Das Böse in der Welt (3): Keine erschöpfenden Antworten

Die Bibel gibt keine erschöpfenden Antworten. Sie klärt jedoch den grossen Rahmen:

  • Gott ist gut und heilig und will das Böse nicht (Ps 5,6-7; Joh 1,5). Infolge dieser Güte hat uns Gott die Gebote gegeben. Es sind Gebote zum Leben (Deut 6,25), die vor dem Bösen bewahren sollen.
  • Auch wenn wir als Christen an einen souveränen Gott glauben, dürfen wir diese nicht gegen die Verantwortlichkeit des Menschen ausspielen (Apg 17,30).
  • Das Problem des Bösen ist Preis für die Sünde. Unsere Auflehnung gegen Gott ist das Kernproblem. Nicht Gott muss sich rechtfertigen, sondern der Mensch.
  • Gott nutzt das Übel oft für die Zurechtweisung. Gott verschont Menschen nicht vor Leid, wenn sie ihm vertrauen. Gott treibt durch Leid Menschen zur Busse und zur Reife.
  • Es gibt keinen linearen Tun-Ergehen-Zusammenhang, der einfach auf Einzelschicksale übertragen werden kann (siehe Lk 13,2).
  • Die christliche Antwort auf das Leid ist nicht fatalistisch. Für Christen gilt: Das Böse ist mit dem Guten zu überwinden (Röm 12,21).
  • Die gnädige Herablassung Gottes ist die praktische Lösung für das Leid der Welt. Jesus weinte (Joh 11,33+38). In Jesus Christus nimmt Gott das Leiden der Welt auf sich (Hebr 2,10+18).
  • Es ist ein eschatologischer Sieg über das Böse verheissen. Die Jünger bereiten ihrem Herrn den Weg, bis er als König kommt (1Kor 15,55; Offb 21,4). Das Leiden der jetzigen Zeit fällt nichts ins Gewicht (Röm 8,18). Dies darf nicht als Bagatellisierung gesehen werden, sondern als tröstlicher Horizont.

Aus einer Vorlesung über Apologetik mit Ron Kubsch.

Das Böse in der Welt (2): Lösungsvorschläge

Der Verweis auf das Böse in der Welt ist heute das überzeugendste Argument gegen die Existenz Gottes. Der Mensch fragt radikal: Kann es angesichts des Übels in der Welt überhaupt einen Gott geben?

Im Lauf der Philosophiegeschichte sind verschiedene Lösungsvorschläge gemacht worden:

  1. Das Böse als Mangel an Gutem (Augustinus, Thomas von Aquin): Das Böse hat kein selbständiges Sein. Auch das Böse lebt vom Guten.
  2. Die beste aller möglichen Welten (Leibniz): Wir leben in der besten aller möglichen Welten, Gott ist deshalb kein Vorwurf zu machen. Physische Übel sind entweder Strafe oder das Mittel Gutes hervorkommen lassen. Das moralische Übel ist Preis für die Freiheit des Menschen.
  3. Das Böse als Übergang (Hegel): Böses gehört zum Übergangsstadium der Geschichte und damit zur Selbstentfaltung des Geistes Gottes.
  4. Das Böse dient einem guten Zweck. Gott benutzt das Böse als Werkzeug für das Gute, letztlich muss auch das Böse dem Guten dienen.
  5. Der Tod ist der Gärtner: Der Tod istVoraussetzung für die Höherentwicklung des Lebens (evolutionistische Lösung).
  6. Gott ist der Teufel. Wir müssen uns von dualistischen Vorstellungen verabschieden. Die Zwiespältigkeit der Welt spiegelt ihr tatsächliches Wesen wider. Gott vereint helfende und zerstörerische Eigenschaften.
  7. Die Freiheit des Menschen: Viele christliche Philosophen (z. B. Alvin Plantinga) verteidigen das Böse mit der Freiheit, die er dem Menschen gibt.

Aus einer Vorlesung über Apologetik von Ron Kubsch.

