Kolumne: Wie führe ich mich in Belastungsspitzen?

Was sind meine Überlegungen in Zeiten der Hochleistung?
 
Vor der Hochleistung
  • Das Zentrale sind die Erwartungen. Ich nehme den Engpass vorweg.
  • Für Anreisen rechne ich genügend Zeit ein und stelle mich innerlich auf Verspätungen ein.
  • Als introvertierter Mensch achte ich auf meinen Energiehaushalt bei Begegnungen.
  • Bezüglich Schlaf bleibe ich realistisch: Meistens sind es drei Zyklen à 90 Minuten.
  • Ich trinke mehr Wasser als sonst und esse vor allem abends nicht schwer.

Während dem Auftritt

  • Wenn es mir in den Sinn kommt, achte ich mich auf Atmung und Anspannung (Rücken, Lenden, Gesäss).
  • Keine "Seitentüren" öffnen (z. B. eine zusätzliche Diskussion).
  • Zeit lassen für die einzelnen Sätze. Die anderen brauchen Zeit fürs Aufnehmen.
  • Wenn immer möglich kurze Pausen zum Festhalten, Verarbeiten und Austauschen einbauen
  • Ich nütze Räume zum Rückzug.
Direkt nach der Hochleistung
  • Ich schreibe auf, was mir an Gedanken kommt.
  • Manchmal verfasse ich einen Artikel, weil es nach Auftritten so präsent ist.
  • Ich wechsle unterwegs den Platz, wenn ich merke, dass ich die Gespräche der Sitznachbarn nicht absorbieren kann.
  • Besonders achte ich auf meinen eingesackten Oberkörper und gehe immer wieder bewusst in eine korrekte Körperhaltung.
  • Ich habe verschiedene Atem- und Entspannungsübungen auf Lager.
Folgetag
  • Manchmal trinke ich am Folgetag keinen Kaffee, um meine Müdigkeit ganz zu spüren.
  • Ich rechne mit einem emotionalen Einbruch.
  • Ich legte mich nach Möglichkeit zwischen 1300 und 1500 Uhr hin (selten zwischen 1700 und 1900 Uhr).
  • Nach Möglichkeit gehe ich schwimmen.
  • Ich lege mir eine erleichterte Arbeitslast auf. Was nicht sofort ausgeführt werden soll, geht auf eine Liste zur inneren Entlastung.

Hanniel hirnt (60-64): Eine Charakterisierung der Postmoderne

Meine siebenteilige Podcast-Serie "Die Gegenwartskultur im Spiegel Nietzsches" beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Verschwindens des Christentums.

Aufgepasst: Ich las das Buch langsam über Wochen und lies die Inhalte sacken. Es kann sein, dass die einzelnen Folgen nicht im ersten Durchgang verständlich sind. Wiederholung kann die eigene Auseinandersetzung erst in Gang setzen.

Ich habe vier längere Zitate aus dem Buch gebloggt: "Wir treten in das Zeitalter der Retabuisierung ein"; "Nur noch den Augenblick benutzen"; "Das Leiden ist der stumme Fels, an dem die Religion der Moderne zerschellt"; "Der unklare Begriff der Werte"

Einige mögen fragen: Ist eine solche Auseinandersetzung nötig? Wir stehen in Gefahr von der Gegenwartskultur "aufgefressen" zu werden, und zwar in zwei entgegen gesetzten Richtungen: Weltflucht und Anpassung. Ich weiss nicht, was gefährlicher ist.

Zitat der Woche: Das Wort Gottes als Quelle und Norm christlichen Glaubens und Lebens

Der Zürcher Reformator Heinrich Bullinger (1504-1575) hielt 50 Predigten, die sogenannten "Dekaden", mit dem Ziel einer umfassenden Unterweisung über die Grundlagen des Glaubens. Peter Optiz, Kirchenhistoriker aus Zürich, kommentiert zur Abfolge:

Schon die Abfolge der Loci in den ersten zehn Predigten weist auf die grosse Schlichtheit evangelischer Lehre hin, die Bullinger immer wieder auch in wenige Worte fassen kann: Gottes Wort, das in Glauben und Liebe seine angemessene menschliche Antwort findet, ist ihr Grund und ihre Grenze. … Bereits in den ersten, die gesamten Dekaden eröffnenden Sätzen der ersten Predigt macht Bullinger programmatisch die Bedeutung des 'Wortes Gottes' als Quelle und Norm im umfassenden Sinn für christliche Erkenntnis und für christliches Leben, und entsprechend für die christliche Verkündigung deutlich. …

(zit. Bullinger) Alle christlichen Glaubenssätze, ebenso alle Grundsätze einer rechten, guten und gottgefälligen Lebensweise, kurz: alle wahre und göttliche Weisheit ist seit jeher den Zeugnissen und Urteilssprüchen des Wortes Gottes entnommen worden. Und so können auch heute wirklich weise Männer und treue und von Gott berufene Diener der Kirchen ihre Lehre nicht aus anderen Quellen schöpfen und wahrhaft begründen. Wer also das Wesen des Wortes Gottes und dessen Beschaffenheit nicht kennt, der ist selbst im Haus Gottes und im Kreis der Hörerschaft Christi ebenso als Leser der heiligen Schriften nichts anderes als ein blinder, gehör- und vernunftloser Mensch.

… Es ist nur konsequent, wenn Bullinger dann auch am Ende seiner fünfzig Predigten, im letzten Satz der Dekaden überhaupt, noch einmal an dieses göttliche Wort und dessen Funktion erinnert, nun als kritische Norm und Vorbehalt auch gegenüber seiner eigenen Darlegung:

(zit. Bullinger) Ich hoffe, dass ich mit diesen fünfzig Predigten alles, was zum Glauben, zur Frömmigkeit und zur wahren Religion gehört, und alles, was die Kirche betrifft, mit hinreichender Kürze verfasst habe. Was ich aber in allen meinen Predigten und Büchern immer wieder einschärfe, wiederhole ich auch an dieser Stelle: wenn ich aus den Schriften eines besseren belehrt werde, werde ich es gern und mit Dank annehmen.

Peter Optiz. Heinrich Bullinger als Theologe. Eine Studie zu den 'Dekaden'. TVZ: Zürich, 2004. (62-65)

Zitat der Woche: Sorgen um die grossen Fragezeichen der Zukunft bedrückten mein Herz

Nachdem ich die drei ersten Teilbände gelesen hatte und die Bücher einige Jahre zur Seite legte (meine Frau meinte, ich sei mit diesen Memoiren verheiratet), holte ich das über 2 Mio. Worte starke Werk vom Dachboden.
Es ist keine schlechte Idee, ein Mammutwerk vom Anfang und vom Ende her zu lesen. Hier geht es zu meiner Rezension.

Der letzte Band von  Churchills Memoiren zum Zweiten Weltkrieg gewährt einen Einblick in das Innere des Staatsmannes. Ihn plagten gerade nach dem Sieg grosse Sorgen:

Sorgen um die grossen Fragezeichen der Zukunft bedrückten mein Herz, indes sich rund um mich herum Londons Bevölkerung nach all ihrem bitteren Leiden dem wohlverdienten Jubel hingab. … Die gemeinsame Gefahr, das Hauptband zwischen den drei grossen Bundesgenossen, hatte sich über Nacht in nichts aufgelöst, und schon war in meinen Augen die kommunistische Gefahr an die Stelle des bisherigen Feindes getreten; nur hatte sich noch keine gemeinsame Front zu deren Abwehr gebildet. Auch bei uns in Grossbritannien war die Grundlage unserer Kriegsregierung, die nationale Geschlossenheit, zerbrochen. Die Kraft, die so vielen Stürmen getrotzt hatte, verliess uns jetzt, da die Sonne wieder schien. Wie konnte da ein Schlussstein gesetzt werden, der einzig und allein die Leiden und die Mühen dieses Kampfes zu rechtfertigen imstande war? Die Befürchtung, die siegreichen Armeen der Demokratie könnten allzufrüh aufgelöst werden, bohrte in mir, da doch die härteste und entscheidende Kraftprobe immer noch vor uns zu liegen schien. Ich hatte das alles schon einmal erlebt. Ich erinnerte mich an einen anderen Freudentag vor beinahe dreissig Jahren, als ich, von meiner Frau begleitet, durch ebenso frenetisch jubelnde Menschenmassen aus dem Rüstungsministerium nach der Downing Street fuhr, um dem Premierminister zu gratulieren. Damals, wie auch diesmal wieder, sah ich die Weltsituation in ihrer Gesamtheit vor mir ausgebreitet. Doc damals gab es wenigstens keine mächtige Armee, die wir zu fürchten hatten. (257-258)

Ehrlich gibt er seine Erschöpfung zu. Churchills Partei wurde 1945 direkt nach dem Krieg abgewählt.

