Lernerlebnis Nr. 16: Eine Viertel-Lehrstunde beim Biobauern.

Bringe deine Kinder in Kontakt mit „Erste-Hand-Erlebnissen“. Damit meine ich: Halte Ausschau nach Menschen, die auf einem Gebiet viel Erfahrung haben und sieh ihnen bei ihrer Tätigkeit zu. Wenn wir auf der Strasse Mühlmännern, Vermessungszeichnern oder Bauarbeitern begegnen, stellen wir ihnen Fragen zu ihrem Beruf.

Mittlerweile haben wir Eltern das Fragenstellen verinnerlicht – und die Leute geben uns bereitwillig Auskunft. So begegneten wir auf einem Abendspaziergang einem Biobauern, die mit einer Spezialmaschine das frisch geeggte Feld neu ansäte. Er erklärte uns sein Vorgehen, zeigte die Samen und verriet uns, woher er sie bezog.

Gesetz und Geist: Liebe und Gesetz gehören zusammen. (4)

Durch die Romantisierung des Begriffs ist der Zusammenhang, den die Bibel zwischen Gesetz und Liebe herstellt, schwer nachvollziehbar.

  • Liebe ist in der Bibel eine Verpflichtung (Röm. 13,8). 
  • Sie ist eine grundsätzliche Willensentscheidung (Phil 2,2-5).
  • Liebe und Gehorsam gehören zusammen (1Petr 1,22).
  • Die Liebe äussert sich in der Tat (Gal 5,6).
  • Liebe ist Gemeinschaft und darum von Treue nicht zu trennen.
  • Liebe kommt in Verzicht und Opfer zum Ausdruck.

Die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes (Röm. 13,10), das heisst alle Gebote gewinnen erst aus der Perspektive der Liebe ihre Bedeutung. Liebe kann also nicht von Gottes Geboten getrennt werden. Es geht nicht an, auf Kosten der Gebote selber definieren zu wollen, was Liebe ist.

Aus: Thomas Schirrmacher. Ethik. Bd. 1. RVB/VTR 2002.

Gesetz und Geist: Der Geist Gottes erfüllt das Gesetz in uns. (3)

Es ist dem Gesetz unmöglich, uns die Kraft zu geben, es auch zu halten. Das Gesetz ist an sich gut, aber es konnte seine eigene Erfüllung nicht sicherstellen. Es fordert Gehorsam, aber es gibt keine Kraft. Manche Ausleger haben gemeint, dass Jesus am Kreuz alle Forderungen des Gesetzes erfüllt habe, so dass uns das Gesetz nun nichts mehr anginge. Doch hätte Gott das Gesetz einfach abgeschafft, weil selbst der Christ es nicht halten konnte, hätte er seine eigenen heiligen Massstäbe verändern und erklären müssen. Doch nun erfüllt Gott sein eigenes Gesetz in uns durch den Heiligen Geist (Römer 8). Damit ist beides gewahrt: Gottes heilige Gebote, die nicht geändert werden können, und die Tatsache, dass nur Gott allein sie halten kann. Christus hat den Gläubigen nicht vom Gehorsam des Gesetzes befreit, sondern vom Fluch. Das Gesetz verdammt ihn nicht mehr, sondern die Gerechtigkeit, die eingefordert wird, wird in den durch Gnade und Hilfe des Heiligen Geistes erfüllt.

Aus: Thomas Schirrmacher. Ethik. Bd. 2. RVB/VTR 2002.

Lernerlebnis Nr. 15: Gemeinsam schaffen wir es.

Es ist Abend, Vater und Mutter erschöpft, die Wohnung in ordnungsbedürftigem Zustand. Die Kinder haben den ganzen Nachmittag ausgiebig gespielt. Am nächsten Tag geht’s ab in die Ferien. Vater klärt die Situation: Er ist auf die Unterstützung der Kinder angewiesen und verteilt dem Alter angepasste Aufträge.

