Standpunkt: Die Lehre von der Erwählung und Verantwortung

Ich bin gefragt worden, welche Texte ich zum Thema der Erwählung und Verantwortung der Menschen empfehlen würde. Der Bibelleser soll sich vor allem ein gründliches Bild durch den systematischen Zusammenzug aller Bibelstellen machen und nachher von Owen, Luther und Augustinus die Schriften zu Gemüte führen, die durch intensive Debatten entstanden sind. Also:

1. Der ausgezeichnete, thematische geordnete Zusammenzug hunderter von Bibelstellen (Thomas Schirrmacher, Ethik Bd. 1, Lektion 5). Diese Zusammenstellung war es , die mir vor Jahren zum ersten Mal eine gesamtheitliche Sicht auf Altes und Neues Testament jenseits vom gesellschaftlich tief verankerten Libertinismus gegeben hat.

  • Allwissenheit Gottes
  • Vorherwissen Gottes
  • Gott ist allmächtig.
  • Gott regiert und bestimmt die Schöpfung.
  • Gott erhält die Welt grundsätzlich und im einzelnen.
  • Gott schafft und wirkt das Böse und lenkt es.
  • Gott kontrolliert und sendet böse Geister.
  • Gott benutzt das Böse.
  • Die Vorherbestimmung in bezug auf die Ereignisse allgemein
  • Biblische Bücher und längere Texte, in denen die Vorherbestimmung aller Ereignisse durch Gott eine massgebliche Rolle spielen
  • Ereignisse sind zeitlich im voraus festgelegt.
  • Leben und Tod stehen allein in Gottes Hand.
  • Die Todesstunde steht in Gottes Hand.
  • Praktische Beispiele für Gottes Eingreifen
  • Die Vorherbestimmung umfasst auch scheinbar zufällige Ereignisse.
  • Die Vorherbestimmung umfasst auch das Leben des einzelnen.
  • Prädestination der Engel
  • Der Ausdruck „Vor Grundlegung der Welt“
  • Gott verstockt und verhärtet.
  • Gott erwählt sein Volk und bewirkt das Gute in ihm.

2. Die ausgezeichnete exegetische Untersuchung von John Owen zur Frage, für wen das Sühnopfer Christi gilt, in englischer Sprache online erhältlich. Die deutsche Übersetzung ist günstig erhältlich. Das Buch ist mit ca. 100 Seiten kurz. Im Vorwort schreibt Owen:

Sieben Jahre lang habe ich das Thema studiert, sowohl in der Bibel, als auch in allen anderen zur Verfügung stehenden Büchern. Meine Bitte ist deshalb, dass Sie das Buch sorgfältig lesen. Wenn jemand einzelne, aus dem Zusammenhang gerissene Punkte dieses Buches zu widerlegen wünscht, so mag er mit meiner Erlaubnis seinen scheinbaren Erfolg genießen. Doch wer ernsthaft das ganze Buch studiert, der muss, so meine ich, von seiner Richtigkeit überzeugt werden.

3. Erst jetzt – nach einer eingehenden exegetischen Studie – empfehle ich das (polemische) Buch von Martin Luther "Vom unfreien Willen". (Eine Version des ersten Drucks von 1525 steht online zur Verfügung.) Man schaue sich die Argumentation von Erasmus "Vom freien Willen" (ebenfalls eingescannt) im Vergleich dazu an.

4. Der aufmerksame Leser wird merken, dass ich nicht Calvin angeführt habe. Der geneigte Leser wird von den Ausführungen von Thomas von Aquin, Summe der Theologie (Bd. 1) ebenso profitieren wie von Augustinus' De natura et gratia, De spiritu et littera (beide online, englisch). Am besten holt man sich die deutsche Übersetzung von Augustins "Schriften gegen die Pelagianer" oder "Schriften gegen die Semipelagianer" aus einer Bibliothek.

Interview: Ich beobachte einen Rückzug in die Erfahrung

Ich habe Ron Kubsch, Theologe mit den Schwerpunkten Apologetik, Seelsorge und Neuere Theologiegeschichte, einige Fragen gestellt, die mich beschäftigen. Der Betreiber von theoblog.de und Generalsekretär des Netzwerks Evangelium21 spricht über die Krise des westlichen Evangelikalismus und seine Freude über das wieder erwachte Interesse an der Bibel jenseits des Unterhaltungschristentums.

Du bist seit Jahren aufmerksamer Beobachter der Evangelikalen im deutschsprachigen Raum. Welches sind aus deiner Sicht die zwei, drei Topthemen?

