Zitat der Woche: Der Reformator Bullinger zur Aufgabe der Katechese

Sang-Bong Park schreibt in seiner Dissertation “Bullingers Katechetische Werke” (2011):

Es geht nicht nur um die Kinder (bzw. die Jugend), die stets von der Kirche, der Schule und der Familie zu einem ehrenhaften Lebenswandel angeleitet werden sollten, sondern auch um die Erwachsenen, die seit der Kirchenspaltung stets neuer Auseinandersetzung mit Fragen des Glaubens bedurften. Bullinger verstand deswegen unter Katechese vor allem Kinder- und Erwachsenenunterweisung mit dem Ziel, ihren Glauben zu stärken und ihr Glaubenswissen zu sichern. Diese wird in der Predigt an die Gläubigen in der Kirche, im Unterricht der Schüler im Schulwesen und in der Unterweisung der Kinder durch die Eltern im Haushalt verortet. Die drei Institutionen Schule, Kirche und Familie, sollen die Aufgabe der Glaubenserziehung in enger Verbundenheit gemeinsam erfüllen: Unterweisung in der christlichen Lehre, Stärkung der Frömmigkeit und Hinführung zum Leben der Gemeinde. Die Katechese für das Volk wird als ein notwendiges Programm, getragen durch religiöse und soziale Verantwortung betrachtet.

… Die Katechese als Teil der pastoralen Tätigkeit ist ausserdem ein strategisches Instrument Bullingers zur effektiven Vermittlung  der  biblischen Lehre für  das  Glaubensleben. Den einzelnen Volksschichten in ihren unterschiedlichen Situationen soll das Glaubenswissen auf methodisch und inhaltlich adäquate Weise vermittelt werden, damit es zur Reifung im christlichen Leben führt.

Der Autor zitiert dann aus der Predigt 4 von Bullingers Dekaden:

Den Anfängern gibt er [der Lehrer] die Elemente des wahren Glaubens weiter. Der Unterricht umfasst die erste Unterweisung im Glauben und der christlichen Lehre, also die Hauptstücke des Bundes, die Zehn  Gebote,  das Apostolische Glaubensbekenntnis, das Vaterunser und eine  kurze Erklärung  der  Sakramente.  … Deshalb gehört zur Unterweisung der Fortgeschrittenen nicht nur die Auslegung der Heiligen Schrift, sondern auch eine klare und möglichst einleuchtende Darlegung der christlichen Glaubenssätze, vor allem aber eine verständliche Unterweisung über die Busse und Vergebung der Sünden im  Namen Christi  und, soweit angebracht, ein strenger  Tadel oder ein ernsthaftes und kluges Anprangern der Vergehen. … Hierher gehört auch die Widerlegung der Irrtümer, die Unterdrückung der Ketzereien und die  Bewahrung der rechtgläubigen Lehre.

Ich befürchte, dass wir in dieser Hinsicht in grober Weise an den nächsten Generationen fehlen. Die Schule unterweist die Heranwachsenden in der säkularen Katechese; die Kirche bietet vor allem Unterhaltung. Und das Elternhaus ist reduziert zur materiellen Versorgungsstation.