Basis des geistlichen Lebens (5): Falsches Begehren

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Die Sünde der Begehrlichkeit (falsches Begehren, 10. Gebot) zu entlarven, fördert das geistliche Leben ungemein. Francis Schaeffer:

Ist jeder Wunsch schon Begehrlichkeit und daher sündig? Die Bibel macht unmißver­ständlich klar, daß es nicht so ist. Wann wird der berechtigte Wunsch zur Begehrlichkeit? Ich meine, darauf gibt es eine ein­ fache Antwort: Der Wunsch wird zur Sünde, wenn er die Liebe zu Gott und zum Menschen ausklammert.

Falsche Begehrlichkeit richtet sich zuerst gegen Gott. Wenn wir nicht mit dem zufrieden sind, was Er uns gibt.

Zunächst in unserem Verhältnis zu Gott: Ich soll Gott genug lieben, um mich zufriedenzugeben, denn sonst reizen mich selbst meine natürlichen und berechtigten Wünsche zur Auflehnung gegen Gott. Gott hat uns mit bestimmten Wün­schen, Hoffnungen und Sehnsüchten geschaffen, aber wenn ich mich nicht auch einmal mit dem bescheiden kann, was ich habe, stehe ich im Aufstand gegen Gott, und gerade diese Rebellion ist ja zentral mit »Sünde« gemeint. Wenn mir die rechte Zufriedenheit fehlt, habe ich entweder vergessen, daß Gott Gott ist, oder ich unterwerfe mich nicht mehr seinem Willen. Wie sehr wir Gott lieben, können wir daran ablesen, ob wir innerlich ruhig sein und Gott in jedem Augenblick danken können,

Undankbarkeit ist die Quelle der Rebellion, sagt Paulus in Römer 1.

Die Auflehnung des Menschen gegen Gott begann — und be­ginnt — mit der Undankbarkeit. Die Menschen hatten keine dankbaren Herzen — sahen sich nicht als Geschöpfe dem Schöpfer gegenüber, vor dem sich nicht nur die Knie, sondern auch die widerspenstigen Herzen beugen müssen. Die Auf­lehnung ist die bewußte Weigerung, als Geschöpfe vor dem Schöpfer zu stehen, dem wir Dank schulden. 

Geistlicher Kampf gehört zu unserem Leben!

Als Christen sagen wir, daß wir in einem übernatürlichen Universum leben, in dem seit dem Fall des Menschen ein Kampf stattfindet, ein Kampf in der sichtbaren wie in der unsichtbaren Welt. Wenn wir das aber wirklich glauben, dann können wir erstens innerlich zu­frieden sein und dennoch das Schlechte bekämpfen; und zwei­tens hat Gott gewiß das Recht, uns als Christen an den Ab­schnitt der Kampffront zu schicken, den er für uns bestimmt hat.

Dann wendet sich Schaeffer der zweiten Dimension der Begehrlichkeit zu: Gegenüber unseren Mitmenschen.

Der zweite Prüfstein, an dem wir erkennen können, wann berechtigte Wünsche zur Begehrlichkeit werden, besteht darin, daß wir die Menschen so sehr lieben, daß wir sie nicht beneiden — und hier ist nicht nur der Geldneid gemeint, sondern der Neid überhaupt. Ich kann einem anderen z. B. seine geistlichen Gaben mißgönnen. Das läßt sich leicht feststellen: Natürliche Wünsche sind zur Begehrlichkeit einem Mitgeschöpf gegenüber geworden, wenn ich mich heimlich freue, daß ihn ein Mißgeschick trifft. Freue ich mich innerlich darüber, wenn der andere etwas hat und es verliert? Verspüre ich heimliche Befriedigung über sei­nen Verlust?