Die evangelikale Szene steckt in einer Krise, zumindest in der westlichen Welt. Viele Beobachtungen und Sorgen, die David Wells für Nordamerika schon 1993 in seinem Buch No Place for Truth skizziert hat, haben sich so oder ähnlich auch in Europa ereignet. Das Ringen um die theologische Wahrheit ist durch Fragen der Performanz verdrängt worden. Ich will damit nicht behaupten, die praktische Themen seien unwichtig. Ich will zum Ausdruck bringen, dass die praktische Theologie, also etwa Fragen des Gemeindebaus, der Predigtlehre, der Ökumene, der Mission oder der Seelsorge vom Wort Gottes her beantwortet und entfaltet werden müssen. Ich beobachte hingegen einen Rückzug in die Erfahrung, in die Innerlichkeit, in den Stil, in den Pop, in die Beziehung. Das kann nicht lange gut gehen. Wir haben in den zurückliegenden Jahrzehnten eine Verflüssigung theologischer Begriffe und Dogmen erlebt, die unsere Theologie breiig und kraftlos gemacht hat. Sie kann den kritischen Geistern nicht mehr viel entgegensetzen. Das zeigt sich sehr gut an dem Desinteresse an der Systematischen Theologie und am Verfall der christlichen Ethik. Die große Herausforderung für die nächsten Jahre wird das ehrliche Ringen um die theologische Wahrheit sein. Anders formuliert: Hat Gott wirklich gesprochen?

Du gehörst du zum Gründerkreis von E21. An was denkst du gerne zurück? Was ist die Stossrichtung der nächsten Jahre?

Sich mit Brüdern auszutauschen und zu beten, die einerseits die geistlichen Nöte glasklar sehen, aber andererseits nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern an die bleibende Kraft des Evangeliums glauben, hat mich belebt. Natürlich blicke ich dankbar auf einige der großen Konferenzen in Hamburg zurück. Allerdings wirkt Gott ja oft im Kleinen sehr nachhaltig. Ich bin dankbar für die Regionalkonferenzen oder die entstandenen Freundschaften. Es berührte ich besonders junge Männer und Frauen kennenzulernen, die einen Hunger nach dem Wort Gottes verspüren und das Verlangen haben, tiefer zu schürfen. Es gibt junge Leute, die vom allgegenwärtigen weichgespülten Unterhaltungschristentum die Nase voll haben. Sie trauen dem Evangelium zu, dass es Sünder zur Umkehr treibt. Sie erkennen, dass die Heilige Schrift Antworten auf die Fragen gibt, die die Menschen bewegen. Vielleicht umtreiben, ohne das sie es explizit benennen können. Die Bibel gibt ja auch Antworten auf Fragen, die die Menschen noch nicht kennen. Das ist übrigens ein Grund dafür, dass die Verkündigung zu kurz greift, wenn sie nur Themen aufgreift, die die Menschen aus ihrem Alltag mitbringen. Diese jungen Mitchristen wünschen sich Gemeinden, in denen Gott im Mittelpunkt steht, die Schrift ausgelegt wird, dienende Gemeinschaft zu finden ist. Das beeindruckt mich.

E21 muss solche Christen fördern und natürlich den Gemeinden zuarbeiten. Wir wollen etwa das Vertrauen auf die Bibel als zuverlässiges Wort Gottes stärken, einen Beitrag zur schriftgemäßen Verkündigung leisten und zum christozentrischen Leben in Familie und Gemeinde ermutigen. Wir müssen deutlicher herausarbeiten, dass das Evangelium die Sicht auf das gesamte Leben verändert. Als sich der Vorstand kürzlich getroffen hat, um die Ausrichtung der nächsten Jahre zu bereden, waren wir uns völlig einig, dass E21 der reformierten Theologie fest verbunden bleibt. Diese Theologie hat uns zusammengeführt und wird uns weiterhin stark prägen.

Du hast die intensiven 40er-Jahre hinter dir. Auf was empfiehlst du im Rückblick zu achten?

Natürlich gibt es viele Dinge, die – im Rückspiegel betrachtet – nicht optimal gelaufen sind. Manches stimmt mich traurig und treibt mich in die Reue und ins Gebet. Anderes kann ich allerdings annehmen, auch, weil ich mich von manchen Idealvorstellungen des christlichen Lebens verabschiedet habe. Bonnhoeffer (in Gemeinsames Leben u. Nachfolge), aber auch mein Kollege Thomas Jeising, mit dem ich im Bereich Seelsorge zusammenarbeiten darf, haben mir geholfen, das besser zu verstehen. Christusnachfolge ist keine Träumerei, sondern realitätsbezogen!

Ich habe die Bedeutung des gemeinsamen Bibellesens unterschätzt. Meine Empfehlung lautet: Familienandachten. Außerdem glaube ich, dass Freundschaften wichtig sind. Gerade auch dann, wenn man sehr beschäftigt ist, braucht es vertrauensvolle Beziehungen, in denen man sich verletzbar machen darf. Zu einer Freundschaft gehört auch das gegenseitige Ermahnen in aller Weisheit (vgl. Kol 3,16). Ich glaube, dass das heute zu kurz kommt. Gemeinschaft ist heilsam, wenn Christus in ihr Herr ist.

Was rätst du Menschen, die ins Rentenalter eintreten?

Ältere Christen werden in den Gemeinden gebraucht. Falls es ihnen möglich ist, sollten sie sich viele junge Leute ins Haus holen. Das hält jung und macht innerlich reich. Ich selbst habe sehr von einem älteren Ehepaar profitiert, das mich als jungen Studenten immer wieder zum Essen eingeladen hat. Sie wurden mir wertvolle Ratgeber. Später habe ich erfahren, dass sie regelmäßig für mich gebetet haben.

