Buchbesprechungen: 44 Bücher

In den letzten vier Monaten habe ich fleissig rezensiert. Hier die Gallerie:

  1. Karl Jaspers. Augustin. Überraschend ergiebiger Anfang.
  2. Susan Schaeffer Macauley. For the Family's Sake: The Value of Home in Everyone's Life. Noch mehr über Charlotte Mason.
  3. Louis Markos. Atheism on Trial: Refuting the Modern Arguments Against God. Ein Lesegenuss – letzter Teil nicht gleich überzeugend.
  4. Paul Johnson. Churchill. Eine pointierte Biografie auf 180 Seiten.
  5. Gary Dorrien. Kantian Reason and Hegelian Spirit: The Idealistic Logic of Modern Theology. Fundgrube.
  6. Christina von Hodenberg. Das andere Achtundsechzig: Gesellschaftsgeschichte einer Revolte. Strikt soziologische Perspektive.
  7. Uwe Holmer. Der Mann, bei dem Honecker wohnte. Das nenne ich ehrlich und aufrichtig.
  8. Hans Brandenburg. Gott begegnete mir. Band 1: Von Riga bis Lübeck. Früherer Referent in Aidlingen.
  9. Winston S. Churchill. Churchill Memoiren: Band 1/1: Von Krieg zu Krieg. 1919 bis 3. September 1939. Ich habe es wieder hervorgeholt.
  10. R. C. Sproul. Die Heiligkeit Gottes. Klassiker, gehört auf die Leseliste.
  11. Brett McCracken. Uncomfortable: The Awkward and Essential Challenge of Christian Community. Spricht den wunden Punkt an.
  12. Saida Keller-Mesahli. Islamistische Drehscheibe Schweiz: Ein Blick hinter die Kulissen der Moschee. Da blieb mir die Spuke weg.
  13. C. Jeffrey Robinson. Colin Hansen. (Ed.) 15 Things Seminary Couldn't Teach Me. Super Idee.
  14. Donald A. Carson. Ach, Herr, wie lange noch?: Gedanken über das Leiden und andere Nöte. Lässt sich nicht mit einfachen Antworten abspeisen.
  15. Randy Alcorn. Warum lässt Gott das Leid zu?: Glaube zwischen Gut und Böse. Bestes Buch unter 200 Seiten, mit vielen hervorragenden Untertiteln.
  16. Edith Schaeffer. Nie tiefer als in GOTTES Hand. Korrektiv aus dem 20. Jahrhundert.
  17. Nick Littlehales. Sleep: Schlafen wie die Profis. Erstaunlich normal, alltagstauglich.
  18. Edith Schaeffer. Der Erste und der Letzte. Heilsgeschichte aus der Vogelperspektive. Vorlesebuch (zumindest in Teilen).
  19. Edith Schaeffer. Dear family: The L'Abri family letters, 1961-1986. Sehr tröstlich, vor allem die Bezüge zu Gottes Eigenschaften am Ende der Briefe.
  20. Edith Schaeffer. Mit Phantasie und Liebe. Von der Kunst, den Alltag zu verschönern. Hat mich nachhaltig inspiriert.
  21. N. Wilson. Charles Darwin: Victorian Mythmaker. Hat viel Staub aufgewirbelt, ein Vergnügen zu lesen.
  22. David Powlison. Making All Things New: Restoring Joy to the Sexually Broken. Füllt eine Lücke!
  23. Emidio Campi (Hg.) Die schweizerische Reformation: Ein Handbuch. Wer noch mehr als Zwingli und Calvin kennenlernen will.
  24. David Powlison. How Does Sanctification Work? Dieses Buch ging mir zu Herzen.
  25. John Bunyan. Die Pilgerreise. Wieder gelesen – wirft eine realistische Perspektive auf unsere Lebensreise.
  26. Timothy Keller. Predigen: Damit Gottes Wort Menschen erreicht. Gesamtperspektive passt, hervorragende Teile.
  27. Nancy Pearcey. Love Thy Body: Answering Hard Questions about Life and Sexuality. Wahrscheinlich das beste Buch zum Thema.
  28. David Murray. Reset: Living a Grace-Paced Life in a Burnout Culture. Ein solches Buch fehlt im deutschen Buchmarkt.
  29. Peter Kreeft. Summa Philosophica. Habe methodisch profitiert.
  30. H. A. Irsonide. Die Brüderbewegung – Ein historischer Abriss. Know your roots. Das sind meine geistlichen Wurzeln.
  31. Günter Rohrmoser. Christliche Dekadenz in unserer Zeit: Plädoyer für die christliche Vernunft. Mehrere Aufsätze, wie immer erhellend.
  32. Seth Godin. Tribes: We need you to lead us. Ein Marketingguru erkennt eine aktuelle Tendenz.
  33. Greek-English Parallel New Testament ebook: NA28-ESV. Hilfsmittel auf Kindle.
  34. Johannes Calvin. The Complete Biblical Commentary Collection of John Calvin. Hilfsmittel auf Kindle.
  35. Susanne Garsoffky. Britta Sembach. Der tiefe Riss: Wie Politik und Wirtschaft Eltern und Kinderlose gegeneinander ausspielen. Verblüffend ehrlich.
  36. Jon Savage. Teenage: Die Erfindung der Jugend (1875-1945). Gründliche Analyse.
  37. Craig G. Bartholomew. Contours of the Kuyperian Tradition: A Systematic Introduction. Wichtige Bewegung, profunder Abriss.
  38. Jan Tischhauer. Unter Linken: Von einem, der aus Versehen konservativ wurde. Witzig ohne banal zu werden.
  39. Herman Giesecke. Pädagogische Illusionen: Lehren aus 30 Jahren Bildungspolitik. Einige Schwächen der Bildungspolitik auf den Punkt gebracht.
  40. Manfred Hildermeier. Geschichte der Sowjetunion 1917-1991: Entstehung und Niedergang des ersten sozialistischen Staates. Opulentes Werk, kapitelweise zu lesen.
  41. Hans-Joachim Maaz. Das falsche Leben: Ursachen und Folgen unserer normopathischen Gesellschaft. Psychoanalytischer Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen.
  42. Hannah Arendt. Eichmann in Jerusalem: Ein Bericht von der Banalität des Bösen. Klassiker. Mir graute es.
  43. Uwe Siemon-Netto. Duc, der Deutsche: Mein Vietnam. Warum die Falschen siegten. Sehr ehrliche Rückschau. Politisch inkorrekt.
  44. Timothy Keller. Ein Jahr mit den Psalmen: 365 Andachten. Super Konzept, hätte ich mir ausführlicher vorgestellt.