Mich selbst bedrückte die Aussicht, vom Führer der Nation auf den Status eines Parteiführers herabzusinken, sehr. Selbstverständlich hoffte ich, dass mir die Macht zugebilligt werden würde, die europäische Generalbereinigung anzustreben, den Krieg mit Japan zu beenden und unsere Soldaten nach Hause zu bringen. Nicht, dass mich das Leben eines Privatmannes weniger gelockt hätte als die Führung der Staatsangelegenheiten. Zu jener Zeit war ich sehr erschöpft und körperlich so schwach, dass ich mich von Marinesoldaten in einem Stuhle von den unter dem ‚Annex‘ abgehaltenen Kabinettssitzungen nach oben tragen lassen musste. Aber ich hatte die ganze Weltsituation im Auge und glaubte, über Kenntnisse, Einfluss und sogar Autorität zu verfügen, die zu einer Lösung beitragen könnten. Daher empfand ich es als meine Pflicht und gleichzeitig als mein Recht, den Versuch zu unternehmen. (281)

Um noch etwas konkreter Einblick in seine kosmostrategische Gesamtbeurteilung zu erhalten:

Wie präsentiert sich heute das Bild…? Die russische Besatzungszone verläuft quer durch den Kontinent von Lübeck bis Linz. Die Tschechoslowakei ist in sie einbezogen. Die baltischen Länder, Polen, Rumänien und Bulgarien sind auf den Status von Satelliten unter einem totalitären Regime herabgesunken. Österreich wird eine endgültige Regelung verweigert. Jugoslawien hat sich freigemacht. Nur Griechenland ist gerettet. Unsere Armeen existieren nicht mehr, und es wird noch lange Zeit dauern, bevor den russischen Kräften, deren Übermacht an Panzern und Mannschaften überwältigend ist, auch nur sechzig Divisionen entgegengestellt werden können. Und in all dem sind die Ereignisse im Fernen Osten nicht inbegriffen. Nur die Atombombe deckt uns als dräuender Schild. So sehen sich die freien Nationen der Welt vor den Gefahren eines dritten Weltkrieges, und das unter Bedingungen, die sie mit Ausnahme dieser neuen, furchtbaren Waffe von Anfang an in einen entsetzlichen Nachteil versetzen. (295)

Buchbesprechungen: 44 Bücher

In den letzten vier Monaten habe ich fleissig rezensiert. Hier die Gallerie:

  1. Karl Jaspers. Augustin. Überraschend ergiebiger Anfang.
  2. Susan Schaeffer Macauley. For the Family's Sake: The Value of Home in Everyone's Life. Noch mehr über Charlotte Mason.
  3. Louis Markos. Atheism on Trial: Refuting the Modern Arguments Against God. Ein Lesegenuss – letzter Teil nicht gleich überzeugend.
  4. Paul Johnson. Churchill. Eine pointierte Biografie auf 180 Seiten.
  5. Gary Dorrien. Kantian Reason and Hegelian Spirit: The Idealistic Logic of Modern Theology. Fundgrube.
  6. Christina von Hodenberg. Das andere Achtundsechzig: Gesellschaftsgeschichte einer Revolte. Strikt soziologische Perspektive.
  7. Uwe Holmer. Der Mann, bei dem Honecker wohnte. Das nenne ich ehrlich und aufrichtig.
  8. Hans Brandenburg. Gott begegnete mir. Band 1: Von Riga bis Lübeck. Früherer Referent in Aidlingen.
  9. Winston S. Churchill. Churchill Memoiren: Band 1/1: Von Krieg zu Krieg. 1919 bis 3. September 1939. Ich habe es wieder hervorgeholt.
  10. R. C. Sproul. Die Heiligkeit Gottes. Klassiker, gehört auf die Leseliste.
  11. Brett McCracken. Uncomfortable: The Awkward and Essential Challenge of Christian Community. Spricht den wunden Punkt an.
  12. Saida Keller-Mesahli. Islamistische Drehscheibe Schweiz: Ein Blick hinter die Kulissen der Moschee. Da blieb mir die Spuke weg.
  13. C. Jeffrey Robinson. Colin Hansen. (Ed.) 15 Things Seminary Couldn't Teach Me. Super Idee.
  14. Donald A. Carson. Ach, Herr, wie lange noch?: Gedanken über das Leiden und andere Nöte. Lässt sich nicht mit einfachen Antworten abspeisen.
  15. Randy Alcorn. Warum lässt Gott das Leid zu?: Glaube zwischen Gut und Böse. Bestes Buch unter 200 Seiten, mit vielen hervorragenden Untertiteln.
  16. Edith Schaeffer. Nie tiefer als in GOTTES Hand. Korrektiv aus dem 20. Jahrhundert.
  17. Nick Littlehales. Sleep: Schlafen wie die Profis. Erstaunlich normal, alltagstauglich.
  18. Edith Schaeffer. Der Erste und der Letzte. Heilsgeschichte aus der Vogelperspektive. Vorlesebuch (zumindest in Teilen).
  19. Edith Schaeffer. Dear family: The L'Abri family letters, 1961-1986. Sehr tröstlich, vor allem die Bezüge zu Gottes Eigenschaften am Ende der Briefe.
  20. Edith Schaeffer. Mit Phantasie und Liebe. Von der Kunst, den Alltag zu verschönern. Hat mich nachhaltig inspiriert.
  21. N. Wilson. Charles Darwin: Victorian Mythmaker. Hat viel Staub aufgewirbelt, ein Vergnügen zu lesen.
  22. David Powlison. Making All Things New: Restoring Joy to the Sexually Broken. Füllt eine Lücke!
  23. Emidio Campi (Hg.) Die schweizerische Reformation: Ein Handbuch. Wer noch mehr als Zwingli und Calvin kennenlernen will.
  24. David Powlison. How Does Sanctification Work? Dieses Buch ging mir zu Herzen.
  25. John Bunyan. Die Pilgerreise. Wieder gelesen – wirft eine realistische Perspektive auf unsere Lebensreise.
  26. Timothy Keller. Predigen: Damit Gottes Wort Menschen erreicht. Gesamtperspektive passt, hervorragende Teile.
  27. Nancy Pearcey. Love Thy Body: Answering Hard Questions about Life and Sexuality. Wahrscheinlich das beste Buch zum Thema.
  28. David Murray. Reset: Living a Grace-Paced Life in a Burnout Culture. Ein solches Buch fehlt im deutschen Buchmarkt.
  29. Peter Kreeft. Summa Philosophica. Habe methodisch profitiert.
  30. H. A. Irsonide. Die Brüderbewegung – Ein historischer Abriss. Know your roots. Das sind meine geistlichen Wurzeln.
  31. Günter Rohrmoser. Christliche Dekadenz in unserer Zeit: Plädoyer für die christliche Vernunft. Mehrere Aufsätze, wie immer erhellend.
  32. Seth Godin. Tribes: We need you to lead us. Ein Marketingguru erkennt eine aktuelle Tendenz.
  33. Greek-English Parallel New Testament ebook: NA28-ESV. Hilfsmittel auf Kindle.
  34. Johannes Calvin. The Complete Biblical Commentary Collection of John Calvin. Hilfsmittel auf Kindle.
  35. Susanne Garsoffky. Britta Sembach. Der tiefe Riss: Wie Politik und Wirtschaft Eltern und Kinderlose gegeneinander ausspielen. Verblüffend ehrlich.
  36. Jon Savage. Teenage: Die Erfindung der Jugend (1875-1945). Gründliche Analyse.
  37. Craig G. Bartholomew. Contours of the Kuyperian Tradition: A Systematic Introduction. Wichtige Bewegung, profunder Abriss.
  38. Jan Tischhauer. Unter Linken: Von einem, der aus Versehen konservativ wurde. Witzig ohne banal zu werden.
  39. Herman Giesecke. Pädagogische Illusionen: Lehren aus 30 Jahren Bildungspolitik. Einige Schwächen der Bildungspolitik auf den Punkt gebracht.
  40. Manfred Hildermeier. Geschichte der Sowjetunion 1917-1991: Entstehung und Niedergang des ersten sozialistischen Staates. Opulentes Werk, kapitelweise zu lesen.
  41. Hans-Joachim Maaz. Das falsche Leben: Ursachen und Folgen unserer normopathischen Gesellschaft. Psychoanalytischer Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen.
  42. Hannah Arendt. Eichmann in Jerusalem: Ein Bericht von der Banalität des Bösen. Klassiker. Mir graute es.
  43. Uwe Siemon-Netto. Duc, der Deutsche: Mein Vietnam. Warum die Falschen siegten. Sehr ehrliche Rückschau. Politisch inkorrekt.
  44. Timothy Keller. Ein Jahr mit den Psalmen: 365 Andachten. Super Konzept, hätte ich mir ausführlicher vorgestellt.

