Aufsatz: Zugang zum Buch der Psalmen finden

Im Magazin Timotheus (#32) schrieb ich eine komprimierte Fassung zur Einführung in das Buch der Psalmen. Auf diese Weise führte ich meine Kinder in das Buch ein.

Mein vierter Sohn (9 Jahre) ist gerade dabei, die Psalmen das erste Mal zu lesen. Es braucht eine gehörige Portion Ausdauer, durch die 150 Kapitel dranzubleiben. Dem ungeübten Leser stellt sich die Frage: Kommt nicht in jedem Psalm quasi dasselbe vor? Es wird geklagt und gedankt, einzeln und im Kollektiv. Eine Hilfe für den Zugang zum Buch besteht darin, einen Panoramablick zu erhalten, der dann den Rahmen für die einzelnen Gebete und Lieder in Gedichtform bildet.

Hier geht es zum Artikel.

Input: Bethel Church und moderne Häresie

Die Bethel Church macht seit einiger Zeit Furore. Leute, informiert euch. Es ist gefährlich, seine Vorlieben durch gute Gefühle bestimmten zu lassen. Die gähnende Lehre in der Dogmatik hinterlässt Spuren.

Der australische Zweig der Gospel Coalition hat einen Beitrag zum Thema Bethel & Erweckung gepostet. Die Musik wird als Einstiegs-Droge zu einer Welt unbiblischer Praktiken gesehen.

I fear Jesus Culture serves as a gateway drug that draws young and inexperienced Christians into a world of false teaching, unbiblical practices and spiritual disaster.

Joe Carter hat eben einen Beitrag in seiner Serie "9 Things You Should Know About…" veröffentlicht. Er weist auf verschiedene häretische Lehren hin.

Evangelium21 hat eine Rezension des Buches "Und der Himmel bricht herein" veröffentlicht.

Tim Challies beschreibt eine Typologie falscher Lehrer ("7 False Teachers in the Church Today"). Hier geht es zu einer Serie "False Teachers".

Kolumne: Wenn wir als Familie beten

Das Gebet ist die vornehmste Übung des Glaubens. Deshalb lege ich zunehmend Wert auf das gemeinsame Gebet in der Familie. Ähnlich wie beim persönlichen Gebet und dem Gebet in der Ehe empfinde ich es als wichtig, keinen Perfektionismus aufkommen zu lassen. Ich messe die Minuten nicht, denn das ähnelt einem sichtbaren "Gradmesser" für Spenden in einem Zoo. 

Vorab bete ich dafür, dass das Verlangen nach Ihm zunimmt. Dass ich von Moment zu Moment vor Ihm lebe, im formell-geplanten und dem informell-sich ereignenden Gebet. Bei Besuchen und Kontakten ist es mitunter vorgekommen, dass mein Gegenüber irritiert war, weil ich mitten im Gespräch immer wieder betete. Meine Frau und ich haben dies zur Gewohnheit werden lassen. Alle unsere Gespräche finden miteinander vor Gott statt. Jede Regung darf und soll darum in ein Gebet übergehen dürfen.

Nun zu einer Beobachtung des Gebets in der Familie. Ich nenne dies den Bewahrungs-Reflex. Unmerklich nehmen unsere Gebete die Form einer Liste an. Wir zählen auf, wovor wir alles bewahrt werden wollen. Vor Anfechtung. Ein legitimes Anliegen. Vor Krankheit. Auch dafür dürfen wir einstehen. Dann geht es jedoch in die Details. Papa soll ohne Widerstand schreiben und predigen, Mama sich erholen. Wir sollen optimal lernen, genügend schlafen, ausreichend mit gutem Essen versorgt werden. Im Beruf soll es reibungslos weitergehen. Und selbst in der Bitte um Wiederbelebung in unserer Reformationsstadt Zürich wollen wir göttliche Beschleuniger beigemischt sehen.

Vielleicht ist es ja Gottes Weg mit uns als Familie, dass wir lernen, inmitten von Widerständen Genüge in Ihm zu finden. Wir nehmen Abschied davon, um ein angenehmes und störungsfreies Leben zu bitten. Wir nehmen offenen Auges wahr, dass wir in vielem fehlen und uns ver-fehlen; dass wir uns in unseren Hoffnungen enttäuscht sehen; dass wir oft in Konflikten untereinander stehen; dass wir um Schlaf und Kräfte ringen; dass unsere Aufmerksamkeit zu oft am falschen Ort ist.

