität zwischen Jesus und Paulus heraus, wobei die historisch-kritische Forschung ja standardmässig Unterschiede, Weiterentwicklung, ja Verzerrung sehen will. Gerade die Berufung und Beauftragung von Jesus (Apg 9) stellt hierfür den Anfangspunkt dar.

Dann wandte ich mich einigen Details seiner Biografie zu, wie etwa seinem ersten Beruf als Zeltmacher, seiner erstklassigen Ausbildung, der jüdischen Prägung (sprachlich und kulturell) wie auch dem römischen Bürgerrecht.

Natürlich durfte auch ein Überblick über den missionarischen Dienst nicht fehlen. Paulus lange 17 Jahre bis zur ersten Missionsreise, seine drei grossen Reisen der Apostelgeschichte sowie den weiteren – aus den Briefen rekonstruierten – Verlauf gehören dazu.

Wirklich sehr kurz stellte ich die Bemühungen dar, Paulus in einem anderen Licht darzustellen (Neue Paulus-Perspektive). Was als letzter Schrei verkauft wird, ist bereits über 40 Jahre alt. Es gibt heute auch in der Forschung berechtigte Bedenken.

Predigt: Behüte dein Herz!

In der Einleitung meiner Predigt zu Sprüche 4,20-27 (Mitschnitt) habe ich einige Momente verwendet, um zu erklären, von welcher inneren Landkarte ich ausgehe, wenn ich predige.

  1. Wir leben in einer nach-säkularen Zeit. Über Generationen ist die Substanz des christlichen Glaubens und der Weltsicht wegerodiert. Nun verschwinden in einem beängstigenden Tempo auch die Formen dieses Glaubens. Substanz weg, Form (zumindest teilweise) weg – das bedeutet: Es wirkt noch in den "Tiefenschichten" und zum Glück strukturell (Gesetze, Wirtschaft, Bildung) nach. Doch der neu-heidnische Ansatz (Schamkultur, Eklektizismus) hat Fuss gefasst und macht Plätze wett.
  2. Die Christen hinken noch einige Takte hinterher. Sie sind noch stark mit der Selbst-Säkularisierung beschäftigt. Doch diese Demontage geschieht beschleunigt. Zum Teil gutgläubig (zum Beispiel mit dem "Liebesgeflüster Gottes", einer entarteten Darstellung von Gottes Charakter) vollziehen sie Entscheide nach (Sexualethik, Medizinethik) und wollen um (fast) jeden Preis politisch korrekt bleiben.
  3. Die Erneuerung kann nur durch den Geist Gottes kommen. Dieser wirkt Hunger nach seinem Wort (Amos 8,11). So wie zur Zeit der Propheten dieses Wort verkündigt wurde, so ergeht es heute in doppelter Hinsicht: Es ruft zur Busse auf (Segen), und es warnt vor dem Gericht (Fluch).

Durch den Ansatz der (radikalen) Leserorientierung verkürzen sich viele Bibelleser den Weg zum Wort Gottes. Diese Abkürzung wird für sie zur Falle. Weshalb? Sie gehen oftmals an den Hauptbotschaften, die Gott bereithält, vorbei. Es ist deshalb wichtig, bei jedem Abschnitt sorgfältig zu bedenken: Wo steht er? Weshalb steht er dort? Was ist die Hauptbotschaft?

a) Ein weiser Lehrer wendet sich väterlich an…
b) einen aufmerksamen Schüler
c) und lehrt ihn über die wahre Weisheit.

Wahre Weisheit gibt es nur in einem offenen Universum, das mit dem persönlich-unendlichen Gott rechnet. Sie wendet sich gegen das Böse, wobei die Linie zwischen Gut und Böse nicht von Menschen, sondern durch Gottes Gesetz vorgegeben wird (vgl. Sprüche 8,13). Diese Weisheit wirkt sich Tag für Tag in jedem Lebensbereich aus.

