Zitat der Woche: Die Ausbreitung des Christentums

Die Ausbreitung des Christentums ist ganz anders erfolgt als bei den anderen Weltreligionen. Das Zentrum des Islams liegt noch heute in seiner Wiege – dem Nahen Osten. Die Länder, die die ersten demografischen Zentren des Hinduismus, Buddhismus und Konfuzianismus waren, sind auch heute noch deren Zentren. Ganz anders das Christentum: Anfangs wurde es von Judenchristen dominiert und sein Zentrum lag in Jerusalem. Später war es griechisch-hellenistisch dominiert und sein Zentrum verlagerte sich in den nördlichen Mittelmeerraum. Noch später wurde es von den „Barbaren“ des westlichen und nördlichen Europa angenommen, und sein Zentrum fand sich nun in West- und Mitteleuropa und schließlich auch in Nordamerika. Heute lebt die Mehrheit der Christen in Afrika, Lateinamerika und Asien, und schon bald werden die Zentren des Christentums im Süden und Osten der Welt liegen. Im Jahre 1900 waren ganze 9 Prozent der Afrikaner Christen, und auf einen Christen kamen vier Muslime. Heute machen die Christen 44 Prozent der afrikanischen Bevölkerung aus; in den 1960er-Jahren überholte das Christentum den Islam. Zurzeit erleben wir ein explosionsartiges Wachstum der Kirchen in China, wo das Christentum nicht nur unter den Bauern wächst, sondern auch im sozialen und kulturellen Establishment, bis hin zur Kommunistischen Partei. Wenn das gegenwärtige Wachstum sich fortsetzt, werden in ca. 30 Jahren die Christen 30 Prozent der dann 1,5 Milliarden Menschen zählenden chinesischen Bevölkerung ausmachen.

Timothy Keller, Warum Gott? S. 73