Zitat der Woche: Bankrotte Kirche verpflegt Egos

Ich zitiere aus dem frisch übersetzten Buch von Rod Dreher "Die Benedikt-Option". Bald werde ich noch mehr dazu schreiben.

«Die Veränderungen, die den Westen in der modernen Zeit ergriffen haben, haben absolut alles revolutioniert – sogar die Kirche, die nicht mehr Seelen formt, sondern Egos verpflegt.» (26)

Es geht hauptsächlich darum, «das eigene Selbstwertgefühl und das subjektive Glückempfinden zu steigern und gut mit anderen auszukommen». (28)

Der Westen hat «das Begehren spiritualisiert und sich einem säkularen ‘Evangelium der Selbsterfüllung’ verschrieben.» (76)

«Immer unterwegs, nie beständig, sind sie Sklaven ihres Eigenwillens.» (Benedikt, 112)

«Die Wurzellosigkeit des zeitgenössischen Lebens hat Gemeinschaftsbindungen ausfransen lassen.» Die Konsumhaltung der Gemeinschaft gegenüber «reproduziert die Fragmentierung, die die Christenheit in der gegenwärtigen Welt erschüttert.» (115)

«Deine Kirche könnte im Begriff sein, Selbstmord zu begehen, und dabei gar nicht bemerken, was sie tut. Oberflächlich mag alles tadellos aussehen, aber tief im Innern bildet vielleicht ein Krebsgeschwür Metastasen in ihren Knochen, deren Brüchigkeit auf schmerzhafte Weise offenbar werden wird, wenn es zur Bewährungsprobe kommt.» (163)

 «Viele Kirchen, die weiterhin offen bleiben, werden von einer heimtückischen Art von Säkularismus ausgehöhlt, der dazu führt, dass dort eine Version von Christentum gelehrt wird, der jedwede Kraft und Lebensfähigkeit fehlt.» (27)

«Es ist nicht etwa so, dass das evangelikale Christentum die grundlegenden theologischen Schriften der frühen Christenheit ablehnen würde, … sie werden einfach nie erwähnt.» (168)

«Wenn keine wirklich Teilhabe am Ewigen stattfindet – das heisst, wenn wir die Materie, und letzten Endes auch die Zeit, nicht als fest verwurzelt in der Realität Gottes begreifen -, dann kann das Leben der Kirche schwerlich dem reissenden Strom der liquiden Moderne standhalten.» (175)

Wir leben in einer Zeit und an einem Ort «unvorstellbarer Annehmlichkeiten …, dem es aber zugleich an Bedeutung und Zusammenhang mangelt. Der Westen hat den goldenen Faden verloren, der uns mit Gott, der Schöpfung und einander verknüpft.»  (84)

«In dem Mass, wie die Kirche ihr kulturelles Ansehen verliert, wird sie frei, in ihrer Glaubenstreue radikaler zu werden.» (165; Für europäische Verhältnisse: In dem Mass, wie sie sich nicht mehr anzubiedern versucht.)

«Wenn die heutigen Kirchen das neue dunkle Zeitalter überleben wollen, müssen sie aufhören, ‘normal zu sein.’» (166)

«Ein Christ, der Askese praktiziert, übt sich darin, Nein zu den eigenen Begierden und Ja zu Gott zu sagen. Diese Einstellung ist in der modernen Zeit im Westen so gut wie verschwunden.» (109) (Ich füge aus der Perspektive des Evangeliums hinzu: Wer nicht bereit ist, um des Besseren und der wahren Freude willen Selbstbeherrschung zu üben, hat eine wichtige Dimension der Heiligung nicht erkannt.)

Zitat der Woche: Objektiver Bericht und strenge Kritik

Auch wenn ich – aus säkularer Sicht – nachvollziehen kann, welchen Anspruch Josef Rattner in seiner 'Enzyklopädie der Psychoanalyse' verfolgt, entlockte mir dieser Satz doch ein Schmunzeln. Zu 35 führenden Psychologen des 20. Jahrhunderts verfasste er eine Einleitung, wobei er versprach:

(D)er Verfasser berichtet aber nicht nur objektiv über Formulierungen und Funde, sondern übt auch strnege Kritik, wo mancher Tiefenpsychologe sich in skurrile Einseitigkeiten verrannte.