Im vorliegenden Abschnitt geht es um die 7. Mein-Sohn-Lektion. Der Abschnitt strotzt nur so von verschiedenen Körperteilen (Ohr, Augen, Herz, Leib, Mund, Augen, Fuss). Zudem ist er durchsetzt von Tätigkeitswörter für die innere und äussere Orientierung. Die Mitte des Abschnitts ist V. 23 mit der Priorität, sein eigenes Herz zu behüten.

1. Schritt: Deine Schaltzentrale muss erneuert werden. Unsere innere Schaltzentrale, das Zentrum für sämtliche Entscheidungen, muss von Gott ersetzt werden. Diese Herzoperation können wir nicht selbst vornehmen. Was würde registriert werden, wenn in einem 24-Stunden-Gedanken-EKG alles aufgezeichnet würde (Hoffnungen, Ängste und Befürchtungen)?

2. Schritt: Achte darauf, was du dir zuführst! Wir sind Empfänger von unzähligen Signalen. Wir werden bombardiert. Wir steuern mit, was wir aufnehmen und wovor wir uns schützen. Welche Botschaften sind zugelassen? Welche wollen wir überhören? Was sind unsere Quellen? Was sind gute Quellen, werden aber selten gehört? Was sind schlechte Quellen, denen wir zuviel Aufmerksamkeit schenken?

3. Schritt: Achte darauf, wo du hingehst! Nimm Abstand von verkehrten Reden (z. B. Verleumdungen, Zurechtbiegen von Informationen, Selbstrechtfertigung). Beginne dich zu achten, wohin deine Augen schweifen. Diese internalisierten Impulse bewegen uns zu dem, wo wir hingehen.

Fazit: Das von Christus erneuerte Herz entwickelt neue Gewohnheiten für seinen Input, was seine Lebensschritte in eine andere Richtung lenkt.

Zitat der Woche: Das Gegenteil eines komfortablen Lebens garantiert

Mark Dever beschreibt eindrücklich die Theologie des Kreuzes am Beispiel des schwachen Paulus in 2. Korinther. Er ist bedrängt bis zum Äussersten (1,5+7-9; 4,7-10; 7,5; 11,30) und physisch angeschlagen (4,16 + 5,1; 11,23-28; 6,4-5; 12,7). Zudem war er äusserst in Sorge über die Korinther, zwischenzeitlich entlastet, doch bereits wieder in Erwartung grauer Wolken (2,1+4+12f; 7,12f; 13,2). Er wurde grundsätzlich in Frage gestellt durch rhetorisch brillante, nach aussen stark und wirkmächtig auftretende Superapostel (11,13; 12,11). Er, der kleinlaut auftretende und abwesend scharf schreibende (10,1+10).

Was hat uns dies als Christen im 21. Jahrhundert zu sagen? Dever:

How true is what Paul writes in chapter 5: “we live by faith, not by sight” (5:7). If you want one verse that summarizes all of 2 Corinthians, 5:7 is a good one: we live by faith and not by sight. Paul wants the Corinthians to be able to “answer those who take pride in what is seen rather than in what is in the heart” (5:12). Could it be any clearer? The message of Christianity is not finally in how I can guarantee you a comfortable life in this world. Or how I can guarantee you victory in this world. Or how I can guarantee you esteem in the eyes of the world. If anything, I can almost guarantee you the opposite insofar as you are faithful to follow Christ. The false apostles compare themselves to one another by outward appearance (10:12)—bank accounts, degrees, distinguished admirers, chiseled features, chest-to-waist ratios, vocabulary, powers of persuasion. Paul does not. Paul was known to be a short, large-nosed, bald, timid-in-person man. That was Paul. A fearful writer of sharp letters. Yet he says assessing a man’s message by a man’s outward appearance is inimical to the Christian faith. It goes against the very faith the Corinthians claimed to promote.

… Everything from looking for a job to facing surgery to working on a difficult marriage, those are the very things God has planned to use for his own glory. Why do you think he has chosen you? Not because you were so virtuous. Why do you think he has chosen us? Not because we have no vice. Not because we have never broken the law. Not because we have never sinned against God. Not because we have never committed adultery or hated or coveted in our hearts. No! He has chosen us because he wants to make his grace to forgive and his power to change clear to the world around us. And to that end, you, if you are a Christian, are exhibit number one.