Input: Tipps für Mitarbeitergespräche

Als Arbeitnehmer gehen wir regelmässig in Beurteilungsgespräche; als Vorgesetzte haben wir solche Gespräche zu führen. Eben ist in der internen Zeitung meines Arbeitgebers ein Artikel von mir dazu erschienen.

5 Tipps für Führungskräfte

  • Sprechen Sie Lob und Kritik zeitnah aus – nicht nur einmal im Jahr im Rahmen des MAG (Mitarbeitergesprächs)!
  • Notieren Sie sich unter dem Jahr wichtige Beobachtungspunkte.
  • Fokussieren Sie sich beim Gespräch auf ausgewählte Punkte, die potenziell eine „Hebelwirkung“ erzielen!
  • Widmen Sie auch ruhigen, „problemlosen“ Mitarbeitenden genügend Zeit und Energie! Zeigen Sie, dass Sie deren Leistung wahrnehmen.
  • Nehmen Sie die Rückmeldung Ihrer Mitarbeitenden ernst.

5 Tipps für Mitarbeitende

  • Bereiten Sie sich auf das Gespräch vor. Gehen Sie Ihre Jahresagenda durch und notieren Sie sich ein paar wichtige Situationen.
  • Geben Sie Ihrem Vorgesetzten Rückmeldung. Zeigen Sie Rückgrat und kreuzen Sie nicht alles mit „erfüllt“ an.
  • Denken Sie nicht (nur) an die nächste Funktion. Überlegen Sie sich, wo Ihr Feld zur Persönlichkeitsentwicklung liegt. Was wäre ein Schritt aus der Komfortzone heraus?
  • Geben Sie Ihren Teamkollegen zeitnah Rückmeldung. Sprechen Sie miteinander, nicht übereinander!
  • Reduzieren Sie Erwartungsdruck. Es liegt nicht alles am Vorgesetzten.

Ich füge als Christ hinzu:

  • Es gibt eine Priorität: Wofür kann ich dankbar sein?
  • An welchen Charakterbaustellen habe ich gearbeitet?
  • Ich bin mir bewusst, dass unangenehme Rückmeldungen Teil von Gottes Erziehungsprogramm bilden.
  • Meine Begabung deckt sich nicht immer mit den Aufgaben. Über Strecken ist Treue und Fleiss wichtiger als "Fun".
  • Meine Vorgesetzten benötigen mein tägliches Gebet.

Buchbesprechungen: Fünf substanzielle Werke zu Philosophie und Kultur

Hier sind fünf Rezensionen mit Substanz, auf die ich zurückgreife. Der Link führt zum Buch; unter dem Buch findet ihr meine Rezensionen.

