Zitat der Woche: Der Untergang des Morgenlandes

Passendes Buch:

Bernard Lewis (1916-2018) zeichnet in seinem Werk “Der Untergang des Morgenlandes: Warum die islamische Welt ihre Vormacht verlor” die grossen Linien der Konfrontation zwischen Ost und West nach. Der Hinweis auf den Autor erhielt ich durch die Apologetikvorlesungen von Douglas Groothuis (Islam 1, Islam 2).

Hier ein kurzer Ausschnitt der grossen Linien:

Der Vormarsch

Im 7. Jahrhundert rückten islamische Armeen von Arabien aus nach Syrien, Palästina, Ägypten und Nordafrika vor und eroberten diese bis dahin christlichen Gebiete. Tatsächlich waren die meisten der neuen Muslime westlich des Irans und Arabiens konvertierte Christen. Im 8. Jahrhundert eroberten arabische Muslime, zu denen sich jetzt auch konvertierte Berber gesellt hatten, von ihren Stützpunkten in Nordafrika aus Spanien und Portugal und drangen in Frankreich ein. Im 9. Jahrhundert nahmen sie Sizilien und Teile des italienischen Festlands in Besitz. Im Jahre 846 drangen arabische Schiffe von Sizilien aus zum Tiber vor und besetzten Ostia und Rom. … Der Islam schuf … eine weltweite Kultur, die aus vielen Völkern und Rassen bestand und die international, ja, man könnte sogar sagen, interkontinental war.

… Auch im 17. Jahrhundert regierten in Budapest und Belgrad immer noch türkische Paschas, und Berber-Korsaren aus Nordafrika überfielen die Küsten von England und Irland, 1627 sogar Island.

… Auch wenn die Muslime den ungläubigen Westen verachteten, wussten sie doch nur zu gut seine Fertigkeiten bei der Bewaffnung und Kriegsführung zu schätzen. … Die Sultane kauften Kriegsmaterial und militärische Kenntnisse gegen Bargeld und betrachteten das als eine rein geschäftliche Transaktion.

Der Rückschlag

Der Verlust Spaniens und Portugals, der Aufstieg Russlands und die zunehmende Präsenz der Europäer in Süd- und Südostasien, all das waren Rückschläge, die der Islam durch die Christenheit erlitten hatte.

Der Anspruch

Als die Osmanen mit einer der größten Krisen ihrer Geschichte konfrontiert wurden, stellten sie eine andere Frage: »Was haben wir falsch gemacht?« Die Debatte … dauert bis zum heutigen Tage an. … Mit anderen Worten lautete die Frage jetzt nicht mehr nur: »Was machen wir falsch?«, sondern auch: »Was machen die anderen richtig?« Und die entscheidende Frage war natürlich: »Wie können wir den Rückstand aufholen und unsere rechtmäßige Vormachtstellung wiedererlangen?«

Als wichtigstes Heilmittel wurde eine Rückkehr zu diesen Sitten und Gebräuchen propagiert. Noch heute werden diese Überlegungen von einem Großteil der Menschen im Nahen Osten als richtig empfunden.