Input: Die Bibel lesen und von ihr gelesen werden

Passendes Buch:

Ich greife einige Aspekte aus dem ausgezeichneten Aufsatz von Daniel M. Doriani "Take, Read" zum holistischen (gesamtheitlichen) Lesen der Bibel heraus. Den gesamten Band "The Enduring Autority of Scripture" (meine Rezension) kann ich sehr empfehlen.

Der dreieinige Gott ist daran interessiert, wie wir die Bibel lesen. Er möchte, dass wir Ihn erkennen und seine Jünger werden. Die Autoren waren sich der (teilweisen) Ablehnung ihrer Leser wohl bewusst. Die Darbietung geschieht nicht über Lehrsätze, sondern durch Geschichte, Poesie, Rätsel, Ironie und Paradoxien.

Jesus kritisierte falsches Lesen. An fünf Stellen kritisierte er die Schriftgelehrten für ihre falsche Lesart. "Habt ihr nicht gelesen?"

Wir lesen die Bibel, um die grossen Linien zu erkennen und auf uns anzuwenden. Wir sollen erkennen, dass Gott, der Herr, König ist, und keiner sonst. Die Bibel prägt unser Bekenntnis und bewahrt uns damit vor falscher Lehre. Sie stellt Sünde bloss und korrigiert sie.

Ihre Lektüre bringt Leben hervor (lectio Divina). Wir halten das Buch in den Händen und meinen, wir seien Herren darüber. Das führt leider dazu, dass wir andere durch sie "meistern" wollen. Doch: Wir lesen die Bibel, denken über sie nach, beten sie und leben den Text.

Unsere Kultur bestimmt unsere Lesart mit – und kritisiert sie. Sie verbietet zum Beispiel eine übernatürliche Lesart dramatischer Ereignisse. Wenn sich Verkündiger der Schrift nicht mehr trauen, lokale Sünden anzusprechen, dann werden sie für diese blind. Sie müssen ihre Botschaft weitergeben, ob sie angenehm erscheint oder nicht.

Es gibt drei Haltungen gegenüber dem Text. Der Kritiker steht über der Bibel, beurteilt ihren Inhalt und sortiert aus. Der Zögernde steht neben dem Text, er hat das letzte Wort. Der Glaubende unterstellt sich dem Wort und gibt dem Herrn, der sie geschrieben hat, das letzte Wort.

Die "hermeneutische Spirale" beginnt uns zu verändern. Wir lesen, gewinnen Einsicht, gehorchen, erfahren, verstehen besser, gehen damit zum Text zurück. Dieses Verweben von lesen und leben bewirkt einen stetigen, langsamen Veränderungsprozess. Keine Aktivität vermindet unser Verständnis und macht uns schuldig.

Mehr vom Autor: "Getting the Message: A Plan for Interpreting and Applying the Bible".

Ähnliche Beiträge