Zur Tugendethik. Alasdair C. MacIntyre. Der Verlust der Tugend: Zur moralischen Krise der Gegenwart. Ich beschränke mich in meiner Besprechung auf die Gegenwartsanalyse, die Macintyre vor allem im ersten Drittel vornimmt. Dieses Werk half mir zu erkennen, wie verheerend sich der Verlust einer absoluten Ethik auswirkt.

Zur Lehre der Schöpfung. Albert M. Wolters. Creation Regained. Durch Wolters erkannte ich die Wichtigkeit, die Lehre der Schöpfung ins Zentrum rücken. Die Erlösung ist auf die Schöpfung bezogen und nicht davon getrennt.

Zum Konstruktivismus. Paul A. Boghossian. Fear of Knowledge: Against Relativism and Constructivism. Die Selbstwidersprüchlichkeit des Konstruktivismus – einer Denkhaltung, die aus der Ablehnung einer absoluten Ethik hervorkommt – zu Tage gefördert.

Biografie eines Vordenkers. James D. Bratt. Abraham Kuyper: Modern Calvinist, Christian Democrat. Der Theologe, Journalist und Politiker legte sicherlich keinen über allen Zweifel erhabenen Lebenslauf und auch kein widerspruchsfreies Werk vor. Doch sein Ringen um das Verhältnis zwischen Christentum und Gegenwartskultur in der schnell fortschreitenden Säkularisierung ist beispielhaft.

Zur kulturellen Umwälzung der Gegenwart. R. Albert Mohler. Culture Shift: The Battle for the Moral Heart of America. Es gibt viele Analysen zu den tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen. Mohler hat die letzten Jahre und Jahrzehnte die wichtigen Geschehnisse auf Tagesbasis besprochen und beurteilt.

Input: Das therapeutische Evangelium der westlichen Welt

Die Verkündigung eines therapeutischen Evangeliums ist meines Erachtens die Hauptplage der westlichen Kirche. Hier einige Auszüge aus dem überaus wichtigen Artikel des Seelsorgers David Powlison.

Das therapeutische Evangelium des Westens

(Das therapeutische Evnagelium) ist so gestrickt, dass es Menschen das gibt, was sie wollen und nicht das verändert, was sie wollen. … Dieses therapeutische Evangelium akzeptiert menschliche Schwachheit und deckt sie zu, versucht die offensichtlichsten Symptome der Not zu verbessern. …

  • Ich will mich geliebt fühlen dafür, wer ich bin; Mitleid bekommen dafür, was ich durchmachen musste; aufs innigste verstanden fühlen, bedingungslos angenommen sein.
  • Ich will das Gefühl erleben, persönlich wichtig und bedeutend zu sein; in meiner Karriere erfolgreich zu sein; zu wissen, dass mein Leben einen Unterschied macht und Auswirkungen hat.
  • Ich will Selbstbewusstsein erlangen; erklären, dass es mir gut geht; ich meine Meinungen und Wünsche durchsetzen kann.
  • Ich will unterhalten werden; Freude fühlen in dem endlosen Strom von Darbietungen, die meine Augen entzücken und meine Ohren jucken.
  • Ich will das Gefühl des Abenteuers, der Spannung, der Aktion und Leidenschaft haben, sodass ich mein Leben als aufregend und bewegend erlebe.

… Dies Evangelium lindert schmerzliche Symptome. Es gibt dir ein gutes Gefühl. Die Logik hinter diesem therapeutischen Evangelium ist eine „Jesus-für-mich“-Haltung, der meinen persönlichen Bedürfnissen und psychischen Schmerzen abhilft. … Man ist nicht länger verantwortlich für seine tiefsten Probleme, sondern nur ein Leidender und ein Opfer unerfüllter Bedürfnisse.

Das wahre Evangelium

Meine instinktiven Begierden werden ersetzt (manchmal schnell, meistens aber allmählich) durch das wachsende Bewusstsein der wahren Bedürfnisse, bei denen es um Leben und Tod geht:

  • Ich brauche mehr als alles andere Barmherzigkeit: „Herr, hab Erbarmen mit mir“; „Um deines Namens willen, vergib mir meine Übertretung, denn sie ist sehr groß“.
  • Ich will Weisheit lernen und willentlich Selbstbezogenheit verlernen: „Nichts, was du dir wünschst, ist vergleichbar mit ihr“.
  • Ich muss lernen, Gott und meinen Nächsten zu lieben: „Das Ziel aller Unterweisung ist Liebe, die aus reinem Herzen, einem guten Gewissen und aus einem innigen Glauben kommt“.
  • Ich sehne mich danach, dass Gottes Name geehrt wird, sein Reich kommt und sein Wille auf Erden getan wird.
  • Ich will, dass Christi Herrlichkeit, Liebe und Güte auf der Erde gesehen wird, die Erde so sichtbar füllt, wie Wasser den Ozean füllt.
  • Ich muss von Gott in meinen Instinkten, Entscheidungen und meiner Lebensführung verändert werden.
  • Ich will, dass er mich von meiner besessenen Selbstgerechtigkeit befreit, meinen Wunsch, mich selbst zu erhöhen, tötet, damit ich das Bedürfnis für die Gnade Christi spüre und lerne, andere sanftmütig zu behandeln.
  • Ich brauche Gottes mächtige und persönliche Hilfe, um die Dinge zu wollen und zu tun, die bis ins ewige Leben andauern, statt mein Leben mit Nichtigkeiten zu verschwenden.
  • Ich will lernen, wie ich Schwierigkeiten und Leiden in Hoffnung erdulden kann, während mein Glaube gereinigt, vertieft und veredelt wird.
  • Ich will lernen anzubeten, mich zu freuen, zu vertrauen, zu danken, zu rufen, Zuflucht zu finden und zu hoffen.
  • Ich will die Auferstehung zum ewigen Leben: „Wir seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes“.
  • Ich brauche Gott selbst: „Zeig mir deine Herrlichkeit“; „Maranatha, komm, Herr Jesus.“

Zitat der Woche: Die Kinder sollen das untereinander ausmachen

Genau dieses Verhalten beobachte ich in unseren Breitengraden (Hervorhebungen von mir):

Vor einiger Zeit sprach ich mit einer Mutter, deren Tochter in die Internationale Schule geht. Sie erzählte mir, wie sehr ihre Tochter unter Mobbing litt. So sehr, dass sie die Schule verlassen wollte. Die Mutter erzählte, dass ihre Tochter nicht das einzige Mädchen sei, das in der Klasse Mobbing ausgesetzt ist. Rädelsführerin sei tatsächlich nur ein Mädchen, das die anderen Mädchen der Klasse mit einem ausgeklügelten System gegeneinander ausspielte. Keines der Mädchen konnte oder wollte sich dagegen wehren, keine der betroffenen deutschen Eltern hatten mit einem Lehrer, einer Lehrerin, dem Leiter der Middle School oder dem Direktor gesprochen. Denn bei uns gilt immer noch der Leitsatz, dass Kinder so etwas untereinander ausmachen müssen. Oder es herrscht unter Eltern die Angst, dass Beschwerden beim Lehrer anschließend am Kind ausgelassen werden. Hätten sich die Mütter oder Väter an die Schule gewandt, wäre das Problem höchstwahrscheinlich sehr schnell behoben worden, denn angelsächsische Pädagogik bietet, was deutsche Pädagogik nicht annähernd vermag. Kommt angelsächsische Erziehung zum Einsatz, richtet sich die Vorgehensweise des Erziehers ausschließlich an den Kindern aus, ohne die Eltern einzubeziehen. Die Korrektur geschieht auf pragmatische Art und Weise, garantiert sofortige Maßnahmen, die sich auf die Problemsituation konzentrieren, ohne dass Informationen missbraucht und »Informanten« verraten werden. »Petzen« ist hier also erwünscht! Dem mobbenden Mädchen oder auch Jungen wird vor Augen geführt, wie sich ihr oder sein Verhalten anfühlt und welches Leid sie damit anderen zufügen. Die Betroffenen dürfen den Spieß in Zusammenarbeit mit dem Klassenstufenleiter umdrehen und dem intoleranten Mädchen oder Jungen zeigen und erklären, worunter sie leiden. Gleichzeitig erfährt das Mädchen oder der Junge, welche Konsequenzen sie zu tragen haben, wenn sich ihr verletzendes Verhalten nicht ändert. Diese Kombination von Bewusstmachen und zur Verantwortung Ziehen hatte in der Internationalen Schule immer Erfolg. Deutsche Eltern hingegen sind oft der Meinung, dass sie mit dem Kindergarten oder der Schule nicht sprechen sollten, da dies letztlich dem Kind schaden könnte. Das geht so weit, dass Eltern lediglich zu Hause beschwichtigen, aber nicht wirklich helfen. Sie überlassen das Kind dieser Stresssituation und retten sich in die Vorstellung, dass sich die Kinder selbst helfen müssen. Aber Kinder sind doch nicht in der Lage, derartige Situationen selbst aufzulösen, wo selbst Erwachsene oft hilflos sind! Wie also kann man das vom eigenen Kind verlangen? Und so geschieht oft, was nicht geschehen sollte: Nach langer Frustration und großem Kummer geht das Kind lieber auf eine andere Schule, als dass es die Mobbing-Situation erfolgreich und den Umständen entsprechend positiv auflöst. Die Eltern versäumen es, die Chance zur Wiederherstellung des kindlichen Selbstbewusstseins zu ergreifen, und bestärken das Kind in seiner Hilflosigkeit. Es wird vielleicht viel geredet, aber wenig bis nichts getan, und oft gehen die Eltern einer aktiven Konfliktlösung aus dem Weg.