Das Problem des Übels (1): Argument Nr. 1 gegen die Existenz Gottes

Wer die traditionellen religiösen Lehren mit Skepsis betrachtet, … kann … versuchen, einen Gegenbeweis zu führen. Ein solcher Gegenbeweis wird selbstverständlich beim Problem des Übels ansetzen. An diesem Problem scheint deutlich zu werden, dass dem traditionellen Theismus nicht nur jede vernünftige Grundlage fehlt, sondern dass er auch positiv widervernünftig ist, weil einige seiner zentralen Aussagen einander widersprechen.

Die ungeheuren Schwierigkeiten des Theismus, in dieser Hinsicht seine eigenen Lehren miteinander zu versöhnen, müssen ganz erheblich gegen ihn ins Gewicht fallen.

Aus: John Leslie Mackie, Das Wunder des Theismus, Reclam: Stuttgart 1985.

Wenn Verstehensvoraussetzungen nie hinterfragt werden

Most people, unhappily, accept their presuppositions unconsciously … There is nobody so ignorant in these areas as the university graduate. The more they are caught in the system, the more they accept ‘what everybody thinks’, the more blind they’re apt to be – not thinking very simple things.

Aus: Colin Duriez. Francis Schaeffer – an Authentic Life. Crossway Books: Wheaton 2008.

Öffentliche Religion als Religionsfreiheit

Religion findet in der Öffentlichkeit statt, das religiöse Denken der Menschen beeinflusst ihr öffentliches Handeln, und erhebliche Teile der Strukturen unserer Gesellschaft und Kultur gehen auf religiöse Überzeugungen und Grundlagen zurück. Unter all den Menschenrechten, die es so gibt, gehört das Recht der Religionsfreiheit zu denen, die am schwierigsten zu konkretisieren und in konkrete Gesetze und Kompromisse zu giessen ist. Warum?

Weil man Religion nicht auf einen bestimmten Bereich eingrenzen kann, sondern sie über die ihr anhängenden Menschen in alle Bereiche des öffentlichen Lebens wie Familie und Sexualität, Medien, Schule oder Kunst hineinreicht. Schon die Frage, was Religion eigentlich ist, beantwortet jede Religion und Kultur anders, wofür im Leben sie zuständig ist, erst recht.

Aus: Friedemann Burkhardt. Thomas Schirrmacher (Hg.) Glaube nur im Kämmerlein? VKW: Bonn 2009.

Der wirkliche Kampf findet im Denken statt

Das geistliche Leben des Christen ist in seinem Denken verankert. Der wirkliche Kampf um Menschen spielt sich deshalb in der Welt der Gedanken und Vorstellungen ab.

Es ist sinnlos, über die Liebe zu Gott zu reden, wenn wir dabei nicht begreifen, dass sie sich in der inneren Welt unserer Gedanken ereignet. Wirkliche persönliche Gemeinschaft bleibt nie äusserlich. Sie verbindet immer das Zentrum einer Person mit dem einer anderen. Das gilt z. B. für die Ehebeziehung: Wenn man nur körperlichen Kontakt hat, hat man noch keine Gemeinschaft auf einer persönlichen Ebene. Der Kontakt muss sich vielmehr bis ins Zentrum der Person erstrecken.

Aus: Francis Schaeffer. Geistliches Leben – was ist das? R. Brockhaus Verlag: Wuppertal 1975.

Passendes eBook: Hanniel Strebel. Francis Schaeffer für eine neue Generation.

Alle Menschen streben nach Glück (4)

Gott allein sei das wahre Gut, sagt Pascal.

Und rätselhaft, seit er sich von ihm abgewandt, gibt es nichts in der Welt, das nicht geeignet gewesen wäre, seinen Ort zu erfüllen. Sterne, Himmel, Erde, Elemente, Pflanzen, Kohl, Lauch, Tiere, Insekten, Kälber, Schlangen, Fieber, Pest, Krieg, Hungersnot, Laster, Ehebruch, Blutschande. Seitdem der Mensch dies wahre Gut verloren hat, konnte ihm alles und jedes das wahre Gut bedeuten…

Aus: Blaise Pascal. Pensées. Fragment 425.