Input: Tipps für Mitarbeitergespräche

Als Arbeitnehmer gehen wir regelmässig in Beurteilungsgespräche; als Vorgesetzte haben wir solche Gespräche zu führen. Eben ist in der internen Zeitung meines Arbeitgebers ein Artikel von mir dazu erschienen.

5 Tipps für Führungskräfte

  • Sprechen Sie Lob und Kritik zeitnah aus – nicht nur einmal im Jahr im Rahmen des MAG (Mitarbeitergesprächs)!
  • Notieren Sie sich unter dem Jahr wichtige Beobachtungspunkte.
  • Fokussieren Sie sich beim Gespräch auf ausgewählte Punkte, die potenziell eine „Hebelwirkung“ erzielen!
  • Widmen Sie auch ruhigen, „problemlosen“ Mitarbeitenden genügend Zeit und Energie! Zeigen Sie, dass Sie deren Leistung wahrnehmen.
  • Nehmen Sie die Rückmeldung Ihrer Mitarbeitenden ernst.

5 Tipps für Mitarbeitende

  • Bereiten Sie sich auf das Gespräch vor. Gehen Sie Ihre Jahresagenda durch und notieren Sie sich ein paar wichtige Situationen.
  • Geben Sie Ihrem Vorgesetzten Rückmeldung. Zeigen Sie Rückgrat und kreuzen Sie nicht alles mit „erfüllt“ an.
  • Denken Sie nicht (nur) an die nächste Funktion. Überlegen Sie sich, wo Ihr Feld zur Persönlichkeitsentwicklung liegt. Was wäre ein Schritt aus der Komfortzone heraus?
  • Geben Sie Ihren Teamkollegen zeitnah Rückmeldung. Sprechen Sie miteinander, nicht übereinander!
  • Reduzieren Sie Erwartungsdruck. Es liegt nicht alles am Vorgesetzten.

Ich füge als Christ hinzu:

  • Es gibt eine Priorität: Wofür kann ich dankbar sein?
  • An welchen Charakterbaustellen habe ich gearbeitet?
  • Ich bin mir bewusst, dass unangenehme Rückmeldungen Teil von Gottes Erziehungsprogramm bilden.
  • Meine Begabung deckt sich nicht immer mit den Aufgaben. Über Strecken ist Treue und Fleiss wichtiger als "Fun".
  • Meine Vorgesetzten benötigen mein tägliches Gebet.

Buchbesprechungen: Fünf substanzielle Werke zu Philosophie und Kultur

Hier sind fünf Rezensionen mit Substanz, auf die ich zurückgreife. Der Link führt zum Buch; unter dem Buch findet ihr meine Rezensionen.

Zur Tugendethik. Alasdair C. MacIntyre. Der Verlust der Tugend: Zur moralischen Krise der Gegenwart. Ich beschränke mich in meiner Besprechung auf die Gegenwartsanalyse, die Macintyre vor allem im ersten Drittel vornimmt. Dieses Werk half mir zu erkennen, wie verheerend sich der Verlust einer absoluten Ethik auswirkt.