Isabelle Liegl. Albert Wunsch. Wo bitte geht´s nach Stanford?: Wie Eltern die Leistungsbereitschaft ihrer Kinder fördern können. Beltz, 2017. (54-56)

Unsere Sehnsucht nach Freude: 20 Zitate

Randy Alcorn korrigiert sowohl säkulare wie auch vermeintliche christliche Glückskonzepte im ersten Teil seines Werks "Happiness".

6 Die Suche nach Glück ist gegeben, eine universelle Konstante. Es ist in jedem Menschen jeden Alters, jeder Epoche und in allen Umständen präsent.

8 Gott möchte, dass wir in Ihm wahre Glückseligkeit suchen. Satan möchte, dass wir nach imitierter Heiligkeit streben, die unserem selbstgefälligen Stolz entstammt.

10 "Der Mensch ist gelangweilt, weil er zu groß ist, um mit dem zufrieden zu sein, was die Sünde ihm gibt."

12 Wir erwarten grösseres Glück, als das Leben uns anzubieten scheint.

14 Die Sünde sabotiert das Glück.

16 Wir haben die Auswahl zwischen Gott und dem Glück, oder aber weder Gott noch das Glück.

17 Glück ist Gottes Gebot und der angenehme Ruf an seine Leute.

20 Moderne Christen müssen mehr, nicht weniger über Glück sprechen.

25 Die Welt hat das Christentum vom Glück losgekoppelt. Die Nachfolger Jesu sind dafür teilweise verantwortlich.

29 In Gott unser höchstes Glück zu finden befreit uns dazu, seine Schöpfung zu geniessen und zu schätzen.

45 Wie viele Menschen vermeiden eine abenteuerliche Freude zugunsten des sicheren, routinemäßigen, langweiligen, unglücklichen Lebens, mit dem sie sich abgefunden haben!

49 Unsere Sehnsucht nach Christus weist darauf hin, dass wir Christus nötig haben.

52 Das Evangelium ist ein konkreter, realitätsbezogener Ruf zum Glücklichsein.

59 Gott möchte, dass wir beides, Ihn selbst und seine Geschenke, geniessen.

60 Die körperliche Auferstehung beweist die Güte der physischen Schöpfung Gottes.

67 Die Suche nach Glück macht uns anfällig für Götzendienst.

71 Ein allgegenwärtiger Kulturgötze ist es "cool" sein zu wollen.

74 In unserem Leben gibt es nur für einen Gegenstand des Glücks Platz.

79 Um die vermeintliche Abwesenheit Gottes zu kompensieren, produziert die Kultur ihre eigenen Quellen der Ehrfurcht.

84 Die Suche nach Glück steht hinter aller Gott ehrenden Anbetung, genauso wie sie jedem Götzendienst zugrunde liegt.

99 Unsere moderne westliche Weltanschauung, die Gott selten für die natürlichen Prozesse oder die unzähligen kleinen Schätze des Lebens verantwortlich sieht, verlangt von uns, bewusster zu denken und unsere Kinder expliziter dazu zu erziehen, dass sie Gottes Hand überall in seiner Schöpfung wahrzunehmen beginnen.

99 Gott von seinen Gaben zu trennen, ist nicht die Lösung; es ist das Problem.

Input: (Nur) Christen sind Heuchler?

"Christen sind Heuchler." Untersuchen wir diesen Pauschalvorwurf genauer. Os Guinness hat in seinem Buch "Fool's Talk" ("Beware the Boomerang", Kapitel 10) überaus hilfreiche Gedanken dazu verfasst.

Der Vorwurf: Christen leben nicht, was sie predigen.

Ich höre schon, was andere hinter vorgehaltener Hand oder offen sagen: "Sie verkündigen hohe Ideale, nach denen sie andere richten. Sie wollen diese Massstäbe anderen überstülpen. Irgendwann tritt dann zu Tage, dass sie diese Latte selbst nicht erreichen, was sie beschämen muss. Niemand mag solche Menschen." Auf diese Weise können Nichtchristen den Glauben der Christen „falsifizieren“.