Mein Zweiter, fünfjährig, kurvt mit dem Staubsauger durch die Wohnung, sammelt Karton ein, reinigt die Tischoberflächen. Erstaunlich, welchen “Drive” ein Kind entfalten kann…

Gesetz und Geist: Eine alternative Sichtweise des Galaterbriefes (2)

Der Galaterbrief beschäftigt sich fast ausschliesslich mit dem Verhältnis der Christen zum alttestamentlichen Gesetz. Kein Mensch wird durch Gesetzeswerke gerecht (Gal 2,16), ja wenn dem so wäre, wäre Christus umsonst gestorben (Gal 2,21). Den Geist Gottes empfängt niemand durch das Gesetz (Gal 3,2). Die Gesetzesgerechtigkeit kommt nicht aus Glauben (Gal 3,12), weswegen uns Christus vom Fluch des Gesetzes erlösen musste (Gal 3,13). Wer durch das Gesetz gerecht werden will (Gal 5,4), muss das Gesetz insgesamt und nicht nur Teile davon, wie etwa die Beschneidung (Gal 6,13), einhalten (Gal 5,3). Fazit: Das Gesetz ist kein Heilsweg.

Was jedoch erst bei genauem Lesen auffällt: Es gab in der Gemeinde der Galater zwei sich bekämpfende Parteien. Die eine war gesetzlich, die andere gesetzlos, die eine machte das Gesetz zum Heilsweg, die andere verwarf das Gesetz ganz. Einige Hinweise aus dem Brief: Der Galaterbrief berichtet von einem Streit in der Gemeinde (Gal 5,15; 5,26); die Gemeinde bestand vorwiegend aus Heidenchristen, es werden aber zugleich judenchristliche Problemstellungen angesprochen; häufig wird nur ein Teil der Gemeinde angesprochen (Gal 4,21; 5,4); es gibt Texte, in denen Paulus davor warnt, das Gesetz zu verwerfen und unmoralisch zu leben (Gal 5,13-14); Paulus hält den freizügigen Christen immer wieder positive Aussagen über das Gesetz entgegen (Gal 3,21+24; 5,14; 5,19-20; 5,23; 6,2). Fazit: Paulus steht zwischen beiden Gruppen und warnt beide Seiten.

Aus: Thomas Schirrmacher. Gesetz und Geist. RVB: Hamburg 1999.

Die Tretmühlen des Glücks: Was Glück verspricht, verhindert in der Realität Glück.

Biswanger beschreibt vier Tretmühlen:

Die Statustretmühle
Das Luxusauto von gestern wird schnell zum Durchschnittsauto von heute (49). Denn Statusgüter werden nachgefragt, um relative Bedürfnisse wie Geltung oder Status zu befriedigen (53). Die Vergleichsgruppe für Statusobjekte sind die Menschen, mit denen wir am meisten Zeit verbringen. Mit anderen Worten: Bettler beneiden keine Millionäre, sondern andere Bettler, die mehr verdienen als sie selbst (54). Das bedeutet: Der Wettbewerb um Status ist ein Nullsummenspiel (57). Und: Es wird immer schwieriger aufzufallen (65).

Die Anspruchstretmühle
Wo vor einigen Jahrzehnten eine Dreizimmerwohnung mit Kohlenfeuerung genügte, muss heute ein EFH mit 250 qm Grundfläche her. Die Krux ist: Mit steigendem Einkommen steigen auch die Ansprüche (73). Wir überschätzen das künftige Glück – auf Kosten echter Glückfaktoren (74). Wer nie mit dem Erreichten zufrieden ist, ist unglücklich.

Die Multioptionstretmühle
Statt die Vielfalt zu geniessen, leiden wir unter der Qual der Wahl – denn die Opportunitätskosten (= entgangener Nutzen einer alternativen Verwendung der Zeit) steigen (85). Beispiel Fernsehen: Die am häufigsten gewählte Kapitulationsstrategie besteht darin, dass man einfach ein paar wenige Sendungen auf gewohnten Kanälen schaut und den Rest der vielen Fernsehprogramme ignoriert. Beispiel Supermarkt: Vor den Regalen gibt es eine Vielzahl zu treffender Entscheidungen, die wenig Freude machen, aber unser Budget massgeblich beeinflussen (89). Ahnlich ist es bei grossen Entscheidungen: Da es keine klar definierten gesellschaftlichen Regeln mehr gibt („anything goes“), werden die Entscheidungen anspruchsvoller. Ja, es gilt sogar: Je zahlreicher die Optionen sind und je komplexer sie werden, desto fehleranfälliger werden die "geistigen Buchhaltungen" (101).

