Kolumne: Grossfamilie, Sonntagmorgen, zu spät aufgestanden

Ihr lieben Familienväter und -mütter: Kennt ihr eine solche Situation am Sonntagmorgen? Während der Woche hat sich unglaublich viel ereignet. Samstag war auch besetzt durch Besuch. Am Abend war man eher spät als früh ins Bett gekommen. Erschreckt fährt man dann am Sonntag hoch und sieht auf die Uhr. Schon so spät? Auf, beten als Ehepaar, die Kinder wecken, Frühstück machen. Der Morgen schickt sich an hektisch zu werden.

Da setzt sich meine Frau an den Küchentisch. Die Familie versammelt sich hungrig. Ich blicke auf die Uhr und wünschte mir, wir wären schon unterwegs in die Gemeinde. Die nächsten Minuten könnten durchaus turbulent, jede Sekunde eine weitere Gelegenheit für Konflikte werden.

Da nahm meine Frau den Heidelberger Katechismus zur Hand. Fasziniert unterbrach ich meine Überlegungen, meine Befürchtungen waren im Nu verflogen. «Ich habe die ganze Woche die Fragen 57 und 58 studiert und war so gesegnet.» Dann begann sie diese Fragen auf die Situation von mir und meinen Söhnen anzuwenden.

«Nehmt mal an … ihr fühlt euch ganz allein – das Projekt ist in die Hosen gegangen – ihr seid mit dem Rücken zur Wand…» Jeder Einzelne von uns sah sich lebhaft in eine reale Situation versetzt. Das ist bei solchen Dingen oft die Problematik: Wir hören eine Botschaft, doch wir fühlen uns nicht angesprochen. Wir vernehmen den Inhalt, doch beziehen ihn nicht unmittelbar auf uns selbst.

«Was tröstet dich die Auferstehung der Toten?» Hier werde ich höchstpersönlich angesprochen. Trost bedeutet eine unmittelbare Änderung und Heiligung meiner Gefühle. Dadurch verändert sich meine innere Disposition. Ich werde verfügbar, mein Wille wird bewegt.

«Nach diesem Leben werde ich durch die Kraft Christi auferweckt werden.» Ich werde aus meiner Augenblick-Fixierung herausgerissen. Meine Seele und mein Körper – so die alte Fassung – werden auferweckt werden. Dann: Ich werde zu Christus, meinem Herrn, kommen. Leibhaftig. «Er wird mir Anteil an seiner Herrlichkeit geben.»

Ich sah ihr Haar flattern, während sie der Haltestelle der S-Bahn zueilte. Mit blitzenden Augen meinte sie: «Es kann auch Freude machen zu eilen.» Wir stiegen ein. Gesegnet. Durch die Andacht meiner Frau. Herr, schenke in den Familien mehr solche erfrischenden Augenblicke!

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