Zitat der Woche: Beiläufige Willkürlichkeit und ruhelose Ungeduld

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Starker Beitrag des bekannten Kirchenhistorikers Mark Noll (* 1946) zu J. I. Packer, ursprünglich auf desiringgod.org erschienen, in die deutsche Sprache übersetzt. Noll beleuchtet u. a. den argumentativen Hintergrund für das partielle Zusammengehen mit Hochanglikanern und Katholiken. Noll zitiert Packer bei seiner Programmübersicht zu den Puritanern:

Wir Evangelikale brauchen Hilfe. Wo die Puritaner nach Ordnung, Disziplin, Tiefe und Gründlichkeit riefen, ist unser Gemüt eher bestimmt von beiläufiger Willkürlichkeit und ruheloser Ungeduld. Wir gieren nach Kunststücken, Neuerungen, Unterhaltung; wir haben den Geschmack gründlichen Studiums, demütiger Selbstuntersuchung, diszipliniertem Nachsinnen, und unspektakulärer harter Arbeit in unseren Berufungen und in unseren Gebeten verloren. …Dann ist es so, dass wir es uns beim Lehren des Lebens als Christ zur Gewohnheit gemacht haben, dieses als einen Weg voller aufregender Gefühle und übernatürlicher Eingriffe darzustellen, anstatt als einen Weg rationaler Gerechtigkeit; und bei der Beschäftigung mit den Erlebnissen als Christ, halten wir uns andauernd bei Freude, Friede, Glück, Zufriedenheit und Seelenruhe auf, und das ohne einen ausgleichenden Bezug auf die Gott gemäße Unzufriedenheit aus Römer 7, den Glaubenskampf aus Psalm 73, oder auf irgendeine der Bürden der Verantwortung und aus Vorsehung geschehenden Züchtigungen, die das Los eines Kindes Gottes sind. Die spontane Ausgelassenheit des sorglosen Extrovertierten wird dann gleichgesetzt mit einem gesunden Leben als Christ, und ausgelassene Extrovertierte werden in unseren Gemeinden darin bestärkt, selbstzufrieden in Fleischlichkeit zu verharren, während heilige Seelen mit weniger heiterem Temperament fast verrückt werden, weil sie nicht auf die vorgeschriebene Weise fröhlich sein können. …Wir brauchen wirklich Hilfe, und die Tradition der Puritaner kann sie uns geben.