Zitat der Woche: Warum Smartphone? Kill time!

Passendes Buch:

Key Pousttchi (* 1970), Professor für Digitalisierung, schreibt:

In einer vielbeachteten Studie habe ich vor einigen Jahren gemeinsam mit einem Team von Wissenschaftlern untersucht, was die Gründe für die Nutzung von mobilen Diensten und Apps auf Smartphones sind. Wenn Sie die Nutzer direkt fragen, dann erzählen die Ihnen gerne: Zeit sparen, Geld sparen oder bei den Arbeitsaktivitäten unterstützen. Das dürfen Sie getrost vergessen. In erster Linie werden die Dienste, die Apps aus einem anderen Grund genutzt. Diesen Grund kannten unsere Urahnen noch nicht, er ist eine moderne Errungenschaft: Die Menschen von heute haben Zeit. Und was tun sie damit? Sie wollen sie totschlagen. Dem Volk ist langweilig! Tatsächlich steht das Motiv „kill time“ ganz oben, wenn es darum geht, warum wir unser Smartphone so oft zur Hand nehmen – und warum es vielen so schwer fällt, die Kontrolle zu behalten. „Es“ ist stärker als sie. Und über den reinen Zeitvertreib hinaus gibt es noch einen weiteren „modernen“ Grund für die pausenlose Handy-Nutzung: Wir sind in unserer Gesellschaft ganz oben in der Maslow‘schen Bedürfnispyramide angekommen. Wir glauben, dass die unteren Schichten der Bedürfnisbefriedigung, also so etwas wie Nahrung, Fortpflanzung, Schutz und Zugehörigkeit, automatisch gegeben sind. Also konzentrieren wir uns ganz und gar auf die Spitze der Bedürfnispyramide: auf die Selbstverwirklichung. Die geht zudem mit dem Wunsch einher, der eigenen Persönlichkeit nach außen hin Ausdruck zu verleihen. Und das tun wir, in dem wir die „richtigen“ Dienste verwenden – und alle anderen das sehen. Ganz nach dem Motto: Ich stelle mich dar, also bin ich