Zitat der Woche: Wenn beim Gespräch die Emotionen hochkommen

Passendes Buch:

Mit Genuss habe ich die Lektüre von “Die Kunst, schwierige Gespräche zu meistern: Effektiv argumentieren, hitzige Diskussionen entschärfen und Gesprächspartner überzeugen” begonnen.

Beispielhaft wird anfangs ein (US-amerikanischer) Dialog über ein Thema der Political Correctness, im konkreten Fall der Gleichberechtigung von Afroamerikanern am Arbeitsplatz geschildert. Das Gespräch fand vor 20 Jahren statt.

SDL: Du bestreitest die ganze Zeit, dass sie [Affirmative Action] gerecht ist. Boghossian: Ja, weil es auch so ist. Für wen soll sie denn bitte schön gerecht sein? SDL: Das habe ich doch schon gesagt. Für traditionell unterprivilegierte Gruppen wie Afroamerikaner. Sie fangen nicht bei null an, sondern mit einem dicken Minus. Sie hatten nicht dieselben Chancen wie du und ich. Boghossian: Aber warum muss man deswegen nachhelfen? SDL: Du klingst wie eine kaputte Schallplatte. Weil sie Amerikaner sind und weil sie etwas Besseres verdienen. Du verstehst das nicht, weil du niemals in ihrer Lage warst. Du hattest eine gute Ausbildung und weißt nicht einmal ansatzweise, mit welchen Problemen sie sich täglich herumschlagen müssen. Boghossian: Okay, nehmen wir an, du hast recht. Das glaube ich zwar nicht, aber gehen wir mal davon aus. Welche Beweise kannst du vorlegen, dass Affirmative Action tatsächlich hilft, die Benachteiligung auszugleichen? SDL: Ich habe keine Beweise dafür. Die Maßnahme ist richtig, weil … Boghossian: Du hast also keine Beweise. Du bist völlig von etwas überzeugt, was du nicht beweisen kannst. SDL: Du hörst überhaupt nicht zu. Boghossian: Doch, sehr genau sogar. Ich versuche nur herauszufinden, wieso du felsenfest von etwas überzeugt bist, das du gar nicht beweisen kannst. Glaubst du, dass Afroamerikaner mit Clarence Thomas jemanden haben, der ihre Belange besser vertreten kann? Glaubst du, dass es gut war, ihn zum Richter des Obersten Gerichtshofs zu berufen, oder wären Schwarze mit einem liberalen weißen Mann besser dran? SDL: Du bist ein [Kraftausdruck] Idiot. Echt jetzt. Ich kann gar nicht glauben, dass du auch noch Lehrer bist. Boghossian: Tut mir leid, dass du so denkst. Wenn du deine Überzeugungen besser verteidigen könntest, würdest du dich vielleicht nicht so sehr über jemanden ärgern, der dir ganz einfache Fragen stellt. SDL: Was bringst du deinen Schülern bei? Boghossian: Du bist nicht meine Schülerin. Reg dich doch nicht so auf. SDL: Du bist ein Arschloch. Mit dir rede ich nicht mehr.

So erlebe ich die heutige Diskussionskultur (falls sie ausnahmsweise zustande kommt). Die Autoren:

(U)nsere Gesprächsräume immer weiter auseinander gebrochen, und es fällt uns zunehmend schwerer, uns mit anderen zu unterhalten, die völlig verschiedene Ansichten haben. … (Es sind) Gespräche, die aussichtslos wirken, weil die Fronten sehr verhärtet sind und der Eindruck entsteht, dass die verschiedenen Ideen, Werte, politischen Ansichten oder Weltanschauungen der beteiligten Parteien sich nicht miteinander vereinbaren lassen.