Für die Gewohnheit des Gebets bin ich dankbar. Ebenso, dass wir es gemeinsam als Familie tun dürfen. Ich erachte es als grosses Vorrecht, die Mitglieder meiner Familie einbinden zu dürfen. "Worüber können wir uns freuen?" "An wen haben wir schon länger nicht mehr gedacht?" "Wo seht ihr die Einfallstöre für den Feind in unserer Familie?" "Wo möchtet ihr geistlich in 20 Jahren stehen?" "Wie können wir in der Liebe zu Gott und zueinander wachsen?" Die Stimulation durch Fragen dieser Art halten uns geistlich wach. Sie lassen uns manchmal ruhig werden. Stelle sie als Vater nicht, wenn du nicht beschämt werden willst.

Buchbesprechung: Einleitungen für AT und NT

Wenn ich ein Bibelbuch studiere und anschliessend einen Vogelflug vorbereite, greife ich gerne auf ein Einleitungswerk zurück. Dort erwarte ich Aussagen zu Autorschaft, Struktur/Aufbau, wichtigen Begriffen und theologischen Themen. Fündig wurde ich für den aktuellen Durchgang in den beiden Bänden, die das Reformed Theological Seminary (RTS) anlässlich ihres 50-jährigen Jubliäums herausgegeben hat. Ich habe die beiden Bände kurz besprochen.

A Biblical-Theological Introduction to the Old Testament: The Gospel Promised

Neben einem aktualisiertem Überblick zu wesentlichen Einleitungsfragen bekommt der Leser eine Fülle von Anregungen für das zusammenhängende Studium der alttestamentlichen Bücher. Ich fragte mich trotz allem, ob das Buch die Brücke genügend weit für den Pastoren gelegt hat.

A Biblical-Theological Introduction to the New Testament: The Gospel Realized

Die verschiedenen Autoren arbeiten es je nach ihrem eigenen Charakter und den Eigenheiten des Buches etwas unterschiedlich aus. Grundlage der Ausführungen sind die reformatorischen Solas und die Denkvoraussetzung, wonach die einzelnen Bücher uns zuverlässig überliefert sind. Die Hintergrundinformationen zu Autor, Adressaten, Datierung und Anliegen werden relativ knapp gehalten. Dann folgt ein Vorschlag für Outline/Struktur. Ein sehr interessanter Abschnitt beschäftigt sich mit theologischen Hauptthemen und -Strängen. Schliesslich geht der Autor abschnittsweise durch das Buch.

 

Buchbesprechung: Fakten und Werte gehören zusammen

Wie hängen Risiko und Tugendethik zusammen? Der Finanzmathematiker mit libanesischen Wurzeln, Nassim Nicholas Taleb, erklärt es uns.

Ich schlenderte durch die Buchhandlung am Flughafen, das Buch war an zentraler Lage ausgestellt. Zudem empfahl mir ein befreundeter Mathematiker die Lektüre. Die Mischung aus analytischen Überlegungen, die bewusst und ausgiebig auf philosophische Denkvoraussetzungen zurückgreifende Vorgehensweise sowie die mit Beispielen gespickte Abhandlung werde mir gefallen, so seine Prognose.

Ein Grundgedanke des Buches war mir auf Anhieb sehr sympathisch. Der Autor möchte Sache und Einschätzung, Fakten und Werte wieder zusammen bringen. Zumindest in der Person des Ratgebers. Dafür greift er auf die antike Tugendethik zurück. Krieger und Generäle, die an vorderster Front starben, waren grundsätzlich aus anderem Holz geschnitzt als die Manager, die Risiken verwalten und ihre Rente schon im Trockenen haben. Das heisst im Umkehrschluss, dass der Autor wenig für Bürokratie und wissenschaftliche Thesenbildung übrig hat.

Zum Rest der Buchbesprechung geht es hier.

Hanniel hirnt (109): Vogelflug durch das Buch Josua

TGC hat mit seinen einführenden Kursen zu den Bibelbüchern (Josua) einen ausgezeichneten Zugang geschaffen (Notizen der ESV Study Bible, Youtube des Bibel-Projekts, u. a. Predigt von Mark Dever sowie drei weiterführende Kommentare).

Ich fuhr mit meinen Vogelflügen weiter, als ich das letzte Mal durch die frühen Propheten las. Das Buch Josua zeigt die Bundestreue Gottes auf (besonders Josua 21,43-45). Es zeichnete sich jedoch bereits die Untreue des Volkes ab, das einen grossen Teil des Landes nicht in Besitz nahm. In Josuas Neuverpflichtung auf den Bund wird der Weg des Segens und des Fluches angekündigt.

Josua konnte das Volk nicht zur wahren Ruhe einführen. Erst der wahre Josua, Jesus, konnte dies tun (Hebräer 4,8).

