Zitat der Woche: Das Herz des Liebenden achtet den Geliebten hoch

Passendes Buch:

Aus meiner Sommerlektüre. Freudlose, asketische Reformatoren? Cliché.

Wir lieben aber nur das Anmutige und das, was uns erstrebenswert erscheint. Und das lieben wir nicht so sehr wegen seines Nutzens für uns, sondern wegen unseres Verlangens, und mit dem, was wir lieben, ganz zu verbinden, uns ihm sozusagen für immer zu widmen und zu weihen. Und so wollen wir mit Gott ewig verbunden sein und werden auch durch die Liebe mit ihm verbunden… So haben wir Gott als dem alleinigen, höchsten und ewigen Gut an, an dem wir uns auf nicht geringe Weise erfreuen. In ihm werden wir ruhig, weil wir wissen, dass es ausser ihm kein Gut gibt, sondern in ihm jedes Gut ist. Daher lieben wir kein anderes Gut als Gott, und seinetwegen, den wir lieben, verachten und verschmähen wir unbekümmert alles, was in der Wellt gut heissen mag. …

Für jemanden, der Gott liebt, ist es schön und angenehm, das zu tun, von dem er weiss, dass es Gott gefällig ist. Das Herz des Liebenden achtet den Geliebten hoch. Er wendet seine Augen nicht von dem Geliebten ab. Immer und in allen Dingen sehnt er sich nach dem Geliebten. Es macht ihm Freude, häufig mit Gott zu reden und die Worte Gottes anzuhören, der durch die Schrift spricht. …

(Mt 22,37) Dadurch erkennen wir von uns die allerstärkste Liebe zu Gott gefordert wird, die den ganzen Menschen, mit allem, was er ist und was er hat, für sich beansprucht. Mit dem Verstand begreift der Mensch; das Herz ist der Sitz der Begierden und Neigungen; die Kräfte des Menschen sind alle menschlichen Fähigkeiten wie Worte, Taten, Überlegungen, Reichtümer und alles, was er besitzt; die Seele schliesslich ist das Leben. All dies aber sollen wir für die Liebe zu Gott aufwenden, indem wir dazu angewiesen werden, Gott aus tiefster Seele, mit all unseren Kräften, mit all unserem Verstand und von ganzem Herzen zu lieben.

Heinrich Bullinger. Schriften III. Dekaden, Predigt 10: Die Liebe zu Gott und die Nächstenliebe. S. 208-209.