Kolumne: Drei Dinge, die mir eine 96-jährige Frau sagte

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Ich sass bei einem betagten Ehepaar auf dem Sofa. Die über 95-jährige, weise Frau sagte nicht viel. Doch was sie sagte, berührte mein Innerstes. In unserer Gesellschaft tendieren wir dazu, Leute ab fünfzig «abzuschreiben». Wir preisen die ewige Jugend. Darum gehen Opas in Baseballmützen, Bomberjacken, engen Jeans und Turnschuhen durch die Gegend.

Was sagte diese Dame? Ich fasse ihre Statements in meinen Worten zusammen:

Ich habe fast 100 Jahre mit Jesus gelebt und es nie bereut.

Manchmal lassen wir uns von Personen begeistern, die wir gar nicht näher kennen. Sie erscheinen uns auf der Leinwand und hinterlassen mächtig Eindruck. Wir haben sie jedoch noch nie gesehen, wenn sie bitter enttäuscht, von Schmerz erfüllt oder einfach todmüde sind. Wir haben weder mit Partner(n), Kindern noch Enkeln über ihre Schattenseiten gesprochen. Umso wichtiger erscheint mir diese Aussage: Das Leben mit Jesus trägt – bis zur Ziellinie.

Jesus kommt zurück. Diese Erwartung ändert alles, wirklich alles.

Bei diesen Worten ging ein Ruck ging durch mich hindurch. Richtig, befinde ich jetzt gerade in dieser erwartungsfrohen Haltung? Welche Rolle spielt das Wetter noch? Der Wochentag? Die Qualität der nächsten Mahlzeit? Die nächste Urlaubsdestination? Das Neue Testament nennt die Genügsamkeit als Tugend (1. Timotheus 6,6). Das bedeutet ja gerade nicht, mit griesgrämigem Gesicht durch die Welt zu gehen. Oder verbissen. Oder abgestumpft. Sondern hingegeben auf das zu antworten, was Gott vor die Füsse gelegt hat.

Ich freue mich über jeden Besuch.

Betagte Menschen sehen gerne junge Menschen. Frisches Leben. Unbekümmerte Pläne. Sie freuen sich über kommende Generationen. Das Leben verläuft in Jahreszeiten. Der tiefe Winter freut sich auf den Frühling. (Auch auf den eigenen. Wir werden einen neuen Körper bekommen.) Wir sollten uns mehr mit älteren weisen Menschen treffen. Sie werden unseren Blick über die Nebeldecke des Alltags erheben.

Ich wende Hebräer 13,7 mal auf diese Situation an: Betrachte genau, wo Menschen enden. Besser gesagt: Was sie am Ende sagen. Wie sie gewichten. Ahme ihren Glauben nach.

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