Josef Rattner. Klassiker der Psychoanalyse. Beltz: Weinheim, 1995. (Vorwort)

Wie objektiv ist es denn, wenn man von Freud berichtet, er habe "alte Denkformen" zerbrochen und "traditionelle Vorurteile" entlarvt? Ich meine: Typisch säkulares Imponiergehabe. Als ob Denkformen deshalb schlechter seien, weil sie dem Zahn der Zeit standgehalten hätten…

Wer übrigens einen guten Überblick über das Spannungsfeld Seelsorge/Psychoanalyse finden möchte, wird in diesem Aufsatz von Ron Kubsch fündig. Weitere Hinweise in meinem Post "Seelsorge und Psychotherapie"

Jubiläum: 600 Rezensionen

Nach dem Abschluss meiner Dissertation fasste ich, angeregt durch Ausführungen meines Doktorvaters, den Entschluss vermehrt zu Büchern zu schreiben. Anlässlich Erreichung meines Etappenziels von 500 Rezensionen habe ich bereits dazu Erfahrungen zusammengefasst. Dieses Unterfangen war aus meinen Erfahrungen während der Dissertation ("2500 Seiten Bavinck in 100 Tagen") hervor gegangen. Hier habe ich 15 Hinweise zum Lesen von Gesamtwerken gegeben.

Mit meiner kurzen, emotionalen Rezension zu meiner neuen Lesebibel, der "ESV Thinline Bible" in braunem Ledereinband, sind bisher 600 Besprechungen in verschiedensten Ausprägungen auf der Plattform bei Amazon erschienen (Profil). Der eine oder andere mag sich beängstigt fragen: Warum benutzt er die Plattform dieses Online-Riesen? Antwort: Weil viele dort nach Büchern suchen.

Wer bei anderen Top-Rezensenten nachschaut, wird bald feststellen, dass diese ihr Ranking mehrheitlich wegen Elektronikartikeln, Kleidern und anderen Gegenständen erreichen. Dass ich ausschliesslich Bücher kommentiere und dies mit Ausführungen von bis zu 1500 Worten, bleibt mein Credo. Die allermeisten Bücher habe ich mit vier und fünf Sternen bewertet. Weshalb? Bücher, die mich gar nicht überzeugen, lege ich weg. Und mag sie schon gar nicht kommentieren. Hier gab ich Hinweise zur Verbesserung der Lesefertigkeit.

Meine Leseaktivitäten haben dadurch an neuer Qualität gewonnen, dass ich nicht nur Bücher in mehreren Etappen, an besonderen Orten und bewusst langsam lese. Ich habe auch enorm dadurch profitiert, dass ich bestimmten Bücher, einige Stunden widme und einen Teil lese. Im Rückblick fällt mir auf, dass ich von solchen Zeiten sogar mehr behalte als vom gehetzten Konsumieren hunderter Seiten. An einer Stelle habe ich 10 Hinweise zum Verdauen gelesener Bücher zusammengetragen.

Buchbesprechung: Wahre Liebe sucht instinktiv nach Dauerhaftigkeit

Acht erhellende Statements zu gesellschaftlichen Missverständnissen rund um die Ehe

(Ich benutzte die englische Ausgabe, die für Kindle Euro 7,50 kostet.)

The most painful, the most wonderful—this is the Biblical understanding of marriage, and there has never been a more important time to lift it up and give it prominence in our culture.

Modern people make the painfulness of marriage even greater than it has to be, because they crush it under the weight of their almost cosmically impossible expectations.

The picture of marriage … is not of two needy people, unsure of their own value and purpose, finding their significance and meaning in one another’s arms. If you add two vacuums to each other, you only get a bigger and stronger vacuum…

Through the gospel, we get both the power and the pattern for the journey of marriage.

Self-centeredness is a havoc-wreaking problem in many marriages, and it is the ever-present enemy of every marriage.

Only God can fill a God-sized hole. Until God has the proper place in my life, I will always be complaining that my spouse is not loving me well enough, not respecting me enough, not supporting me enough.

Real love, the Bible says, instinctively desires permanence.

Since promising is the key to identity, it is the very essence of marital love. Why? Because it is our promises that give us a stable identity, and without a stable identity, it is impossible to have stable relationships.

