Kolumne: Das 15. Schuljahr nach meiner Krise zur Bildung der nächsten Generation

In unserem Wohnkanton Zürich sind wir in dieser Woche ins neue Schuljahr gestartet. In früheren Jahren habe ich mich zu einigen Erkenntnissen und Lernfeldern geäussert (2013 Gedanken zum neuen Schuljahr2013 eigene Versuche2014 Semesterstart2015 Rückblick2015 Meine Söhne im neuen Schuljahr begleiten,  2015 Selbsttäuschung2016 20 Hinweise zum Lernen2016 Rückblick – was sich (nicht) bewährt hat).

Mein Jüngster, der einzige im Privatunterricht verbliebene «Schüler», antwortete auf meine Frage, ob er sich auf das neue Schuljahr freue, mit einem deutlichen «Ja». Er fügte hinzu: «Ich weiss, was ich will.» Ja, der junge Mann hat sich ein anspruchsvolles Ziel gesetzt. Diese Antworten haben sich bei allen Jungs durchgezogen – ebenso der Vergleich mit der beschulten Peer.

Ich schilderte 2012, wie es damals 2006 bei uns angefangen hatte. Meine grundsätzlichen Überlegungen haben sich nicht verändert. Der Einwand mangelnder Sozialisierung ist das wohl fadenscheinigste Argument, das mir über die Jahre begegnet ist. Es ist eine Freude sich mit erwachsenen Homeschoolern zu unterhalten. 2013 schrieb ich über eine Familie in Rumänien, die Homeschooling als bereichernd erlebten. 9 Jahre später stehe ich nach wie vor in Kontakt und kann verraten: Die Ergebnisse haben selbst mich verblüfft. 

Lernen findet überall stattPrivatunterricht ist eine Form des Widerstands gegen zu niedrige Erwartungen. Diese zeigt sich in einer Infantilität vieler Erwachsenen, die sich bis in die 30er, ja sogar 40er-Jahre hineinzieht. Gleichzeitig bin ich mir noch intensiver bewusst, dass utopische Erwartungen die Sünde ausblenden, die auch unsere Familie noch immer prägt. Ich verabscheue nach wie vor die Vorstellung, unsere Kinder ruhig zu stellen.

Warum wollt ihr eure Kinder nicht zur Schule schicken? Diese Frage lässt sich nach 12 Jahren, insbesondere nach den Erfahrungen der Pandemiezeit, besser beantworten. Die Zahl der privat unterrichteten Kinder ist deutlich angestiegen. Und wie funktioniert denn der Übergang vom Privatunterricht zur öffentlichen Schule? Es brauchte jeweils eine Runde Prüfungen, um sich einzugewöhnen. Ich bedaure es persönlich, dass meine Jungs eine so lange Gymnasialzeit über sich ergehen lassen müssen. Der Sog der 98 % hinterliess deutliche Spuren – eben die erlebten Grenzen des gegenkulturellen Lebens.  Mit dem Kontrollverlust ringe ich nach wie vor. Ich sehe es als eine meiner Heiligungszonen.

Und welche Prognose stelle ich heute? Ich staune ob der Naivität vieler christlicher Eltern. Die ideologische Ausgangslage ist nochmals deutlich angespannter als vor zehn Jahren. Für künftige Generationen kann ich nur raten: Setzt dieses Thema ganz oben auf eure Liste der Themen, die ihr für euch bedenkt. Ob Privatunterricht, Kooperativen, Privatschulen oder Wohnortswechsel: Zusätzliches Investment wird nötig sein.