Mark Dever. The Message of the New Testament. Crossway: Wheaton, 2005. (200+203)

Zitat der Woche: Die zwei Realitäten

Guy Prentiss Waters skizziert meisterhaft die beiden Realitäten, in denen sich Christen bewegen:

In (1Corinthians) 1:10–4:21, Paul is pivoting back and forth between two mutually exclusive realities vying for the loyalties of the Corinthians. On the one hand, there is the “wisdom of the world,” the “wisdom of this age,” which Paul describes using the adjectives “natural,” “fleshly,” and “human.” On the other hand, there is the “gospel,” the “wisdom of God,” which is not only “spiritual” but has been uniquely conveyed to the church by the “Spirit,” through the apostles.

The contrast between “flesh” and “Spirit” is both significant and oft-repeated in Paul’s letters. In Romans 1:3–4, it expresses the aeonic, eschatological, or redemptive historical contrast between two orders or ages. As Herman Ridderbos has observed, “flesh” and “Spirit” “represent two modes of existence, on the one hand that of the old aeon which is characterized and determined by the flesh, on the other that of the new creation which is of the Spirit of God.” How does Paul understand these two aeons or ages? There is, on the one hand, this present age, or what Paul calls “the present evil age” (Gal. 1:4). For Paul, this age is spatiotemporal. It is a span of time, but more than a span of time. It is a moral order that characterizes and defines the world of humanity untouched by the saving grace of God in Christ. It is for this reason that Paul can use the terms “age” and “world” synonymously in 1 Corinthians 1:20 and 2:6. This age stands in systemic and concerted rebellion against and hostility toward God and Christ. Thus, it is “the rulers of this age” who “crucified the Lord of glory” (1 Cor. 2:8).

Paul, however, defines the age to come, inaugurated in history by the resurrection of Christ from the dead, in terms of the activity of the Spirit who raised Christ from the dead. In a word, Paul can speak of this order in terms of the “life” that Christ has secured by his death and resurrection, the “life” that the Spirit is now applying to his people (Rom. 8:10). This application begins when the Spirit unites a sinner to Christ in his death and resurrection and when, by the Spirit, that sinner lays hold of Christ by faith (Eph. 2:5–6; Col. 2:12). This dynamic helps to explain why Paul identifies the gospel of the cross of Christ with a wisdom that he proceeds to define explicitly in terms of the revelatory activity of the Holy Spirit (1 Cor. 2:12–14). For Paul, it is not simply that Christians have been translated from this present evil age and brought into the age to come. They certainly have experienced that transfer (Gal. 1:4; Col. 1:13). But they have not altogether left this present age. As Paul tells the Corinthians in 1 Corinthians 5:10, Christians have not presently left the “world.” Having been delivered from this age, we yet continue to live within this age, even as we no longer belong to this age. Negotiating life in the overlap of the ages is not always easy. It poses certain challenges and opportunities for believers.

Guy Prentiss Waters. 1-2 Corinthians. In: Michael J. Kruger. A Biblical-Theological Introduction to the New Testament. The Gospel Realized. Crossway: Wheaton, 2016. (202-203)

Zitat der Woche: Bullinger über das Buch der Offenbarung

Heinrich Bullinger (1504-1575) hat sich lebenslang sehr für das Buch der Offenbarung interessiert. Der Zürcher Reformator hat 101 Predigten zwischen dem 21. August 1554 und dem 29. Dezember 1556 jeweils am Dienstag im Großmünster zum letzten Buch der Bibel gehalten. Das gedruckte Werk widmete er "allen, die in Deutschland und in der Eidgenossenschaft wohnen, aus Frankreich und England, aus Italien und andern Königreichen und Nationen um Christi willen vertrieben sind, ebenso allen Gläubigen, wo sie auch wohnen und auf die Wiederkunft unsres Herrn Jesus Christus warten". In den ersten zehn Jahren nach dem Erscheinen erschienen 16 Auflagen in fünf Sprachen. Büsser fasst die Aktualität so zusammen: "In den unzähligen Wirren und Nöten der Zeit, in Krieg, Krankheit, Hunger und Tod, im Ansturm der Türken, in Irrtum und Aberglauben, vor allem aber im religiösen Aufbruch meinten die Menschen damals in ganz Europa sichere Anzeichen dafür erkennen zu können, daß der Jüngste Tag nicht mehr fern sei." Wie in allen Kommentaren gibt der Reformator auch in den Apokalypse-Predigten grundsätzlich eine fortlaufende Erklärung des Bibeltextes. Zum besonderen Charakter der Visionen schreibt Bullinger:

Was wollen wir dazu sagen, dass der Herr im Evangelium dem Volk die meisten Geheimnisse durch Gleichnisse und Bilder vorgestellt und erklärt hat? Was für ein Unterschied besteht denn zwischen den Gesichten und Bildern Jesu und des Johannes?… Diese Art der Sprache verdunkelt die Dinge nicht, sondern macht sie klar; sie hilft viel, etwas heiterer und verständlicher zu machen und stärkt auch das Gedächtnis. Auf diese Weise werden die Dinge nicht allein mit Worten erzählt und gehört, sondern auch vor Augen gestellt.

Welche Bedeutung hat das Buch für das Gottesvolk? Bullinger schreibt,

dass die Kirche, so lange sie auf dieser Welt ist, um des Herrn Christus und des Bekenntnisses der Wahrheit willen viel und mancherlei zu leiden haben wird. Johannes offenbart in grosser Klarheit nahezu alles, auch im einzelnen, wie die Kirche durch allgemeine Trübsale (Krieg, Krankheit, Hunger und dergleichen) geübt wird und wie sie im besonderen von falschen Brüdern, durch Ketzereien und Trennungen, durch langwierige und schwere Streitigkeiten sowie durch Verfälschung des Glaubens zu erdulden hat, wie grimmig sie das alte Römische Reich durch grausame Verfolgungen, zuletzt der Antichrist mit schnöder Arglist und grösster Tyrannei peinigen und plagen wird. Das alles zielt allein dahin, dass die Erwählten, genügend vorgewarnt und bereit, allzeit (so lange die Welt steht) und allein dem Herrn Christus, ihrem Erlöser, dem einzigen und ewigen König und Hohepriester in wahrem Glauben anhangen…

Die Tröstung eines Ältesten im Thronsaal Gottes (Offb 4+5) dient dazu

dass alles Klagen, Weinen, Brummen, die mancherlei Anfechtungen und die Unruhe unseres Herzens nicht gestillt, gesetzt und zur Ruhe gebracht werden können, es sei denn, wir sähen und glaubten (was hier heiter und klar angezeigt wird), dass Christus von Gott, seinem Vater, alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist; dass er von Gott, dem Vater, verordnet ist als einziger Erlöser, ebenso als Haupt, Fürst und Regent der Dinge. Er soll unter dem Siegel der Treue (fidei) und Wahrheit alle von Gottes Vorsehung verordnete Dinge regieren und verwalten; er soll die Geheimnisse von Gottes Gerichten offenbaren, so weit das nützlich und gut ist. Wenn wir das aufrichtigen Herzens glauben, werden wir ein ruhiges Gewissen haben bei allem, was Gott tut, selbst wenn das hart ist und von der Mehrzahl für unbillig gehalten wird. Wir wissen, dass der, durch den alles verwaltet wird, unseres Geschlechts, ja unser Bruder und darum von Herzen zugeneigt ist. Er hat für uns den Tod erlitten; er hat in der Welt nichts lieber als den Menschen und hat darüber hinaus Teufel und Hölle überwunden,

Fritz Büsser. H. Bullingers 100 Predigten über die Apokalypse. Zwingliana 27 (2000), S. 117–131.

Publikation: Drinnen und draussen – als Christ in einer säkularen Umgebung bestehen

Zusammen mit Jonas Erne bringe ich ein kurzes Buch zur Kulturtheologie unter dem Titel "Drinnen und draussen – als Christ in einer säkularen Umgebung bestehen" heraus (zum Cover). So bald der Verlagslink steht, werde ich ihn aufschalten.