Zur Lehre der Schöpfung. Albert M. Wolters. Creation Regained. Durch Wolters erkannte ich die Wichtigkeit, die Lehre der Schöpfung ins Zentrum rücken. Die Erlösung ist auf die Schöpfung bezogen und nicht davon getrennt.

Zum Konstruktivismus. Paul A. Boghossian. Fear of Knowledge: Against Relativism and Constructivism. Die Selbstwidersprüchlichkeit des Konstruktivismus – einer Denkhaltung, die aus der Ablehnung einer absoluten Ethik hervorkommt – zu Tage gefördert.

Biografie eines Vordenkers. James D. Bratt. Abraham Kuyper: Modern Calvinist, Christian Democrat. Der Theologe, Journalist und Politiker legte sicherlich keinen über allen Zweifel erhabenen Lebenslauf und auch kein widerspruchsfreies Werk vor. Doch sein Ringen um das Verhältnis zwischen Christentum und Gegenwartskultur in der schnell fortschreitenden Säkularisierung ist beispielhaft.

Zur kulturellen Umwälzung der Gegenwart. R. Albert Mohler. Culture Shift: The Battle for the Moral Heart of America. Es gibt viele Analysen zu den tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen. Mohler hat die letzten Jahre und Jahrzehnte die wichtigen Geschehnisse auf Tagesbasis besprochen und beurteilt.

Input: Das therapeutische Evangelium der westlichen Welt

Die Verkündigung eines therapeutischen Evangeliums ist meines Erachtens die Hauptplage der westlichen Kirche. Hier einige Auszüge aus dem überaus wichtigen Artikel des Seelsorgers David Powlison.

Das therapeutische Evangelium des Westens

(Das therapeutische Evnagelium) ist so gestrickt, dass es Menschen das gibt, was sie wollen und nicht das verändert, was sie wollen. … Dieses therapeutische Evangelium akzeptiert menschliche Schwachheit und deckt sie zu, versucht die offensichtlichsten Symptome der Not zu verbessern. …

  • Ich will mich geliebt fühlen dafür, wer ich bin; Mitleid bekommen dafür, was ich durchmachen musste; aufs innigste verstanden fühlen, bedingungslos angenommen sein.
  • Ich will das Gefühl erleben, persönlich wichtig und bedeutend zu sein; in meiner Karriere erfolgreich zu sein; zu wissen, dass mein Leben einen Unterschied macht und Auswirkungen hat.
  • Ich will Selbstbewusstsein erlangen; erklären, dass es mir gut geht; ich meine Meinungen und Wünsche durchsetzen kann.
  • Ich will unterhalten werden; Freude fühlen in dem endlosen Strom von Darbietungen, die meine Augen entzücken und meine Ohren jucken.
  • Ich will das Gefühl des Abenteuers, der Spannung, der Aktion und Leidenschaft haben, sodass ich mein Leben als aufregend und bewegend erlebe.

… Dies Evangelium lindert schmerzliche Symptome. Es gibt dir ein gutes Gefühl. Die Logik hinter diesem therapeutischen Evangelium ist eine „Jesus-für-mich“-Haltung, der meinen persönlichen Bedürfnissen und psychischen Schmerzen abhilft. … Man ist nicht länger verantwortlich für seine tiefsten Probleme, sondern nur ein Leidender und ein Opfer unerfüllter Bedürfnisse.

Das wahre Evangelium

Meine instinktiven Begierden werden ersetzt (manchmal schnell, meistens aber allmählich) durch das wachsende Bewusstsein der wahren Bedürfnisse, bei denen es um Leben und Tod geht:

  • Ich brauche mehr als alles andere Barmherzigkeit: „Herr, hab Erbarmen mit mir“; „Um deines Namens willen, vergib mir meine Übertretung, denn sie ist sehr groß“.
  • Ich will Weisheit lernen und willentlich Selbstbezogenheit verlernen: „Nichts, was du dir wünschst, ist vergleichbar mit ihr“.
  • Ich muss lernen, Gott und meinen Nächsten zu lieben: „Das Ziel aller Unterweisung ist Liebe, die aus reinem Herzen, einem guten Gewissen und aus einem innigen Glauben kommt“.
  • Ich sehne mich danach, dass Gottes Name geehrt wird, sein Reich kommt und sein Wille auf Erden getan wird.
  • Ich will, dass Christi Herrlichkeit, Liebe und Güte auf der Erde gesehen wird, die Erde so sichtbar füllt, wie Wasser den Ozean füllt.
  • Ich muss von Gott in meinen Instinkten, Entscheidungen und meiner Lebensführung verändert werden.
  • Ich will, dass er mich von meiner besessenen Selbstgerechtigkeit befreit, meinen Wunsch, mich selbst zu erhöhen, tötet, damit ich das Bedürfnis für die Gnade Christi spüre und lerne, andere sanftmütig zu behandeln.
  • Ich brauche Gottes mächtige und persönliche Hilfe, um die Dinge zu wollen und zu tun, die bis ins ewige Leben andauern, statt mein Leben mit Nichtigkeiten zu verschwenden.
  • Ich will lernen, wie ich Schwierigkeiten und Leiden in Hoffnung erdulden kann, während mein Glaube gereinigt, vertieft und veredelt wird.
  • Ich will lernen anzubeten, mich zu freuen, zu vertrauen, zu danken, zu rufen, Zuflucht zu finden und zu hoffen.
  • Ich will die Auferstehung zum ewigen Leben: „Wir seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes“.
  • Ich brauche Gott selbst: „Zeig mir deine Herrlichkeit“; „Maranatha, komm, Herr Jesus.“

Zitat der Woche: Die Kinder sollen das untereinander ausmachen

Genau dieses Verhalten beobachte ich in unseren Breitengraden (Hervorhebungen von mir):

Vor einiger Zeit sprach ich mit einer Mutter, deren Tochter in die Internationale Schule geht. Sie erzählte mir, wie sehr ihre Tochter unter Mobbing litt. So sehr, dass sie die Schule verlassen wollte. Die Mutter erzählte, dass ihre Tochter nicht das einzige Mädchen sei, das in der Klasse Mobbing ausgesetzt ist. Rädelsführerin sei tatsächlich nur ein Mädchen, das die anderen Mädchen der Klasse mit einem ausgeklügelten System gegeneinander ausspielte. Keines der Mädchen konnte oder wollte sich dagegen wehren, keine der betroffenen deutschen Eltern hatten mit einem Lehrer, einer Lehrerin, dem Leiter der Middle School oder dem Direktor gesprochen. Denn bei uns gilt immer noch der Leitsatz, dass Kinder so etwas untereinander ausmachen müssen. Oder es herrscht unter Eltern die Angst, dass Beschwerden beim Lehrer anschließend am Kind ausgelassen werden. Hätten sich die Mütter oder Väter an die Schule gewandt, wäre das Problem höchstwahrscheinlich sehr schnell behoben worden, denn angelsächsische Pädagogik bietet, was deutsche Pädagogik nicht annähernd vermag. Kommt angelsächsische Erziehung zum Einsatz, richtet sich die Vorgehensweise des Erziehers ausschließlich an den Kindern aus, ohne die Eltern einzubeziehen. Die Korrektur geschieht auf pragmatische Art und Weise, garantiert sofortige Maßnahmen, die sich auf die Problemsituation konzentrieren, ohne dass Informationen missbraucht und »Informanten« verraten werden. »Petzen« ist hier also erwünscht! Dem mobbenden Mädchen oder auch Jungen wird vor Augen geführt, wie sich ihr oder sein Verhalten anfühlt und welches Leid sie damit anderen zufügen. Die Betroffenen dürfen den Spieß in Zusammenarbeit mit dem Klassenstufenleiter umdrehen und dem intoleranten Mädchen oder Jungen zeigen und erklären, worunter sie leiden. Gleichzeitig erfährt das Mädchen oder der Junge, welche Konsequenzen sie zu tragen haben, wenn sich ihr verletzendes Verhalten nicht ändert. Diese Kombination von Bewusstmachen und zur Verantwortung Ziehen hatte in der Internationalen Schule immer Erfolg. Deutsche Eltern hingegen sind oft der Meinung, dass sie mit dem Kindergarten oder der Schule nicht sprechen sollten, da dies letztlich dem Kind schaden könnte. Das geht so weit, dass Eltern lediglich zu Hause beschwichtigen, aber nicht wirklich helfen. Sie überlassen das Kind dieser Stresssituation und retten sich in die Vorstellung, dass sich die Kinder selbst helfen müssen. Aber Kinder sind doch nicht in der Lage, derartige Situationen selbst aufzulösen, wo selbst Erwachsene oft hilflos sind! Wie also kann man das vom eigenen Kind verlangen? Und so geschieht oft, was nicht geschehen sollte: Nach langer Frustration und großem Kummer geht das Kind lieber auf eine andere Schule, als dass es die Mobbing-Situation erfolgreich und den Umständen entsprechend positiv auflöst. Die Eltern versäumen es, die Chance zur Wiederherstellung des kindlichen Selbstbewusstseins zu ergreifen, und bestärken das Kind in seiner Hilflosigkeit. Es wird vielleicht viel geredet, aber wenig bis nichts getan, und oft gehen die Eltern einer aktiven Konfliktlösung aus dem Weg.