Was wünschst du dir für die Generation deiner Kinder?

Dass sie eine schöpferische Gegenkultur ins Leben ruft und so von Christus her in die Gemeinden und in die Kultur hineinwirkt. Das wird nicht gehen, indem sie sich treiben lässt und viel konsumiert. Haben sie aber Lust am Wort Gottes, werden sie zur rechten Zeit Frucht bringen.

Vielen Dank für diese wichtigen Beobachtungen!

Kubsch hat kürzlich zwei aus Vorträgen heraus entstandene Studien Das komponierte „Ich“: Identitätsfindung in der Postmoderne und das christliche Menschenbild und Der neue Paulus: Handreichung zur „Neuen Paulusperspektive“ herausgebracht.

Hanniel hirnt (22): 68er Folgegenerationen

Was beobachte ich für die Folgegenerationen v. a. der 1980er und 90er Jahre? Dies beschreibe ich – nach Worten ringend – in der 22. Folge von „Hanniel hirnt“.

  • Sie übernahmen von ihren Eltern die beiden Götzen Wohlstand und Sicherheit. Es geht ihnen nach wie vor darum, möglichst viel Wohlstand zu generieren und nicht gestört zu werden.
  • Die damit verbundene Haltung ist jedoch eine andere. Sie betrachten diese (impliziten) Ziele als Selbstverständlichkeit, auf die sie ein Anrecht haben.
  • Beim Menschen mit schwacher Bildung stelle ich eine verstärkte Konsumhaltung sowie in der Urteilsbildung eine ausgeprägtere Abhängigkeit von den Medien fest.
  • Bei den gut Gebildeten hat sich eine pragmatistische Sicht auf deren (Aus-)Bildung entwickelt: Sie dient der kurzfristigen Sinnstiftung. Sie leben in zwei Welten: In der Welt der Arbeit, stundenmässig beträchtlich, und – für den Rest – in der Welt der Freizeit. Je nach Phase ist mehr Luxus oder Askese (Sport) angesagt.
  • Beruf und Freizeit sind selbstgerichtet. Die Liebe zum Nächsten ist de facto "erkaltet". Der Nächste (und auch die Umwelt) sind zwar nicht gleichgültig. Es geht jedoch prioritär um den eigenen Lustgewinn. Ich beobachte ein „Hangeln“ oder „Surfen“ in den beiden Lebensbereichen, mit wechselnden Betonungen. Die Kompassnadel zeigt auf sich selbst.
  • Tief verwurzelt und nie in Frage gestellt ist das Dogma des ethischen Relativismus. Jeder erschafft sich nicht nur seinen Sinn, sondern ist im Recht und sogar in der Pflicht sich „sein gutes Leben“ zu schaffen. Die Bewertungshoheit liegt beim Einzelnen.

Zitat der Woche: Chinesische Christen und der Gesichtsverlust eines Karriereverzichts

Wolfgang Bühne beschreibt seine Eindrücke anlässlich seiner Reisen in China. Ich ziehe den Hut vor meiner Frau. Viele – auch Christen – haben sie in den vergangenen Jahren spüren lassen, dass sie sie als Verlierer sehen. Von wegen! Die haben keine Ahnung!

Es gibt viele junge, begabte und durch neue Medien auch gut informierte Brüder, die eine Menge Wissen gespeichert haben, aber denen oft die Hingabe an den Herrn fehlt. Dazu kommt ein für uns Westler schwer nachvollziehbares Problem:

Die Erwartungen der Geschwister an einen ‚Vollzeitler‘ sind so hoch, dass viele jüngere Brüder davor zurückschrecken: Ein solcher Mann Gottes muss neben völliger Hingabe an den Herrn bereit sein, in Armut und Verzicht zu leben und für das Evangelium zu leiden. Und dazu ist in einem immer materialistischer werdenden und aufstrebenden China kaum noch jemand bereit.

Bewusst auf einem gesellschaftlich niedrigen Niveau zu leben, auf Karriere und Wohlstand zu verzichten und damit in den Augen der Nichtchristen und auch vieler Christen (!) ein Versager und Verlierer zu sein, ist auch für einen aufrichtigen Christen in China ein für uns kaum vorstellbarer Gesichtsverlust und eine Schande.

Chinesen sind bereits als Kinder auf Erfolg und Karriere getrimmt und vorprogrammiert. Auf der Karriereleiter freiwillig einige Stufen herabzusteigen ist für sie eine derartige Demütigung, dass nur wenige sich ihr auszusetzen bereit sind.

Selbst für ein gläubiges Ehepaar mit einem, oder unter bestimmten Umständen zwei Kindern, ist es völlig unnormal, dass sich die Mutter von ihrem Beruf zurückzieht und ihre Aufgabe nun in der Erziehung ihrer Kinder und der Unterstützung ihres Mannes sieht. Jedenfalls haben wir in den vergangenen Jahren in China nicht ein einziges Beispiel dafür festgestellt.

