Zitat der Woche: Der Irrtum, alle Dinge nach Sicherheit zu kalkulieren

Passendes Buch:

Nicht als Faupax im frühen Leben, sondern als Spätherbststurm: Friedrich Hänssler erlebte in fortgeschrittenem Alter die Insolvenz seines Lebenswerks. Das Kapitel “Prüfung: Die Insolvenz und wie danach weiterging” (254-261) ist eindrücklich:

Das ist überhaupt der grösste Irrtum: alle Dinge, Eventualitäten und Wege aufgrund des Bedürfnisses nach Sicherheit kalkulieren, vorausplanen und berechnen zu wollen. …
Für die meisten Menschen aber – in frommen wie in nicht frommen Kreisen – ist das Thema Scheitern ein Tabuthema, und genau das sollte es nicht sein. …
Die Identität des Christenmenschen kommt in erster Linie aus der Beziehung, aus der Verbundenheit mit Gott, der in mir und durch mich wirkt. Wenn ich nach menschlichen Massstäben scheitere, werde ich nicht zerstört.
… Der gottgefällige Mensch weiss, dass er kein Anrecht, keinen Anspruch hat auf irgendetwas im Leben. Alles ist Geschenk. Doch zwischen dem theoretischen Wissen und dem praktischen Handeln und Erleben liegen oft weite Wege.
… Je nach Standpunkt hörte ich Sätze wie: ‘Das hat man kommen sehen.’ ‘Der wollte auch immer hoch hinaus.’ ‘Warum hat er auch so billige Verkaufspreise gemacht.’ ‘Er wollte die Buchhändler kaputt machen.’ ‘ Er hätte nicht so viel verschenken sollen!’ usw. Am bezeichnendsten war für mich der Satz: ‘Das wäre mir nie passiert!’
… Bei allem Durcheinander der Gedanken fiel mir auf, dass … der Verlust des Verlags, des kompletten Familienvermögens, mich nicht so sehr umgeworfen und gepackt hatten wie Vorkommnisse anderer Art. Das lag wohl darin begründet, dass ich in den guten Zeiten schon seit Jahren immer wieder im Gebet zu Jesus sagte: ‘Herr, dieser Verlag gehört nicht mir. Er gehört allein Dir. Bitte benütze ihn als Werkzeug in Deiner Hand.’
…. Der Kampf mit den Selbstbeschuldigungen, mit dem Gedanken, Verlierer zu sein, war seinerzeit eine schwer zu tragende Last. Hinzu kam die Beschäftigung mit der veränderten Beurteilung meiner Person, meines Ansehens, das ich spürbar ruiniert hatte, und in so mancher dunklen Stunde brach gewiss auch ein Stück Selbstmitleid durch.
… Durch die seitens der Interimsgeschäftsleitung eingeleitete Insolvenz sind Autoren, Lieferanten, Gläubiger zu Schaden gekommen – das tut mir und der ganzen Familie ausgesprochen leid, bis zum heutigen Tag.

Zu meiner Kurzrezension geht es hier.