Hier geht es zu meinem Vogelflug.

Zitat der Woche: Das schwache Selbst der Selbstverliebten

Gekonnt arbeitet die Schriftstellerin Elisabeth Müller den Narzissmus des Einzelkindes Röbi (im Buch «Das Schweizerfähnchen», erschienen 1937) heraus.

Jetzt schaute die Mutter zum Fenster hinaus, und es ging ein trüber Schleier über ihr Gesicht. Wieso hatte auch ihr Röbi eine so grosse, grosse Sehnsucht nach Kindern? Er hatte es ja so gut daheim! Spielsachen übergenug! Durfte alles haben, was er wollte! Und jetzt konnte er wieder so betteln, dass einem das Herz schwer wurde.

(Der Flüchtlingsbub Martin bietet dem verwöhnten Röbi ein Stück Schokolade an.)

Aber da stand hinter ihm der andere Bub, der Bub, der ihn nicht hatte grüssen wollen. Er hatte die Daumen in die Armlöcher gesteckt, stand mit gespreizten Beinen da und probierte, ein Gesicht zu schneiden wie die grossen Männer, wenn sie ein Pferd musterten.

… Da fuhr Röbis dicker Kopf herum. Schön sah er in Martins falcher Hand das Silberpapier in der Sonne glänzen. Du kannst es haben.’ Röbi nahm das Täfelchen. Bald sah Martin von hinten, wie sich Röbis Ohren bewegten. Er hatte wohl das Täfelchen ganz in den Mund geschoben und zerkaute es jetzt. Kaum war er damit fertig, kehrte er sich um und sagte: ‘Gib mir noch eins!’

Nachdem Röbi dem blassen Martin seinen ganzen Schatz «weggefressen» hatte, packte ihn das schlechte Gewissen.

Es war merkwürdig mit Röbi. Oft war es so, als ob ihm allein die ganze Welt gehörte; da konnte er mitten drin stehn und alles verlangen, was er nur haben wollte. Die andern war nur da, um ihm alles zu geben. Da war er unausstehlich und konnte die andern plagen, als ob er gar kein Herz hätte. Und wenn er dann merkte, dass sie traurig, dass er ihnen wirklich weh getan hatte, so tat es ihm doch leid, und es machte ihn unglücklich…

Genau: Es geht Röbi immer noch um ihn, auch wenn es ihm leidtat. Seine Gefühle gaben den Ton an. (Deswegen glich er mit einer Handlung aus. Er gab ihm ein Geldstück aus seinem Überfluss. Das tat er um seiner selbst willen.)

Der Kommentar meiner Frau: Ein überhöhtes Selbst schwächt. Weil es von den eigenen Gefühlen vereinnahmt ist.

Von Elisabeth Müller habe ich schon hier und hier wertvolle Zitate entnommen.

Aufsatz: Über unser Denken nachzudenken lernen

Für Josia – Truth for Youth schreibe ich eine Serie zum Thema Lernen. Die erste Folge ist jetzt online.

Lernen hat – außer für einige ehrgeizige Streber und sozial isolierte Brillenträger – einen negativen Anstrich. Wenn ich unter meinen Arbeitskollegen herumhöre, dann bedeutet es: Geld in die Hand zu nehmen, Abende zu opfern, das Erlernen des Stoffes bis zum letzten Moment hinauszuschieben und dann einige Wochenenden und Nächte durchzupauken. Lernen ist notwendiges Übel zum Erreichen eines nächsten (beruflichen) Schrittes: Denn wer rastet, rostet.

Doch haben wir uns schon mal über die Denkvoraussetzungen, die uns zu dieser Einschätzung des Lernens führen, Gedanken gemacht?

Kolumne: Meine Rolle als Vater am Sonntag

Am Sonntag habe ich als Vater eine besonders anspruchsvolle Aufgabe.