Beginnen wir mit dem Eingeständnis. Tatsächlich sind wir als Zeugen berufen worden (vgl. Jes 43,10+12; Joh 3,28). Es gibt kaum etwas Beschämenderes, als wenn unsere Taten unseren Worten widersprechen. Sie scheinen die Ausrede der Nichtchristen zu unterstützen: „Ich bin zwar kein Heiliger, aber ich bin auch kein Heuchler.“ Besonders schwierig wird es in einem Umfeld, in denen sich Christen ihrer Umgebung stark angepasst haben und eine Art „Kulturchristentum“ leben.

Das Eingeständnis führt zu einem realistischen Blick. Der christliche Glaube passt in die ganze Wirklichkeit. Wenn wir es uns zur Angewohnheit machen, Argumente zu Ende zu denken und auftauchende Widersprüche aufzudecken, dann fangen wir damit bei uns an. Es wird solche Widersprüche geben. Doch dann erkennen wir, dass wir selbst das Problem darstellen und nicht der Glaube! Das führt zu folgenden Einsichten:

Erkenne, dass alle Menschen Heuchler sind.

Es besteht eine Lücke zwischen Erscheinung und Wirklichkeit, zwischen unserem inneren und unserem äusseren Selbst. So viel Betonung heute auf Authentizität, Echtheit und Transparenz gelegt wird: Keiner kommt diesem Ideal nach. Das spätmoderne Denken stellt hier einen Anspruch auf, der in der Wirklichkeit gar nicht erfüllt wird. Nach noch mehr. Es ist zu fragen: Wie kann überhaupt den Vorwurf von Heuchelei erhoben werden, wenn es gar keinen Massstab für Wahrheit aufgestellt werden kann? Die Spätmoderne verstrickt sich hier in einen Selbstwiderspruch. Nach ihrem eigenen Dogma existieren nur individuelle Wahrheiten und kein Massstab für objektive Gerechtigkeit!

Dazu kommt ein weiteres Problem. Wer sich selbst anlügt (um diesen Widerspruch zu überbrücken), darf und soll es nach diesem Paradigma tun. Allerdings bringt der innere Widerspruch fatale Konsequenzen mit sich. Wer sich dauernd anlügt, kann mit der Zeit Wirklichkeit nicht mehr von Täuschung unterscheiden. Wenn sich diese Ablösung vollzogen hat, bleibt nur noch der Ausweg des Zynismus. Weshalb? Eben weil es ja keinen Weg gibt, eine übergeordnete Wahrheit festzustellen!

Stelle dich der Tatsache, dass Wahrheit unabhängig von uns Menschen ist.

Bei der Heuchelei geht es um eine Differenz zwischen Wahrheit und Lüge, Integrität und Falschheit, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit. Eine Wahrheit ist unabhängig davon, ob wir sie ausleben, wahr! Die Wahrheit hängt in sich nicht von dem ab, der sie lebt bzw. nicht lebt.

Keine Heuchelei ohne Anerkennung von Tugenden!

Was ist damit gemeint? „Wenn wir keine Fehler hätten, würden wir kein solches Vergnügen dabei empfinden, sie bei anderen zu entdecken.“ (Duc de la Rouchefoucauld) Das Böse ist in gewisser Weise stets eine Imitation des Guten. Die Untugend existiert nur, weil es Tugenden gibt. Die Selbstliebe beispielsweise will nach aussen so erscheinen, wie wenn sie uneigennützig wäre. So gibt es keinen (oder kaum einen) Akt der Wohltätigkeit, der nicht aus Menschengefälligkeit heraus motiviert sein kann! Letztlich kann nur Gott diese Feinheiten genau unterscheiden. Trotzdem muss die Heuchelei der offenen Bosheit vorgezogen werden. Wenigstens bemüht sie sich einen Anschein von Tugend zu wahren.

Moralische Seriosität kommt von dem, der aufs Herz schaut.

Die moderne Welt ist eigentlich eine lebenslange Schule in Heuchelei. Verkaufe dich nach aussen gut. Will heissen: Halte nach allen Seiten einen Schein aufrecht. Aus biblischer Sicht besteht Charakterfestigkeit gerade in dem, wer du bist, wenn dich niemand sieht. Die biblische Weltsicht liefert die Begründung dafür, weshalb Heuchelei so schwer wiegt! Gott schaut nicht auf das Äussere, sondern auf das Herz (1. Samuel 16,7).

Bekenne die Differenz zwischen Schein und Wirklichkeit.

Die natürliche Reaktion des Menschen – schon bei kleinen Kindern zu beobachten – ist: Wie du mir, so ich dir. Wir geben zurück, was wir empfangen, und legen dabei noch eins drauf. Der christliche Glaube kennt jedoch einen radikal anderen Weg: Er weist den Sünder (und den begnadigten Sünder) an ein Bekenntnis abzulegen. Dieses Bekenntnis wird heute in einer zunehmend schamorientierten Stammes-Kultur, geprägt und gesteuert durch die Medien, als Schwäche auslegt. Dabei bedeutet Bekennen sich zu befreien. Heuchelei ist auf die lange Frist gesehen Versklavung an sich selbst.

