Buchhinweis: Eine neue Biografie zu Karl Barth sowie Hinweise, wie er zu lesen ist

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Karl Barth gilt als der grösste Theologe des 20. Jahrhunderts. Vor allem im angelsächsischen und asiatischen Raum wird er ausgiebig und mit Verehrung gelesen. Christiane Tietz, Professorin für Systematische Theologie an Universität Zürich, hat nun die erste Biografie seit Jahrzehnten vorgelegt. Der letzte detaillierte Abriss „Karl Barths Lebenslauf“ hat uns sein ehemaliger Assistent, Eberhard Busch, vor Jahrzehnten geliefert (meine Rezi).

Ron Kubsch hat in der neusten Ausgabe von Glaube und Denken heute 2/2018 eine ausführliche Rezension zur Biografie verfasst. Er holt aus zu Jugend und Studium und den frühen Beeinflussern, aber auch zum Anfang des theologischen Programms zur Zeit der beiden Kommentare zum Römerbrief und dem Dreiecksverhältnis mit Frau und Geliebter. Kubsch kommentiert:

Ich frage mich, ob nicht doch Barths existentialistische Ethik eine Rolle spielte. Es lohnt sich, seine Auslegung von Römer 12 in der Römerbriefauslegung von 1922 zu lesen. Barth überschreibt den Abschnitt mit „Die große Störung“ und spricht sich dort im Grunde gegen eine diesseitsbezogene Ethik aus. „Es ist, wenn es zu Ethik kommen soll, nichts anderes möglich, als Kritik alles Ethos, d. h. aber ein grundsätzliches, womöglich immer in Winkeldrehung von 360° sich vollziehendes Bewegen der Problematik unseres Lebens an jedem einzelnen gegebenen Punkte“ (Der Römerbrief, 1922, S. 413). Das Denken des Lebens muss „verschlungene Wege gehen, in so unerhörte Fernen schweifen“ (Der Römerbrief, 1922, S. 411). „Gnade heißt: Selbstverständlichkeit des schlechten Gewissens mitten in den Verrichtungen der schlechten Welt, aber gerade in dieser Selbstverständlichkeit des schlechten Gewissens die unerhört neue Möglichkeit eines (nie und nirgends ‚guten‘) getrösteten Gewissens“ (Der Römerbrief, 1922, S. 414).

Ein Theologe, gerade auch mit evangelikalem Hintergrund, kommt nicht um Karl Barth herum. Ich empfehle nach dem Studium der Biografie folgendes Vorgehen:

Es ist Kubsch beizupflichten:

Sein Wunsch, Schleiermacher zu überwinden und konsequent von Gott her zu denken, weist in die richtige Richtung. Überwunden hat er die Krise der Theologie freilich nicht. Eher könnte man behaupten, er sei auf halber Wegstrecke steckengeblieben. Die Theologie muss meines Erachtens noch radikaler fragen, was Gott sagt. Sie muss Gott beim Wort nehmen und wird nicht drumherum kommen, hinter den Kantianismus zurückzugehen und manche neuzeitliche Weichenstellung zu korrigieren.