Kolumne: Die vier Phasen vieler Erziehungssituationen

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Viele Erziehungssituationen lassen sich in vier «Phasen» einteilen:

Schlüsselsituation 1: Abweichung

Die Erziehungsperson erteilt eine Anweisung. Das Kind hört nicht oder nicht genau hin. Dies hat sich als Gewohnheit eingespielt. Vielleicht wiederholt der Vater oder die Mutter die Anweisung (besser nicht, denn mit jeder Wiederholung relativiert er die eigene Anweisung.) Das Kind, die eigene Idee bereits fest eingeplant, zieht sie ohne Zögern durch. 

Schlüsselsituation 2: Konsequenzen spüren lassen

Der Auftrag ist nicht ausgeführt. Zeit geht ins Land. Das Kind hat das nächste Unternehmen bereits im Kopf und fordert von den Eltern die dazu nötige Unterstützung ein. (Typischerweise besteht diese in einer Alltagshandlung, z. B. Essen, Kleidung oder Unterstützung bei den Aufgaben.)

Die Eltern gehen auf den Moment der Anordnung zurück. Das Kind weiss nichts mehr davon bzw. will nichts davon gewusst haben. Innert Sekunden folgen zwei, drei Rechtfertigungen, warum es nicht möglich war den Auftrag umzusetzen. Vater oder Mutter hören zu und gehen zum Punkt zurück; vielleicht wird die Selbstrechtfertigung gleich thematisiert. Der Auftrag besteht nach wie vor. Wahrscheinlich hat sich das Kind schon Nachteile eingehandelt. Die Eltern gleichen nicht aus.

Schlüsselsituation 3: Wieder in die Gemeinschaft holen 

Es geht durch das Tal der Tränen und des Selbstmitleids. Die Eltern bleiben auf dem Punkt. Wenn sie sehen, dass das Kind wieder einhängt und auf den «Pfad des Gehorsams» zurückgekehrt ist, können sie (erst dann!) wieder auf das Kind zugehen. Es geht nicht darum die Folgen abzufedern, sondern um Barmherzigkeit zu üben. Wichtiges Prüfkriterium: Geht es um die eigene Harmonie oder Komfort oder um das Wohl des Kindes – dass es sich nicht verhärtet oder mutlos wird?

Schlüsselsituation 4: Gemeinsam auf die Begebenheit zurückblicken

Im Nachgang, z. B. am Abend, wird die Situation reflektiert. «Was ging dir in diesem Moment durch den Kopf?» «Wie würde es sich auswirken, wenn du erneut deine eigene Idee durchziehst? Was werden später Ehepartner oder Vorgesetzter dazu sagen?» «Wie beurteilt unser Schöpfer diesen Vorgang?» Bekenntnis und Bereinigung stärken die Bindung zwischen Eltern und Kind.