Diskussion: Gott hat sich mir nicht gezeigt – jetzt will ich Spass

Passendes Buch:

Liebe fromm sozialisierte Gesprächspartnerin von gestern (mehr in «Sein wie die anderen – über die Langzeitschädigung fromm Sozialisierter»). Ich bin wie angekündigt fadengerade. Ohne Umschweife. Ich traf dich auf dem Weg an die 28. Street Parade an.

Vorab empfehle ich dir: Meinen Vortrag «Was ist das Evangelium?» (75 Minuten; um die Wurst geht es ab Minute 42) und das Buch von Rebecca McLaughlin mit zwölf harten Fragen gegen das Christentum (meine Rezi). Es scheint mir, als ob du ohne genügendes Rüstzeug auf das säkulare Spielfeld geschickt worden bist.

Jetzt geht es mir um einige Aussagen, mit denen du die christliche Botschaft beschrieben hast. Wenn ich diese Aussagen mit der Bibel abgleiche, dann muss ich dir mitteilen. Sie waren

Anscheinend christlich = Zerrbilder

Gott ist Liebe und wird alle retten. Mein Vater würde mir auch nichts Böses antun. Reine Selbstberuhigung. Gottes Liebe ohne seine Heiligkeit zu erwähnen, ist eine Karikatur Gottes nach unserem Bild. Sie hat nichts mit der biblischen Botschaft zu tun. Empfehlung: «Wer sagt mir, was ich wollen soll?»
Ich möchte Gott sehen oder fühlen. Gott hat längst zu dir gesprochen – durch sein Wort. Du bist unbedingt angesprochen. Das Problem ist allerdings, dass du bisher nicht hören wolltest. Empfehlung: «Gefühle kommen und gehen, Gottes Wort bleibt»
Vielleicht beginne ich wieder zu fragen, wenn ich alt bin. Die Realität zeigt, dass die allermeisten Menschen vor dem Tod nicht mehr wollen können. Empfehlung: Schieb dies keinen Moment hinaus.
Sie hat ein gutes Herz. Woher weisst du, was «gut» ist? Irgendwoher musst du diesen Massstab haben. Dieser zeigt sich besonders dann, wenn wir uns über andere empören. Wir urteilen laufend über andere Menschen. Empfehlung: Höre meine Predigt «Nicht zu entschuldigen».
Ich habe ja meine Familie. Du profitierst von einem stabilen christlichen Umfeld und von einer nachwirkenden christlichen Tradition. Hinweis: Du kannst dich nicht aus eigener Kraft für den christlichen Glauben entscheiden, nur dagegen.
Ich lebe heute. Absolut wahr. Ich lebe auch von Moment zu Moment. Allerdings leben wir beide vor Gott, der wirklich da ist. Empfehlung: Höre die Geschichte vom Atlantikflug.
Ich habe keinen Bock, sonntags um 9 Uhr aufzustehen. Dafür fährst du dieses Wochenende Stunden, investierst Geld für eine Übernachtung und nimmst schlechtes Wetter in Kauf. Ganz einfach: Der Selbstdienst hat den Gottesdienst ersetzt. Du bist nun dein Gott.
Das ist meine Freiheit. Die Autonomie (Eigengesetzlichkeit) ist tatsächlich ein Freipass. Manche Menschen leben «glücklich und zufrieden» bis ans Lebensende. Nur sagt Gott: Gerade der Freipass ist die Strafe. Die Menschen, die Er ihrem eigenen Vergnügen überlässt, stehen bereits um dem Strafgericht. Empfehlung: Höre das Ende dieses Vortrags.

Denken und leben ohne Gott: Dominantes Glaubenssystem

Nun bin ich Aussenstehende (bezogen auf den Glauben). Irrtum, es gibt keine aussenstehende (neutrale) Position. Du hast einfach das Glaubenssystem gewechselt. Empfehlung: Schau dir diesen TED-Talk aus New York an.
Mein höchstes Ziel ist es glücklich zu sein. Glück ist Spass. Tatsächlich ist die Frage des Glücks eine zentrale. Dies fragten sich Menschen schon über Jahrhunderte: Was ist mein höchstes Gut? Empfehlung: Lies den Artikel über die «Ich-Falle».
Was ein Mensch glaubt, ist das Resultat sozialer Konditionierung. Manche Verhaltensweisen werden anerzogen. Der Mensch ist jedoch kein unbeschriebenes Blatt, sondern bereits auf bestimmte Art und Weise geschaffen. Sein Innerstes beinhaltet einen Kompass, der – wenn nicht auf Gott ausgerichtet – sich an einem Ersatz orientiert.
Ich fühle mich gut. Dies ist das Hauptkriterium des Glaubenssystems : Ob es sich gut anfühlt. Das hält üblicherweise so lange an, bis jemand durch leidvolle Zeiten geht. Dann wirst du alles unternehmen, dies zu verdrängen oder zu betäuben, um das Gefühl wenigstens kurze Zeit zurück zu bekommen.
(Weshalb hat ein Mann einen Jungen vor den Zug gestossen?) Er war krank oder traumatisiert. Das Schicksal trifft die einen, die anderen werden verschont. Würdest du dies auch der Mutter des Ermordeten ins Gesicht sagen? (Für das säkulare Glaubenssystem ist sämtliches Leid letztlich sinnlos.) Empfehlung: Höre dir diesen Vortrag über das Leid an.
Ich habe keine Angst vor dem Tod, sondern davor, in diesem Leben etwas zu verpassen. Für wen dieses Leben alles ist, der will nichts verpassen. Allerdings ist auch die Annahme, dass nachher Schluss ist, eine Glaubensaussage.
Man macht es so. Worauf sich auch immer diese Aussage bezieht: Sie ist Ausdruck für das zur Zeit dominante Glaubenssystem.