Hanniel hirnt (290): Nietzsche, Marx und Darwin und die immanente Selbstbegründung

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In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind es die drei prägenden Figuren Nietzsche, Marx und Darwin, welche die Neudeutung des Selbst zementieren. Darum geht es in Folge VI meiner Serie zu Truemans “The Rise and Triumph of the Modern Self” (15 Minuten).

Nietzsches Genealogie der Moral gibt den objektiven/transzendenten Status zugunsten des persönlichen Geschmacks auf. Ethik ist Frage der Ästhetik. Da das Menschsein als biologische Realität angesehen wird, ist kein Rückschluss auf seinen Zweck und seine Bestimmung mehr möglich. Es zählt die Befriedigung im Moment.

Marx’ Deutung der Geschichte ging von den in der Tat radikalen Veränderungen der Industrialisierung aus. Es deutet den Menschen rein immanent als Produkt seiner ökonomischen und sozialen Bedingungen. Religion erfüllte für ihn eine betäubende und manipulativen Funktion ähnlich der Droge.

Darwin entledigte sich eines aussenstehenden Agenten/Schöpfers und damit der Teleologie der Entwicklung des Menschen und der Geschichte.

Welche Erkenntnisse zog ich aus diesem Kapitel?

  • Persönliche Befriedigung im Moment ist das, was im Leben wirklich zählt.
  • Die andauernde Selbst-Erschaffung steht im Vordergrund.
  • Ethik sei Ausdruck der momentanen gesellschaftlichen Verhältnisse und diene der Stabilisierung des Status Quo. Moralische Codes seien per se manipulativ.
  • Die Entwicklung des menschlichen Lebens ist rein biologisch bzw. durch Umweltfaktoren erklärbar. Dies führt zur Überlegenheit der Wissenschaft als Deutern der Wirklichkeit.
  • Der Wert des menschlichen Lebens wird im Vergleich zu den übrigen Lebewesen relativiert. Das Christentum wird so als eine korrupte Ideologie angesehen, die den Menschen bei seiner wahren Selbstentfaltung hindere.