Autor und Schreibanlass 

Der Autor Timothy Keller (* 1950), New Yorker Gemeindegründer und -pastor seit Jahrzehnten, schrieb mit seiner Ehefrau Kathy – zum Zeitpunkt der Abfassung 37 Jahre verheiratet – ein Buch in der Wüste. Weshalb Wüste? Die Gefilde der Ehe sind seit Jahren versandet und verödet worden. Nicht dass es an Psycho-Literatur zum Thema fehlen würde, im Gegenteil. Jedoch haben Christen wie Säkulare das Geheimnis bzw. den Schlüssel zu dieser Gott-gegebenen Institution aus der Hand gegeben. Es ist höchste Zeit ihn wieder zu entdecken. Keller gelingt es, den Leser ab Beginn des Buches stracks zum Zentrum zu führen: Ohne das Verständnis des Evangeliums, der Kernbotschaft der Bibel, ist die Ehe nicht richtig zu verstehen (auch wenn Menschen, die sie nicht kennen, vom Segen einer monogamen Beziehung der Treue profitieren und nach aussen gar eine «Musterbeziehung» führen können).

Eigentlich sagt der englische Titel schon viel aus: Es geht um die Entdeckung der Bedeutung der Ehe. Im Untertitel wird ergänzt: Du wirst in diesem Buch mit der Komplexität, welche die verbindliche Zusage zu einem Bund, der vor Gott geschlossen wird, mit der Weisheit Gottes für den Bestand und das Florieren derselben verknüpft, konfrontiert. Keller blickt nicht nur auf jahrzehntelange Seelsorgearbeit in der Gemeinde in einer vom Individualismus zerfressenen urbanen Zone zurück, sondern auch auf die eigene Ehe, von der er berichtet, dass sie über Romantik, Verlobung, einen zerbrechlichen Start über die Jahrzehnte zu einer dauerhaften, tiefen geistlichen Freundschaft herangewachsen sei. Zudem widmet er das Buch einer Reihe von befreundeten Paaren, von denen er – mit einem Lächeln auf den Stockzähnen – berichten kann, dass sie in keiner Weise zueinander passten, jedoch durch sonnige und regnerische Zeiten hindurch reiften. 

Die Kraft des Buchinhalts: Die Botschaft der Bibel mit dem Nerv des Zeitgeistes verbinden 

Natürlich interessiert, welchen Weg Keller beschreitet, um solches Lob von Zeitungen einzuheimsen und an einem begehrten Google-Talk berichten zu dürfen. Er schafft es gemäss Laudatio verschiedener Zeitungen, unter Verwendung von zeitgenössischer und klassischer Literatur dem urbanen ewigen Single den Spiegel hinzuhalten. Dabei verzichtet er keineswegs auf die biblischen Fundamente. Ich habe mich beim Lesen der Kapitel spezielle auf Zitate und Bezüge geachtet. Vor allem stützt er seine gesamte Argumentation auf zwei Schlüsselstellen des Alten und Neuen Testaments ab: Dem Basistext in Genesis 2,24, welches das ursprüngliche Schöpfungsmodell der Bibel «in a nutshell» präsentiert sowie auf die Auslegung von Paulus in Epheser 5,22-33. Paulus greift ganz bewusst auf den Text der Genesis zurück (wie übrigens auch Jesus in Matthäus 19 die ursprüngliche Ordnung wie auch die Beeinträchtigung durch den Sündenfall bestätigt). Die Bibel beginnt mit einer Hochzeit (zwischen Adam und Eva) und endet mit der Hochzeit zwischen Christus und seiner Braut, der Gemeinde. Nun aber zu den einzelnen Kapiteln: 

Das Fundament: Geheimnis, Kraft und Charakter der Ehe 

Das erste Kapitel bringt den kulturellen Kontext mit zwei grundlegenden biblischen Argumenten zusammen: Die Ehe ist eine Institution Gottes und reflektiert eine unsichtbare Realität. Dem steht die gesellschaftliche Realität gegenüber, dass die Ehe ein gegenseitig (jederzeit kündbarer) Vertrag sei, der zur Verwirklichung und zur Zufriedenheit der beiden Individuen dienen müsse. Es geht um emotionalen und sexuellen «Payback», um die Erreichung der eigenen Ziele, nicht um Wachstum des Charakters und das Erblühen von Gemeinschaft. Keller setzt dem eine wichtige Einsicht entgegen: Du wirst nie die richtige Person heiraten! Viel wichtiger ist jedoch das Erfassen des «Mega-Geheimnisses» der Ehe. Allein das Evangelium gibt einer Ehe das adäquate Muster und auch die Kraft für die lebenslange Hingabe.  

