Zitat der Woche: Luther im Galater-Kommentar zu guten Werken

Martin Luther wird (und wurde schon von seinen Gegnern) fälschlicherweise zugeschrieben, dass er die guten Werke abgelehnt hätte. Hören wir auf einige Stellen aus seinem Kommentar zu Galater (1531):

Wenn ich diese Gerechtigkeit in mir habe, steige ich von dem Himmel gleich wie ein Regen, der das Land befeuchtet, d. h. strebe hinaus in das andere Reich und tue gute Werke, so wie sie mir entgegenkommen. Wenn ich Diener am Wort bin, predigte ich, tröste die Kleinmütigen, verwalte die Sakramente; bin ich Hausvater, regiere ich mein Haus, die Familie, erziehe die Kinder zur Frömmigkeit und Ehrbarkeit; wenn ich Amtsperson bin, führe ich das mir von Gott anbefohlene Amt; bin ich Knecht, dann besorge ich treulich des Herren Sache. (27)

Nachdem wir den Glauben an Christus gelehrt haben, lehren wir auch von den guten Werken. Weil du im Glauben Jesus Christus angenommen hast, durch den du gerecht wirst, so gehe hin und liebe Gott und den Nächsten, rufe ihn an, sage Dank, predigt, lobe, bekenne Gott, tue wohl und diene dem Nächsten, tue deine Pflicht. Das sind wahrhaft gute Werke, die aus diesem Glauben und aus der empfangenen Heiterkeit des Herzens fliessen, da wir umsonst die Vergebung der Sünden durch Christus haben. (92)

Den Nächsten aber so heftig lieben, dass man bereit ist, für sein Heil Geld, Sachen, die Augen, das Leben und alles einzusetzen, schliesslich alle Widerwärtigkeiten geduldig zu ertragen etc., das alles sind sicher Kraftwirkungen des Hl. Geistes. (136)

Man wird leicht einsehen, dass das Gesetz nicht erfüllt ist, wenn es äusserlich und zum Anschauen getan ist, es kann nur im Geist erfüllt werden, d. h. es gilt in Wahrheit und vollkommen das zu vollbringen, was im Gesetz geschrieben ist. (153)

Wir müssen den Hl. Geist empfangen; durch ihn erleuchtet und erneuert, fangen wir an das Gesetz zu erfüllen, Gott und den Nächsten zu lieben. (154)

Der ist der wahre Täter des Gesetzes, der den Hl. Geist durch den Glauben an Christus empfangen hat und anfängt Gott zu lieben und dem Nächsten wohlzutun, so dass das Tun zugleich den Glauben einschliesst. (155)

So fordert in der Theologie das Handeln im voraus den Glauben. … Das gläubige Handeln ist ein anderer Kreis und sozusagen ein neues Reich gegenüber dem moralischen Handeln. (158)

Es muss also zuerst die Gesinnung erleuchtet sein durch den Glauben, bevor das Werk geschehen kann. Wenn aber die rechte Meinung und Erkenntnis Gottes zuteil geworden ist, gleichsam als neue richtige Gesinnung, dann werden diesem Glauben Fleisch und Körper des Werkes zuteil, so dass, was dem Glauben zugeschrieben wird, nachher auch den Werken zugeteilt wird, aber allein wegen des Glaubens. (161)

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