Isabelle Liegl. Albert Wunsch. Wo bitte geht´s nach Stanford?: Wie Eltern die Leistungsbereitschaft ihrer Kinder fördern können. Beltz, 2017. (54-56)

Unsere Sehnsucht nach Freude: 20 Zitate

Randy Alcorn korrigiert sowohl säkulare wie auch vermeintliche christliche Glückskonzepte im ersten Teil seines Werks "Happiness".

6 Die Suche nach Glück ist gegeben, eine universelle Konstante. Es ist in jedem Menschen jeden Alters, jeder Epoche und in allen Umständen präsent.

8 Gott möchte, dass wir in Ihm wahre Glückseligkeit suchen. Satan möchte, dass wir nach imitierter Heiligkeit streben, die unserem selbstgefälligen Stolz entstammt.

10 "Der Mensch ist gelangweilt, weil er zu groß ist, um mit dem zufrieden zu sein, was die Sünde ihm gibt."

12 Wir erwarten grösseres Glück, als das Leben uns anzubieten scheint.

14 Die Sünde sabotiert das Glück.

16 Wir haben die Auswahl zwischen Gott und dem Glück, oder aber weder Gott noch das Glück.

17 Glück ist Gottes Gebot und der angenehme Ruf an seine Leute.

20 Moderne Christen müssen mehr, nicht weniger über Glück sprechen.

25 Die Welt hat das Christentum vom Glück losgekoppelt. Die Nachfolger Jesu sind dafür teilweise verantwortlich.

29 In Gott unser höchstes Glück zu finden befreit uns dazu, seine Schöpfung zu geniessen und zu schätzen.

45 Wie viele Menschen vermeiden eine abenteuerliche Freude zugunsten des sicheren, routinemäßigen, langweiligen, unglücklichen Lebens, mit dem sie sich abgefunden haben!

49 Unsere Sehnsucht nach Christus weist darauf hin, dass wir Christus nötig haben.

52 Das Evangelium ist ein konkreter, realitätsbezogener Ruf zum Glücklichsein.

59 Gott möchte, dass wir beides, Ihn selbst und seine Geschenke, geniessen.

60 Die körperliche Auferstehung beweist die Güte der physischen Schöpfung Gottes.

67 Die Suche nach Glück macht uns anfällig für Götzendienst.

71 Ein allgegenwärtiger Kulturgötze ist es "cool" sein zu wollen.

74 In unserem Leben gibt es nur für einen Gegenstand des Glücks Platz.

79 Um die vermeintliche Abwesenheit Gottes zu kompensieren, produziert die Kultur ihre eigenen Quellen der Ehrfurcht.

84 Die Suche nach Glück steht hinter aller Gott ehrenden Anbetung, genauso wie sie jedem Götzendienst zugrunde liegt.

99 Unsere moderne westliche Weltanschauung, die Gott selten für die natürlichen Prozesse oder die unzähligen kleinen Schätze des Lebens verantwortlich sieht, verlangt von uns, bewusster zu denken und unsere Kinder expliziter dazu zu erziehen, dass sie Gottes Hand überall in seiner Schöpfung wahrzunehmen beginnen.

99 Gott von seinen Gaben zu trennen, ist nicht die Lösung; es ist das Problem.