Worum geht es? In der Einleitung umreissen wir das Vorgehen:

Dieses Buch folgt einer Spur. Sie beginnt ganz persönlich. Ich (Hanniel) schildere Situationen aus meiner Biografie und das Entstehen der Frage, die diesem Buch zugrunde liegt. Dann ergänzt Jonas mit seinem „Werdegang“ und einem übergeordneten Blick auf die Kirchengeschichte.

Eine biografische Einleitung zu den drei Theologen Herman Bavinck, Paul Tillich und David F. Wells beleuchten deren Standort sowie den Grund, weshalb sie die Frage nach Christentum und Kultur beschäftigte.

Drei zentrale Begriffe werden anhand des Werks jeweils eines dieser Theologen beleuchtet: Kultur (Tillich), Welt (Wells) und Weltanschauung (Bavinck).

Daran schließen sich drei Kapitel an, die jeweils ein wichtiges Thema anhand des Werkes einer dieser drei Theologen untersuchen: Mit Bavinck überlegen wir uns, wie Natur (Schöpfung) und Gnade (Erlösung) miteinander zusammenhängen. Wir erkunden Tillichs Grundverständnis der Korrelation, also der Frage, wie die Theologie Fragen der Gegenwart beantworten kann. Wells zeigt uns auf, weshalb die Frage nach der Wahrheit und die Frage nach Gott die Schaltstellen für eine Neuausrichtung wesentlich sind. Aus dieser Beschäftigung ziehe ich je zwei wichtige Lernpunkte von jedem der drei Theologen heraus. Den Abschluss bilden zwei kurze Aufzählungen, wie wir in unserer säkularen, oft antichristlichen Zeit als Christen leben, sie überwinden und die Wahrheit bezeugen können.

Im Anhang wird auf einige weitere Werke zum Thema verwiesen und jeweils ein Hauptlernpunkt kurz dargestellt.

Hanniel hirnt (92): Vogelflug durch die Apostelgeschichte

In der Kirche gehen wir zur Zeit Abschnitt für Abschnitt durch die Apostelgeschichte. Es war Zeit für einen Vogelflug (Dauer: 38 Minuten) durch dieses wunderbare, ermutigende Buch. Ich äussere mich zu

  • Autor: der Arzt und Historiker Lukas
  • Hauptakteur: dem Heiligen Geist, dem eigentlichen Regisseur
  • geografischen Bewegungen: von Jerusalem in die Umgebung bis an die Enden des Römischen Reiches
  • zwei Hauptpersonen: Petrus (erster Teil) und Paulus (zweiter Teil)
  • den diversen Reden: Evangelisation und Verteidigung
  • der Rolle der Christen: Zeugen (Märtyrer), manchen Widerstand in Kauf nehmend
  • dem offenen Ausgang: das Werk geht bis zur heutigen Stunde weiter
  • der Souveränität Gottes bei der Bekehrung

Kolumne: 10 Anzeichen für Entmännlichung

Zur Zeit des alten Israels gab es eine Periode, in welcher die Einwohner zur Besatzungsmacht der Philister gehen mussten, wenn sie ein Ackergerät schleifen wollten (1. Samuel 13,19-21). Gott gebrauchte den Mut eines einzelnen Mannes (Jonathan), um sein Volk aus der Fremdherrschaft zu befreien (1. Samuel 14,6; "es ist dem HERRN nicht schwer, durch viele oder durch wenige zu retten!") Es scheint mir so, als ob wir uns Männer oft selbst der Stärke berauben. Wodurch?