  1. Ich bin mir darüber im Klaren, dass der Sonntag als Tag der Gemeinschaft mit Gott und anderen Erlösten besonders angefochten ist.
  2. Im säkularen Verständnis gehört dieser Tag zur «Freizeit», also zum rein privaten und nicht zum öffentlichen Bereich. Der Mensch ist sich für diesen Bereich selbst die höchste Autorität. Er entscheidet nach seinen Vorlieben.
  3. Nach dem Sonntag ist vor dem Sonntag. Der Woche und insbesondere der Tag davor bestimmt mit, wie der Sonntag ausfällt.
  4. Als Grossfamilie fallen am Sonntag Müdigkeit, unterschiedliche Ansprüche und gemeinsame Zeit zusammen. Das bietet reichlich Fläche für Konflikte.
  5. Der Feind verfügt über verschiedenste Einfallstore: Er freut sich darüber, wenn wir zu Gemeinde-Feinschmeckern werden, die als Konsumenten über jegliche Darbietung unsere Nase rümpfen. Mit Wonne akzeptiert er die säkulare Trennung zwischen öffentlich und privat. Gerne lässt er uns auch in den Sumpf von Streitigkeiten laufen.
  6. Das gemeinsame Gebet mit meiner Frau und die Bibellese am Morgen sichern am Sonntag einen geregelten Start – auch wenn ich darum kämpfen muss.
  7. Ich bin um die gemeinsame Anfahrt dankbar. Sie bietet Gelegenheit zum Lesen, Austauschen und zur Ausrichtung auf den kommenden Gottesdienst.
  8. Der Gottesdienst selbst bietet vielerlei Möglichkeiten zum Abtauchen. Vorab ist die «innere Emigration» zu nennen. Wir tauchen in unsere eigene kleine Welt ein und schalten ab.
  9. Ich ermutige meine Kinder dabei zu bleiben. Sie sollen ihre Widerstände, Fragen und Unklarheiten auf den Tisch bringen. So gut ich das kann, spreche ich sie hinterher darauf an.
  10. Es bedarf vor ab für mich selbst beständiger Übung, das Gebetete, Gesungene und Gehörte auf meinen Zustand anzuwenden. Wir können dies meisterhaft umlenken.
  11. Aus dem Zurückfragen können sich kostbare Gespräche ergeben. Was nimmt jeder mit? Was spricht an und geradeso: Was erregt Widerstand?
  12. Zunehmend beginne ich meine Buben einzuweisen, selbst zum Predigttext Stellung zu nehmen. Was ist der zentrale Gedanke? Was sind mögliche Ausführungen dazu? Es ist vor allem wichtig, zuerst genau hinzuschauen, was und an wen geschrieben wurde und nicht die unselige Verkürzung «Was bringt mir das?» zu wählen.

Weiter lesen:

Input: Das Menschenbild der Pädagogik der Neuen Linken

Wolfgang Brezinka beschreibt das Menschenbild der Neuen Linken (in Die Pädagogik der Neuen Linken, S. 106-119), basierend auf Prämissen der Aufklärung. Es stecke dahinter die "alte Utopie, dass eine vollkommene Gesellschaft vollkommener Menschen nach einem vernünftigen Plan durch entschlossenen Gebrauch von Macht willentlich geschaffen werden könne". Sie rechnen damit, durch die Bildung Denk- und Wertstrukturen (manipulativ) aufbauen zu können. Durch Unterricht könne Einfluss auf Lebensschickal und Persönlichkeit der Schüler genommen werden. Daher stammt auch die Idee der "Verschulung", beginnend mit frühen Altersstufen. Dahinter stehend das Menschenbild:

  1. Die Güte der menschlichen Natur: Die Menschen sind von Natur aus gut, aber wie werden durch die schlechte Gesellschaft, in der sie leben müssen, verdorben. (Schuld dafür ist das System der Industriegesellschaft. Es braucht demnach eine radikale Änderung der Gesellschaftsordnung.)
  2. Die Machbarkeit der Persönlichkeit: Es ist möglich, jedem Menschen jene Persönlichkeitsverfassung zu geben, die man ihm geben will. (Jeder Mensch ist von Natur aus nahezu unbegrenzt formbar. Dahinter steht die Utoipie der Vervollkummnungsfähigkeit des Menschen und das sozialistische Ideal der Gleichheit.)
  3. Die Fähigkeit zu unbeschränkter Selbstbestimmung: Jeder Mensch ist fähig, zu kritischer Rationalität, zur Autonomie des Handelns, zur Selbstbestimmung zu gelangen. (Es gelingt, sein Leben gemäss dem Urteil der eigenen Vernunft zu führen.)
  4. Die Angewiesenheit auf Heilsvermittler: Die Masser der Menschen ist unfähig, aus eigener Kraft zu erkennen, was wahr und gut ist. (Sie bedürfen der Befreiung durch eine elitäre Minderheit.)
  5. Konflikte als Mittel zur Förderung der Vernünftigkeit: Aufklärung genügt nicht zur Mündigkeit. Dafür braucht es emotionale Impulse (Konflikte), um sie herbeizuführen. (Stabilität und Ordnung ist pathologischer Sonderfall des Lebens.)

Neben den utopischen Vorstellungen gesellen sich innere Widerspruche. Dies ist auf das in der Pädagogik verbreitete Schwanken zwischen Optimismus und Pessimismus zurückzuführen.