Jahresende (7): Erwünscht – Humor!

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Was wünsche ich mir vermehrt? Humor. Wärt ihr darauf gekommen? Ich denke wohl kaum. Zunächst möchte ich kurz aufzählen, was ich nicht darunter verstehe. Ich verbitte mir den Zynismus. Er zeugt von vergangenen Ent-Täuschungen und der latenten Befürchtung, dass um die Ecke die nächste lauert. Auch schlüpfrige Bemerkungen, um sich von der Wirklichkeit abzulenken, sind nicht mein Ansinnen. Spätestens nach einer kurzen Zeit in diesem Modus beginnt sich in mir ein schales inneres Gefühl auszubreiten. In diesem Fall nehme ich diese innere Resonanz ernst. Drittens meine ich auch nicht die gespielte Fröhlichkeit, um sich selbst und der Umgebung zu gefallen und sich Leichtigkeit einzureden.

Ich meine vielmehr: Zuerst eine gesunde Portion Selbstdistanzierung. Ich nehme mich und mein Bemühen aus der Distanz wahr und muss zu Recht darüber schmunzeln, manchmal laut herauslachen. Dann gibt es auch die Paradoxien des Alltags. Aus dem besten Bemühen entstehen – Fehler, Verspätungen, Missverständnisse. Ich nehme sie mir vor und beginne zu lachen. «Es ist auch zu komisch.» Wenn ich durch die Welt gehe, entdecke ich in der Vielfalt an natürlichen (geschaffenen) und vom Menschen kreierten Erscheinungsformen manch Amüsantes. Es geht um Bäume, Tiere, Landschaften. Aber auch um Häuser, Gärten, Bilder. Ich nehme die Besonderheit und Einmaligkeit wahr und freue mich. 

Manchmal, wenn ich ganz müde bin, sehe ich mich plötzlich in eine entspannte Fröhlichkeit versetzt. Meine innere Kontrolle ist heruntergesetzt. Das bedeutet nicht, dass ich mich gehen liesse. Vielmehr nehme ich nicht alles tod-ernst.

Noch eine Form des Humors schwebt mir vor. Sie mag mit der Selbstdistanzierung zusammenhängen. In gewissen Momenten befällt mich eine Form des Katastrophen-Perfektionismus. Ich beginne mir auszumalen, was im schlimmsten Fall passieren könnte. Im Nachhinein stelle ich fest, dass meine Einschätzung weit übertrieben war. Dies entlockt mir Beschämung – und dann ein Schmunzeln.