Corona in Perspektive (5): Seelsorge an Schwerkranken und Sterbenden

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«Seelsorge mit Schwerkranken und Sterbenden»: So lautet der Titel eines vielfach gedruckten Werkes des Zürcher Reformators Heinrich Bullinger (1504-1575). Mehrere Male in seinem Leben war seine Heimatstadt Zürich und seine eigene Familie von der Pest betroffen. Bullinger verlor Frau, Kinder, Schwiegersöhne und -töchter sowie treue Hausangestellte durch die Seuche. Er war also viel direkter mit dem Tod konfrontiert. Hand aufs Herz: Was haben wir heute als Christen der Gesellschaft zu diesem Thema noch zu sagen?

Schon der Untertitel ist bezeichnend: «Als Seelsorger bei den Schwerkranken und Sterbenden seelsorgerlich handeln. In eigener Krankheit sich richtig verhalten, und sich zum Sterben vorbereiten. Kurzer und einfacher Leitfaden von Heinrich Bullinger.» 1) Pastoren sind als Seelsorger bei Schwerkranken und Sterbenden vor Ort. 2) Sie sind selbst von der Krankheit betroffen und bereiten sich richtig zum Sterben vor. 3) Der Leitfaden soll kurz und einfach zum Gebrauch sein – keine hochgestochenen Gedanken.

Bullinger definiert die Vorbereitung auf das Sterben als prioritäre Aufgabe. «Eigentlich sollten wir das Wichtigste während unseres ganzen Lebens lernen: wie wir christlich und friedlich sterben können. Doch wir sind so nachlässig, wir armselige, verderbten Menschen, daß wir das um einer kleinen Zeitspanne willen bis zuletzt aufsparen.» Wichtiges und scheinbar nicht Dringliches schieben wir gerne auf.

Keine Empfindlichkeiten für Christen – kein frommer Zuckerguss. «Wirkliche Christen sollen also nicht so empfindlich sein, daß sie den Tod nicht nennen hören wollen; oder so töricht, daß sie glauben sicher zu sein, wenn niemand vom Tod redet; oder so nachlässig, daß sie es bis zuletzt aufsparen, sich mit dem Tod zu befassen und sich auf jenes andere Leben vorzubereiten.»

Das erste Kapitel trägt den Titel: «Der Kranke soll sich in Gottes Willen schicken.» Der säkulare Mensch ist sich gewöhnt, den eigenen Willen durchzudrücken. Hier liegt wahrscheinlich das Hauptspannungsfeld. «Wo wir Menschen uns nicht in den gütigen und nicht nur momentan passenden Willen Gottes schicken, ist uns alles, was wir tun und dulden müssen, zu schwer, es zu ertragen; sobald wir aber Gottes Willen anerkennen, ihn richtig verstehen und uns in Treuen darein schicken, so gibt es nichts, was so bitter, rauh, schwer erträglich und schrecklich wäre, daß es uns nicht süß, glatt, leicht und ein Grund zur Hoffnung würde.»

Andreas Mühling schreibt in seiner Einleitung zur Struktur der Schrift (in Schriften, Bd. 3, S. 105-107):

  1. Im Zentrum der Schrift steht eine auf die eigene Sterbesituation hin angelegte Rechtfertigungslehre (Kapitel 8). «Christus ist die Auferstehung und das Leben, in dem auch wir auferstehen und ewig leben werden.»
  2. Krankheit, Sterben und Tod sind eine von Gott gewollte Prüfung, in der sich Gottes Wille zeigt. Der Kranke hat sich dem göttlichen Willen bereitwillig zu beugen. (Kapitel 1)
  3. So kann das Sterben Trost und Erleichterung mit sich bringen. (Kapitel 3)
  4. Entscheidend ist die Erkenntnis, dass man ein erlösungsbedürftiger Sünder ist, der seine Hoffnung auf Christus und nicht auf vergängliche Dinge setzt. (Kapitel 4)
  5. Der fatalistischen Grundstimmung wird der Riegel geschoben. Der Patient hat die Pflicht, ärztliche Beratung zu suchen und Medikamente einzunehmen. (Kapitel 2)
  6. Der berechtigten Sorge um seine Familie hat der Kranke durch rechtzeitige Verfügungen Genüge zu tun; den Rest soll er der Fürsorge Gottes anbefehlen. (Kapitel 5)
  7. Der einzige Trost im Sterben findet sich im Evangelium. (Kapitel 6) Christus gibt uns ein eindrückliches Beispiel durch sein eigenes Sterben. (Kapitel 12) Er leitet uns zum Beten an. (Kapitel 11)
  8. Kein aktiv vorbereitendes Handeln des Menschen, sondern allein der Glaube an Christus kann den Menschen vor den Schrecken des plötzlichen  Todes bewahren (Kapitel 14)
  9. Es gibt Hinweise zur Gestaltung der Begräbnisplätze und zum seelsorgerlichen Gespräch (Kapitel 13 und 15).

Ich würde sagen: Tauchen wir in diese Schrift ein, damit wir weise(r) werden. Online, gratis und franko Herz.