Basis des geistlichen Lebens (3): Der Wandschirm der eigenen Gebote

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Wir Menschen neigen dazu, uns selbst «Listen» aufzustellen, die wir äusserlich einhalten können, um uns selbst ein gutes Gefühl zu geben. Francis Schaeffer räumt mit dieser Gesetzlichkeit gründlich auf. Er bezeichnet diese Listen als «Wandschirm», die uns vor der Realität abschirmen.

Wenn wir uns mit der Beziehung äußerlicher Dinge zum wahren geistlichen Leben beschäftigen, dann dürfen wir ja nicht nur irgendeinen kleinen Katalog sehen, sondern dann stehen die ganzen Zehn Gebote und alle übrigen Gebote Gottes vor uns. Mit anderen Worten: Wenn ich die Liste als Wandschirm betrachte und zu der Überzeugung gelange, diese Liste sei trivial, tot und billig, daraufhin den Wandschirm wegräume, dann habe ich nicht auf einmal mehr Freiheiten, sondern dann sehe ich mich auf einmal den Zehn Geboten mit all ihren Folgerungen gegenüber. Und vor mir steht außerdem noch das Liebesgebot, also die Tatsache, daß ich Gott und meine Mitmenschen lieben soll.

Die biblischen Massstäbe sind weitaus umfassender und zielen vor allem auf das menschliche Herz.

Selbst wenn es »nur« um Gebote geht, die unser äußerliches Verhalten betreffen, gelangen wir also nicht zu einem ungebundeneren Leben, sondern wir erhalten Kriterien und Wertmaßstäbe, die weitaus tiefgründiger sind und unser Herz besser erforschen als alle menschlichen Tabus. Ja, wenn wir vor Gott aufrichtig um echte Normen gerungen haben, werden wir oft feststellen, daß wir zumindest einige der Tabus jener Listen auch weiterhin respektieren werden. Allerdings achten wir sie aus völlig anderen Motiven, weil wir nach dem tieferen Sinn gefragt haben. Seltsamerweise kehren wir häufig nach der Zügellosigkeit und der Beschäftigung mit dem, was die Bibel eigentlich meint, zu bestimmten Tabus zurück, die wir nun aber halten wollen.

Was nach aussen auf den ersten Blick gleich aussieht, erfolgt durch den Glauben aus neuen Beweggründen!