Die Zeitspartretmühle
Nehmen wir den Arbeitsweg: Schnellere Verkehrsmittel und bessere Strassen beendeten die traditionelle Nähe zwischen Wohnort und Arbeitsplatz (107). Die Pendlerwege wurden immer weiter. Die Regel: Gibt es mit zunehmendem Einkommen mehr Optionen und bleibt das Zeitbudget konstant, wird die Zeit zunehmend knapp (111). Das Paradox: Zeiten, die kein Geld einbringen, gelten als Zeitverschwendung (112). Tagsüber wird jede Minute gespart und abend dreieinhalb Stunden vor dem Fernseher verschwendet… (weil die Menschen tagsüber gestresst sind, können sie abends nichts mehr Sinnvolles tun). Und: Auch das Internet frisst mehr Zeit, als es spart…

Aus: Mathias Biswanger. Die Tretmühlen des Glücks. Herder: Freiburg i. Br. 2010.

Ergebnisse der empirischen Glückforschung: Wir haben immer mehr und werden nicht glücklicher.

Mathias Biswanger, seines Zeichens Volkswirt, hat wichtige Ergebnisse der ökonomischen Glücksforschung zusammengetragen:

  • Die Menschen sagen, dass sie glücklich sind, weil man das von ihnen erwartet und weil sie es auch selbst von sich erwarten. (23)
  • Einkommen macht glücklich, solange die Menschen eines Landes arm sind. Wenn aber der Schwellenwert von 15000 Dollar Durchschnittseinkommen pro Kopf erreicht ist, gilt das nicht mehr. (26)
  • Seit dem 2. Weltkrieg zeigt sich folgendes Bild: Steigende durchschnittliche Einkommen, konstantes Glück. (29)
  • Die Krux: Selbst wenn das Einkommen absolut ansteigt, bleibt immer ein Prozentsatz der Bevölkerung relativ arm (unter dem Durchschnitt), so sehr sich dieser auch Mühe gibt und sich dafür abrackert, reicher zu werden. (33)
  • Menschen sind dann glücklich, wenn sie mit anderen Menschen zusammen sein können (und das Zusammensein nicht durch ökonomische Interessen bestimmt ist). (38)
  • Menschen mit hohem Einkommen haben weniger Freizeit und damit auch weniger Zeit, das zu tun, was Menschen glücklich macht (41).
  • Höheres Einkommen bedeutet mehr Stress. (44)

Aus: Matthias Biswanger. Die Tretmühlen des Glücks. Herder: Freiburg i. Br. 2010.

Kinder als Agenten des Materialismus

Kinder und Jugendliche sind zu sogenannten „Agenten des Materialismus“ geworden, die ihren Eltern helfen, ihr sauer verdientes Geld loszuwerden.

R. Wuthnow, zitiert in: Mathias Biswanger. Die Tretmühlen des Glücks. Herder: Freiburg i. Br. 2010.

Lernerlebnis Nr. 14: Scherben sammeln

Familienausflug zur Brätlistelle: Die Feuerstelle ist übersät mit Scherben. Papi und Mami sammeln in der ersten Viertelstunde die Scherben der Bierflasche zusammen. Mein Ältester nach vollbrachtem Werk: “Ich bin mir fast ganz sicher, dass ich dies nicht tun werde als Erwachsener, wenn ich so erzogen worden bin.”

Menschenbilder (5): Neutrale Fakten.

Aus der christlichen Weltsicht gibt es kein neutrales Faktum. Jedes Fakt ist ein interpretiertes Fakt. Wissen ist keine Datensammlung; alle Daten stehen in Beziehung zum souveränen Gott. Er hat die Definitionshoheit aller Daten. Es gibt deshalb keine “Rohdaten”.

Aus: R. J. Rushdoony. Intellectual Schizophrenia. Ross House: Vallecito 2002.