Quelle: fest & treu 3/2017: 17-18

Hanniel hirnt (21): Das Zentrum der biblischen Botschaft

Was ist das Zentrum der biblischen Botschaft? In der 21. Folge von "Hanniel hirnt" habe ich sie in fünf Minuten erklärt.

  1. Gott: Glaubst du an einen persönlichen, unendlichen Gott, der das Universum geschaffen hat – und damit auch dich und mich? Glaube umschliesst Wissen, Anerkennen und Vertrauen/Gehorsam. Ich lebe diesem Gott zur Ehre oder Unehre.
  2. Mensch: Dieser Gott beurteilt, in welchem Zustand ich mich als Mensch befinde. Auf der einen Seite bin ich als sein Stellvertreter in seinem Bild geschaffen, mit vorzüglichen Gaben ausgestattet und dazu aufgerufen, seine Schöpfung weiter zu entwickeln. Dieser Bezug gibt uns einen einmaligen Wert. Gleichzeitig bin ich in Sünde gefallen und befinde mich im Zustand der Rebellion. Es gibt reale Schuld – zu unterscheiden von Schuldgefühlen. Diese Schuld trennt vom heilig-liebenden Gott. Es geht um einen Zustand der Schuld. Anerkenne ich das an?
  3. Jesus: Gott-Vater hat seinen Sohn in diesen Raum und in diese Zeit gesandt. Er hat als wahrer Gott und wahrer Mensch vor etwa 2000 Jahren in Palästina gelebt. Am Schluss ist er durch die grausame Hinrichtungsart der Römer am Kreuz umgekommen. Es war ein wirkliches Kreuz. Dieser Tod löste die Grundfrage der Rebellion und Trennung von Gott. Gottes Sohn trug die Schuld derer, die an Ihn glauben.  
  4. Antwort: Es gibt in der Bibel stets zwei Antwortmöglichkeiten. Die eine bringt Segen, die andere Fluch mit sich. Entweder erkenne ich Gott, meinen Zustand und das Werk des Gottessohnes sowie dessen rechtfertigende Wirkung an. Gehorsam bedeutet Versöhnung; ein Nein hat zur Folge, dass jemand unter dem Fluch bleibt.

Lesen Sie das Johannes-Evangelium (besonders das 3. Kapitel) und aus dem letzten Buch der Bibel, der Offenbarung, Kapitel 21 und 22. Siehe auch „Vier entscheidende Fragen“, „Vier Fragen zum biblischen Glauben“, meine Predigt „Die vier Säulen des Evangeliums“ und den Artikel „Die tragenden Balken unseres Glaubens“.

Interview: Die Pfeiler der Josia-Konferenz waren die textauslegenden Predigten

Die fünfte Josia-Konferenz gehört der Vergangenheit an. Dieses Jahr führte ich mit Jörn Hägele vom Leitungskreis des Netzwerks Josia – Truth for Youth ein ausführliches Interview.

1. Die Konferenz findet zum fünften Mal statt. Was hat sich seit Beginn verändert und was ist gleich geblieben?

Die Frage nach Veränderung und Konstanz ist eine wesentliche Brille zur Beurteilung alles Geschehens in der Welt. Das merke ich auch immer wieder in meinem Job in der Wissenschaft (Anm: Jörn ist Doktorand, er beschäftigt sich mit der Didaktik der Physik.) Ich glaube, dass hängt damit zusammen, dass es letztlich nur eine Realität gibt, die von der Zeit losgelöst ist: den dreieinigen Gott.

Und so hoffen wir auch, dass die Josia-Konferenz eine grundlegende Konstante hat: Gott selbst, so wie er sich uns in seinem Wort offenbart. Als Netzwerk für Jugendliche wollen wir dabei natürlich besonders Jugendliche im Blick haben. All das und die damit verbundene Vision von Josia hat sich über die Konferenzen hinweg nicht geändert.

Weil sich das Grundanliegen nicht geändert hat, hat sich auch die grundlegende Struktur der Konferenz nicht verändert. Pfeiler der Konferenz sind in all den Jahren vier bis fünf textauslegende Predigten gewesen. Zudem gab es auch immer ein vielfältiges Seminarangebot, bei dem Jugendliche verschiedene Themen mit Bezug zu ihrem Alltag auswählen konnten. Darüber hinaus haben wir auch immer Lieder gesungen, die Gottes gute Nachricht von Jesus Christus deutlich und explizit benennen und anwenden und so die Möglichkeit geben, einander die ermutigende, tröstende und ermahnende Wahrheit zuzusingen.

Auf der Ebene der Angebote hat sich einiges verändert. Beispielsweise haben wir darüber nachgedacht, wie wir die Angebote noch klarer auf unsere Zielgruppe abstimmen können (und sind damit auch noch lange nicht fertig). Wir haben ein Volleyballtunier, den Josia-Cup, eingeführt, das auch dieses Jahr wieder großen Anklang gefunden hat. Wir haben den Ort von Gießen nach Gummersbach gewechselt und hatten dadurch auch die Möglichkeit, mehr Jugendlichen die Teilnahme an den Konferenzen zu ermöglichen. In diesem Jahr hatten wir knapp 300 Teilnehmer. 