Setze dich dem radikalsten Anti-Heuchelei-Programm aus!

Die Bibel entlarvt den tiefsten Grund für Heuchelei. Sie ist keine Frage der sozialen Schicht oder der Volkszugehörigkeit. Sie ist eine Folge der Sünde. Der von Gott getrennte Mensch muss die Wahrheit, die er unumgänglich erkennt, unterdrücken. Damit ist er zwangsweise in der Position eines Heuchlers. Wer zum Licht kommt, setzt sich dieser unangenehmen Tatsache aus.

Predigt: Ich finde keine Schuld an Ihm

Zu Karfreitag durfte ich den Text von Johannes zum Verhör vor Pilatus auslegen (Johannes 18,28-19,16). Empfehlung: Höre dir Johannes 18-21 als Audio an. Hier geht es zum Mitschnitt.

Ich näherte mich diesen Text in zwei Schritten:

  1. Zuerst schlüpfen wir in die Rolle von Pilatus: Der Schuldige, der sich tiefer in seine Schuld verstrickt
  2. Dann blicken wir auf Jesus: Der Unschuldige, der willig die Strafe anderer auf sich nimmt

Die Bewegungen von Pilatus gaben mir die Vorlage für die Feinunterteilung (hinein/hinaus; 18,29; 18,33; 18,38; 19,4; 19,9; 19,13). Zentral ist das dreimalige Urteil des Richters: "Ich finde keine Schuld an Ihm." (18,38; 19,4; 19,6).

  • Die formelle Eröffnung der Anhörung (18,28-32)
  • Die Befragung (18,33-39)
  • Geisselung und provisorisches Urteil der Freilassung (18,40-19,5)
  • Der religiöse Grund zur Anklage und die Angst von Pilatus (19,6-9)
  • Abschluss des Verhörs (19,10-12)
  • Grundlose Verurteilung wegen dem Vorwurf der Untreue gegenüber dem Kaiser (19,13-16)

Die Anwendung:

  1. Wer von allen geliebt werden will, muss nach allen Seiten lügen.
  2. Wessen Schuld vergeben ist, der kann ruhig bleiben, auch wenn es ihn einen Preis kostet.

Kolumne: Als ich jung war, musste ich mit in den Gottesdienst

Die Ostern stehen vor der Tür. Im Büro fragt einer den anderen: Und, was machst du an Ostern? (Interessant:  Es wird stets nach Aktivitäten gefragt. Nicht nach Seinsqualitäten.) In der Jugend, da mussten sie mit in den Gottesdienst gehen. Die anderen fuhren an den Gardasee. Sie gingen bis fünf Uhr morgens in den Ausgang. Oder sie zockten in der Gruppe durch.

Doch diese Zeiten gehören der Vergangenheit an. Seit sie junge Erwachsene waren, sind sie diesem Gefängnis entkommen. Sie haben sich stramm in die Welt des Konsums eingefügt. Mit begierigen Zügen tranken sie die alternative Weltsicht. Her mit den exklusiven Urlauben. Her mit den Medien rund um die Uhr. Her mit dem Gang in den schicken Club.

Ab dann huldigten sie der Religion des Säkularismus. Es entging ihnen, dass es sich um eine Weltsicht handelt, die ihren Lebenssaft aus christlichen Wurzeln bezieht. Die gesamte Kultur, aber auch die Infrastruktur und die technischen Errungenschaften sind wesentlich durch eine christliche Weltsicht initiiert worden. Das wird unbesehen hingenommen. Man sägt am Ast, auf dem man sitzt.

Dies meine ich nicht nur gesellschaftlich gesehen. Es geht mir um den Einzelnen. Das Halbwissen der Jugend verblasste von Monat zu Monat. Zurück bleiben seltsam deformierte Krater, die scharfen Kanten irgendwelcher Äusserlichkeiten. Ihre innere Schaltzentrale wird langsam auf die neue Religion umgepolt. Gefühl, Wille und Verstand passen sich an die neuen Gegebenheiten an.

Es sind mit die dogmatischsten Menschen, die ich kenne. Sie huldigen der Religion des Säkularismus auf eine Art, wie ihre Nachbarn es nie taten. Ängstlich halten sie sich an die Gebote der Ich-Religion. Dies wird besonders deutlich, wenn sie Kinder bekommen. Innerlich programmiert ist der Satz: „Sie sollen es anders haben.“ Es fragt sich nur, wie dieses „anders“ denn aussieht. „Frei sollen sie sein.“ Es geht wohl um die vermeintliche Autonomie. Das bedeutet: Abhängigkeit vom Strom der Zeit. Man bindet sich an den Pflock des Augenblicks.

