David Powlison (1949-2019): Ein grosser Seelsorger ist von uns gegangen

Passendes Buch:

Erst vor kurzem erfuhr ich, dass David Powlison (Artikelarchiv) im November 2018 eine terminale Diagnose (Bauchspeicheldrüsenkrebs) gestellt bekam. Nun ist er gestern Freitag, 7.6.2019, zu Jesus heimgegangen (Meldung CCEF). An der Graduierungsfeier des Westminster Seminary, an der er nicht mehr persönlich erscheinen konnte, schrieb er in seiner Botschaft:

” Schwachheit” ist eine umfassende Beschreibung unseres menschlichen Zustandes. Wir sind vergänglich. Wir sind sterblich. Wir sind in unserem Leben mit einer Vielzahl von Leiden konfrontiert. Und wir sind sündig, vom Herzen her geneigt zu Stolz, Selbstgerechtigkeit, Menschenfurcht und einer Vielzahl von Wünschen und Ängsten, die uns bedrängen. Die Barmherzigkeit Gottes begegnet uns in diesem umfassenden Zustand der Schwäche.

Ich habe David einmal (2012) getroffen. Die Begegnung bleibt mir unvergesslich. Nicht nur hat er mir die volle Aufmerksamkeit gewidmet und einfühlsame Fragen gestellt. Vielmehr hat er in einer äusserst respektvollen Art und Weise über seine grösste Not gesprochen: Dass sein Sohn seinen Glauben nicht teilt. Er sprach sehr liebevoll und mit anerkennenden Worten über die grosse Herz seines Sohnes, der Davids Mutter bei sich aufgenommen hatte.

Jeremy Pierre, Professor für Seelsorge, schreibt über das Erbe Powlisons:

Die kritischen Bemerkungen, die er gegenüber Menschen machte, mit denen er nicht einverstanden war, waren sanft erschütternd – umso effektiver durch die Wertschätzung, die er für alles Gute zeigte, das er in ihren Erkenntnissen fand. Er war eine wohlwollende Kritik, die weitaus erschütternder war als allgemeine Zurückweisungen oder pauschale Verurteilungen. Du hattest immer den Eindruck von David, dass er etwas Wertvolles von den Menschen gelernt hatte, mit denen er absolut nicht einverstanden war. Jede Perspektive informierte ihn über einen Faktor in Gottes miteinander verbundener Welt.

Wie gewohnt lohnt es sich den Nachruf von Justin Taylor zu lesen. Zu dessen Zeit in Harvard in den 1960ern zitert er Powlison:

Weder Wissenschaft noch Athletik oder Karriere konnten die Last von Identität und Bedeutung tragen. Enge Beziehungen scheiterten. Ein Ausflug in den Drogenkonsum hat mich fast aus dem Gleichgewicht gebracht. Das Bewusstsein für meinen eigenen Egozentrismus dämmerte langsam. Wir sind immer die letzten, die die Person im Spiegel kennen.

Ich empfehle seine drei letzten Bücher, wovon “Neufang – nach sexuellen Verletzungen die Freude wiederfinden” übersetzt worden ist. Sie sind gefüllt mit Weisheit und Erfahrung. Ich habe sie rezensiert. Zudem weise ich auf den Artikel über das therapeutische Evangelium oder seinen 6-Punkte-Plan bei Angst hin. Vom Artikel “Ersatzgötter des Herzens” über Götzendienst sagt Timothy Keller, dass er enorm profitiert hätte (ich auch).