In diesem Jahr ist uns besonders stark aufgefallen, dass sich mit der Zeit auch die Mitarbeitschaft ändert. Einige haben aufgrund beruflicher oder gemeindlicher Verantwortung ab einem gewissen Alter weniger Zeit, sich bei Josia leitend einzubringen. Bereichsleiterposten und Organisationsposten wurden von anderen Personen übernommen. Wir sind Gott dankbar, dass trotz diesen Veränderungen auch in diesem Jahr keine besonderen Komplikationen aufgetreten sind.

Die Jugendlichen waren wie immer munter, sie stellten in persönlichen Gesprächen (besonders beim Essen und bis spät in die Nacht) viele Fragen, sie knüpften Kontakte mit Christen aus anderen Teilen Deutschlands (oder aus der Schweiz). Auch wenn sich die Dichte an Smartphones pro Konferenz-Quadratmeter vermutlich von der ersten bis zu dieser Konferenz drastisch erhöht hat, so sind wir froh, dass das Gemeinschaftselement der Konferenz durch die Technologie auch in diesem Jahr nicht beeinträchtigt wurde.

2. Wie würdest du einen "typischen" Konferenzbesucher beschreiben?

Der typische Konferenzbesucher ist laut Anmeldedaten am 05. August 1995 geboren (Standardabweichung: 4 Jahre 6 Monate 11 Tage), kommt aus Nordrhein-Westfalen, hat sich am Abend des 14. August 2017 für die diesjährige Konferenz angemeldet und an der gesamten Konferenz teilgenommen. (Im Vergleich zur Konferenz 2013 ist das durchschnittliche Alter um etwa ein Jahr gesunken, die Streuung ähnlich geblieben.)

Über das wirklich Typische der Teilnehmer dürften die Zahlen aber nur wenig aussagen. In persönlichen Begegnungen, die wir Leitungskreismitglieder gemacht haben, stellen wir als großes Kennzeichen der Teilnehmer fest, dass sie großen Hunger nach Gottes Wort haben und sich wünschen, dass sie auch in ihren Gemeinden oder Jugendgruppen regelmäßig damit genährt werden. Außerdem ist der typische Teilnehmer nach meinem Empfinden in der eigenen Gemeinde recht engagiert – das ist natürlich eine gute Sache, weil somit unser Anliegen (hoffentlich) auch in die Gemeinden hineingetragen wird.

3. Was ist das wichtigste Anliegen der Konferenz?

Auch wenn ich damit in der Gefahr stehe, eine Plattitüde zu äußern: Das wichtigste Anliegen der Konferenz besteht darin, dass Gott geehrt wird, indem die Freude seines Volkes gefördert wird. Dabei wollen wir – auch wenn es nicht immer leicht ist – nicht nur die einzelnen Jugendlichen im Blick haben, sondern auch ihre Einbettung in ihre und ihre Stellung in ihren Gemeinden. Darum ist es wichtig, das von Gott zu seiner Ehre eingesetzte Mittel der Predigt des Wortes zu gebrauchen. Dadurch wird Er ins Zentrum gestellt und jeder Teilnehmer erbaut. Effekt davon ist hoffentlich ein Verlangen danach, im Alltag in der Heimat und der Heimatgemeinde dranzubleiben und Gott zu ehren. Außerdem ist es gut und wichtig, die Gemeinschaft der Heiligen zu pflegen und zu intensivieren – auch über Gemeindegrenzen und Örtlichkeiten hinweg. Vernetzung, aber eben auf der Grundlage der bereits vorhandenen geschwisterlichen Verbindung im Blut Jesu ist daher auch Teil dieses Anliegens. Personen mit ähnlichen Kämpfen kennenzulernen, kann Entmutigte ermutigen und dazu anhalten, auch und vorrangig zu Hause intensive Gemeinschaft im Glauben zu leben.

4. Wenn du fünf Jahre vorausblickst: Was wird sich bis dahin getan haben?

Wenn Jesus es so will und Josia noch existiert, wird es sich verändert haben. Aber die oben beschriebene Konstanz wird hoffentlich auch weitere fünf Jahre bestehen bleiben. Wir und unsere Nachfolger werden die Vision detaillierter ausbuchstabieren – möge Gott uns dabei aber bewahren, davon abzuweichen. Es ist natürlich möglich, dass sich die Schwerpunktsetzung in Bezug auf die Zielgruppe ändert oder dass die Teilnehmer aktiver in die Gestaltung einzelner Programmpunkte eingebunden werden. Aber von der Predigt des Wortes und der Pflege geistlicher Gemeinschaft sollte Josia nicht abweichen.