  1. Mann flüchtet sich in die Freizeit (Übernahme des säkularen Dualismus Arbeit/Freizeit).
  2. Die Arbeit ist zum Geld-Verdienen da (keine Weiterentwicklung des Fachgebiets zu Gottes Ehre).
  3. Die Planung wird ohne Nachdenken an der Peer ausgerichtet (Fremdherrschaft).
  4. Den Alltag bewältigt Mann ohne geistliche Disziplinen (ein kraftloses Von-der-Hand-in-den-Mund-Leben).
  5. Frau und Kinder bleiben ohne geistliche Impulse (und werden im geistlichen Kampf schutzlos preisgegeben).
  6. Der permanente Zielpunkt ist das nächste Vergnügen. (Die Perspektive der Ewigkeit ordnet hingegen Prioritäten.)
  7. Das Kriterium zur Verständigung mit dem Ehepartner ist konsequent egalitaristisch/paritätisch: Einmal ich, einmal du.
  8. Mann geht nicht auf den Konflikt zu, sondern lässt Gras darüber wachsen.
  9. Der Tagesablauf wird ohne körperliche Anspannung geplant.
  10. Mann bleibt ohne Aufgaben in Kirche und Staat (Dualismus privat/öffentlich).

Modell: Der unbiblische Erzählrahmen von Megachurch-Pastoren

Maltje Detje (Hamburger Pfarrer, Blogger) hat einige Bücher von Megachurch-Pastoren gelesen und folgenden Erzählrahmen entdeckt. Er fügt an: "Ich nehme mal meine Bewertung vorweg: Ich sehe darin nicht das biblische Christentum abgebildet."

  1. Gott: Gott ist gut. Er liebt dich unendlich und will darum nur das Beste für Dein Leben. Er will Dich in ein großartiges und überreiches Leben führen.
  2. Der Plan: Er hat einen großartigen Plan für Dein Leben. Seine Vision für Dein Leben übersteigt Dein Vorstellungsvermögen.
  3. Offenbarung: Du kannst Gottes großartigen Plan für Dein Leben erkennen, wenn Du ihm Dein Herz öffnest. Gott schenkt Dir seine Vision. Du hast einen großen Gott, also träume groß!
  4. Glaube: Gott, will dass wir daran glauben, dass er uns überreich beschenken will. Glaube an den Traum, den Gott Dir geschenkt hat! Ob die Vision Wirklichkeit wird, hängt auch davon ab, ob wir daran glauben.
  5. Jesus: Jesus ist das Beispiel für ein überreiches Leben. An ihm müssen wir uns orientieren.
  6. Gnade: Gott hat Dir Gaben und Talente anvertraut. Er hat dich mit einer einzigartigen Kombination aus Fähigkeiten und Charakterzügen beschenkt. Also nutze sie und sei du selbst!
  7. Teufel: Satan will dich klein halten, er will deine Vision stehlen. Er redet Dir ein, dass du das große Abenteuer, das vor dir liegt, nicht meistern kannst.
  8. Schritte gehen: Damit Gottes Plan für dein Leben Wirklichkeit wird, musst Du bestimmte Schritte gehen:
    a. Abbrechen: Mache Schluss mit der „Tyrannei des Gewöhnlichen“, beende Freundschaften, die Dich klein halten & vom Träumen abhalten. Lass Deinen Kleinglauben hinter Dir.
    b. Verlasse die Komfortzone! Gottes Plan für Dein Leben führt dich ins Unbequeme. Aber dort wächst du und kommst der Vision näher. Gott führt uns durch schwere Zeiten, um uns herauszufordern.
    c. Im Stürmen dran bleiben. Es gibt Rückschläge, Enttäuschungen und unerfüllte Träume. Das ist die Zeit des Wartens. Nun gilt es dran zu bleiben, dass wir und unser Glaube daran wachsen können. Es kommt die Zeit, da Gott uns überreich beschenken wird und die Vision wahr wird. Wenn wir selbstverschuldet scheitern, ist Gott gnädig. Er sieht mehr in uns, als wir in unserer Scham selbst sehen können. Sind wir im Kleinen treu, wird er uns doppelt reich beschenken.
  9. Wichtige Bibelverse:
    – Phil 4,13: „ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht.“
    – Sprüche 29,18: „Wo keine Vision ist, da wird das Volk wild und wüst.“
    – Epheser 3,20: „Dem, der überschwänglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen…“
    – Mt 14,22-33: Petrus geht auf dem Wasser
    – Römer 8,28: „Wir wissen aber, dass denen die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“