Zitat der Woche: Glaube ist kein Psycho-Luxus für gute Tage

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In der kommenden Ausgabe der Bekennenden Kirche beschäftigt sich Jürgen-Burkhard Klautke wegweisend mit der Frage, die wohl nicht nur den ehemaligen Hillsong-Musiker Sampson umtreibt. Ich zitiere einige Auszüge:

Benötigt man zum Lösen seiner Schwierigkeiten wirklich den Glauben an den dreieinen Gott? Auch Ungläubigen können ihre Probleme lösen. Manchmal lösen sich die Probleme anscheinend auch von selbst. Oder wir arbeiten selbst intensiv daran. Ist aus dieser Warte nicht vieles wahr an der Bemerkung: Glaube ist etwas Erhebendes für gute Tage, brauchbar für die Höhepunkte unseres Lebens und insofern eine Art Luxus, aber in den eigenen Lebenstiefen und angesichts der Probleme um uns herum bringt der Glaube nichts!?

Wenn uns solche oder ähnliche Gedanken bedrängen, ist es gut, sich zunächst einmal darüber im Klaren zu werden, dass Gott uns den Glauben keineswegs zur Lösung unserer Lebensprobleme geschenkt hat. Der christliche Glaube zielt noch nicht einmal darauf, dass er uns durch unseren Glauben für religiös einfühlsame Worte empfänglicher macht als es glaubenslose Leute sind. So etwas steht nirgendwo in der Bibel. Außerdem: Heilsamer Trost und wahrhaftige innere Stärkung kann gerade darin bestehen, dass man uns einmal deutlich widerspricht, um uns aus Gedankensackgassen herauszuholen, in die wie uns verrannt haben.

… Unser Glaube ist uns nicht dazu gegeben, damit wir aus unseren Missgeschicken und Lebensdebakeln (besser) herauskommen. Wenn wir unsere Probleme in einer solchen Weise mit dem christlichen Glauben verknoten, wäre dies sogar ein Missbrauch unseres Glaubens. Natürlich ruft diese Aussage die Frage auf: Wofür habe ich dann den Glauben bekommen? Worin liegt denn dann der Unterschied zwischen einem Gläubigen und einem Ungläubigen?

… Ohne Frage geht es bei unserem Glauben an Gott um unsere Ermutigung und um Stärkung und Hilfe angesichts der Desaster unseres Lebens. Als ich gerade formuliert habe, dass der Glaube uns nicht dazu gegeben sei, damit wir unsere Lebensschwierigkeiten lösen, wollte ich Ihnen keineswegs den christlichen Glauben unter Ihren Füßen wegziehen. Das Gegenteil war und ist der Fall. Es geht mir darum, was zu der Auffassung des jungen Mannes zu sagen ist, der die Ansicht vertrat, Glaube sei nichts für schwere Zeiten, sondern eine Art Psycho-Luxus für gute Tage.

… Ich habe den Herrn um ein einziges gebeten, nach diesem will ich trachten (Ps. 27,4). Das, was David hier betet, so hat es jedenfalls den Anschein, hat nichts mit seiner verzweifelten Notlage zu tun. Angesichts der Heeresflut von Widersachern hätten wir vermutlich gebetet: „Herr, hilf mir aus meiner schrecklichen Situation heraus!“ Oder: „Herr, lass die Übeltäter, die mein Fleisch fressen wollen, mich nicht erreichen!“ Oder: „Herr, verwirre diese Armee, dass sie wenigstens nicht geschlossen gegen mich antritt!“ Gegenwärtig würden wir vielleicht in derselben Haltung beten: „Herr, schenke mir Gesundheit!“; „gib, dass mein Arbeitsplatz nicht verloren geht!“; „sorge dafür, dass meine Kinder oder meine Enkel nicht falsche Wege gehen“; „bitte, Herr, antworte bald.“

… Wir verzahnen unsere Alltagssorgen nicht so eng mit unserem Glauben, dass wir von deren Lösung unsere Verbindung mit Gott abhängig machen. Vielmehr bewahren wir den Glauben als Geheimnis. Denn wir wissen: Gott steht immer zwischen unseren Problemen und unseren Gebeten. Aber Gott steht nicht dazwischen als ein kalter, unbeteiligter Beobachter, sondern als unser Vater.

… Psalm 27,4 ruft inmitten unserer zahllosen Anliegen dazu auf, alle Perlen zugunsten der einen einzigen Perle fahren zu lassen und die eine Bitte vor Gott zu bringen: Himmlischer Vater, ich will unter allen Umständen in deiner Gegenwart bleiben und deine Gnade in Jesus Christus immer mehr erkennen. Wenn wir dann Stimmen hören, sei es von außen oder in uns selbst, die versuchen uns einzuflüstern, dass der Glaube nichts anderes sei als ein emotional erhebender Überbau, geeignet für hochgestimmte Worship-Sessions, aber in der rauen Alltagswirklichkeit untauglich, dann erwidere diesen Einflüsterungen: Ich will gerade wegen meines Glaubens von meinen Sorgen, Nöten und Feinden wegschauen, und ich will im Vertrauen auf die Allmacht Gottes darauf harren, dass er handelt.