Ich bin beispielsweise froh, dass die Josia-Konferenz mehr und mehr jüngere Teilnehmer anspricht. Denn wir brauchen im deutschsprachigen Raum Angebote für 16–24-Jährige (und die Konferenz wird und soll natürlich auch Personen ab 14 und bis Mitte 20 anziehen). Ich wünsche mir, dass wir in fünf Jahren einen Altersdurchschnitt von 20 Jahren haben, damit wir unsere Kernzielgruppe noch besser treffen. Dann gehöre ich zu den Oldies und vielleicht zu den älteren und weiseren Seminarleitern, die im Altersdurschnitt nicht berücksichtigt werden. 

Außerdem sehe ich einige strukturelle und organisatorische Änderungen auf uns zukommen. Das hängt unter anderem mit den Teilnehmerzahlen zusammen. Wenn die Josia-Konferenzen in den nächsten Jahren deutlich besser besucht werden, müssen wir zunächst in Gummersbach (sofern wir uns dort weiterhin treffen dürfen) und dann eventuell sogar durch Ortswechsel umstrukturieren, wo z. B. gegessen wird, geschlafen oder wo und ob Volleyball gespielt wird.

Besonders aber sehe ich mit Freuden, dass es in fünf Jahren vermutlich eine große Zahl deutschsprachiger Jugendlicher und junger Erwachsener geben wird, die von Josia geprägt wurden. Manche von ihnen werden in ihren Gemeinden in der Jugendleitung sein. Andere werden Theologie studieren und als Pastoren, Prediger, Seelsorger in Deutschland und auf der ganzen Welt dienen. Manche werden fest im Glauben stehen und an ihrem Arbeitsplatz zum Zeugnis leben und reden. Dass diese Personen von Josia geprägt wurden, wird dabei nicht so wichtig sein wie die Tatsache, dass Gottes Wort sie gelehrt hat und beständig weiter darin anleitet, das Gute und Richtige in Weisheit zu wählen und freudig auf der Pilgerreise in die zukünftige Welt der völligen Gemeinschaft mit Gott zu wandeln. Wenn Josia auch in fünf Jahren noch viele dabei begleiten und darin unterstützen darf, bin ich froh.

Ich sehe also vorrangig nicht ein Mehr an Zielen, Aufgaben oder Aktivitäten, sondern Treue in Bisherigem.

5. Um noch etwas weiter zu blicken: Was würdest du dir für deine eigenen Kinder wünschen?

Ich wünsche mir für meine Kinder, dass auch sie in jungem Alter Christen aus ganz Deutschland (und darüber hinaus) kennenlernen. Ich wünsche mir, dass sie zusätzlich zu regelmäßiger guter Nahrung in ihrer Lokalgemeinde auch die Möglichkeit haben, besondere Festessen mit besonders gutem Essen und besonders besonderer Festgemeinschaft zu genießen. Das kann im Rahmen von Josia sein, wenn es dann noch existiert. Schön wäre es sicherlich. 

Vielleicht gibt es dann aber auch weitere Netzwerke, andere Projekte und Verbände, die sich an den Grundsätzen der Reformation orientieren, die sich stark und immer wieder von Gottes Wort leiten lassen und nicht vom Pragmatismus oder aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. Wir sind froh, in diesem Jahr Material vom Bibelprojekt auf der Konferenz genutzt zu haben und beten, dass sich das Netzwerk gut entwickelt. Wir haben lange Zeit sehr intensiv mit dem Timotheus-Magazin zusammengearbeitet und freuen uns über die Arbeit dort. Wenn solcher Initiativen mehr werden und einander noch liebevoller unterstützen und füreinander beten, dann können meine Kinder in einer gottzentrierten Christenheit in Deutschland aufwachsen.

Zitat der Woche: Nur noch den Augenblick benutzen

Ein weiteres wuchtiges Zitat aus Rohrmosers "Nietzsche als Diagnostiker der Gegenwart" (S. 133f; über weite Strecken zitiert aus der Vierten Unzeitgemässen Betrachtung):

'Ehemals sah man mit ehrlicher Vornehmheit auf die Menschen herab, die mit Geld Handel treiben, wenn man sie auch nötig hatte; man gestand sich ein, dass jede Gesellschaft ihre Eingeweide haben müsse. Jetzt sind sie die herrschende Macht in der Seele des modernen Menschen, als der begehrlichste Teil derselben.' Nietzsche bezieht sich hier auf die Besessenheit, mit der wir vom Erwerbstrieb erfasst sind, und auf die Macht des Geldes. Er spricht hier den Grundtatbestand der kapitalistischen Lebensweise an. 'Ehemals warnte man vor nichts mehr, als den Tag, den Augenblick zu ernst zu nehmen und empfahl das nil admirari und die Sorge für die ewigen Angelegenheiten; jetzt ist nur eine Art von Ernst in der modernen Seele übrig geblieben, er gilt den Nachrichten, welche die Zeitung oder der Telegraph bringen. Den Augenblick zu benutzen und, von ihm Nutzen zu haben, ihn so schnell wie möglich zu beurteilen! – man könnte glauben, es sei den gegenwärtigen Menschen auch nur eine Tugend übrig geblieben, die der Geistesgegenwart. Leider ist es in Wahrheit vielmehr die Allgegenwart einer schmutzigen, unersättlichen Begehrlichkeit und einer überall hinspähenden Neugierde von Jedermann.' Die unersättliche Begehrlichkeit, der Besitztrieb und die Versklavung an den Augenblick und an das, was in den Zeitungen steht und in den Nachrichten gesendet wird – das sind die Aussagen Nietzsches über die Verfasstheit des Menschen in der modernen Welt, von denen man ohne Übertreibung sagen kann, sie könnten auch heute geschrieben sein. Nietzsche stellt fest, dass das Dasein des modernen Menschen durch den modernen Macht- und Erwerbsapparat gekennzeichnet ist. Übrig bleibt ein ausgelaugter, ein steriler Mensch, der dann, auf sich selbst zurückgeworfen, die Entleerung des Daseins, durch den euphorischen Ausdruck 'Freizeit' zu verkleiden sucht.

