Pilatus: Er wusste, welches Spiel gespielt wurde

Heute morgen las ich in der Familie den Matthäustext des Karfreitagmorgens: Jesus wurde vor den Statthalter Pilatus gebracht. Aus ausserbiblischen Quellen wissen wir, dass Pilatus zu jenem Zeitpunk unter Druck stand. Die Juden hatten schon eine Gesandtschaft nach Rom geschickt, um gegen Pilatus zu klagen. Als es um die Verurteilung von Jesus ging, wusste er genau, was vor sich ging:

Pilatus versuchte erst Jesus zum Reden zu bringen. “Da sprach Pilatus zu ihm: Hörst du nicht, was sie alles gegen dich aussagen? Und er antwortete ihm auch nicht auf ein einziges Wort, so daß der Statthalter sich sehr verwunderte.” (Mt 27,13+14)

Die nächste Gelegenheit bestand darin, Jesus über das Ritual der Freilassung eines Gefangenen los zu bekommen. Pilatus wusste genau, mit welchem Motiv die Anklage vorgebracht wurde. “Als sie nun versammelt waren, sprach Pilatus zu ihnen: Welchen wollt ihr, daß ich euch freilasse, Barabbas oder Jesus, den man Christus nennt? Denn er wußte, daß sie ihn aus Neid ausgeliefert hatten.” (V. 17+18)

Seine Frau liess ihm eine dringliche Warnung zukommen: Hände weg von diesem Mann. “Als er aber auf dem Richterstuhl saß, sandte seine Frau zu ihm und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; denn ich habe heute im Traum seinetwegen viel gelitten!” (V. 19)

Ein neuer Anlauf des Statthalters – er stellt nochmals dies gleiche Frage. Er erscheint machtlos gegenüber der Dynamik in der Menge. Der Statthalter aber antwortete und sprach zu ihnen: Welchen von diesen beiden wollt ihr, daß ich euch freilasse? Sie sprachen: Den BarabbasPilatus spricht zu ihnen: Was soll ich denn mit Jesus tun, den man Christus nennt? Sie sprachen alle zu ihm: Kreuzige ihn! (V. 21+22)

Was sich von Anfang an abgezeichnet hatte, wird Tatsache. Der Entscheidungsträger resigniert und versucht sich seiner Verantwortung zu entziehen.  “Als nun Pilatus sah, daß er nichts ausrichtete, sondern daß vielmehr ein Aufruhr entstand, nahm er Wasser und wusch sich vor der Volksmenge die Hände und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blut dieses Gerechten; seht ihr zu! Und das ganze Volk antwortete und sprach: Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder! Da gab er ihnen den Barabbas frei; Jesus aber ließ er geißeln und übergab ihn zur Kreuzigung.” (V.24-26)

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