Rezension: Mit Kindern den Zweiten Weltkrieg erarbeiten

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Mit meinen beiden Jüngsten gehe ich durch eine Dokumentation (Bilder und Originaldokumente) zum Zweiten Weltkrieg. Wie mich damals als Neunjährigen dieses Thema in den Bann zog, so ist es auch eine Generation später. Dabei greife ich auf dieselbe Dokumentation von 1963 zurück, die ich damals als Kind in der Ortsbibliothek fand.

Hier sind zehn Überlegungen für dieses Unterfangen:

  1. Vor dem 20. Jahrhundert kam ein Jahrhundert der Abwendung von Eliten und zunehmend der Bevölkerung vom christlichen Erbe (z. B. historisch-kritische Kritik der Evangelien, Evolutionismus als alternative Weltanschauung, Nihilismus).
  2. Die schrecklichen Kriege sind Teil unserer europäischen Geschichte. Die neue Technologie, insbesondere der Luftkrieg, ist nur ein Teil der komplexen Zusammenhänge. Zentral sind Fragen wie: Wer ist der Mensch? Was ist eine Nation?
  3. Alles hat eine Vorgeschichte. Die Demütigung der Deutschen und die Nichtanerkennung der Niederlage im Ersten Weltkrieg gehen den Bewegungen voraus (Rheinland, Österreich, Tschechei, Polen, Frankreich).
  4. Damals wie heute kann sich eine kollektive Hörigkeit bilden. Die Bilder zeigen anschaulich die religiös aufgeladenen Inszenierungen der beiden Ideologien (Nationalsozialismus und Kommunismus).
  5. Die Demonstration von Stärke durch die vorher nie dagewesenen Menschen- und Materialmassen offenbaren eine neue Stufe des Schreckens.
  6. Provokation und Vorwände sind nur Auslöser für einen hintergründigen längst aufgeladenen Konflikt. Was in Familien und Unternehmen geschieht, lässt sich auch in solchen Krisenzeiten deutlich zwischen Staaten beobachten.
  7. Ein wesentlicher Teil der nicht-militärischen Anstrengungen bestand in der Ideologisierung der nächsten Generationen (Bildung und Jugendorganisationen). Das haben die totalitären Herrscher sehr gut verstanden.
  8. Ein Teil der unterbliebenen Reaktion ist der Passivität einzelnen Figuren (z. B. Grossbritanniens) zuzuschreiben. Sie unterliessen Massnahmen nach der Annexion Österreichs und der Tschechei. Das gewährte dem Gegner ungehinderte Expansion. Auch die USA zogen sich vorerst zurück, bevor sie ins Geschehen hineingeworfen wurden.
  9. Eine solche sachliche Auseinandersetzung mit (Schwarz-Weiss-)Bildern sowie Originaldokumenten (Briefe, Reden, Medienberichte) lässt die Kinder nach Zusammenhängen fragen. Zudem ergänzt es sich mit Kinderbüchern, die sie bereits über diese Zeit studiert haben.
  10. Wie haben sich Christen innerhalb der Kerngebiete des Konflikts (Deutsches Reich) verhalten? Wie steht es um Mehrheits- und Minderheitsreaktion?