Kolumne: Eine evangelikale Erklärung zur Sexualethik

Die Nashville-Erklärung, in den USA kontrovers diskutiert, ist dieser Tage in deutscher Sprache erschienen. Dass mit einem solchen Papier die Wogen der Diskussion hochgehen, erstaunt nicht. Schade, dass es erst so spät geschieht. Es scheint mir, als hätten viele Christen die säkularen Denkvoraussetzungen schon verinnerlicht. Ich stimmte Matthias Lohmann zu: „Obwohl das Christsein nicht mit einer Sexualmoral verwechselt werden darf, können wir die biblische Sicht auf die Geschlechtlichkeit nicht aufgeben.“

Ich hebe einige Dinge aus der Erklärung heraus und kommentiere sie mit eigenen Worten.

  1. (Präambel) "Die westliche Kultur ist zunehmend post-christlich geworden. Sie hat begonnen, ganz neu zu definieren, was es heißt, ein menschliches Wesen zu sein." Identität ist "Ausdruck autonomer Präferenzen des Einzelnen". Hier ist ein Weg "ohne falsche Scham" und einem klaren gegenkulturellen Zeugnis angezeigt.
  2. (Artikel 1) Unsere Gesellschaft wird vom (kündbaren) Vertragsdenken beherrscht. Der Mensch ist autonomer Vertragspartner. Dadurch wird die normative Seite Vertrages, nämlich seiner durch den Schöpfer gestellten Bedingungen, ausgeschlossen. Der Schöpfer und Herr erhebt den Anspruch auf volle Loyalität!
  3. (Artikel 2) Der ethische Relativismus und die Herrschaft von Gefühl und Begehren sind selbstverständlich Hauptkriterien für den Geschlechtsakt. Hier rühren wir an eine weitere Grundkategorie des säkularen Denkens. Das Entscheidkriterium stellt für ihn die Stimmigkeit dar.
  4. (Artikel 4) Manchmal wird mit einem heilsgeschichtlichen Argument hantiert: Die Unterschiede zwischen Mann und Frau seien durch den Sündenfall und nicht durch die ursprüngliche Schöpfungsordnung bedingt. Das muss differenziert werden: Durch den Sündenfall werden die Unterschiede pervertiert.
  5. (Artikel 6) Dieser Paragraph adressiert eine kleine Gruppe von Menschen mit Geschlechtsdiffferenzierungsstörungen. Anhand dieser Gruppe wird das Prinzip bekräftigt, ein "fruchtbringendes Leben in freudigem Gehorsam" möglich sei. Selbstverständlich wird dies gemäss POMO-Definition von "Liebe" als äusserst "lieblos" abqualifiziert werden. Liebe ohne Wahrheit ist wie ein Flugzeug mit einem Flügel: Es stürzt ab.
  6. (Artikel 8) Es ist auch immer wieder zu hören, dass Homo- und Transgender-Selbstkonzepte Teil von Gottes Schöpfungsordnungen seien. Hier wird wiederum heilsgeschichtlich unzulässig argumentiert. Es geht um die Sünde, welche diese Ordnung korrumpiert und zerstört.
  7. (Artikel 10) Es geht um eine erstrangige Frage, weil sie direkt die Verfassung des Menschen sowie die Grundlagen der Heilsgeschichte in Frage stellt. Dies kann keine "untergeordnete Meinungsfrage" sein.
  8. (Artikel 12) Es ist nicht Prüderie oder Verleugnung unserer Körperlichkeit, dass Gott durch das neue Leben es ermöglicht "sündhafte Begierden abzutöten und des Herrn würdig zu leben". Diesem Argument liegt der fehlgeleitete Freiheitsbegriff zugrunde. Letzlich ist dies ein Zweifel an Gottes Macht und Fähigkeit Menschen zu erretten und verändern (vgl. Artikel 14).

Kolumne: Neu an der Oberstufe

Unser Zweiter hat nach den Sommerferien mit der Oberstufe begonnen. Wir pilotieren eine Kombilösung (Mathe an der öffentlichen Schule, der Rest zu Hause).

