Corona in Perspektive (2): Die Medien übernehmen die Katechese unserer inneren Landschaft

Passendes Buch:

In diesen Tagen verspüre ich vermehrt die Last (so ähnlich wie die alttestamentlichen Propheten), als Hausvater und Vorsteher meiner Familie nicht nur über die Schutzmassnahmen unserer Regierung zu sprechen, sondern ebenso im weltanschaulichen Kampf zu «unterweisen». Nehme ich diese Gelegenheit nicht wahr, werden wir automatisch von unserer Umgebung, insbesondere durch die Medien, «katechetisiert». Katechese ist im erweiterten Sinn die Anwendung biblischer Prinzipien auf die aktuelle Situation.

Auf einem kleinen Whiteboard entstand im Nachgang zum Frühstück eine Skizze. Ich füge einige Erläuterungen an, die ich u. a. aus Nancy Pearceys Buch “Total Truth” schöpfte.

  1. Im Lauf der Kirchengeschichte sind Natur (Schöpfung) und Gnade (Erlösung) über weite Strecken voneinander getrennt gedacht und gelebt worden.
  2. In früheren Jahrhunderten dominierte der Bereich der Gnade in Form der Kirche über das öffentliche Leben und die staatliche Macht. In der heutigen Zeit hat sich dieses Verhältnis gekehrt.
  3. Durch die Säkularisierung, das heisst die Loslösung des Denkens und Handelns vom persönlich-unendlichen Gott, wurden die beiden Bereiche neu definiert. Aus der Gnade wurde Freiheit, regiert vom autonomen Ich. Der untere Bereiche der Natur wird durch die Wissenschaft dominiert. Experten geben dort den Ton an.
  4. Es existiert ein Split, ein tiefer Graben zwischen öffentlichem und privatem Bereich. Die Welt der Freizeit, regiert vom Konsumenten, erstreckt sich auf den Feierabend und das Wochenende. Jeder konstruiert und maximiert sich seinen privaten Spass. Die Arbeit fällt unter den öffentlichen Bereich.
  5. In der aktuellen Corona-Krise werden beide Bereiche vermischt. Schule findet nun von zu Hause aus über Distance Learning statt. Damit geraten die beiden getrennten Bereiche in einen direkten Konflikt. Im Wortlaut eines Schülers: «Zu Hause mache ich – nichts.»
  6. Es gibt nur ein Leben und nur eine Wahrheit, die vom persönlich-unendlichen Gott ursächlich definiert worden ist. Christen werden durch das erlösende Werk des dreieinen Gottes zumindest teilweise wiederhergestellt.
  7. Jede Kirche und jeder Gemeindeverband verfügen über ein gelebtes Verständnis vom Verhältnis der beiden Bereiche Gnade und Natur. Die einen koppeln den «oberen Bereich» der Gnade vom restlichen Leben ab und betonen die Jenseitigkeit; die anderen heben die «Anschlussfähigkeit» hervor und konzentrieren sich auf «horizontale Aktion». Die Folgen beider Konzepte sind ähnlich: Grosse Teile unseres Lebens werden nicht erneuert (im biblischen Wortlaut «geheiligt»).
  8. Zeiten der Krise sind besonders geeignet, Aspekte des vermeintlich Privaten und Subjektiven in die Experten-gläubige «öffentliche Welt» zu transportieren. Ich befürchte, dass wenige Christen wirklich «sprachfähig» sind. Sie lassen sich von Angst oder Ignoranz/Verachtung steuern und übernehmen damit die säkularen Denkvoraussetzungen.
  9. Daraus entsteht die Frage: In welcher Haltung lebe ich die nächsten Tage und Wochen vor meinem Gott, zu dessen Ehre ich existiere? Wie antworte ich auf An-Fragen und deutlicher sichtbare Lebensangst?
  10. Am Beispiel unserer eigenen Familie: In welcher Haltung lernen wir zu Hause? Wie gehen wir miteinander um? Worüber sprechen wir mit unseren Nachbarn? In welcher Gesinnung begegnen wir in unseren Berufen (Gesundheitswesen, Schule) den Nächsten? Ich bete dafür, dass ein Geschmack der Erlösung sichtbar wird!