Das zweite Kapitel enthüllt die Kraft für jede Ehe. Dafür muss zuerst das säkulare Pendent bzw. die Verzerrung der Sünde herausgearbeitet werden. Das Haupthindernis für jede Ehe bildet die Selbstzentriertheit. Diese wird dem westlichen Menschen von klein auf eingeimpft. Bei jedem Problem gilt es deshalb zuerst auf den Unwillen, dem anderen zu dienen, zu blicken. Das führt zu einer völlig anderen Lösung. Das Heilmittel ist nicht die Vergrösserung des Selbstwertes und eine bessere Übereinstimmung mit den eigenen Bedürfnissen. Die wahre Heilung, nur erfahrbar durch die Kraft des Heiligen Geistes, ist die Umkehr von dieser radikalen Selbstorientierung hin zur Hingabe an den anderen. Die eigene Selbstbezogenheit ist das grösste Problem und stets der erste Schritt zur Veränderung! Es ist also möglich, in jemanden total verliebt zu sein, dies nur aus dem egoistischen Motiv, dass der andere das eigene Loch der Bedürftigkeit und Unsicherheit stopfen sollte. 

Viele sagen: Wozu ein Papier? Liebe reicht doch! Dahinter steckt ein grobes Missverständnis über den Charakter der Ehe. Es geht nicht um einen Gefühlsvertrag, sondern um einen vor Gott geschlossenen Bund. Dieser bedeutet die aufopfernde Hingabe zum Wohl des anderen. Sich dem anderen nicht restlos zu verpflichten heisst gerade, ihn nicht aufrichtig und restlos zu lieben, sondern sich stets eine offene Tür vorzubehalten. Echte Liebe strebt nach Dauerhaftigkeit. Und diese Permanenz schafft Identität.

Der Bau: Gefährten der Heiligung, eingebettet in die Ortsgemeinde, im Vorgeschmack für den Himmel 

Die übrigen Kapitel bauen auf diesem Fundament – dem Geheimnis, der Kraft und dem Charakter der Ehe – auf. Das vierte Kapitel zeigt auf, wofür die Ehe hauptsächlich geschaffen ist. Es geht um tiefe geistliche Freundschaft. Das ist noch zu schwach ausgedrückt. Mann und Frau sind in diesem engst möglichen Verhältnis Sparringpartner für die Heiligung des anderen. Wie vollzieht sich dieser Prozess? Wenn beide in der lebenslangen Zusage an den anderen stehen, dann konfrontieren sie einander mit der Wahrheit. Das bedeutet harte Arbeit – in der Kraft des Evangeliums. Sie sehen ineinander das, was sie in Christus sein können. Und sie entdecken die «Kanäle», mit dem sie dem anderen in Liebe dienen können. Das Buch ist übrigens auch für Singles, nicht nur wegen dem gesonderten Kapitel. Dort macht Keller klar, dass die Ehe eine soziale Institution darstellt. Eingebettet in die Ortsgemeinde finden Singles – die wiederum in der Gemeinschaft von anderen Gott hingegebenen und ehrlich über die Herausforderungen im Gespräch stehenden Singles leben – geistlichen und emotionalen Anschluss. Es würde etwas fehlen, wenn die Sexualität nicht in einem gesonderten Kapitel behandelt worden wäre. Sie steht im finalen achten Kapitel zur Diskussion. Der Sex ist nicht nur Abbild der Freude des dreieinigen Gottes, sondern sie ist auch Vorgeschmack auf die Freude des Himmels. 

Fazit 

Ein Buch, aus dem jeder Christ und überhaupt jeder tief trinken sollte. Es lässt das säkulare Pappkartonhaus zusammenklappen. Nein, besser ausgedrückt, es lässt vor dem inneren Auge eine neue Vision entstehen – für den genialen Bauplan des Schöpfers. Ohne grundlegende Erneuerung, die Bibel nennt dies Wiedergeburt, wird einem jedoch der Zugang verschlossen bleiben. 

