Zitate für das neue Jahr (6): Die drei Wege der Todesverdrängung

Passendes Buch:

Im Essay "Schrecklich amüsant" des postmodernistischen Schriftstellers David Foster Wallace (1962-2008) schildert dieser ehrlich drei verschiedene Wege, um das untergründige Wissen sterben zu müssen zu verdrängen.

Zielgefühl „Verwöhntwerden“ (= Götze)

Das gewünschte Gefühl beruht auf einer Mischung aus Entspannung und Stimulation, stressfreiem Relaxen in Kombination mit einem touristischen Rahmenprogramm, das es in sich hat, kompromisslosem Service und Bevormundung, die unter dem Begriff »verwöhnen« läuft. (110, Kindle-Position)

Ein Urlaub bedeutet Schonung vor den Unannehmlichkeiten des Lebens. (170)

Die untergründige Daseins-Angst

Man möchte sterben, um der Wahrheit nicht ins Auge blicken zu müssen, der Wahrheit nämlich, dass man nichts weiter ist als klein, schwach und egoistisch – und dass man mit absoluter Sicherheit irgendwann sterben wird. (128)

Der erste Weg der Verdrängung: Ertüchtigung

Eine Methode des Siegs über den Tod besteht in eiserner Ertüchtigung; … Diät, Fitnessübungen, Megavitamin-Nahrungsergänzungs-Schnickschnack, kosmetische Chirurgie, Frank-Quest-Zeitmanagement-Seminare usw. (173)

Der zweite Weg der Verdrängung: Vergnügen

Nicht durch Ertüchtigung, sondern durch Erregung. Nicht durch harte Arbeit, sondern durch gnadenloses Vergnügen. … Allerdings wird die Todesfurcht nicht so sehr überwunden als ausgeblendet. … Spätestens nach dem begeisterten Applaus wird jemand aus Ihrem Freundeskreis die Frage stellen: ›Und was machen wir jetzt?‹ (176)

Der dritte Weg der Verdrängung: Geniessen

EINFACH DIE SEELE BAUMELN LASSEN oder ENTSPANNUNG WIRD IHNEN ZUR ZWEITEN NATUR … oder DEN ALLTAGSSTRESS VERGESSEN. Solche Versprechungen weisen auf einen dritten Weg metaphysischer Todesverdrängung. (201)

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