Die Zusammenfassung meines Sohnes: Es gibt viel mehr zu tun. Ich kann weniger schlafen.

Beobachtungen

  • Es sind (massiv) grössere Lernmengen zu bewältigen.
  • Es herrscht die Einstellung vor: Weil ich etwas (momentan) verstanden habe, bin ich vorbereitet. Das genügt.
  • Die "Besseren" sind im Gymnasium, die "Schlechteren" in einer anderen Stufe. Das heisst: Das Mittelfeld ist plötzlich alleine.
  • Es herrscht kein Druck "gut" zu sein. (Mein Sohn war ab dem ersten Tag extrem gefragt und muss den Stoff den anderen erklären.)
  • Am Wochenende kompensieren die Schüler mit Gamen und Schlafen.
  • Gerade die Mütter sind gefordert, ihre Buben nicht zu stark zu bemuttern und ihnen unnötig Hindernisse aus dem Weg zu räumen.
  • Die Kinder lassen sich von den Eltern nichts mehr sagen; das hat damit zu tun, dass die Beziehung schon viel früher gekappt oder auf das Minimum des Versorgers zurückgefahren wurde.

Hinweise für die Eltern

  • Von den Eltern ist Geduld gefordert. Es geht nicht so schnell wie gedacht. Das Einüben neuer Gewohnheiten benötigt mehrere Monate.
  • Rechne mit regelmässiger Entmutigung des Kindes. Fokussiere deine Energie darauf, nochmals ranzugehen. Fleiss wird sich nicht immer sofort, jedoch mittel- und langfristig auszahlen.
  • Es winkt die Chance in der Selbstführung einen Schritt nach vorne zu kommen. Das beginnt bei der Pünktlichkeit und der Sorge um das eigene Material.
  • Betrachte die Abhärtung als einen Teil der Vorbereitung für das Berufsleben. Thematisiere Schlafmangel, Atemtechnik, Anspannung und Entspannung, aber insbesondere auch innere Einreden bei Frust!
  • Beschuldige nicht vorschnell die Lehrer. Viele (Einstellungs-)Dinge spielen sich im Kopf des Schülers und auch der Eltern statt.
  • Ermutige deinen Ehepartner und dein Kind: Es geht um eine neue Lebensphase. Alle können durch Gottes Gnade dazulernen.
  • Sei offen für die halblaut geäusserten Fragen des Kindes. Ich werde fast täglich angegangen, um Ideen für schwierige Situationen zu generieren.

Impulse für das geistliche Leben

  • Bete für dein Kind, deinen Ehepartner, die Geschwister und dich selbst.
  • Besprich dich regelmässig mit deinem Ehepartner.
  • Bekenne Verfehlungen zeitnah.
  • Erzähle von deiner eigenen Wachstums- und Lernzone.
  • Frage nach schwierigen Momenten und bete mit dem Kind dafür.
  • Notiere dir Schlüsselaussagen und Erkenntnisse. Frage nach einigen Tagen/Wochen wieder nach.
  • Achte beim Studieren der Bibel und der Andachten auf Hinweise für die Situation!

Hanniel hirnt (20): Die Reaktion der Christen auf die 68er Kulturrevolution

Vor 50 Jahren ereignete sich eine Kultur-Revolution, die unsere Gesellschaft von innen heraus grundsätzlich verändert hat. In der ersten Folge beschäftigte ich mich mit den drei aktiven Gruppen der Revolution und drei gesellschaftlichen Optionen. Im zweiten Beitrag stellte ich das rasche Einschwenken auf die Position von Wohlstand und Sicherheit fest. Im dritten Teil zitiere ich erneut Francis Schaeffer auf die Frage:

Wie können Christen auf die durch die Kulturrevolution veränderte Situation reagieren?

Wahrheit auf unterschiedlichen Positionen anerkennen: Sie unterscheiden zwischen einer zeitweiligen Interessensverbindung und einer dauerhaften Verbündung. Sie finden bei einem wahren Argument Zustimmung zur einen oder zur anderen Seite (der neuen Linken oder den reaktionären Kräften).

Wahre Wahrheit inmitten des ethischen Relativismus hochhalten: Sie nehmen die Wahrheit ernst. Schaeffer meint, dass der Evangelikalismus unter diesem Namen den Kern seiner Überzeugungen durch den ethischen Relativismus zerstört. Das Gegenteil der von Gott in seinem Wort offenbarten Wahrheit kann nicht richtig sein. Diese Verkehrung kann so gut in einem buddhistischen Gewand oder in herkömmlichen christlichen Vokabular verpackt sein. Wir müssen Wahrheit praktizieren, auch wenn sie uns etwas kostet.

Schönheit Gott gestifteter Gemeinschaft zur Entfaltung kommen lassen: Orthodoxie der Lehre muss mit Orthodoxie der Gemeinschaft Hand in Hand gehen. Andere sollen sehen können, was Gott in seinen Lehren offenbart hat. Diese göttliche Schönheit soll sich in unserer Gemeinschaft und unserer Kommunikation entfalten. Das ist nicht möglich mit ewigem Gezänk.