Zitat der Woche: Die Hauptpunkte des biblischen Metanarrativs

Der Zürcher Reformator fasst die "wesentlichen Punkte" der biblischen Überlieferung so zusammen:

  1. Gott gute Schöpfung: Gott sei uns Menschen seiner ihm eigenen Güte entsprechend wohlgesinnt; er wolle, dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen (vgl. 1. Timotheus 2,4), der göttlichen Natur teilhaftig werden und heilig, glücklich und selig leben. Deshalb habe Gott den Menschen von Anfang an ihm ähnlich, nach seinem Ebenbild geschaffen, damit er gut, heilig, unsterblich, selig und aller Güter Gottes teilhaftig werde.
  2. Der Mensch fällt durch eigene Schuld in Sünde: Der Mensch aber nicht nicht in dieser Würde und in diesem Glück geblieben, sondern durch Anstiftung des Teufels und durch eigene Schuld in Sünde gefallen, ins Elend und in den Tod; so sei er, das Ebenbild Gottes, zum Abbild des Teufels geworden.
  3. Gottes wiederherstellendes Werk: Dann aber habe Gott wieder gleichsam ein neues Heilswerk begonnen, durch das der Mensch in den vorigen Stand versetzt und von allem Übel befreit und wiederum Gott gleich werden sollte. Und dieses grosse göttliche Werk habe er durch ein bestimmtes Mittel auszuführen beabsichtigt, nämlich die Menschwerdung des Wortes. Denn wie er durch die Menschwerdung den Menschen mit Gott verbunden hat, so hat er durch das Sterben im Fleisch den Menschen versöhnt, geheiligt und befreit. Und indem er ihm den Heiligen Geist schenkte, gab er ihm wieder Anteil an der göttlichen Natur und macht eihn unsterblich und selig. Zudem bewirkt er, dass wir uns anstrengen, das Wesen und die Lebensweise Gottes auszudrücken, nach dessen Ebenbild wir geschafen sind, damit wir an Leib und Seele heilig seien.

Heinrich Bullinger. Schriften III. TVZ: Zürich, 2006. (63-64) Zu meiner Rezension geht es hier.

Zitat der Woche: Kein Buch ohne Vorwort

Meine Freunde machen sich schon seit langem darüber lustig, dass keines meiner Bücher ohne ein Vorwort erscheint. Ja, ich hab auch schon Bücher mit zwei und sogar mit drei Vorworten zustande gebracht! In dieser Hinsicht bin ich unermüdlich. Und auch wenn es eine Unart sein sollte – ich werde mir's nicht abgewöhnen können. Erstens gewöhnt man sich Unarten am schwersten ab, und zweitens halte ich es für gar keine Unart.

Ein Vorwort ist für ein Buch so wichtig und so hübsch wie der Vorgarten für ein Haus. Natürlich gibt es auch Häuser ohne Vorgärtchen und Bücher ohne Vorwörtchen, Verzeihung, ohne Vorwort. Aber mit einem Vorgarten, nein, mit einem Vorwort sind mir die Bücher lieber. Ich bin nicht dafür, dass die Besucher gleich mit der Tür ins Haus fallen. Es ist weder für die Besucher gut, noch fürs Haus. Und für die Tür auch nicht.

So ein Vorgarten mit Blumenrabatten, beispielsweise mit bunten, kunterbunten Stiefmütterchen, und einem kleinen, kurzen Weg aufs Haus zu, mit drei, vier Stufen bis zur Tür und zur Klingel, das soll eine Unart sein? Mietskasernen, ja siebzigstöckige Wolkenkratzer, sie sind im Laufe der Zeit notwendig geworden. Und dicke Bücher, schwer wie Ziegelsteine, natürlich auch. Trotzdem gehört meine ganze Liebe nach wie vor den kleinen gemütlichen Häusernmit den Stiefmütterchen und Dahlien im Vorgarten. Und den schmalen, handlichen Büchern mit ihrem Vorwort.

