Zitat der Woche: Bildung zu Hause – Tradition des Pfarrhauses

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Jahrhundertelang wurden Pastorensöhne von ihren Vätern unterrichtet, ob nun über den Schulunterricht hinaus oder zur Vorbereitung auf die Universität. Alte Sprachen, die Literatur der Antike, Religionsunterricht — wer, wenn nicht die humanistisch-christlich erzogenen und gebildeten Väter hätte die Söhne so umfassend und gleichzeitig fast en passant mit dem geistigen Fundus des Abendlandes, dessen steinerner Vorposten das Pfarrhaus zu sein beanspruchte, vertraut machen sollen? Mehr oder weniger zwangsläufig geschah dies im Umgang mit dem geschriebenen Wort, und das war in erster Linie das Bibelwort, aber keineswegs nur dieses. Der frühe Umgang mit Büchern war geradezu konstitutiv für das Pfarrhaus, die Pfarrerskinder wuchsen mit ihnen auf und verfügten damit – anders als die meisten ihrer Altersgenossen – über einen unerschöpflichen Schatz, eine enzyklopädische Menge an sprachlichen Formen, Bildern, Darstellungen, Redewendungen und anderem mehr.

Das evangelische Pfarrhaus, S. 39