Ich bin nun über 20 Jahren erwachsen und gehörte zu denen, die (modifiziert) beim Erbe der Väter blieben. Aufmerksam verfolge ich aus der Distanz Lebenswege von „Befreiten“. Es bietet sich mir ein erbärmliches Bild. Die sklavische Abhängigkeit von Konsum und vor allem von den Medien ist für mich überdeutlich.

So schlittern diese „Befreiten“ mit offenen Augen in die hässlichen Konsequenzen des säkularen Lebensstils hinein. Die Abkühlung der innerfamiliären Beziehungen vollzieht sich rasant. Das Hamsterrad von verdienen und ausgeben dreht immer schneller. (Das ist ein Prinzip des Konsums: Der Stimulus muss in kürzeren Abständen und höheren Dosen erfolgen, um noch einen Effekt zu erzielen.)

Ihre ehemaligen Schulkollegen, auf diese sie anno dazumals neidisch waren, haben sich längst anders orientiert. Zum Beispiel gehen sie ins Yoga und in die Natur. Sie bevorzugen leichtes Essen. Vom Konsumballast haben sie sich verabschiedet. Aufmerksam studieren sie alternative Wege der Bildung für ihre Kinder. Offen geben sie zu: „Ich bin auf der Suche.“

Es liegt mir fern, mich irgendeines Verdienstes zu rühmen. Dass Jesus gerade mich gewählt hat, ist Teil seines Planes und in keiner Weise auf mich zurückzuführen. Die Festtage sind aus meiner Erfahrung „sensible“ Zeiten. Irgendwie regt sich doch unser – ja, was ist es genau? – Gewissen. Falls du diesen Beitrag liest und dich (wenn auch nur teilweise) wieder erkennst, dann rufe ich dir zu: Sieh dir das Ganze doch erstmals richtig an. Aber diesmal bitte gründlich und aus eigenem Antrieb.

Kolumne: Jetzt läuft es rund – was wird morgen sein?

Wird mein Kind mit Beeinträchtigungen zur Welt kommen? Werde ich meine Arbeitsstelle verlieren? Werde ich Krebs bekommen?

Manchmal beschleicht uns die Angst vor dem, was kommen könnte. Wir rechnen uns aus: Heute geht es uns gut. Will heissen: Wir sind beschwerde- bzw. schuldenfrei. Wir gehen morgens arbeiten und kommen abends unbeschadet zurück. Wir planen unsere sportlichen Aktivitäten, unsere Urlaube. Das Leben läuft rund. In diesen Schönwetter-Perioden mischen sich Gedanken an kommende Gewitter oder gar Kaltfronten. Wir fragen uns: Wie werden wir sie überstehen? Werden wir standhalten? Wie wird sich unser Charakter verändern? Wie werden unsere Ehepartner und Kinder damit klarkommen?

  1. Danke Gott für jeden neuen Tag. Bitte gleichzeitig, dass Er deine Freude an Ihm stärkt und ausbaut.
  2. Vernachlässige die geistlichen Übungen nicht. Damit verbunden:
  3. Sammle geistliche Schätze und Vorräte für die anderen Zeiten. (Das ist eine tägliche Überlegung von mir: Wie kann ich heute so viel Schätze wie nur möglich sammeln?)
  4. Pflege Freundschaften. Stehe anderen in schlechten Tagen bei.
  5. Breite vor Gott deine Ängste aus. Überlege dir: Vor welchen Verlusten fürchte ich mich? Sie könnten uns Hinweise auf unsere Ersatzgötter geben.
  6. Bleibe nicht bei deinen Ängsten stehen, sondern überlege dir: Wem könnte ich heute Gutes tun (Kurznachricht, Brief, Besuch, Unterstützung jeglicher Art)?
  7. Viel wichtiger als die Beschäftigung mit kommenden Unannehmlichkeiten ist der Fokus auf die Übungsgelegenheiten von heute. Welche scheinbar unbedeutende Gelegenheit mit mir selbst, Ehepartner, Kinder, Arbeitskollegen gibt Er mir im nächsten Augenblick? Wir sind Meister darin zu übersehen, was Gott uns vor die Füsse legt.
  8. Kämpfe damit, dich den negativen Gedankengängen nicht hinzugeben. Stoppe die negativen Phantasien. (Ich habe mir angewöhnt, Satz für Satz einen Psalm zu überdenken.)

Zum Weiterlesen: Was heisst „wir werden nicht über unser Vermögen geprüft“?