Vielleicht liegt es daran, dass ich in Mietskasernen aufgewachsen bin. Ganz und gar ohne Vorgärtchen. Mein Vorgarten war der Hinterhof, und die Teppichstange war mein Lindenbaum. Das ist kein Grund zum Weinen, und es war kein Grund zum Weinen. Höfe und Teppichstangen sind etwas sehr Schönes. Und ich habe wenig geweint und viel gelacht. Nur, Fliederbüsche und Holundersträucher sind auf andere und noch schönere Weise schön. Das wusste ich schon, als ich ein kleiner Junge war. Und heute weiss ichs fast noch besser. Denn heute hab ich endlich ein Vorgärtchen und hinterm Haus eine Wiese. Und Rosen und Veilchen und Tulpen und Schneeglöckchen und Narzissen und Hahnenfuss und Männertreu und Glockenblumen und Vergissmeinicht und meterhohe blühende Gräser, die der Sommerwind streichelt. Und Faulbaumsträucher und Fliederbüsche und zwei hohe Eschen und eine alte, morsche Erle hab ich ausserdem. Sogar Blaumeisen, Kohlmeisen, Hänflinge, Kleiber, Dompfaffen, Amseln, Buntspechte und Elsten hab ich auch. Manchmal könnte ich mich fast beneiden.

Erich Kästner. Als ich ein kleiner Junge war. Atrium Verlag: Zürich, 1974. Natürlich aus dem Vorwort.

Hanniel hirnt (103): 6 Impulse für den Vater, der mit seinen Kindern lernt

Zum Auftakt des neuen Schuljahres gebe ich einige Gedanken zum Vater-Dasein weiter (Podcast, Dauer 20 Minuten). Sie entstanden aus einer angeregten Diskussion mit dem Vater einer Grossfamilie, der sich bewusst ist, dass die Bildung nicht im Schulzimmer beginnt und auch nicht dort endet.

  1. Die Grundhaltung des Vaters
    a) funktionaler Vorgesetzter auf Zeit
    b) vor Gott
    c) Mit-Lernender
  2. Die Lernmotivation des Vaters
    a) Interesse das eigene Fachgebiet zur Ehre Gottes weiterzuentwickeln
    b) Bewusstsein der eigenen Begrenzung und der Verzerrung durch die Sünde
    c) Begabung und Schwächen (welche die Stärken nicht korrumpieren sollten)
  3. Lernen findet überall und jederzeit statt.
    a) Anschauungsunterricht durch Gottes Schöpfung
    b) Dankbares Nutzen der menschlichen Entwicklungen (z. B. Medizin, Technologie)
    c) Von Gott zu-fallende Begegnungen
  4. Gott schenkt uns Bücher.
    a) Lebensgeschichten
    b) Fachbücher
    c) mit hilfreichen Illustrationen
    d) die eine Atmosphäre weitertragen und eine Weltsicht transportieren
  5. Lernen durch Lesen
    a) vorlesen (lassen)
    b) in der Originalsprache lesen, übersetzen (lassen)
    c) zusammenfassen (mündlich, schriftlich, zeichnen, theatral/vortragend)
    d) Frage-/Antwort-Korrelation
  6. Lernen durch sokratischen Dialog
    a) Denkvoraussetzungen herausarbeiten
    b) Motivation erkennen
    c) Konsequenzen ableiten
    d) Varianten entwickeln

Jubiläum: 1 Jahr “Hanniel hirnt”

Dankbar blicke ich auf ein Jahr Audiobeiträge zurück. Den ersten Hinweis erhielt ich in einem Seminar. Der Vorschlag lautete: Erweitere deine Palette durch mündliche Beiträge. Für manche Leser, denen meine Beiträge zu anspruchsvoll oder unverständlich waren, würde diese Ergänzung willkommen sein. So begann ich mit meinem Olympus-Aufnahmegerät. Oftmals kamen mir die guten Ideen irgendwo unterwegs. Nebengeräusche liessen sich nicht vermeiden. Dabei fiel mir auf, dass bezüglich formaler Qualität sehr hohe Ansprüche bestehen. Ich arbeite und lebe in einer Grossfamilie, bin beruflich oft unterwegs. Mein Tag ist von frühmorgens bis abends ausgefüllt. Ich kann und will mir weder feste Studiozeiten noch die Nachbearbeitung leisten. Mir geht es um Inhalte.

Anlässlich des Jubliäums habe ich einige Dutzend der Anfangsbeiräge als Pakete auf meine Soundcloud hochgeladen. Den direkten Zugriff auf einige Serien habe ich unter der Rubrik Predigten/Hanniel hirnt aufgeschaltet. Besonders in Erinnerung bleiben mir:

Nun interessiert mich: Welcher Beitrag ist euch hängen geblieben? Ich freue mich auf Zuschriften!

 

Hanniel hirnt (94-102): Vogelflüge Römer, Korinther, Galater

Auf dem Literaturblog "nimm & lies" wurde schon gemutmasst, ob die Serie voll werde. Das wünsche ich mir natürlich. Zumindest kann ich freudig verkündigen: Sie wird laufend erweitert. Im Zuge meiner Vorbereitungen für die NT-Vorlesungen in Aidlingen habe ich zu vier Briefen Vogelflüge erstellt:

  1. Römer (Teil I "Gottes Gerechtigkeit durch Glauben", Teil II "Gerechtfertigt und geheiligt", Teil III "Was ist mit Israel?", Teil IV "Lehre und Leben gehören zusammen"), Dauer total 2 1/4 Stunden.
  2. 1. Korinther (Teil I "Eine reich gesegnete, unmündige Gemeinde", Teil I "Anweisungen an eine Gemeinde im Chaos"), total 1 Stunde
  3. 2. Korinther ("Die Theologie des Kreuzes im Zeitalter der Selbstprofilierung"), ca. 1 Stunde
  4. Galater (Teil I "Kein anderes Evangelium", Teil II "Rechtfertigung aus Glauben"), ca. 1 Stunde

Es handelt sich streckenweise um einen "Tieflug" über den Baumwipfeln. Es gibt auch Kapitel, die kaum berührt werden. Im Zentrum steht die Heilsgeschichte und den entsprechenden Beitrag des Buches. Ich hoffe und bete, dass sie meinen Hörern zum Segen werden und sie es anregt, selber zu forschen.

Ankündigung: 6. Josia-Konferenz “Durch die Wüste ins verheissene Land”

Die 6. Josiakonferenz "Durch die Wüste ins verheissene Land" steht Mitte September an. Fünf textauslegende Predigten zum Vierten Buch Mose sind geplant.

40 Jahre hatte das Volk Israel zur Strafe ihrer Rebellion gegen Gott in der Wüste verbracht. Diese Pilgerreise zwischen der  Sklaverei Ägyptens und dem Land, wo Milch und Honig fließen ist dabei mehr als ein interessanter alter Bericht. Die damaligen Ereignisse sind laut Paulus beispielhafte Bilder, uns zur Warnung aufgeschrieben (siehe 1. Korinther 10,11). Als Christen befinden auch wir uns auf dem Weg ins verheißene Land, müssen dabei in der Wüste aber so manches Hindernis und manche Herausforderung überwinden. Dies kann nur geschehen, wenn wir Gott im Blick behalten.

In einem Youtube-Clip erhältst du Einblicke in die Konferenz von 2017. Ich bin seit Jahren mit dem Netzwerk durch Freundschaften und intensive Kontakte verbunden. Ich freue mich sehr darüber, dass junge Menschen – und vor allem junge Männer – Hunger nach Gottes Wort haben.

Lies eine Reihe von Beiträgen aus früheren Jahren:

2018 werde ich erneut einen Workshop unter dem Titel "Leben in zwei Welten" gestalten. Die Ausschreibung:

Hanniel Strebel (* 1975), Betriebswirt und Theologe, glücklich verheiratet, fünf heranwachsende Jungs. Es wird ihm in seinen verschiedenen Rollen immer stärker bewusst, dass er in einer säkularen Welt lebt, die anders «konfiguriert» ist. Diese «Luft», die wir einatmen, prägt uns Christen stärker, als uns lieb ist. Deshalb ist es Spiel-entscheidend, diese säkulare Welt- und Lebenssicht von der christlichen unterscheiden zu lernen. Timothy Kellers Arbeit in New York war jahrzehntelang diesem Anliegen verpflichtet. In seinem Workshop wird Hanniel aus Kellers Werk Schlussfolgerungen ableiten, die uns dabei helfen, das Unterscheidungsvermögen zu schärfen.